Die besten Webseiten niedersächsischer Schachklubs

Am kommenden Wochenende findet in Berlin die 2. Bundesvereins-konferenz statt.

1. Bundesvereinskonferenz 2017

An der ersten habe ich bekanntlich teilgenommen. Die Herausforderungen an Schachvereine haben sich seitdem nicht geändert. Insofern ist es ein Jahr später hilfreich, uns die Einschätzung des Referenten Dirk Schröter (DS Sportmarketing) vom 29. April 2017 zu vergegenwärtigen. Die Herausforderungen sind:

Soziodemografischer Wandel
• Langtage an Schulen und Kindergärten
• Kommerzielle Konkurrenz
• Individualisierung/Selbstentfaltung
• Digitaler Wandel

11 Tipps gibt Dirk Schröter, diesen Herausforderungen zu begegnen. Tipp Nr. 7 ist die „Zeitgemäße Kommunikation“. Dazu gehört eine lebendige Homepage. Wie sieht es damit in Niedersachsen aus? Welche Schachvereine haben die besten Webseiten? Diese Frage beantworte ich hiermit selbst auf Grundlage einer semiwissenschaftlichen Fleißarbeit. Dafür habe ich mir sämtliche Internetdarstellungen der niedersächsischen Schachvereine, die auf der Webseite des NSV genannt sind, angesehen und ausgewertet.

Eine gelungene Homepage ist wie eine gelungene Darbietung im Zirkus. Die Zuschauer sollen begeistert werden. Konkurrenzkampf ist überall, und so gehört es dazu, dass diejenigen ausgezeichnet werden, die es am besten machen. Beginnen möchte ich mit der Preisverleihung. Dabei orientiere ich mich am berühmten Circus-Festival in Monte Carlo. Statt Clowns verteile ich Springer.

Ein Goldener Springer geht an:

Sportverein Hellern, Schachabteilung (Bezirk 6) https://schach-hellern.de/

Je ein Silberner Springer geht an:

SK Lehrte (Schachbezirk 1) http://sk-lehrte.de/home.php
Hamelner SV (Schachbezirk 3) https://www.hamelnerschachverein.de/

Je ein Bronzener Springer geht an:

SD Isernhagen (Schachbezirk 1) http://www.schachdrachen.de/
SV Winsen (Schachbezirk 4) https://sv-winsen.org/
SK Union Oldenburg (Schachbezirk 5) http://skunion.de/
SKP Bad Zwischenahn (Schachbez. 5) http://www.schwarzer-springer.de/
SK Nordhorn-Blanke (Schachbezirk 6) http://sknb-online.de/joomla1/

Ehrende Erwähnungen gehen an:

KSV Rochade Göttingen (Bezirk 2) http://www.rochade-goettingen.de/
Blau-Weiß Buchholz (Bez. 4) https://www.blau-weiss-buchholz.de/schach
Post SV Uelzen (Schachbezirk 4) http://schach.post-sv-uelzen.de/

Die Preise sind immateriell. Das sage ich ausdrücklich, damit niemand auf die Idee kommt, wie Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008 zu sagen: „Ich nehme diesen Preis nicht an!“ Und da es kein „Echo“ ist, könnt ihr ihn auch nicht zurückgeben. Spaß beiseite. Meine Auszeichnungen sind ehrlich gemeint. Diejenigen, die ich nicht genannt habe, bitte ich um Verständnis. Es gibt über die Preisträger hinaus viele gute Internetauftritte, aber hier und da fehlt das gewisse Etwas. Für meine Bewertung habe ich 10 Kriterien herangezogen:

• Webdesign
• Aktualität der Berichte
• Kontinuität der Berichte
• Themenvielfalt
• Illustrationen (Fotos, Diagramme usw.)
• Blick über den eigenen Tellerrand
• Humor
• Interaktion (Blog, Gästebuch)
• Schreibkunst
• Gesamteindruck

Für jede Eigenschaft habe ich 0 bist 6 Punkte vergeben. Die Maximalausbeute hätte somit 60 Punkte betragen. Die hat kein Verein erzielt, aber der SV Hellern kommt dem am nächsten. Hervorheben möchte ich die fachlich und stilistisch hervorragenden sowie stets aktuellen Berichte der Osnabrücker. Es gibt ein Gästebuch, das ein bisschen genutzt wird. In den meisten anderen Vereinen ist die Interaktion gar nicht möglich. Diesbezüglich herausragend ist der Hamelner SV. Die Homepage lebt von den Kommentaren. Mitglieder und Gäste können sich gleichermaßen zu Wort melden.

Meine ehrenden Erwähnungen gehen an den KSV Rochade Göttingen wegen der speziellen Ausrichtung auf Kinder und Jugendliche. Blau-Weiß Buchholz und Post SV Uelzen ehre ich deshalb, weil sich beide Schachvereine als Sparten in Großvereinen nicht unterkriegen lassen. Deren Webseiten sind üppig und informativ. In der Regel ist es umgekehrt. Die Darstellung der meisten Schachvereine geht in Sportvereinen unter.

164 Schachvereine habe ich insgesamt ausgewertet. Die zuvor genannte Benotung habe ich in eine Excel-Liste eingetragen. – Meine Gesamtbeurteilung ist zwiespältig. Etwa die Hälfte der Internetauftritte ist sehr gut bis ausreichend. Die andere Hälfte der Vereine hat entweder keine Homepage oder dermaßen schlechte, dass sie besser aus dem Netz genommen werden sollten. Dabei gibt’s Kuriositäten. Zwei Vereine aus dem Schachbezirk 1 empfangen den geneigten Besucher mit:

„Frohe Weihnachten“

Dass ich die Schachfreunde Hannover nicht mitbewertet habe, bedarf keiner Erklärung. Wer mein Resümee von der 1. Bundesvereinskonferenz nicht mehr vollständig in Erinnerung hat, kann es sich hier noch einmal anschauen: https://www.schachfreunde-hannover.de/1-bundesvereinskonferenz-ein-resuemee/

Falls ein Offizieller des NSV mitliest, habe ich folgenden Hinweis zur Liste der Vereins-Websites. Die Webseiten der Vereine mit diesen Nummern funzen nicht mehr:

70158, 70235, 70328, 70338, 70347, 70403, 70451, 70507(?), 70516, 70527, 70529, 70560, 70610, 70615, 70618, 70620, 70627 und 70645.

Bei Nr. 70477 (FG Wohlde) ist Vorsicht geboten! Wer den Link anklickt, riskiert einen Virenbefall.

Darüber hinaus sind in der Liste noch Vereine enthalten, die sich mittlerweile vom Spielbetrieb abgemeldet haben. Ein Frühjahrsputz wäre nicht schlecht.

Gelungene Partien in Lingen

Knapp war’s am vergangenen Sonntag beim Aufsteiger in die 2. Bundesliga. Das habe ich bereits berichtet. Wie knapp es war, könnt ihr euch anhand der Partien ausmalen, die ich im Anschluss zeige. Die interessantesten Momente zeige ich in chronologischer Reihenfolge. Wobei ich auf die Bretter Nummer 7 und 8 verzichte. Am 7. Brett spielte Jörg ein Salonremis, und meine total ausgeglichene Schlussstellung kennt ihr schon. Los geht’s mit Dennie Ackermann am 1. Brett gegen Großmeister Milos Perunovic aus Serbien.

Ackermann, Dennie (SFH) – GM Perunovic, Milos (SV Lingen)
Oberliga Nord-West (9) Brett 1
15.04.2018
Schwarz am Zug setzt in 8 Zügen matt

Dennie und die Zigarette danach

Dennie hatte nach guter Eröffnungsbehandlung – immerhin verfügte er über einen Mehrbauern – den Faden verloren. Im 25. Zug hätte er nach 24… Da1+ mittels Db1 (da stand sein Springer noch auf d2) das Eindringen der schwarzen Dame auf der 1. Reihe verhindern können. GM Perunovic hätte danach keine zwingende Fortsetzung gehabt. Jetzt gibt’s indes kein Halten mehr. Das sehenswerte Matt in 8 Zügen lässt sich nicht mehr verhindern.


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Gegen einen Großmeister mit Schwarz ein Remis herauszuholen ist für uns Amateure ein beachtliches Erlebnis. Bernd durfte sich nach starker Leistung zu recht darüber freuen. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass in dieser Stellung mehr für ihn drin war. Die Partie endete durch Zugwiederholung. Die Engines halten die Stellung tatsächlich für ausgeglichen. Aber die verstehen nichts von unseren menschlichen Schwächen.

GM Milanovic, Danilo (SV Lingen) – Fritze, Bernd (SFH)
Oberliga Nord-West (9) Brett 2
15.04.2018
Weiß am Zug


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Kaimer, Thomas (SFH) – GM Gutman, Lev (SV Lingen)
Oberliga Nord-West (9) Brett 3
15.04.2018
Weiß am Zug

Tom grübelt über seinen 43. Zug

Mit der Berichterstattung steige ich im 51. Zug ein. Es war ein Duell auf Augenhöhe. In dieser komplizierten Stellung leistete sich Tom seinen einzigen echten Fehler, der zum Glück ungeahndet blieb. Nach 51. Kf3? hätte Lev Gutman einen Offizier gewinnen können (guckt ihr im Anschluss). Auch ein Großmeister sieht nicht alles. Danach hätte Tom die Partie halten können, wenn er nicht unerwartet zum Läufertausch gezwungen gewesen wäre. Der Mehrbauer im Turmendspiel entschied nach über 6 Stunden die Partie. Trotzdem eine starke Leistung von Tom.


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Den Skalp eines Internationalen Meisters holte sich Andreas Herrmann auf beeindruckende Weise. Den weißen Angriff auf dem Königsflügel neutralisierte Andreas mit Druck auf das Feld c2, hinter dem sich der weiße König versteckt hatte. Guckt euch zunächst die Schlussstellung an. Zwei Türme gegen zwei Damen! Das sieht man nicht alle Tage. Wie es dazu kam, könnt ihr euch im Anschluss angucken.

IM Milenkovic, Mladen (SV Lingen) – Herrmann, Andreas (SFH)
Oberliga Nord-West (9) Brett 4
15.04.2018
Weiß zieht 55. Td7-g7+ und gibt auf


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Unspektakulär ging es am 5. Brett zu. Martin stand stets ein Hauch besser. Für einen vollen Punkt genügte das nicht, und so endete die Partie folgerichtig mit einem Remis durch Zugwiederholung.

Ploog, Dr. Martin (SFH) – FM Kollen, Zyon (SV Lingen)
Oberliga Nord-West (9) Brett 5
15.04.2018
Schwarz am Zug


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Tragisch war der Partieausgang für Uwe am 6. Brett. Unser ewiger Schwarzspieler stand die ganze Partie über gut und hatte in diesem Moment eine gewonnene Stellung:

FM Gazic, Josip (SV Lingen) – Gabriel, Uwe (SFH)
Oberliga Nord-West (9) Brett 6
15.04.2018
Schwarz am Zug nach 41. gxf6+

Nach 41… Kf7! hätte der weiße Turm in der h-Linie für den Rest der Partie dumm aus der Wäsche geguckt. Leider übersah Uwe dessen Befreiungstrick nach 41… Kxf6?. Danach war die schwarze Stellung noch längst nicht verloren. Erst als Uwe seinen letzten Turm im 59. Zug zum Tausch anbot, war die Partie nicht mehr zu halten. Das war jammerschade. – Ihr seht, ein bis anderthalb Brettpunkte waren für uns in Lingen zusätzlich möglich.

Ein Punktgewinn in Lingen war möglich

Der SV Lingen ist die überragende Mannschaft in der Oberliga Nord-West. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord stand bereits vor der letzten Runde fest. Die meisten Gegner wurden haushoch geschlagen. So wäre gestern für uns alles andere als eine hohe Niederlage eine Überraschung gewesen, sofern die Lingener mit ihren Titelträgern antreten würden. Das taten sie bis auf GM Vladimir Epishin, der diesmal fehlte. Wir mussten hingegen im letzten Moment improvisieren. Unser Mannschaftsführer, Thomas Edel, war von mehreren Viren befallen worden. So sprang ich virenfrei ein und musste mich am 8. Brett mit einer jungen Dame auseinandersetzen.

Bevor ich mit meiner Berichterstattung über unsere 3:5 Niederlage fortfahre, zeige ich euch dieses Bild unserer Mannschaft, das kurz vor unserer Abfahrt aufgenommen wurde:

So sehen Verlierer aus, wenn sie trotzdem zufrieden sind. Sogar unser Tom war zu Späßchen aufgelegt, obwohl er gerade nach über 6 Stunden zähen Ringens gegen GM Lev Gutman verloren hatte. Ich bin davon überzeugt, dass er die Partie zumindest remis halten konnte. Aber das ist im Nachhinein leicht gesagt. Das gilt auch für den einen oder anderen halben Punkt, den wir womöglich liegengelassen haben. Nachdem Jörg und ich zeitgleich remisiert hatten, war auf den anderen Brettern noch alles offen:

Bretter 4-1
Bretter 5-6

Derweil analysierte Jörg seine Partie mit seinem Gegner:

FM Aleksandar Milosovic mit Schwarz gegen Jörg

Ich zog es vor, Lingen zu erkunden. Noch nie zuvor in meinem Leben war ich in dieser Stadt, die schließlich auch zu Niedersachsen gehört. Aber es ist halt das Emsland. Auf Mallorca kennen wir Hannoveraner uns besser aus. Dabei kann sich Lingen wirklich sehen lassen. Ein paar Schnappschüsse von meinem Rundgang zeige ich euch in der Bildergalerie. Dabei ist die Nähe zu Holland anhand der Bauweise für Reihenhäuser auszumachen. Irgendwie praktisch, andererseits komisch. Das Auto wird kurzerhand unter dem Schlafzimmer geparkt. Fehlt nur noch eine Stange wie bei der Feuerwehr, an der man schnellstmöglich nach unten rutschen kann.

Auf die Bewertung der Partien werde ich in einem gesonderten Beitrag eingehen, sobald mir die Notationen vorliegen. Dennies Niederlage am 1. Brett und mein Remis am 8. Brett möchte ich vorab kommentieren. Dennie hatte es mit Großmeister Milos Perunovic aus Serbien (Elo 2596) zu tun. Dennie hatte sich wie immer gut vorbereitet, aber nicht gut genug. Sein Gegner kannte sich in der Benoni-Verteidigung besser aus und just in dem Moment, als Dennie von einem Remis träumte, setzte dieser zu einem Mattangriff in 7 Zügen an. Dennies König wurde zu einer Wanderung nach g6 gezwungen. Dort stand er Tête-à-Tête dem schwarzen König auf g8 gegenüber. Das Matt mit Dame h7 wollte sich Dennie nicht mehr zeigen lassen.

Ich hatte mit einer jungen Dame namens Hannah Möller die vermeintlich leichteste Aufgabe. Pustekuchen. Es wurde die ausgeglichenste Partie meines Lebens. Logische Folge: Remis. Guckt ihr hier nach 32 Zügen:

Hannah Möller (SV Lingen) 1/2 – 1/2 Gerhard Streich (SF Hannover)

Das kommt dabei raus, wenn niemand einen schwachen Zug macht. Die ersten 10 Züge waren in der Theorie kein Neuland; der Rest war auf beiden Seiten immer folgerichtig. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich eine andere Eröffnung gewählt. Hätte, hätte, … ihr wisst schon. Aber meine junge Gegnerin (U 18) ist keine blutige Anfängerin. Im Gegenteil. In der Lingener Tagespost gab es im vergangenen Jahr einen Artikel über sie mit der Überschrift:

Lingenerin Hannah Möller spielte schon mit drei Jahren Schach

Als ich drei Jahre alt war, kannte ich nur Drogen, Alkohol und Sex. Kleiner Scherz. Nee, die Hannah spielt richtig gut, u.a. in der 2. Frauenbundesliga beim SC Steinfurt.

Der schönste Moment bei meinem Aufenthalt in Lingen war das Wiedersehen mit einem Schachfreund, der Hannover und damit unseren Verein vor 44 Jahren verlassen hatte und aus beruflichen Gründen nach Lingen gezogen war: Manfred Rockel.

Ich habe ihn sofort wiedererkannt. Er hat nichts von seiner Ausstrahlung verloren. Immer positiv gestimmt, immer geistreich, immer umtriebig. Manfred hatte Geschichte und Englisch an der TU in Hannover und in Bristol studiert, bevor es ihn als Pädagoge ins Emsland verschlug. Dort hat er bis heute ein ambivalentes Verhältnis zu seiner Wahlheimat, wie ich seinem Gedichtband „Emsiges Land“ entnommen habe, das er mir geschenkt hat. Wer mehr über Manfred erfahren möchte, sollte auf seiner Webseite stöbern: http://www.manfredrockel.de/

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Auszug aus dem SCHACHKURIER der Schachfreunde Badenstedt, veröffentlicht im Mai 1970; siehe meinen Kommentar vom 17. April 2018:

Fuchs gegen Wolf in der Verbandsliga

Gelächter! Auch das gibt es unter Schachspielern vor einem ernsten Mannschaftskampf. Auslöser war die Verlesung der Mannschaftsaufstellungen vor unserer letzten Runde in der Verbandsliga Süd: „An Brett 8 Fuchs gegen Wolf“. Genauer gesagt: Dr. Michael Fuchs gegen Dr. Ulrich Wolf. Die Partie endete unentschieden. Dazu später mehr.

In der 9. Runde mussten wir mit unserer 2. Mannschaft bei der SG Weiß-Blau Eilenriede antreten. Die Begegnung war vorverlegt worden. Dass das ein Unding ist, habe ich an anderer Stelle bereits thematisiert. Am nächsten Sonntag läuft das eigentliche Finale auch in der Landes- und in der Oberliga. Dann wird die Abstiegsfrage in dieser und in anderen Klassen endgültig geklärt. Fakt ist, dass die SG BW Eilenriede nach ihrer 3:5 Niederlage gegen uns als Tabellenletzter absteigen muss. Ob sich eine weitere Mannschaft dazugesellt, wird meines Wissens vom Ausgang in der Landesliga Süd abhängen. Wir können jedenfalls mit 8:10 Mannschaftspunkten nicht mehr absteigen. Darauf können wir nach einer durchwachsenen Saison stolz sein.

Der Teamgeist hat gestimmt. Nicht jeder wird mit seinem individuellen Ergebnis zufrieden sein. Zu hadern gibt es immer etwas. Da nehme ich mich nicht aus. Mit 5,5:2,5 Punkten (ohne Niederlage) habe ich mein selbst gestecktes Soll erfüllt; wenngleich es zwei halbe Punkte mehr sein konnten. Unsere Einzel- und Mannschaftergebnisse könnt ihr hier nachlesen:

http://www.nsv-online.de/ligen/nsv-1718/?mannschaft=5088

Mit einem Sieg gegen uns hätten die Weiß-Blauen noch die Chance gehabt, die Rote Laterne in der Verbandliga Süd abzugeben. Aber es sollte nicht sein. Bereits nach kurzer Zeit gab es am zweiten und am dritten Brett Salonremisen, die zum einen der Freundschaft und zum anderen dem fantastischen Wetter geschuldet waren. An den anderen Brettern wurde richtig gekämpft. Zwei davon konnten wir gewinnen, die anderen endeten ebenfalls mit einem Unentschieden. Die vier interessantesten Partien zeige ich euch in Ausschnitten. – Zuvor möchte ich noch etwas Positives loswerden. Am Rande der Veranstaltung habe ich erfahren, dass sich der schwerkranke Fritz-Günther Obert auf dem Weg der Besserung befinden soll. Der allseits beliebte Fritz ist die gute Seele der Weiß-Blauen und die des Schachbezirks Hannover. Hoffentlich wird er bald zur alten Stärke zurückfinden. Als Schachspieler und als Funktionär.

Am 1. Brett spielte unser Martin wie ein Großmeister und das nach wenig Schlaf. Er hatte am Vorabend an einem 50. Geburtstag (nicht seiner) teilgenommen, der zünftig ausgefallen sein soll. Mit einfachen Zügen erreichte Martin ein Endspiel, das für Schwarz kaum zu retten war. Interessant ist dabei die uralte Frage, wer in solchen Endspielen stärker ist, der Läufer oder der Springer? In diesem Fall ist Antwort eindeutig.

Ploog, Dr. Martin (SFH II) – Kleinschroth, Roland (SG WB Eilenriede)
Verbandsliga Süd (9) Brett 1
08.04.2018
Schwarz am Zug

Der naheliegende Zug 32… Kc7 konnte Schwarz nicht retten. Den Rest der Partie könnt ihr hier nachspielen:

Garthof, Günther (SFH II) – Jagst, Hilmar (SG WB Eilenriede)
Verbandsliga Süd (9) Brett 5
08.04.2018
Schwarz am Zug

Nach einer verkorksten Saison hatte Günther diesmal Grund zum Jubeln. Sein Gegner kam ihm durch ein verfehltes Bauernopfer in der h-Linie entgegen. Nach 37 Zügen entstand diese für Schwarz hoffnungslose Stellung. Sein Befreiungsversuch scheiterte unmittelbar:

37… f5+ 38. exf6 e.p. 1-0

 

„Der Wolf und der Fuchs“ ist ein Tiermärchen der Brüder Grimm. Obwohl der Wolf der Stärkere von beiden ist, triumphiert am Ende der schlauere Fuchs. In diesem Fall haben sich beide neutralisiert. Einmal hatte der Fuchs die Gelegenheit zuzubeißen, als der Wolf im 18. Zug patzte und eine Qualität nebst Bauern verlieren konnte. Als der Fuchs den tödlichen Zugriff verpasste, war der Wolf bis zum Ende dominierend. Es ergab sich eine lehrbuchartige Stellung.

Fuchs, Dr. Michael (SG Blau-Weiß Eilenriede) – Wolf, Dr. Ulrich (SFH II)
Verbandsliga Süd (9) Brett 8
08.04.2018
Schwarz am Zug

59… Kf3? Nach 59 Zügen entscheidet ein kleiner Unterschied die Partie. Richtig war Kf4! und Schwarz gewinnt:

Zum Schluss präsentiere ich euch meine Partie:

Lampe, Thomas (SG Blau-Weiß Eilenriede) – Streich, Gerhard (SFH II)
Verbandsliga Süd (9) Brett 4
08.04.2018
Weiß am Zug

33. Lxh5?!

Nachdem die Eröffnung in Bahnen der Theorie verlaufen war, hatte ich mir im Mittelspiel eine vorteilhafte Stellung erarbeitet. Das sah Thomas Lampe auch so und entschloss sich spontan zu diesem inkorrekten Figurenopfer, das sich in psychologischer Hinsicht jedoch auszahlen sollte. Mir war in dem Moment klar, dass Weiß nicht viel für das Opfer bekommt, aber ich wollte einfach nicht zulassen, dass mich mein Gegner vorübergehend unter Druck setzt. Deshalb entschloss ich mich zu der hasenfüßigen Fortsetzung 33… Df4?. Noch schlimmer als diese Fehleinschätzung war indes, dass ich im Anschluss zweimal die Springergabel nach Dxf2+ übersah. Das Ende war humorlos. Guckt ihr hier:

Aufrückzwang

Bei meinem Ausflug auf die Webseite des Saarländischen Schachverbands habe ich das Wort „Aufrückzwang“ entdeckt. Bislang war mir dieses Wort fremd. Deshalb hat es mich neugierig gemacht und schließlich derart fasziniert, dass ich darüber diesen Beitrag schreiben muss. Okay, wir Schachspieler kennen den „Zugzwang“, zu dem uns in Wirklichkeit keiner zwingt, aber ein Aufrücken von Mannschafts-kameraden zu erzwingen, die nicht beißen, sondern nur spielen wollen, ist ein Zeichen dafür, dass unsere Turnierordnungen ihr Hauptgewicht nicht auf die Förderung der Spielfreude legen, sondern darauf ausgelegt sind, jede Abweichung von der Norm mit Strafen zu belegen.

Ob die Saarländer die einzigen waren, die bislang den Aufrückzwang in ihrer Turnierordnung verankert hatten, weiß ich nicht, aber in der Regel sieht es in deutschen Turnierordnungen wie folgt aus:

Zulässig ist die Nichtbesetzung einzelner Bretter unter Namensnennung der fehlenden Spieler. Unzulässig ist die Nichtbesetzung einzelner Bretter ohne Namensnennung der fehlenden Spieler. (B 1.13 Turnierordnung Niedersachsen/Bremen)

Wer früher im Saarland einen Spieler für einen Mannschaftskampf gemeldet hatte, der dann – aus welchen Gründen auch immer – nicht antrat,  verlor auch alle Kämpfe der folgenden Bretter. Dass das zu unbilligen Härten führen kann, haben nun auch die Saarländer eingesehen, diese Regel nach einer öffentlichen Umfrage (Hört, Hört!) abgeschafft und den üblichen Gepflogenheiten angepasst.

Der Saarländische Schachverband hat rund 1.000 Mitglieder, davon sind 90 Prozent männlichen Geschlechts. Zum Vergleich: der Schachbezirk Hannover hat rund 1.400 Mitglieder.

Was ich von Einschränkungen der Spielfreude halte, die sich wie ein roter Faden durch fast alle Turnierordnungen (es gibt hunderte in Deutschland) ziehen, habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben. Manche Turnierordnungen lesen sich wie das Strafgesetzbuch. Zum Beispiel die des Berliner Schachverbands. Dort steht unter § 13 Meldungen und Ranglisten sage und schreibe 6 Mal, dass ein Spieler „gesperrt“ sei, wenn er abweichend von der Norm in einer Mannschaft seines Vereins Schachspielen möchte. Da kommt (Spiel)-Freude auf!

In der Turnierordnung des Saarländischen Schachverbands steht indes eine wichtige Regel, die aus unerfindlichen Gründen in Niedersachsen fehlt:

5.10 e) Alle Paarungen der Schlussrunde einer Klasse müssen gleichzeitig stattfinden.

Diese Regel macht wirklich Sinn. Übermorgen kommt es in der Verbandsliga Süd zur vorgezogenen Begegnung der Schlussrunde zwischen der SG WB Eilenriede und unserer 2. Mannschaft. Eigentlich ein Unding, aber wohl regelkonform.

Events – Wiege-Zangen-Pokal verlässt Hildesheim in Richtung Hamburg

Am Karfreitag fand die fünfte Auflage des Wiege Zangen Pokals statt, diesmal ausschließlich indoor. Eingeladen hat die Hildesheimer Familie Wiege, die häufig auch den Sieger stellte (das Excel-Sheet scheint „biegsam“) 😉

Der Wiege-Zangen-Pokal soll in erster Linie Spaß machen und Geselligkeit verbreiten. Unsere Hildesheimer Sportkameraden wissen gut damit umzugehen 😀
Nur der Präsident schwächelte – „Vergnügungsverbot“.

Den Beginn machte ein Doppelkopfturnier. Gleich mein erstes Spiel habe ich als 98%-Solo versemmelt – dann eben „nur“ noch dabei…
Hernach wurden die 16 Teilnehmer in zwei Gruppen gelost, die sich abwechselnd bei Darts (501+301 einfach) und Tischfussball (4 Einzel und 7 Doppel – spontanes Teamwork war gefragt!) vergnügten. Mein Joker im Kicker-Doppel ging daneben, aber egal. Er muss zu Beginn auf genau eine Aktivität gesetzt werden, deren erreichte Punkte sich verdoppeln. Dafür konnte ich beim 501 als Erster auschecken – Glückspfeil – denn beim 301 schaffte ich die 9 in 9 Versuchen NICHT. Zuguterletzt nun endlich das von allen geliebte Blitzschach. Mit 4,5 Punkten habe ich das CH-System prächtig abgeschnitten. In der 1900er Gruppe war dann André Wiege eine Klasse für sich.

Den Pokal schnappte sich letztlich Jürgen de Voogt (früher: Schwetje), der heute in Hamburg ansässig ist und eine Anreise im Superstau hatte. Gemeinsam mit dem Ex-Svgler Andreas Hartmann, einem Blitz-Spezi vor dem Herrn, bin ich Siebter geworden – Nebensache!

Davor, dawährend, danach – stets lockten nicht nur Kaffee und Cola, sondern auch ein frisch angezapftes Bierfass, Ouzo sowie Kuchen, Suppe und Käse. Alles in allem habe ich einen wundervollen Abend mit netten Menschen verleben dürfen und komme gern im Spätsommer wieder! Danke an Matze und André für die Ausrichtung und Gastfreundschaft!!!

29. Osterblitz in Ricklingen – SFH „unterwegs“

Das Osterblitz in Ricklingen war mal wieder eine Reise wert – nettes Turnier mit Preisen in allen Gruppen, nette Leute, nette Gespräche, brauchbares Zockerschach (meist jedenfalls). Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass ich als einziger von 5 aktiven SFHlern ohne Preis nach Hause gegangen bin. Ohne Preis – selbst das nicht ganz richtig, denn Willi hat mich an seiner Beute teilhaben lassen – Merci 🙂

Hinter dem zwölffachen Dauersieger Izi konnten sich Martin und Tom platzieren – die ELO-Zahlen der Gegner lassen diese Leistung vielleicht nicht so toll erscheinen – aber die haben immerhin andere 2000er verdrängt, müssen also gut drauf gewesen sein. Andreas konnte das B-Finale gewinnen, Willi schnappte sich das D-Finale.

Drei unserer Ex-Mitglieder konnten zwei Preise erringen, wirklich erfreulich also. Der Abend klang für Martin und mich im Salz und Pfeffer aus – hat Potenzial zum Stammlokal 🙂

Vielen Dank an Ricklingen für die Ausrichtung. Ich freue mich schon jetzt auf den Gründonnerstag 2019!

Die Spielberechtigung wird vereinfacht!

Nachdem uns Fabian Tenne berichtet hat, dass der Spielausschuss Bremen/Niedersachsen die in der Turnierordnung geregelte Spielberechtigung für Mannschaftskämpfe vereinfachen will, ist es mir gelungen, vorab einen Blick auf den Referentenentwurf zu werfen. Der sieht folgendermaßen aus:

B.1.6 Spielberechtigung

(3) Werden Ersatzspieler in übergeordneten Klassen eingesetzt, so sind sie in der nach Spielplan termingleichen Runde nicht für untergeordnete Mannschaften spielberechtigt. Diese Regelung gilt nicht für Wettkämpfe, welche in Schaltjahren auf ungerade Sonntage fallen. Falls ein Spieltag der übergeordneten Klassen terminlich nicht in der Winterzeit mit einem Spieltag der Landesliga oder Verbandsliga zusammengelegt wurde, so sind Spieler, die in der Sommerzeit als Ersatz an diesem Spieltag in übergeordneten Klassen eingesetzt wurden, rückwirkend an terminlich verkackten Spieltagen in der Landesliga oder Verbandsliga nicht spielberechtigt; es sei denn, sie adoptieren einen Eisbären oder spielen mit Heike Makatsch Räuberschach.

„Wann tritt das in Kraft?“ „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“