Ilja Schneider Deutscher Blitzmeister 2018

Die Überschrift habe ich den Schachfreunden Berlin entnommen. Der „Hannoveraner“ IM Ilja Schneider heißt es auf der Webseite des Niedersächsischen Schachverbands. Ja. Wir Hannoveraner freuen uns mit ihm und wollen IM Dennes Abel nicht vergessen. Er belegte den 6. Platz und stammt ebenfalls aus Hannover. Von Ilja zeige ich euch ein Archiv-Foto. Es stammt vom Leine-Open 2017. Ilja nicht als Akteur, sondern als Kiebitz. Hochkonzentriert ist er trotzdem:


Wer sich die Kommentare im Schach-Ticker durchliest, wird auch kritische Töne vernehmen, was Iljas Leistung keinesfalls schmälert. Allerdings sollte sich der DSB fragen, ob die Attraktivität solcher Meisterschaften inkl. Öffentlichkeitsarbeit nicht verbesserungsfähig ist. Wie stark Wunschdenken und Wirklichkeit auseinanderklaffen, zeigt die vermeintliche Zahl der Besucher. Der SC Bamberg spricht als Veranstalter von rund 50 anwesenden Zuschauern. Ein Teilnehmer (lukki) schreibt indes im Schach-Ticker:

„Das Zuschauerinteresse war leider fast geich null und kann nur schön geredet werden. Ich habe, weil ich es so erschreckend empfand, in ca Runde 25 gerade mal 6 Zuschauer gezählt. Leider.“

Achterbahnfahrt in der Verbandsliga

Erst 1:7, dann 5,5:2,5 und gestern 1,5:6,5 lauten unsere Ergebnisse in den ersten drei Runden der Verbandsliga Süd. Nachdem wir die 3. Mannschaft des SK Lehrte vor zwei Wochen souverän besiegen konnten, waren wir dessen 2. Mannschaft am Totensonntag nicht gewachsen. Ohnehin ersatzgeschwächt mussten wir ein Brett freilassen, weil ein Schachfreund im letzten Moment abgesagt hatte. Wir holten drei Remis, der Rest ging verloren. Auch meine Partie. Es war meine erste Niederlage in der Verbandsliga; die vergangene Saison mitgerechnet. Mein junger Gegner hat verdient gewonnen, wenngleich ich in ausgeglichener Stellung ein bisschen mithalf. Die entscheidenden Momente meiner Partie zeige ich euch im Anschluss. Ich hätte etwas eher aufgeben können, aber urplötzlich war der weiße König in Bedrängnis.

Wie geht es weiter? Klar! Mit Schwung nach oben. Unser nächster Gegner sind die Schachdrachen aus Isernhagen. Schnallt euch an!

Besser mal mitgezählt

Hier eine kniffelige Aufgabe für Experten. FIDE-WM der Frauen, Viertelfinale, Stechen, Schnellschach, Mariya Muzychuk gegen Zhansaya Abdumalik.

Schwarz zieht und hält Remis nach 135. Sg5

Und? Lösung gefunden? Schwarz hat hier aufgegeben.

Der Lösung näher kommt man, wenn man einige Züge zurück schaut, und zwar nach 86. Kxb5:

Immer noch nicht drauf gekommen? Der Trick ist hier natürlich die 50-Züge-Regel. Schwarz spielt 136. .. Tf1 und nach einem beliebigen weißen Zug sollten mindestens 50 Züge geschehen sein, ohne das eine Figur geschlagen oder ein Bauer gezogen wurde.

Da bei einer WM an jedem Brett ein Schiedsrichter steht, hat dieser sicherlich mitgezählt oder eine Notation vorliegen, mit der man einen Nachweis führen kann. Sehr kurios, da Abdumalik die folgende Partie gewann und dadurch eine Runde weiter gekommen wäre.

Was darf Blog?

Aus gegebenem Anlass möchte ich diese Frage zur Diskussion stellen. Wir leben in einer Zeit der Social Media. Jeder kann zu allem seinen Senf abgeben. Vieles ist trivial; vieles ist verletzend. Deshalb halte ich nichts von Facebook, Twitter und dergleichen. Das Internet ist indes eine Chance, sich über Dies und Das nachhaltig Gedanken zu machen. Die meisten Schachvereine haben das erkannt und präsentieren sich entsprechend ihren Möglichkeiten. Die Schachfreunde Hannover haben einen speziellen Weg gewählt. Der beruht zum einen auf unseren Webmaster, der Beiträge und Kommentare zusammengelegt hat und andererseits auf meiner Person. Ich versuche, unsere Webseite so gut es geht mit Leben zu füllen, wohlwissend, dass ich damit nicht jeden Geschmack treffe.

Der Erfolg gibt es uns recht. In 5 Jahren wurden an dieser Stelle von mehreren Mitgliedern 410 Beiträge geschrieben, die über 2.200 Mal kommentiert wurden, und zwar von Schachfreunden, die in allen Ecken Deutschlands beheimatet sind. Täglich werden wir von mehr als 2.000 Schachfreunden angeklickt. Es gehört zu meiner Philosophie, möglichst offen über alles zu sprechen, was uns Schachspieler bewegt. Dabei würze ich meine Beiträge und Kommentare gern mit Satire. Die meisten verstehen und mögen meinen Stil, andere nicht. Die Alternative sind leere Seiten oder Langeweile.

Wer sich in unserer Medienlandschaft umsieht, wird feststellen, dass die Kommentare häufig unter die Gürtellinie gehen. Der damit verbundene Hass ist erschreckend. Gleichwohl benötigen wir in bestimmten Situationen ein Ventil. Das hat auch Herbert Bastian benötigt, kurz nachdem er als DSB-Präsident abgewählt worden war. Ich zitiere aus seinem Kommentar vom 29.05.2017 auf ChessBase:

Der neue Präsident ist ein idealer Repräsentant der inhaltlichen Ideenlosigkeit. Bösartige persönliche Angriffe gegen meine Person, die Idee des Schulschachs von der bisher eifersüchtig über ihre alleinige Zuständigkeit wachenden DSJ übernommen […] Eine Ehrung meiner Tätigkeit fand nicht statt, und warme Worte am Grab des soeben ermordeten sind Heuchelei.

Aus meiner Sicht ist sein Kommentar grenzwertig. Ich halte nichts von herabwürdigen Worten, was aber nicht dazu führt, dass ich mich jeglicher Kritik enthalte. Im Gegenteil, ohne den Austausch unterschiedlicher Standpunkte funktioniert unser Gemeinwesen nicht. Probleme werden nicht durch Schweigen behoben. Und deshalb verstehe ich nicht, warum über ein Thema, das uns alle berührt, – nämlich das Verhalten am Schachbrett – unter Freunden nicht anhand eines aktuellen Falles diskutiert werden darf.

Igor Belov (Hamelner SV) wollte und wollte seine Partie gegen Jörg Witthaus (SF Hannover) nicht aufgeben. Da ich die Szenerie beobachtet habe und diese bemerkenswert fand, habe ich darüber geschrieben und damit für manche (z.B. unseren Mannschaftsführer) ein Tabu gebrochen. In der Oberliga-Saison 2013/14 habe ich gegen Yannick Koch gespielt, als wir gegen Hameln antreten mussten. Im Mittelspiel geriet Yannick in eine Verluststellung. Er gab die Partie auf, obwohl noch viel passieren konnte. Diese Partieaufgabe habe ich damals wie heute als Charakterstärke von Yannick angesehen. Ist die positive Darstellung seines Verhaltens auch ein Tabubruch?

Wer sich nur für die nackten Ergebnisse interessiert, kann diese auf den Webseiten der Verbände nachlesen und ggfs. die Partien nachspielen. Wer mehr über das Zustandekommen wissen möchte, guckt auf die Webseiten der beteiligten Vereine. Je authentischer deren Berichte sind, desto besser.

Zum Abschluss möchte ich euch einen Kommentar vom 23. Oktober aus dem Hamelner Blog zeigen. Ist der erlaubt oder diskriminierend?

Tostedt? Alles gekaufte Söldner, die gegen Hannover verloren haben. Und vorn haben die Söldner nix Zählbares bewirkt – und hinten? Spielt da der Sponsor? Oder sind das normale Elo-Leichen? Ach, das packt ihr. MfG, Lothar

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Ergänzung am 1. November 2018 (siehe Kommentar):

Stadtsportbund Hannover

Es gibt Menschen, die haben ein Faible für Versammlungen. Ich gehöre nicht dazu, wenngleich ich zwischen zweckdienlichen Versammlungen und denen unterscheide, die vertane Lebenszeit generieren. Am Montag habe ich als Delegierter unseres Schachvereins eine Versammlung besucht, die sich als sinnvoll herausstellte. Es handelte sich um den 43. Ordentlichen Stadtsporttag Hannovers. SSB heißt der ausrichtende Verein, den ich bislang nicht richtig auf dem Schirm hatte. 373 hannoversche Sportvereine sind mit rund 114.000 Mitgliedern darin organisiert. Darunter sind 10 Schachvereine, womit deutlich wird, dass nicht jeder Schachverein automatisch dem SSB angehört.

An der Versammlung haben Delegierte aus 53 Vereinen und einigen Fachverbänden sowie geladene Gäste aus der Politik teilgenommen. Ob die Quote gut oder schlecht ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Unterm Strich waren es rund 120 Personen, die der perfekt organisierten Versammlung beiwohnten. 267 Stimmen, die von einer eigens gewählten „Mandatsprüfungskommission“ (Deutsche Gründlichkeit!) verifiziert wurden, galt es, zum Wohle der Allgemeinheit einzubringen. Die Zahl der Stimmen orientierte sich an der Vereinsgröße. Ich hatte eine Stimme. Die habe ich staatstragend eingesetzt.

Der Vorstand ist etwas in die Jahre gekommen, was dessen Engagement keinen Abbruch tut. Rita Girschikofsky heißt die resolute Präsidentin, die sich für zwei weitere Jahre wählen ließ. Dann geht sie in den Ruhestand, wie es der sympathische Vizepräsident namens Kohlstedt (mit e statt ä!) diesmal tat. Bei seiner Verabschiedung wurde er lyrisch, indem er Hermann Hesse zitierte: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Die Neubesetzung von Wolf Dietmars Posten sorgte für den einzigen Stress am Abend, weil sich zwei Kandidaten darum bewarben. Ansonsten wurde nahezu alles einstimmig verabschiedet. Diskussionen über Inhalte gab es nicht. Nach drei Stunden war die Veranstaltung gelaufen. 50 Minuten gingen allein für die Grußworte drauf. Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok machte den Anfang. Dass er mich zuvor erkannt und gegrüßt hatte (siehe Jamiel-Kiez), hat mich gefreut.

Mein Fazit lautet: Die wichtige Arbeit des SSB wird an anderer Stelle gemacht (Sportstättenbau und –Unterhaltung, Betreuung von Ganztagsschulen und Geflüchteten usw.). Wir Schachvereine sind dabei ein Mosaikstein. Auch wenn der Eigennutz nicht ersichtlich ist, sollten wir Schachspieler mit unserer Präsenz einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben leisten.

Übrigens gab es unter den Delegierten am Ende Unmut über die Nichtanwesenheit der Hannoverschen Presse. Ihr wisst schon warum. Über den Profifußball (explizit Hannover 96) werde in den Tageszeitungen bis zum Erbrechen schwadroniert, aber der Breitensport komme in der Berichterstattung zu kurz. Immerhin gab es heute in der HAZ einen kleinen Artikel über die Versammlung. Hoffentlich haben die 114.000 hannoverschen Mitglieder im SSB diesen wahrgenommen.

Mein Unterpfand zur Einheitsfeier

Kabarettisten werden häufig gefragt, ob sie glauben, mit ihrem Programm die Welt zu verändern. Die Antwort ist einhellig: „Nein, aber sie lässt sich so besser ertragen.“ So ähnlich geht es mir. Warum tue ich mir das an?

Weil ich etwas verändern will, sich etwas tun muss. An der Basis herrscht eine große Unzufriedenheit. Die Landesverbände wurden die vergangenen Jahre nicht mehr mitgenommen. Da kochte jeder sein eigenes Süppchen.

Ihr habt es sofort gemerkt. Das sind nicht meine Worte, sondern die unseres neuen DSB-Präsidenten Ullrich Krause (Quelle: Lübecker Nachrichten vom 15.06.2017). Seitdem sind rund 500 Tage vergangen. Wie schmeckt die Suppe heute?

Die Webseite der Norddeutschen Landesverbände wurde abgeschaltet, einer ehemaligen Lichtgestalt wird kriminelle Energie unterstellt, der 1. Vorsitzende eines Landesverbandes wird von einem Vorstandskollegen öffentlich als schlechtester Präsident aller Zeiten bezeichnet, in Sachsen-Anhalt treten lediglich drei Mannschaften zur Landesblitzmeisterschaft an, die Seniorenmannschafts-meisterschaften der Landesverbände verzeichnen eine Minusbeteiligung usw.

Ungenießbar!? Nein. Wir Schachspieler sind Kummer gewohnt. Jede Niederlage ist ein Schlag in die Magengrube. Gelassenheit statt Wutbürgertum ist das Rezept. Auf diese Weise wird aus einem Kampfhund ein Schoßhündchen:

Heute ist Mittwoch. Deshalb verzichte ich auf eine Sonntagsrede. Rückblickend betrachtet strahlt die Sonne von ganz allein:

2014 Einheitsfeier in Hannover vorher
2014 Einheitsfeier in Hannover nachher
2016 Einheitsfeier in Dresden

Wir haben die vergangenen vier Jahre überlebt. Und wir werden die nächsten Jahre überleben. Mein Unterpfand ist die Fantasie. Donald Trump hat sich in Kim Jong Un verliebt. Wer hätte das vor einem Jahr für möglich gehalten? – Die Einheitsfeier findet heuer in Berlin statt. Vergesst vorübergehend den grauen Alltag. Dieses Kinderkarussell auf dem Alexanderplatz möge eure Fantasie anregen:

Entspannt euch!

Ob es hier zur Okertalsperre ginge, wurde ich gestern von einem älteren Ehepaar gefragt. „Nein, das ist hier der Goetheweg“, antwortete ich. „Dann grüßen Sie ihn bitte, wenn er Ihnen begegnet“, war die freundliche Empfehlung des Mannes. „Das mache ich, Goethe ist ein alter Kumpel von mir“, entgegnete ich ihm schlagfertig und erntete Gelächter. Wenig später kam mir ein Paar entgegen, das offenbar aus Bayern stammt. Der Dialekt und die Grußformel ließen darauf schließen: „Grüß Gott!“ Sollte ich darauf die gleiche Antwort geben? Ich tat es nicht. Man tritt so leicht in Fettnäpfchen.

Womit ich beim Thema bin. Heute geht es nicht um überholte Turnierordnungen, an die sich Schachfunktionäre klammern wie Messis an Tageszeitungen aus Helmut Kohls Zeiten, nein, heute geht es um die deutsche Romantik. Da ist einerseits der sagenumwobene Brocken, der für uns Niedersachsen vor 30 Jahren unnahbar war, und andererseits ist da der deutsche Wald, der einen Stresstest nach dem anderen bestehen muss. Von beiden möchte ich euch ein paar schöne Bilder zeigen. Einfach so zur Entspannung. – Wusstet ihr, dass Fichten 500 Jahre alt werden können? So lange hält keine DWZ. Wenn wir nicht mehr sind, ist die DWZ wertlos. Anders verhält es sich in einem Naturwald. Der Tod eines Baumes ist ein Elixier für neues Leben, vorausgesetzt, wir Menschen greifen nicht ein. Ein besonders schönes Plätzchen im Wald – das wie gemacht ist für eine Schachpartie – zeige ich euch im Anschluss auf meinem letzten Foto.


DSenMMdL 2018 in Templin

Morgen werden die 27. Deutschen Senioren-Mannschaftsmeisterschaften der Landesverbände beendet. Für das niedersächsische Team sieht es diesmal nicht gut aus. Vor der Schlussrunde belegt es in der Altersklasse +65 mit 5:7 Punkten den 11. Platz unter 16 Mannschaften. Offenbar waren zwei unserer Spieler erkrankt und einer von der Rolle: Gerhard Kaiser (Hamelner SV). Lediglich ein Remis in 6 Partien ist auf seiner Habenseite. In der Vergangenheit war Gerhard bei seinen Einsätzen stets einer der Leistungsträger.

5,5 Punkte aus 6 Partien holte am 1. Brett FM Jefim Rotstein (NRW); mit einer Elo-Zahl von 2.315 die Nummer Eins der Rangliste. Heute gewann er glücklich gegen Karl-Heinz Jergler (Bayern 1). Das Ende der Partie habe ich zufällig live verfolgt. – Jefim Rotstein hatte eine Gewinnstellung erreicht. Allerdings stand sein König bedenklich, weil die weiße Dame zusammen mit dem weißen Springer für Gefahr sorgte. Es wurde unglaublich spannend. Die Partie wogte hin und her. Zwischendurch konnte sogar Weiß gewinnen. Mit 73. Sf8? statt 73. Sg5!! vergab er die letzte Remischance. Die Partie müsst ihr unbedingt nachspielen. Vor allem die Varianten, die nicht gespielt wurden! Wir steigen im 63. Zug ein:

Jergler, Karl-Heinz (Bayern 1) – FM Rotstein, Jefim (NRW)
DSenMMdL (6) Brett 1
15.09.2018
Schwarz am Zug


Die Affäre Jordan

Was hat den DSB-Präsidenten Ullrich Krause bloß geritten, aus einem ehemaligen Erfolgsmodell eine Schlammschlacht zu machen? Selbst wenn es stimmt, dass eine rasche Aufklärung vonnöten war, ist diese seitens des amtierenden DSB-Präsidiums stillos in die Öffentlichkeit gezerrt worden. Da der Skandal in den einschlägigen Fachmagazinen sowie sozialen Medien rauf und runter diskutiert wurde und wird (allein 48 Kommentare bei den Schachperlen vom Bodensee), ist euch die Sachlage vermutlich bekannt. Eigentlich wollte ich mich aus dem Thema heraushalten. Der Artikel „Keine Zusammenarbeit mehr mit Dirk Jordan“ in der neuesten Ausgabe von Otto Boriks Schachmagazin 64 hat mich jedoch veranlasst, mit diesem Beitrag mein Befremden über die Präsidentschaft im Deutschen Schachbund auszudrücken.

Der zuvor genannte Artikel im Schachmagazin 64 stammt von Hartmut Metz. Der Artikel ist sachlich geschrieben, verschweigt indes die Rolle desjenigen, der den Skandal aufgedeckt hat: Dipl.-Ing. Ossi Weiner, seit Ende 2017 Geschäftsführer der DSB Wirtschaftsdienst GmbH. Dessen nassforschen Kommentare widerlegen unseren Werbespruch: Nette Leute spielen Schach.

Das Gegenteil von nett ist seine arrogante Antwort im Schachticker auf eine Stellungnahme vom ehemaligen Vizepräsidenten des DSB und amtierenden Präsidenten des Badener Schachverbands, Prof. Uwe Pfenning, u.a. mit folgenden Worten: „Offensichtlich hat der gute Mann keinerlei Sachkenntnis von der tatsächlichen Faktenlage.“

Dipl.-Ing. Ossi Weiner kenne ich nicht persönlich, aber ein Blick ins Netz zeigt, dass er bei der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich ist. In einem Forum für Schachcomputer beschreibt ihn jemand mit diesen Worten: „Ein sehr harter Geschäftsmann, der ganz genau weiß was er will.“ Persönlich kennengelernt habe ich indes den amtierenden DSB-Präsidenten Ullrich Krause, seinen Vorgänger Herbert Bastian und Prof. Uwe Pfenning anlässlich der 1. Bundesvereinskonferenz 2017 in Berlin. Es blieb mir nicht verborgen, dass es zwischen dem damals amtierenden Präsidenten und dem Präsidenten in spe knisterte. Womöglich lösen sich jetzt die Spannungen. Den besten Eindruck auf mich hat Uwe Pfenning gemacht. Dass er von seinem Posten auf Bundesebene zurückgetreten ist, ist angesichts des derzeit rigiden Stils kein Wunder.

Wie geht’s weiter? Der Streit wird vermutlich juristisch ausgetragen. Er wird irgendwann mit einem Vergleich enden. Der DSB wird keinen adäquaten Ersatz für Dirk Jordan und sein ehemaliges Team finden. Die Schachszene in Deutschland wird ärmer. Ullrich Krause wird bei der nächsten Präsidentenwahl in seinem Amt nicht bestätigt. Sieht so eine bessere Zukunft aus?

Schatten

Die Aufstellungen für die neue Oberliga-Saison sind veröffentlicht. Wie nicht anders zu erwarten, finden wir uns beim optischen Vergleich dieser, eher am Ende der zu erwartenden Tabelle wieder. Das erste Spiel der neuen Saison, gegen unsere Nachbarn aus Hameln, könnte bereits sehr entscheidend für den weiteren Saisonverlauf sein. Vom Ligaorakel werden wir sicherlich in Bälde erfahren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für unseren Klassenerhalt ist.

Klare Favoriten für den Aufstieg sind Ungarn (äh, eigentlich MTV Tostedt), die noch an Brett 12 einen IM gemeldet haben und Werder Bremens zweite Vertretung. Die Bremer haben nach dem überraschenden Abstieg aus der 2.Liga keinesfalls abgerüstet, sondern können dem Neuling aus Tostedt ein ebenbürtiger Gegner sein.

Dahinter kommen noch einige Mannschaften, die eigentlich auch gern aufsteigen würden (HSK Lister Turm, Nordhorn und Hellern), aber vermutlich gegen die Übermacht der zuvor genannten Teams chancenlos sein werden.

Genug spekuliert, wieder zitiere ich gern einen häufig auf der Hamelner Homepage zu lesenden Spruch: „DWZ (ELO) spielen kein Schach!“

Was ist sonst noch so los in der Schachwelt?

Im November findet wohl tatsächlich der WM-Kampf zwischen Carlsen und Caruana in London statt. Zumindest gibt es seit gestern Karten zu kaufen. Für die erste Partie allerdings nur noch VIP-Tickets – für schlappe 600 Britische Pfund. Na gut, wenn man schon mal in London ist…

Momentan findet in Dresden gerade die Deutsche Meisterschaft im Schach statt. Einen Hinweis darauf sucht man auf der Website des Deutschen Schachbundes übrigens vergebens. Das Teilnehmerfeld ist aber für eine Deutsche Meisterschaft auch etwas ungewöhnlich. Nur ein Großmeister hat sich gefunden, da haben die meisten Wald- und Wiesen-Open mehr zu bieten. Soll das Ganze deshalb vor der Schachöffentlichkeit geheim gehalten werden?
Vielleicht kann aber ein junger Spieler, der seine ersten Schacherfahrungen in Hannover gemacht hat und nun bei unserem Ligakonkurrenten aus Oldenburg spielt, diesen Umstand nutzen und sich ganz nach vorne spielen.
Jari Reuker ist nicht nur in diesem Jahr deutscher Jugendmeister geworden, sondern hat auch gleich noch zwei IM-Normen gesammelt. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen, dann bekommt meine Gewinnpartie aus dem Jahre 2012 (nun gut, da war er gerade 11 oder 12 Jahre alt) auch gleich eine ganz andere Bedeutung 😉

Der Schachbund hat außerdem noch eine andere Baustelle. Im Rahmen der Deutschen Seniorenmeisterschaft in Hamburg wurde bekannt, dass der Organisator eine Nebenabsprache mit dem Hotel getroffen hatte, wonach einige Prozent der Übernachtungskosten an einen ihm sehr nahe stehenden Verein gehen sollten. Auf jeden Fall bot der Schachbund den Teilnehmern die Rückerstattung an. Das Dumme an der Sache ist nur, dass dieser Organisator auch der Kopf der äußerst beliebten (und auch immer sehr gut organisierten) Deutschen SchachAmateurMeisterschaften ist (besser bekannt als RAMADA-Cup). Jedes Jahr haben dort weit über tausend Schachfreunde aus ganz Deutschland teilgenommen. Es steht zu befürchten, dass es diese Turnierserie wohl nicht mehr geben wird…
Schach wurde bei der Seniorenmeisterschaft übrigens auch gespielt. Jürgen Juhnke vom HSK Lister Turm belegte in der Gruppe 65+ einen hervorragenden 5. Platz, Glückwunsch Jürgen!

Was hat dieser Artikel jetzt mit Überschrift zu tun? Nix, aber eigentlich sollte der erste Satz so lauten: „Die Saison wirft ihre Schatten voraus“. In Anbetracht der schattenlosen Situation draußen, fand ich das unpassend. Eine sinnvolle neue Überschrift fiel mir aber nicht ein, so blieb der reißerische Titel einfach bestehen.