Dann geht doch zur Wahl!

Daniela Katzenberger wählt die CDU, Roland Kaiser die SPD, Olivia Jones die Grünen, Didi Hallervorden die FDP, und wen Konstantin Wecker wählt, seht ihr unten. Diese Promis haben sich geoutet, und welche Partei wählt ihr? Psst! Das wollen wir gar nicht wissen.

Wahlplakate am Köpcke
Wahlplakate am Kröpcke

Bundesweit sind 42 Parteien zur Wahl am Sonntag zugelassen. So viel Auswahl sind wir Schachspieler nicht gewohnt. Wenn es um Posten geht, steht meist nur ein Kandidat zur Verfügung, und wir sind froh, wenn der sich wählen lässt. Eignung hin oder her. Einige Schachfreunde sind angesichts der Vielfalt politischer Parteien verwirrt. Sie kommen ins Grübeln und werden nicht selten zu Nichtwählern. Das muss nicht sein. Keine Partei wird zu 100 % den Ansprüchen gerecht, die wir an sie stellen. Dennoch haben alle demokratischen Parteien eine

Wahlplakate am Küchengarten
Wahlplakate am Küchengarten

Gemeinsamkeit: sie engagieren sich für unser Wohl, wenn auch mit unterschiedlichen Zielen. Mit dem Gang zur Wahlurne unterstützen wir den Einsatz unzähliger Menschen in unserem Land, obgleich die meisten später nicht gewählt werden. Kein Kreuz ist deshalb vergeblich. Selbst wenn es an der falschen Stelle sein sollte, wird es ein Ansporn sein. Vor allem für Weltverbesserer inkl. Schachspieler.

Meine Überschrift ist übrigens eine Anleihe aus der aktuellen Penny  Netto-Werbung. Kinder an die Macht!

1. September 2017 Konstantin Wecker am Kröpcke
1. September 2017 Konstantin Wecker am Kröpcke

49 Gedanken zu „Dann geht doch zur Wahl!“

  1. Man kann sich in unserem Verein nicht wirklich über die Wahlbeteiligung an der Urne unseres Schachklubs beklagen. Die Hauptversammlungen sind gut besucht!

    Die Länge der Wahllisten pro Amt sind schon eher beklagenswert, wohl aber dem gesellschaftlichen Trend folgend. Während Gerd den möglichst kompletten Stellenabbau der Funktionäre propagiert, sind die Folgen einiger bei uns im Verein nicht besetzter Ämter spürbar.

    1. Gerhard propagiert nicht den kompletten Stellenabbau der Funktionäre, sondern den Abbau der Stellen, die etwas mit Bürokratiewachstum (siehe u.a. Parkinsonsche Gesetze) zu tun haben. Das gilt für das Gesellschaftsleben im Allgemeinen und Schachorganisationen im Besonderen. Wirklich wichtige Stellen sollen gefördert und mit geeigneten Personen besetzt werden. Dabei soll der Sinn der Arbeit im Vordergrund stehen und letztlich den glücklich machen, der sie ausübt. Über das Thema Reglementierungen haben wir bereits an dieser Stelle diskutiert: http://www.schachfreunde-hannover.de/ueber-strohfrauen-und-strohmaenner/#comments

    1. Achtung Wortspiel: Wenn die Chemie nicht mehr stimmt, ist eine chemische Reaktion unausweichlich. Gegenüber hat die IG Chemie (inkl. Bergbau und Energie) ihr Hauptquartier. Für Yasmin Fahimi hat man dort bestimmt einen Schreibtisch freigehalten. Auf den Kurswechsel müssen wir wohl noch warten (siehe Bild oben). Vielleicht gibt’s ja Neuwahlen. Ohne Sachsen. Hätte das Wahlergebnis von Linden-Mitte bundesweit Gültigkeit, würde die Rente reichen. Für alle.

  2. In ihrer heutigen Printausgabe präsentiert meine Tageszeitung (HAZ) die Direktkandidaten aus der Region Hannover für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Für den Wahlkreis Hannover-Mitte (Nr. 28) ist Alptekin Kirci der Spitzenkandidat der SPD. Als Jugendlicher war Alptekin Mitglied unseres Schachvereins. An dieser Stelle habe ich über ihn berichtet:
    http://www.schachfreunde-hannover.de/hannovers-spezielles/

    Talent zum Schachspielen hat(te) er. Talent zur Politik offenbar auch, sonst hätte er nicht diese Karriere hingelegt: Bezirksbürgermeister in Hannover-Nord von 2001 bis 2006, seit 2013 im Rat der Stadt Hannover und seit 2011 Vorsitzender des SPD-Stadtverbands Hannover. Womit bewiesen ist, dass das Schachspielen eine gute Schule fürs richtige Leben ist. Wer zudem in einem „etwas anderen Verein“ groß wird, muss nicht befürchten, später als Yuppie die Nöte der Anderen zu übersehen.

    „Weil ich mich kompetent und entschlossen für Sie einsetze“, lautet sein Slogan. „Weil“ ist bekanntlich ein Wortspiel, gleichwohl sollten wir ihn beim Wort nehmen: „Make Chess Great Again!“ Niedersachsen soll Vorreiter in Deutschland werden. Hier sind mögliche Ansätze:

    • Schachunterricht in Kindergärten
    • Schach als Pflichtfach in Grundschulen
    • Schachlehrer und Schach-AGs an jeder Schule
    • Vom Land bezahlte Schachtrainer für Schulen und Schachvereine
    • Förderung des Betriebsschachs
    • Förderung von Schachkolumnen in den Medien
    • Clubraum im Niedersächsischen Landtag für Schach und sonstige Brettspiele mit parteiübergreifenden Turnieren*

    *An dieser Stelle wollte ich eigentlich auf den Deutschen Bundestag verweisen. Doch was lese ich auf dessen Webseite: „Leider hat sich die Abteilung Schach in Berlin wegen zu wenig Zuspruch aufgelöst.“ Das Potential ist da, man muss nur die richtigen Ideen haben:
    http://www.schachbund.de/news/deutsch-russisches-parlamentarier-schachturnier.html

    Für diejenigen, die ihren 1. Wohnsitz in Hannover-Mitte haben und unschlüssig sind, wem sie ihre Erststimme bei der Landtagswahl am 15. Oktober geben sollen, möge dieser Kommentar eine Entscheidungshilfe sein. Bewohner von Hannovers Innenstadt sehen Alptekin Kirci derzeit auf Schritt und Tritt. Für die anderen habe ich zwei seiner Wahlplakate mit meiner Kamera eingefangen (siehe oben). – Mit der Zweitstimme hat das natürlich nichts zu tun. „Weil“ Abgeordnete nur ihrem Gewissen unterworfen sind, ist die Parteizugehörigkeit nebensächlich (Gelächter). Wählt die Partei, die euer Vertrauen hat. Bloß nicht die falsche!

  3. Klar!

    Am Sonntag wird in Niedersachsen gewählt. Für mich ist das Bürgerpflicht, aber es soll ja auch die sogenannten Nichtwähler geben. Gestern hatte meine Tageszeitung (HAZ) mit einer außergewöhnlichen Veranstaltung zur Teilnahme animiert. Mittels einer „politischen Mittagspause“ sollten sich Unschlüssige häppchenweise über die Absichten der führenden Parteien informieren. Am Kröpcke durften 18 Kandidaten aus 6 Parteien in maximal 2 Minuten für sich und ihre Partei werben. Das Konzept war gelungen. Mutmaßlich wird dadurch nicht ein einziger Zuhörer sein Kreuz an einer anderen Stelle machen, aber darum ging es nicht. Die Botschaft lautete: Wählen gehen!

    Auf HAZ-Online könnt ihr euch ausführlich über diese Veranstaltung informieren. Ich habe euch ein Foto mitgebracht (siehe oben), das stellvertretend die Noch-Ehefrau von Gerhard S. zeigt. Der smarte Jüngling im Hintergrund heißt Jan Sedelies. Er ist Redakteur bei der HAZ und dort für das Marketing zuständig. Seine Rolle als Moderator hat er bravourös gemeistert.

    Vorhin hat eine Menschenkette das Landtagsgebäude umzingelt. Ihr könnt euch schon denken, warum. Nicht jeder der künftigen Abgeordneten ist willkommen. – Die Schleswig-Holsteiner haben ihre Landtagswahl schon hinter sich. Gestern gab es dort im Plenarsaal einen klitzekleinen Eklat. Robert Habeck (Die Grünen/Umweltminister und stellvertretender Ministerpräsident in Schleswig-Holstein) soll gegenüber Ralf Stegner (SPD) den Peer Steinbrück gemacht haben. Ihr wisst schon: den Stinkefinger. Das lag ihm natürlich fern. „Ich kann nicht ausschließen, dass beim Fingertrommeln auch mal nur der Mittelfinger auf dem Bizeps lag“, war Habecks plausible Erklärung. So humorvoll können Debatten sein. Mein Tipp für Sonntag: Wählt Kandidatinnen und Kandidaten, die Humor haben und Intrigen verabscheuen.

  4. Ich habe gerade die Tagesthemen gesehen. Schuld an den schlechten Ergebnissen beim Pisa-Test seien Migranten und die Inklusion. Nazi-Alarm bei der ARD? Ich bin verwirrt. Wen soll ich jetzt noch wählen, wenn die Parteien die für Migration und Inklusion sind, das Falsche machen?

    Ja, man könnte die Pisa-Ergebnisse retten, wenn mehr Geld in die Hand genommen wird. Aber das macht ja keiner und somit bleibt die Schulpolitik falsch.

    Für die SPD spricht ja noch, dass sie das blöde LSKN aufgelöst haben. CDU geht in Niedersachsen nicht. Ich wähle niemanden, der mir sechs Jahre LSKN aufgebrummt hat.

    Übrigens: Auch die Bundestagswahl hat wieder gezeigt, dass Wählermobilisierungen in letzter Minute zu mehr Stimmen bei der AfD führen. Ist doch auch klar: Die braven Wähler der Mitte gehen sowieso zur Wahl. Die Nichtwähler früherer Jahre werden dagegen eher Protestwähler und das heißt eben Links oder Rechts, aber nicht Mitte.

    Warum versucht die CDU Menschen zu mobilisieren, die dann AfD wählen?

    1. Gute Frage. Meine Antwort: Denn sie wissen nicht, was sie tun. Bestes Beispiel: Das unmoralische Angebot an eine Dame aus Rotenburg. Das war ein Schuss in den Ofen. Ein guter Schachspieler hätte ein paar Züge weitergedacht. Wer nun glaubt, dass ausgerechnet die Oberspießer eine Alternative darstellen, gehört zurück auf Los. Bildung ändert alles.

      1. Wusstet ihr, dass Mitglieder des Schachbezirks Hannover rassistisch sein dürfen? Wirklich! Rassismus ist ausdrücklich erlaubt. Wir müssen dabei nur neutral sein, also den einen Rassismus nicht besser finden als den anderen. Das glaubt ihr nicht? Guckt bitte in die Satzung, die am 16.02.2016 novelliert wurde:

        (6) Der Verein (Schachbezirk I) ist politisch, rassistisch und konfessionell neutral.

        Das ist mehr als ein Fauxpas, obwohl es selbstredend anders gemeint ist. Man hätte sich stattdessen an der Satzung des Landessportbundes Niedersachsen orientieren können, in deren Einklang wir Schachspieler stehen müssen. Dort steht analog:

        § 2 Zweck, Grundsätze und Aufgaben des LSB
        7. Der LSB bekennt sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung und tritt allen rassistischen, antisemitischen und extremistischen Bestrebungen und Aktivitäten entschieden entgegen.

        So wird ein Schuh draus. Dafür stimmt die Interpunktion beim Ende der Mitgliedschaft (§ 5) in der Satzung der klugen Schachspieler. Semikolon statt Punkt! Wer ist hier kleinlich?

      2. Der peinliche Satz in der Satzung des Schachbezirks Hannover ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass jemand von der Satzung des Schachbezirks Osnabrück-Emsland abgeschrieben hat, die aus dem Jahr 2008 stammt. Dort steht:

        § 2 Zweck und Aufgaben
        (4) Der Schachbezirk ist politisch, rassisch und konfessionell neutral; er wird ehrenamtlich geführt.

        Erkenne den Unterschied: rassisch statt rassistisch. In der Satzung vom Bezirk Hannover steht tatsächlich rassistisch. Das ist peinlich hoch drei.

        Nun ist der Satz aus dem Schachbezirk 6 auch nicht das Gelbe vom Ei; erstens unglücklich formuliert und zweitens nicht up to date. Der Bezug zum Landessportbund Niedersachsen fehlt. Wie ich bereits gezeigt habe, geht der NSV über die Neutralität hinaus und verlangt stattdessen eine Gegenwehr bei rassistischen, antisemitischen und extremistischen Bestrebungen.

        Wieso ist der Schachbezirk Hannover eigentlich Mitglied des NSV und die anderen Bezirke nicht? Jedenfalls habe ich in deren Satzungen keinen Hinweis gefunden. Liegt es daran, dass deren Satzungen veraltet sind? Die des Schachbezirks Süd stammt aus dem Jahr 1986. Das Problem ließe sich einfach lösen…

  5. Ein Verein kann Mitglied eines anderen Vereins sein, ohne dass dies in der Satzung des einen Vereins ausdrücklich festgeschrieben werden muss. Alle Bezirke des NSV sind Mitglied des NSV. Insofern ist Gerhards Fragestellung verfehlt. Satzungsinhalte wie „rassisch neutral“ oder „rassisitisch neutral“ sind weit verbreitet. Peinlich ist daran überhaupt nichts. Es bedeutet, dass in dem Verein niemand wegen seiner Rasse bevorteilt oder benachteiligt wird, wie in Artikel 3 Grundgesetz.

    1. Rassistisch ist das Adjektiv von Rassismus. Wenn jemand rassistisch ist, ist er folglich Anhänger von Rassismus. Wenn sich jemand gegenüber Rassisten neutral verhält, toleriert er Rassismus, statt ihn ausdrücklich abzulehnen, wie es der NSV verlangt. Wenn Rassismus zudem in einem Atemzug mit Konfessionen und Politik genannt wird, wird der – wenn auch ungewollte – Zynismus besonders deutlich. Rassismus mit Religionen und Politik gleichzusetzen ist oberpeinlich.

      Dass die vom Schachbezirk Hannover gewählte Wortwahl durchs Internet geistert, heißt noch lange nicht, dass sie in Ordnung ist. Zwischen den Adjektiven „rassisch“ und „rassistisch“ gibt eben einen wesentlichen Unterschied. Das eine Adjektiv steht für eine biologische Kategorie, das andere für Diskriminierung. – Die Satzungs-Väter im Schachbezirk 6 haben gewusst, warum sie „rassisch“ und nicht „rassistisch“ in den Text geschrieben haben. Dass ich das Wort „rassisch“ auch für ungeeignet halte, sei am Rande erwähnt.

      Natürlich muss die Satzung eines Vereins angepasst werden, wenn sie Mitglied eines anderen Vereins wird, dessen Satzung er sich unterwirft. Sonst wissen die Mitglieder ja nicht, woran sie sich halten sollen. Insofern hat dies der Schachbezirk Hannover richtig gemacht. Die anderen Bezirke haben das bislang versäumt. Dass Schachbezirke mit Satzungen von anno Tobak leben können, zeigt indes, dass sich im Grunde niemand dafür interessiert. Der Freude am Schachspielen tut das keinen Abbruch.

  6. Die ganze Diskussion ist eine Frage der Auslegung. Gerd legt „rassistisch neutral“ wörtlich aus. Jeder Jurist würde ihm aber diese Auslegung um die Ohren hauen, weils eben anders gemeint ist.

    1. Trotzdem schön, dass wir darüber gesprochen haben. Das schärft die Sinne. Wenn wir uns darauf einigen, dass Rassisten im Niedersächsischen Landtag nichts zu suchen haben, können wir diesen wunderschönen Oktobertag unbeschwert genießen.

  7. Die bisherige Regierungskoalition hat ihre Mehrheit verloren und ist damit abgewählt. Dass die SPD dieses Ergebnis als „Sieg“ bezeichnet, belegt, dass die Ursachen für Politiker- und Politikverdrossenheit nicht erkannt werden. Wäre Herr Weil so honorig wie Martin Schulz, würde er das Wählervorum anerkennen und sich in die Opposition verabschieden.

    1. Die SPD hat an Prozenten dazugewonnen, das kann man trotz allem als Sieg ansehen.
      Warum sich die stärkste Partei in die Opposition verabschieden soll verstehe ich nicht.

      1. Unser Hajo lebt in seiner eigenen Welt. „Die Partei hat immer recht“, gilt halt für Menschen, die es nicht gelernt haben, selbstständig zu denken. Alptekin Kirci hat seinen Wahlkreis souverän gewonnen; für Schachspieler ein bisschen Hoffnung, wäre da nicht das Zäpfchen (FDP) der Unschuldslämmer (CDU). Der Katzenjammer wird kommen, im Bund wie im Land. Immerhin sind mehr Bürger zur Wahl gegangen. Warum immer noch so viele der Wahl fernbleiben, ist mir jedoch ein Rätsel.

        Ein anderes Rätsel konnte ich unterdessen – zumindest teilweise – lösen; und zwar das des peinlichen Satzes in der Satzung des Schachbezirks Hannover. Es ist sozusagen eine Ehrenrettung für dessen Vorstand. Der wollte nämlich etwas anderes in die Satzung hineinschreiben:

        Satzungsentwurf vom 10.11.2015

        6) Der Verein räumt den Angehörigen aller Nationalitäten und Bevölkerungsgruppen gleiche Rechte ein und vertritt den Grundsatz parteipolitischer, religiöser und weltanschaulicher Toleranz und Neutralität.

        (7) Der Verein verurteilt jegliche Form von Gewalt, unabhängig davon ob sie körperlicher, seelischer oder sexualisierter Art ist.

        Diese Formulierungen waren der Mustersatzung des Landessportbunds Berlin entnommen. Auf der außerordentlichen Versammlung vom 14.11.2015 wurden diese gekippt. Im Protokoll heißt es zu 6) „Nach Diskussion wird hier eine andere Formulierung gefunden“, und zu 7) „Die Änderung wird gestrichen, da mit der Änderung 6) bereits abgedeckt“.

        Welch ein Dummfug! Wer sich in der Versammlung durchgesetzt hat, wurde nicht protokolliert. Und nun steht in der novellierten Satzung ein Satz, der nicht nur oberpeinlich ist, sondern sich sinnentstellend an einem Vokabular von vorgestern orientiert.

        Was würden Juristen dazu sagen? Antwort: „Fragt in solchen Fällen jemand, der sich damit auskennt. Dann wird euch niemand die Satzung um die Ohren hauen.“

  8. Hallo,
    dann oute ich mich mal – es wird mein einziger Beitrag hier sein, denn schließlich möchte ich als derjenige, der Dummfug verzapft, Euch nicht weiter belästigen. Der letzlich beschlossene Text geht maßgeblich auf mich zurück, selbstverständlich ohne den peinlichen Fehler. Eine Satzung ist, abstrakt formuliert, die Verfassung eines Vereins und regelt als solche die Vereinsorganisation und die Rechte und Pflichten der Mitglieder im Verhältnis zum Verein. Die Formulierung: „Der Verein ist politisch, rassisch und konfessionell neutral.“, die ich aus unserer Vereinssatzung habe, ist völlig angemessen – kurz und knackig. Daß sie eher dem klassischen Liberalismus entspringt und man ihr das auch anmerkt, bedauere ich sehr. „Bekenntnisse zu…“, „Verurteilungen von…“ sind moralisch aufgeladene Phrasen, die in einer Vereinssatzung nichts, absolut nichts verloren haben.

    1. Es sollte nicht dein einziger Beitrag bleiben. Du belästigst uns nicht. Im Gegenteil. Unser Blog wäre kein Blog, wenn wir andere Meinungen blockierten. Ist es nicht herrlich, dass in eine ansonsten tote Satzung Leben hineinkommt?

      Zunächst finde ich gut, dass du den Fehler „rassistisch“ statt „rassisch“ einräumst. Wie leichtgläubig Menschen sind, kannst du an Hajos Reaktion ablesen. Nun ist das Adjektiv „rassisch“ durch unsere unsägliche Vergangenheit derart belastet, dass es in Zusammenhang mit Menschen nicht angewandt werden sollte. Darum sind unter anderem die „modernen“ Formulierungen der Sportverbände entstanden.

      Dass du die modernen Formulierungen für moralisch aufgeladene Phrasen hältst, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn es nicht bei Worthülsen bleiben soll, müssen die Ansprüche eindeutig sein. Ich weiß nicht, was dagegen spricht, wenn wie unter 6) gefordert, den Angehörigen aller Nationalitäten und Bevölkerungsgruppen gleiche Rechte eingeräumt werden.

      Der Punkt 7) geht einen Schritt weiter. Über die Neutralität hinaus verlangt er die Verurteilung jeglicher Form von Gewalt. Was spricht dagegen? Wer sich gegenüber Unrecht neutral verhält, lässt es gewähren.

      Nun komme ich zum Wort „Dummfug“. In unserem Blog herrscht ein lockerer Ton, wodurch ich eben nicht wie Lehrer Lämpel mit erhobenem Zeigefinger sagen wollte, dass die Begründung zu 7) „Die Änderung wird gestrichen, da mit der Änderung 6) bereits abgedeckt“, unlogisch ist. Der Punkt 6) beinhaltet die Neutralität, der Punkt 7) die Verurteilung von Gewalt. Wodurch Bitteschön, ist 7) mit 6) abgedeckt?

  9. Der Kargah e.V neben der Faust, bei dem schon so manches Schachturnier stattgefunden hat, legt fest, dass Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Homophobie und Diskriminierung keinen Platz in der Gesellschaft haben sollen.

    Wenn man diesen Anspruch ernst nehmen würde dürften viele die Vereinsräume nicht betreten, denn es gibt sicherlich einige Menschen, die z.B. beim Anblick eines bettelnden Roma in der Fußgängerzone einen Hauch von Antiziganismus in ihrem Körper verspüren.

    Man sollte es meiner Meinung daher auch nicht übertreiben mit den Antidiskriminierungsregeln in Vereinssatzungen.

  10. Hallo,
    na gut, dann mache ich noch einen:
    Wenn ich mich recht erinnere, ist mit „bereits abgedeckt“ gemeint, daß die Kritik, die zur Ablehnung von 6) führte, auch auf 7) zutraf.

    Zum Begriff „rassisch“:
    Die Jahre 33-45 sollen dazu führen, daß ich bestimmte Wörter nicht mehr verwenden darf, deren Übersetzungen in anderen Sprachen aber nach wie vor Anwendung finden dürfen, bloß weil diese Zeit dort etwas erfreulicher verlaufen ist? – Nein. Muß ich deswegen meinen FÜHRERschein abgeben?! Dürfen HEILkräuter demnächst nicht mehr verkauft werden?! Dieser ganze Komplex nimmt inzwischen absurde Züge an.

    Zur Bekämpfung und Ahndung entsprechenden Unrechts gibt es das StGB und den Staat – dafür ist er da. Es wäre schön, wenn er sich dieser Aufgabe konsequent annähme. Derartige Punkte sind in einer Vereinssatzung jedoch fehl am Platz, da sie nichts Vereinsrelevantes regeln.

    Im Prinzip kann man selbst § 6 der Satzung ersatzlos streichen, und zwar aus folgendem Grund: die Mitglieder des Schachbezirks sind andere Schachvereine bzw. -sparten. Diese haben keine Rasse, Nationalität, weiß-der-Kuckuck-was. Dem Gleichheitsgrundsatz wird in § 8 (1) der Satzung bereits jetzt Rechnung getragen, indem der Zugang zu Bezirksturnieren geregelt wird. Möchte man dies explizit auf die Wählbarkeit ausweiten, könnte man formulieren: „Die Mitglieder des Schachbezirks (Bezirksvereine) sowie deren Mitglieder besitzen gleichen Zugang zu Bezirksstrukturen und -veranstaltungen.“

    1. Offenbar hast du auf der außerordentlichen Versammlung eine außerordentliche Rolle gespielt. Im Protokoll wird deine FÜHRERrolle wie folgt dokumentiert:

      Herr Wittur erläutert, Herr Wittur weist darauf hin, Herr Wittur moniert, Herr Wittur weist auf die […], Herr Wittur bemängelt, …

      Wenn ich das richtig sehe, hast du dich als Vereinsvertreter zu Wort gemeldet, da du nicht zum Vorstand des Schachbezirks gehörst. Wenn sich jemand mit eigenen Gedanken in die Gesellschaft einbringt, begrüße ich das ausdrücklich, solange diese Person nicht meint, ihre Sichtweise müsse die aller sein. – Über den Sinn von Satzungen kann man trefflich streiten. Bis Mitte der Achtzigerjahre sind wir Schachfreunde prima ohne Satzung ausgekommen. Dann waren wir gezwungen, eingetragener Verein zu werden. Im Regelfall gucken die Menschen ebenso wenig in Satzungen wie in das Grundgesetz. Gleichwohl ist es hilfreich, dass dort Gebote bzw. Gesetze stehen, auf die wir uns berufen können. Wenn du so willst, könnte in sämtlichen Satzungen von Sportvereinen der Hinweis auf die Neutralität gestrichen werden, weil dieser bereits im Grundgesetz verankert ist:

      Artikel 3 GG
      (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

      Dort findest du auch das Wort „Rasse“. Das Grundgesetz wurde kurz nach dem Ende der Nazi-Zeit geschrieben. Seitdem haben sich unser Leben, unser Bewusstsein und unsere Sprache in vielerlei Hinsicht geändert. Eine Anpassung an die Herausforderungen unserer Zeit ist deshalb die logische Folge. Die Sportverbände haben dies erkannt und dafür ausgezeichnete Formulierungen entworfen. Warum die ausgerechnet für Schachspieler nicht gelten sollen, erschließt sich mir nicht.

      In einer Zeit, in der sich Rassismus überall in der Welt breit macht, ist es umso wichtiger, dass wir Sportler uns gegenüber Rassisten nicht neutral verhalten, sondern denen offensiv entgegentreten, z.B. mit dem Satz:

      Mach meinen Kumpel nicht an!

      Deshalb ist der Punkt 7) so wichtig, den du für überflüssig hältst.

      1. Im Radsport sorgt derzeit eine Geschichte für Schlagzeilen, die ihren Ursprung in Rassismus hat:

        Im April dieses Jahres hatte der italienische Radprofi Gianni Moscon (23) den dunkelhäutigen Franzosen Kevin Reza (Team FDJ) mit rassistischen Äußerungen beleidigt. Daraufhin wurde Moscon von seinem Team (Sky) für sechs Wochen gesperrt. Gianni Moscon entschuldigte sich für sein Verhalten; Kevin Reza und sein Team nahmen die Entschuldigung an. Der Fall schien erledigt.

        Am 3. Oktober zog sich der Schweizer Sébastien Reichenbach (Team FDJ) bei einem Radrennen in Italien schwere Verletzungen zu: Er brach sich u.a. den Ellenbogen. Die Saison ist für den Schweizer Radprofi damit beendet. Nun sind Stürze im Radsport keine Seltenheit, aber dieser wurde nach Aussage von Reichenbach durch Gianni Moscon absichtlich verursacht. Sébastien Reichenbach ist davon überzeugt, dass es sich um eine Revanche gehandelt hat, weil er Moscons rassistische Beleidigungen öffentlich gemacht hatte. Moscon bestreitet dies.

        Sowohl Radprofi Sébastien Reichenbach als auch sein Team FDJ haben inzwischen Strafanzeige gegen Gianni Moscon erstattet. Der Schweizer gilt unter Radprofis als Ehrenmann. Insofern ist es unwahrscheinlich, dass seine Schuldzuweisung erfunden ist, zumal er Zeugen benannt hat. Der Ausgang des Gerichtsverfahrens wird in der Radsportszene mit Spannung erwartet.

        Was lehrt uns das? Entweder hat der Italiener in jungen Jahren keinen Ethikunterricht genossen, oder es haben alle weggeschaut, als es Anzeichen für sein auffälliges Verhalten gab. Um dieses „Wegschauen“ geht es. Die Verurteilung jeglicher Form von Gewalt ist ein erster Schritt. Das darf man ruhig in unser Gebetbuch (Satzung) schreiben. Damit werden wir nicht den latenten Rassismus in der Welt besiegen, aber wenn es uns gelingt, einen einzigen – wie den zuvor beschriebenen – Fall zu verhindern, haben wir viel erreicht.

  11. Ich finde dass solche Regelungen in Vereinssatzungen nichts zu suchen haben. Im Schach gibt es natürlich selten Gewalt, außer der psychischen durch starke Züge.
    Aber was würde in unserem Verein ein Polizist machen, der abends Schach spielt und am nächsten Tag einen Demonstranten festnimmt? Die Festnahme ist Gewalt (ich verurteile das nicht, aber es ist Gewalt). Nur weil wir uns selber mir friedlichen Dingen beschäftigen heißt das nicht das draußen auch nur Kindergeburtstag ist.
    Und was ist, wenn Barack Obama unseren Schachverein betreten würde? Wir müssten ihn aus dem Haus jagen, den Drohnenmörder und Bombenwerfer.
    Und was ist wenn ich in Notwehr jemanden verletze? Werde ich dann ausgeschlossen?

    Ich habe mich schon sehr gewundert, als in einer Umfrage Moslems gefragt wurden, ob sie grundsätzlich Gewalt ablehnen. Warum sollten sie das tun? Weder Barack Obama, noch Angela Merkel lehnen Gewalt ab. Mutti hat sich sogar öffentlich gefreut, als ihr Freund Barack den ollen Osama bin Laden erschießen ließ. Und das war nicht einmal Notwehr.

    1. Torsten, du bist das beste Beispiel, dass solche Regelungen geboten sind. Vor einem Jahr hast du öffentlich erklärt:

      Ich will meinem Gegner maximale seelische Schmerzen zufügen.

      Dass du damit gegen die Satzung des Landessportbundes Niedersachsen verstößt, sollte dir bewusst sein. Darin stehen nämlich die entsprechenden Regelungen, die in der Satzung des Schachbezirks Hannover leider nur stark verkürzt übernommen wurden.

      § 2 Zweck, Grundsätze und Aufgaben des LSB
      6. Der LSB ist parteipolitisch neutral. Er vertritt die Grundsätze religiöser, ethnischer und weltanschaulicher Toleranz.

      7. Der LSB bekennt sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung und tritt allen rassistischen, antisemitischen und extremistischen Bestrebungen und Aktivitäten entschieden entgegen.

      8. Der LSB verurteilt jegliche Form von Gewalt, unabhängig davon, ob sie körperlicher, seelischer oder sexueller Art ist.

      Seelische Gewalt in jeglicher Form wird vom LSB also ausdrücklich verurteilt. Nun kannst du nicht argumentieren, dass das für dich nicht zählt, denn der Niedersächsische Schachverband ist gemäß eigener Satzung Mitglied im LSB (Artikel 2.3), und Satzungen der Bezirke dürfen Verbandsrecht nicht entgegenstehen (Artikel 12).

      Dass dein Bekenntnis zur seelischen Gewalt keine leeren Worte sind, weißt du selbst. Deshalb empfehle ich dir, demütig damit umzugehen. – Das Strafrecht ist eine eigene Liga und sich darauf zu berufen, dass andere ihren Amtseid verletzen, ist kein Freibrief für einen rechtsfreien Raum.

  12. Hallo,
    die Ahndung von Unsportlichkeit (Handlung, nicht Gesinnung) erfolgt im Bezirk nach der Diziplinar- und Schiedsgerichtsordnung. Es sind also alle Regeln dort, wo sie hingehören.
    Wenn Torsten durch das bloße Auffinden und Ausführen guter Züge seinem Gegner seelische Schmerzen bereiten möchte, dann darf er das. Wenn Torstens Gegner auf Grund dieser Züge seelische Schmerzen empfindet, dann ist das sein Problem. Das ergibt sich aus der Natur des Schachs, nämlich Züge auf einem Schachbrett auszuführen bzw. vorzufinden. Wer sich damit nicht auseinandersetzen möchte, sollte sich ein anders Hobby suchen. (Irgend-)Eine (gute) Gesinnung kann nirgends verlangt werden. Alles, was sich bloß in jemandes Kopf abspielt, ist nicht justiziabel. Es bedarf eines Mindestmaßes an sachfremder Handlung.

    1. Möchtest Du, daß Dir die vielfältige Schönheit des königlichen Spiels offenbar werde, möchtest Du Eindringen in seine tiefen Geheimnisse, und möchtest Du Dir all die Tugenden erwerben, die den Schachspieler auszeichnen – Mut, Fantasie, logisches Denken, Konzentrationsvermögen und Kameradschaftlichkeit?

      Das ist der erste Satz eines Briefes, den ich als Jugendlicher vor 53 Jahren von den Schachfreunden Badenstedt erhielt. Die Frage: „Möchtest du deinen Gegnern maximale seelische Schmerzen zufügen?“, war in dem Brief nicht enthalten. Die Sache mit den Tugenden inkl. Kameradschaft beruhte auf Gegenseitigkeit. Andere Hobbys hatte ich trotzdem. Das lag aber nicht an unangenehmen Zeitgenossen unter den Schachspielern. Die waren äußerst selten. Womöglich ist das heute anders, wenn ich deinen letzten Kommentar richtig verstanden habe. Wer sentimental ist, möge sich ein anderes Hobby suchen. Entsprechende Appelle an altmodische Werte sind deshalb überflüssig und haben in Satzungen nichts zu suchen. – Ich bin froh, dass das die überwiegende Mehrheit in unserem Lande anders sieht. Die entsprechenden Regeln in den Satzungen der Sportverbände sprechen eine deutliche Sprache.

  13. Een handvull Drööme

    Deutschland hat jetzt kein einsatzfähiges U-Boot mehr. Dafür sind Krabbenbrötchen billiger geworden. Die grauen Haare von Birgit Schrowange sind echt. In Berlin wird sondiert. In Hannover auch. Derweil lecken wir Schachfreunde unsere Wunden. Zur Überbrückung zeige ich euch, wie eine echte Sondierung aussieht (siehe oben). Wichtig ist, was unten rauskommt. Tragfähiger Schluff oder eine Torflinse, die auf Druck nachgibt.

  14. Dann geht doch nochmal zur Wahl!

    Eine kopflose Partei (siehe oben) stellt Niedersachsen vor die Wahl: GroKo oder Neuwahlen. Was eine GroKo für die Glaubwürdigkeit von Parlamentariern bedeutet, hat Roger Willemsen in seinem ausgezeichneten Buch „Das Hohe Haus“ trefflich beschrieben. Hier ein kleiner Auszug von den Eindrücken, die er am 18. November 2013 im Reichstag hatte, nachdem sich die GroKo abzeichnete:

    Die Zonen der Verödung dehnen sich weiter aus. Die Empörungsherde werden erstickt. Man macht sich keine Probleme mehr. Aufklärung war versprochen worden, Aufklärung bleibt aus.

    Ich hoffe, dass Stephan aus Siggis Fehlern gelernt hat. Opposition oder Neuwahlen, bei denen die kopflose Partei leer ausgeht, sind allemal besser. Hat eigentlich jemand über den Sinn des Wahlplakats nachgedacht? „Die Sicherheit muss besser organisiert sein als das Verbrechen.“ „Hä?“ Das Verbrechen wird damit akzeptiert. Verbrechen ist gut, Sicherheit ist besser. Oder ist etwa die Deutsche Bank gemeint? Wegen (angeblich) gefälschter Zinssätze hat sie sich im Libor-Skandal mit 45 US-Staaten just auf einen Vergleich geeinigt. Für 220 Millionen US-Dollar wurde der Streit beigelegt. Peanuts!

    1. Meine Meinung zu ein paar Wahlslogans:

      Die Sicherheit ist besser organisiert als das Verbrechen. Sie muss sich aber an Gesetze halten, zudem hat das Verbrechen den Überraschungseffekt auf seiner Seite.

      „Schulranzen verändern die Welt, nicht Aktenkoffer“: Hat jemand schon mal nachgesehen, wie Herr Lindner seine Akten transportiert? Im Schulranzen oder im Aktenkoffer?

      „Eine Frau, die 100% arbeitet, darf nicht 21% weniger verdienen.“ Aber bei einem Mann wäre das ok?

      „Martin Luther würde NPD wählen.“ Man sollte toten Menschen nicht Dinge unterstellen gegen die sie sich nicht wehren können.

  15. Morgen wird der neue Plenarsaal des Niedersächsischen Landtags feierlich eröffnet. Die Geschichte, die es rund um den Umbau gibt, ist ein Paradebeispiel dafür, wie die öffentliche Meinung manipuliert werden kann. Gebetsmühlenartig wird behauptet, der Denkmalschutz sei eingehalten worden. Ohne Denkmalschutz hätte man billiger, moderner, schöner, ökologischer, nachhaltiger und schneller bauen können. Obwohl meine Tageszeitung (HAZ) in einer einzigartigen Kampagne den bereits verabschiedeten Neubau verhindert hatte, kamen ihr jetzt offenbar Selbstzweifel. „Ist das noch ein Denkmal?“, war der Aufmacher in der Dienstagausgabe. „Natürlich ist das noch ein Denkmal!“, lautete die Antwort des mit dem Umbau beauftragten Architekten. Was soll er auch anderes sagen? Nun hat dieser Umbau mit Denkmalschutz so viel gemeinsam wie ein Seepferd mit einem Springpferd. Öffentlich sagt das niemand, aber alle, die nicht von den Entscheidungsträgern abhängig sind, wissen das. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass sowohl die Planer als auch die Handwerker gute Arbeit geleistet haben. Aber die Chance für die Realisierung eines zukunftsweisenden Neubaus wurde verpasst. – Bleibt zu hoffen, dass diejenigen, die im Inneren regieren werden, nicht rückwärtsgewandt sind.

  16. Wenn der erste Mann im Staate nach Hannover kommt, dürfen die Schachfreunde Hannover nicht fehlen. Deshalb bekommt ihr – während der Festakt im Plenarsaal noch läuft – von mir aktuelle Bilder (siehe oben). Wer einen Dienstwagen mit dem Kennzeichen 0-1 fährt, darf sich Bundespräsident von Deutschland nennen. Für mich gäbe es auf meine alten Tage noch zwei Herausforderungen: entweder Bundespräsident oder Paparazzo. Als Bundespräsident oder König von Deutschland à la Rio Reiser wäre meine erste Amtshandlung: Freibauer für alle! Dafür dürfen die Bauern kein Glyphosat mehr auf ihren Feldern versprühen. Und weniger Gülle!

    1. Der Wagen des Bundespräsidenten hat kein Kennzeichen, sondern ein Unterscheidungszeichen, gem. Anlage 3 zur Fahrzeug-Zulassungsverordnung vom 3. Februar 2011 (BGBl. I S. 139), die zuletzt durch Artikel 1 der Verordnung vom 31. Juli 2017 (BGBl. I S. 3090) geändert worden ist.

  17. Unser Trojanisches Pferd (kleiner Scherz) im neu gewählten Niedersächsischen Landtag konnte ich auch mit meiner Kamera festhalten. Ihr wisst schon: unser Ex-Mitglied Alptekin Kirci (siehe Ergänzung meiner Bilder). Es handelt sich um den jungen Mann im Hintergrund, der sich in Begleitung unserer Ex-Kultusministerin Frauke Heiligenstadt befindet. Über die gut gelaunten Herren, die im Vordergrund auf der Treppe stehen, werde ich kein Wort verlieren.

  18. Topschachspieler können jede Stellung gut spielen, erklärte mir mal der Exvorsitzende Michael Gründer.
    Gilt das entsprechend auch für Politiker? Können die jede Rolle gut spielen? Mal freundlich, wenns um den Koalitionspartner geht, mal aggressiv, wenn man in der Opposition ist, mal ruhig und überblickend, wenn sie Bundeskanzlerin ist.
    Sehr beeindruckend fand ich Thomas Oppermann. Der sollte den Unterschied zwischen den Obergrenzen von Gabriel und Seehofer erklären. Gabriels Obergrenze war natürlich gut und Seehofers schlecht. Verstanden habe ichs nicht. Wahrscheinlich hat Oppermann es auch nicht verstanden. Rede einfach irgendeinen Quatsch! Wird schon keiner nachfragen. Denn wer fragt zeigt damit, dass er es nicht verstanden hat. Oppermann dagegen kann zumindest so tun als ob er sein eigenes Gerede verstanden hat. Wenn einer fragt, sagt er einfach den gleichen Quatsch noch mal, nachdem er vorher die Satzstellung etwas verändert hat. Spätestens dann traut sich keiner mehr nachzufragen.

    Im Schach geht das selten gut. Quatsch spielen wird meistens erbarmungslos bestraft. Ein schönes Spiel.

  19. Körpersprache

    Ist es lässig oder stillos, Hände in der Hosentasche zu tragen? Kommt drauf an, werdet ihr antworten. Richtig. Auch ohne Knigge sind wir uns sicher einig: Bei der Begrüßung anderer Menschen gehört die Hand nicht in die Hosentasche. Was ist, wenn man anlässlich eines Staatsakts einem Geistlichen bei der Verabschiedung die rechte Hand gibt und die linke in der Hosentasche vergräbt? Ein No-Go!? Nicht für den Landesvorsitzenden der Freien Demokraten in Niedersachsen. Guckt ihr oben mein neuestes Bild.

    Die Deutung überlasse ich den Küchen-Psychologen unter euch. Die Pfiffigen werden noch etwas bemerken: Der Mann mit der Hand in der Hosentasche folgt schnurstracks dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der Partei, mit der er künftig gern regiert hätte. Purer Zufall?

  20. Was bringt eine Wahl, wenn am Ende die aus alten Männern bestehende Mehrheit über das Schicksal aller entscheidet? Antwort: „Die Zonen der Verödung dehnen sich aus“ (Zitat von Roger Willemsen). Jede Ähnlichkeit von politischen Parteien mit Schachorganisationen ist kein Zufall.

  21. Arbeit & Soziales

    Kann sich jemand an die Bundestagswahl 2009 erinnern? Nö!? Guckt ihr oben mein letztes Bild. Unser neuer Minister für Arbeit & Soziales war auf seiner Wahlkampftour kurz in seine Heimatstadt Peine zurückgekehrt. Der Wahlausgang wurde für seine Partei ein Desaster. Das ficht ihn nicht an. Nun wird er Minister trotz eines noch schlechteren Abschneidens. Das Votum alter Männer macht‘s möglich. Und der Proporz. Er ist Niedersachse. Klar. Ein anderer Niedersachse muss als Minister seinen Hut nehmen. Auch klar. Der Mann aus Peine bekommt nun einen Dienstwagen mit Chauffeur. Sein alter Bulli aus dem Jahr 2009 ist längst verschrottet. Den Insassen nennen seine Parteifreunde liebevoll Hubi. Hubi wird seine Arbeit gut machen. Das sage ich ohne Häme. Jedenfalls besser als seine Kollegen südlich des Weißwurstäquators. – Und wie denkt die Schachwelt darüber? Die wirft jetzt öfter einen Blick auf den Peiner SV. Am Sonntag geht’s in der Verbandsliga Ost gegen den Tabellenführer aus Braunschweig Gliesmarode. Mit neuem Selbstbewusstsein versteht sich.

  22. Endlich wieder Weihnachtsmarkt

    … ist heute der Aufmacher in den Sylter Nachrichten. Wenn das keine gute Nachricht ist!? Den Westerländern wird rechtzeitig vor Ostern ganz warm ums Herz. „An den Wochenenden könnten flauschige Esel in einem geschützten Gehege die Geschichte um Betlehem aufgreifen“, verspricht der Veranstalter. Flauschig ging’s gestern bereits in Berlin zu. „So wahr ihnen Gott helfe!“ „Vergiss es!“, tönt eine Stimme aus dem Himmel in derselben Zeitung. So aufmüpfig können nur Karikaturisten (Tomicek) sein. „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt von Rheinmetall, BASF usw.“ (frei nach Geier Sturzflug).

    War mein Aufruf: „Dann geht doch zur Wahl!“ rückwirkend betrachtet richtig oder falsch? „Richtig!“, lautet die richtige Antwort. Ob wir nun falsch regiert werden, wie ein smarter Oppositionspolitiker vermutet, werden wir beobachten. Wir Schachspieler gucken genau hin. Schließlich geht es auch um unsere Zukunft, wobei die eigene Performance natürlich Priorität hat. – Für den Peiner SV hat der Hubi-Hype noch keine Früchte getragen. In der Verbandsliga Ost gab es gegen den SC Braunschweig Gliesmarode von 1869 (!) trotz eines kampflosen Punkts eine 1,5 : 6,5 Klatsche. „Der größte Ruhm im Leben liegt nicht darin, nie zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen.“ (Nelson Mandela)

    „Wie viele Monate kann ein Schachspieler vorausberechnen?“, ist eine oft gestellte Frage von Laien. Antwort: „Bis es gebrannte Mandeln, heiße Maronen, Schmalzgebäck, Glühwein und die nächste Bundesregierung gibt allemal.“

      1. Nicht, dass ich wüsste. Ich glaube, dafür sind wir zu progressiv (jedenfalls die Mehrheit). Aber gut informiert wird hier jeder. Guckst du zum Beispiel:

        ,Hubi’ macht’s – Hubertus Heil wird Arbeitsminister
        Wolfsburger Nachrichten vom 09.03.2018

        „Hubi, Du sollst mal Kanzler werden“
        Stern vom 03.11.2005

  23. Saubermänner

    Gewählt und dennoch machtlos. Ganz Europa schaut derzeit auf eine unscheinbare Stadt in Norddeutschland: Neumünster. „Ausgerechnet im deutsch-dänischen Grenzland, wo Minderheitenrechte hoch gehalten werden und man sehr viel Verständnis für regionale Besonderheiten, Sprachen und Brauchtum hat, wird ein Mann festgesetzt, der nichts anderes für seine stolze Region in Anspruch nehmen will“, heißt es heute im Leitartikel des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (shz). Was wäre, wenn Markus Söder die Unabhängigkeit des Freistaats Bayern ausrufen würde? Bekäme er 30 Jahre Haft oder das Bundesverdienstkreuz?

    Wie es der Zufall will, war ich am Freitag auch in Neumünster. Was ist mir in Erinnerung geblieben? Ein schmuddeliges Hinweisschild im Zentrum (guckt ihr oben). Wir leben in einem Land, in dem der Tatortreiniger eine eigene Fernsehserie erhält, aber die Sauberkeit von Schildern keine Beachtung findet. Und die Moral von der Geschicht‘? Wir Schachspieler legen uns wieder hin. Bloß nicht die Finger schmutzig machen.

  24. 1968 wurde das Widerstandsrecht in das Grundgesetz aufgenommen. Damit erhielt jeder Deutsche das Recht zum Widerstand gegen denjenigen, der die verfassungsmäßige Ordnung zu beseitigen versucht (Art. 20 Abs. 4 GG).

    1990 beseitigte die damalige Bundesregierung diese Ordnung, indem sie es zuließ, dass Hoheitsrechte auf die EU übertragen werden (Artikel 23 Abs. 1 GG).

    Somit hat Bayern das Widerstandsrecht und kann aus der Bundesrepublik austreten.

    Das war natürlich alles nur Satire!

    1. Frei nach Hape Kerkeling:

      Das ganze Leben ist Satire,
      Und wir sind nur die Kandidaten.
      Das ganze Leben ist Satire, ja,
      Und wir raten, raten, raten.

      Rate mal, was passieren würde, wenn der Dalai Lama auf der Autobahn festgenommen wird.

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