SFH-Logo



Schachfreunde Hannover von 1919 e.V.





Dem Abstiegsteufel in letzter Sekunde von der Schippe gesprungen



von Wolfgang Schubert

Die Ausgangslage für unser „Dritte“ war denkbar ungünstig: Bei 10 Mannschaften würde es 3 Absteiger geben und wir lagen mit einem Punkt weniger als die 3 Mannschaften vor uns - ganz unten am Tabellenende...nach einer bisher mehr als unglücklich verlaufenen Saison. Denn eigentlich müssten wir in dieser Liga einen gesicherten Mittelplatz belegen.

Aber da gab es ein paar unvorhergesehene Ereignisse, die plötzlich und unerklärlich über uns hereinbrachen.


Nun denn, trotzdem war die Ausgangslage so schlecht nicht: Wir spielten gegen einen direkten Konkurrenten um den Abstieg – SK Neustadt –, den wir mit einem Sieg schon mal hinter uns lassen konnten. Anderten spielte gegen einen sehr starken Tabellendritten – Stadthagen -, für den noch Chancen für den Aufstieg bestanden und waren von der Papierform und dann „in echt“ auch chancenlos. So kam es denn auf das Ergebnis in Stolzenau an, wo unser dritter Abstiegskonkurrent Ricklingen einen Sieg holen musste, was so wahrscheinlich – von der Papierform her auch nicht grade war.


Also klare Ausgangslage: Erstmal musste ein Sieg für uns her: Wir alle gingen mit der konzentrierten Anspannung zu Werke, die ein echter - manchmal in seinem eigentlichen Genius leider verhinderter - Schachkünstler am Brett braucht.


Und es lief an diesem Tage wie das Wetter draussen war: Sonnenschein pur und angenehmste Temperaturen. Dort wo wir DWZ-mässig überlegen waren standen wir auch relativ zügig besser: Ein ausnahmsweise ausgeschlafener Jürgen (Reschke) an 5, Hermann (Schulz) – Hannover´s Seniorenhoffnung – und ich selbst standen besser uns konnten dann auch ohne allzu große Komplikationen volle Punkte einfahren.


Zwischendurch musste sich noch ein etwas müder, aber umso konzentrierter Dennie (Ackermann) mit einem weiteren Sieg einmischen. 4 Punkte waren also schon vor der Zeitgrenze eingefahren und alle anderen Partien standen ausgeglichen bis besser, allein Ulli (Wolf) musste seiner schlechteren Stellung Tribut zollen.


Nun begann aber der interessante Teil des Tages: der nächste rettende halbe Punkt wollte einfach nicht kommen. Martin (Herbergs) Stellung verschlechterte sich rapide und mündete in einem eigentlich verlorenen Turmendspiel mit 2 Bauern weniger. Torsten an 1 bot eine bärenstarke Vorstellung und war – bei komplizierter Stellung – im Vorteil, der aber bei heftiger Gegenwehr irgendwie schwierig nach Haus zu bringen war.


Unser Dramatiker André (Kutschenreiter) trieb uns mal wieder nur aus einem Grund das Blut durch die Adern: In leicht vorteilhafter Stellung, bei ungleichfarbigen Läufern tot Remis, verweigerte er sich heroisch selbst den Remisangeboten des Gegners, wie auch den Ratschlägen seiner Mannschaftskameraden, die damit den voraussichtlichen Klassenerhalt gesichert sahen – und wollte unbedingt gewinnen und geriet bei der zweiten Zeitgrenze mal wieder so richtig schön in Zeitnot, die er aber letzlich einigermaßen sicher nehmen konnte, schließlich war doch noch die eine oder andere Sekunde „auf dem Blättchen“. Puhuhh...Wir mochten nicht dran denken, wenn bei ihm das Blättchen gefallen wäre, Martin verloren und Torsten in komplizierter Stellung noch vergurkt hätte...au weia..


Aber nach dem gelungenen Nehmen Zeitgrenze, war die Stellung so tot Remis, dass einfach nichts mehr passieren konnte. Schließlich einigte sich dann doch André auf das unausweichliche Remis.


Selbst Martin betrog dann noch seinen Gegner um seinen Sieg, und sicherte sich ein völlig überraschendes Remis. Torsten und sein Gegner knüppelten kurz vor der finalen Zeitgrenze ihre Züge auf´s Brett, Torsten verweigerte sich den hartnäckigen Remisangeboten seines Gegners und das sollte sich – wieder mal – rächen. Aber das war das einzige graue Wölkchen an diesem Tage.


Nach einem Anruf bei Udo (Harms), der uns aus dem Internet die Niederlage der Ricklinger in Stolzenau mitteilen konnte, war klar, dass wir das fast unmögliche doch noch – natürlich verdient – geschafft hatten: d e n K l a s s e n e r h a l t !!!!!


In Zeiten des world-wide web verbreitete sich diese sensationelle Nachricht schnell auf allen Tickern dieser Welt. Selbst Auslandsdeutschen der dritten Generationen in Australien und Argentinien feierten diesen historischen Moment mit begeisterten Mails und Anrufen!


Letzte Änderung: 20.Jun. 2010

Zurück

Startseite