Corona Chaos

Ich habe fertig. Die Kommunikationsweise der für mich relevanten Schachorganisationen ist erschreckend nichtssagend. Es wird zwar über Onlineschach berichtet, aber zum Thema Nahschach nicht viel mehr als Schweigen.

Dabei könnten die Schachoffiziellen zumindest mal Wasserstandsmeldungen abgeben: Wie ist der Stand, was geht? oder ihre Mitglieder befragen, wie diese die Sache sehen: Wer will noch spielen? Mit oder ohne Maskenpflicht? Mindestabstand?

Der Schachbezirk hat nach langem Schweigen immerhin entschieden, dass vor März 2021 nichts passiert (20.8.2020).

Da gibt es selten mal so Perlen wie:

„Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

das Freizeitheim Lister Turm darf noch bis mindestens 31.8.2020 keine
Sportveranstaltungen durchführen. Daher nutzt die Gelegenheit, mit Euren
Vereinskameraden online auf Lichess zu spielen.“

sagt mein Ausbildungsreferent vom HSK Lister Turm.

Klare Aussage, leider ohne Links und daher nicht nachprüfbar. Aber trotzdem sehr löblich.

Die Stadt Hannover liefert Widersprüchliches (mein Verein der SK Lister Turm spielt im Freizeitzentrum Lister Turm):

„Alle Stadtteilkultureinrichtungen sind zurzeit geschlossen, aber trotzdem ist die Stadtteilkultur mit vielen Aktionen aktiv und bringt die Kultur in die Stadt.“ (zuletzt aktualisiert am 28.5.2020) https://www.hannover.de/Service/Presse-Medien/Landeshauptstadt-Hannover/Aktuelle-Meldungen-und-Veranstaltungen/Stadtteilkultur-mit-vielen-Aktionen

„Unter Einhaltung der geltenden und aktuellen Landesverordnungen haben die neun folgenden, kommunalen Stadtteilkultureinrichtungen seit dem 25. Mai die Türen für eine eingeschränkte Nutzung wieder geöffnet: Freizeitheim Döhren, Stadtteilzentrum KroKuS, Freizeitheim Linden, Stadtteilzentrum Lister Turm, Bürgerhaus Misburg, Stadtteilzentrum Ricklingen, Stadtteiltreff Sahlkamp, Freizeitheim Vahrenwald, Stadtteilzentrum Weiße Rose.“ https://www.hannover.de/Kultur-Freizeit/Freizeit-Sport/Freizeiteinrichtungen/Freizeitheime-Stadtteilzentren/Stadtteilzentrum-Lister-Turm/Veranstaltungen-Kurse/Schrittweise-%C3%96ffnung-der-Stadtteilkultureinrichtungen

Was denn nun? Geöffnet oder geschlossen und Ende August sind diese Meldungen von Ende Mai die aktuellen Stände? Bemerkenswert ist, dass die Stadt Hannover ihre Seiten (z.B. mit den Öffnungszeiten der Freizeitheime) nicht aktualisiert, dafür aber auf eine Coronaextraseite verlinkt, die dann wieder weiterverlinkt und dann zu den oben aufgeführten alten, sich widersprechenden Meldungen führt.

Wer sich z.B. die Hauptseite des Lister Turm ansieht stellt fest, dass dieses angeblich geöffnet ist: https://www.hannover.de/Media/02-GIS-Objekte/Organisationsdatenbank/Landeshauptstadt-Hannover/Kultur-Freizeit/Freizeitheime/FZH-Lister-Turm/Stadtteilzentrum-Lister-Turm#openinghours_anchor und das bis 23 Uhr. Klicke ich dann aber auf den Corona-Link oben auf der Seite und weiter auf die Stadtteilkultur erfahre ich, dass wie oben genannt alles geschlossen hat. Also hilft nur noch anrufen (falls jemand abnimmt) oder selber hinfahren. Und das alles im digitalen Zeitalter.

Aber auch der Kontakt über Telefon ist schwierig, wie auch die Stadt selber zugibt:“Um die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 (Coronavirus) zu verlangsamen und einzudämmen, sind zahlreiche Dienststellen der Landeshauptstadt Hannover nur eingeschränkt und mit vorheriger Terminvereinbarung für den Kund*innenverkehr geöffnet, andere Einrichtungen sind noch geschlossen. Die Erreichbarkeit ist in vielen Fällen jedoch über E-Mail, Telefon oder auf dem Postweg gegeben: https://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Gesundheit/Gesundheitsschutz/Coronavirus-in-der-Region-Hannover/Meldungen-zum-Coronavirus/Erreichbarkeit-von-st%C3%A4dtischen-Dienststellen

Sorry aber „in vielen Fällen“ reicht mir nicht.

Man erinnere sich an die Abfallhöfe, die Mitte März für viele Wochen geschlossen hatten. Man wolle die Erkrankungszahlen der Mitarbeiter in der Zukunft erstmal verfolgen. Man stelle sich vor das hätte der örtliche Edeka gemacht.

Dabei hätten die Abfallhöfe zahlreiche Möglichkeiten gehabt sich zu schützen (Kontakt nur durch eine geschlossene Scheibe, Besuch nur mit Anmeldung, Begrenzung der Personenanzahl auf dem Hof) Die Maskenpflicht wurde damals noch als zusätzliches Risiko betrachtet.

9 Gedanken zu „Corona Chaos“

  1. Weitere Beispiele: Standesamt Hannover: Paar versucht seit Wochen erfolglos, seine Hochzeit anzumelden (4.8.2020) (https://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Standesamt-Hannover-Paar-versucht-seit-Wochen-erfolglos-seine-Hochzeit-anzumelden; hinter der Paywall)
    Nach der Öffnung der Abfallhöfe kam es zum Chaos, weil jetzt alle ihren Abfall loswerden wollten: Wertstoffhöfe in Region Hannover überlastet (29.4.2020) https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Wertstoffhoefe-in-Region-Hannover-ueberlastet,aktuellhannover5386.html

    1. Gestern standen die Öffnungszeiten der Freizeitheime und Stadtteilzentren in der Zeitung (HAZ). Habe leider keinen Online-Link. Könnte das Bedarf abfotografieren.
      Auf jeden Fall sind sämtliche Einrichtungen bis 31.12.2020 sonntags geschlossen.

  2. Interessant. Die Webseite der Stadt Hannover ist Chaos. Wie wärs mal mit einer Datenbank in der die Daten für alle Seiten aktualisiert werden?

    1. Guckst du HAZ vom 29.05.2018: Website der Stadt wird immer unbeliebter. Demnächst gibt’s eine Neue für schlappe 700.000,00 €. Dann wird dir auf Anhieb geholfen.

  3. Kaum zu glauben, aber die städtische Website galt mal als sehr fortschrittlich und hat nach meiner Erinnerung sogar einen Preis gewonnen. Dass jetzt das „Chaos“ um sich greift, hat wohl zwei Gründe:
    1) Wenn bei so einer großen Seite 8 Jahre lang immer wieder angebaut, umgebaut und improvisiert wird (weil die Stadt sich eben verändert, neue Angebote und Möglichkeiten ergänzt werden sollen), dann hinterlässt das Spuren. Je länger dieser Prozess dauert, desto notwendiger wird eine Neuauflage. Das ist ganz normal und niemandes Schuld. 700.000 Euro klingt viel, aber mir scheint diese Summe absolut gerechtfertigt – denn mit „einer Datenbank“ alleine, wie Torsten meint, ist es leider nicht getan.
    2) Eine Website kann ihre Qualität nur halten, wenn Menschen sich um die Aktualität bemühen. Fehlen die Leute für diese Aufgaben, sind Zuständigkeiten unklar oder Strukturen undurchsichtig, endet das in falschen, widersprüchlichen oder fehlenden Informationen. Eine neue, wieder übersichtliche Seite KANN aber auch der Aktualität auf die Sprünge helfen. Hoffen wir erst einmal, dass die Programmierer ihren Job verstehen.

    1. Von einer „Datenbank alleine“ habe ich nicht gesprochen. Aber eine Datenbank ist die Grundlage. Auch die Seiten müssen sich ändern.
      Aber es kann eben nicht sein, dass es eine Seite gibt auf der steht, dass der Lister Turm wie vor Corona geöffnet ist, eine andere auf der er geschlossen ist und eine Presseseite auf der dann ein Mittelding verkündet wird.
      Wenn alle drei Seiten auf den gleichen Datensatz in einer Datenbank verweisen passiert so etwas nicht.
      Der Veranstaltungskalender hat vermutlich eine Datenbank. Aber das ist nur ein Teilbereich.

  4. Ich dachte mir schon, dass du protestieren würdest, Torsten 😉

    Ich will diese Nebendiskussion jetzt nicht ausufern lassen, aber… Die Artikel auf hannover.de sind mit Sicherheit auch jetzt schon in einer Datenbank gespeichert. Websites ohne Datenbank, die gibt es auf professioneller Ebene schon lange nicht mehr. Das ist gar nicht der Punkt. Es geht vielmehr darum, wer was aktualisieren soll und darf. Bei hannover.de existieren offenbar mehrere Artikel, die sich irgendwie mit den Öffnungszeiten in Freizeitheimen befassen. Das ist historisch so gewachsen und sollte aufgeräumt werden. Es braucht eine neue, gut durchdachte Ordnung.

    Wenn Google halbwegs recht hat, gibt es auf hannover.de weit über 100.000 Dateien. Ist das nicht super gut strukturiert, regiert eben das „Chaos“. Nachdem so eine Mega-Website viele Jahre online ist, hilft nur ein kompletter Relaunch.

    1. Du kannst natürlich auch in einer Datenbank drei verschiedene Datensätze mit unterschiedlichen Öffnungszeiten des Lister Turm haben. Man muss die Datenbank halt auch konsequent nutzen. Diese Webseite hat ja auch eine Datenbank. Trotzdem könnte es hier noch strukturierter sein. Das ist aber nicht schlimm, weil wir nicht so groß sind wie die Stadt Hannover.

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