Das Rauschen im Blätterwald

Am Anfang dieser Woche las ich es: Jetzt jammern die Deutschen wieder: Wir brauchen mehr Medaillen.

Danach kamen die Medaillen bei Olympia 2016.

Aber wer jammert da eigentlich? Ich habe noch niemanden jammern gehört außer der Presse und dem Fernsehen selber. Und auch bei der Fußball-WM 2014 als nach der Fast-Pleite gegen Algerien das Fernsehen bemerkte, dass wir 80 Millionen selbsternannte Bundestrainer hätten, die meinten alles besser zu wissen, hatte ich nur vom Fernsehen selber vernommen, dass die deutsche Mannschaft vieles falsch mache (Man erinnere sich an das legendäre Eistonnen-Interview mit Per Mertesacker, direkt nach dem Algerienspiel).

Presse und TV erzeugt häufig selber Volkes Meinung, die sie dann sogleich kritisieren. Als ob es jemand aus dem Volk gesagt hätte. Das Volk selber zu befragen ist doch viel zu teuer. Dafür müsste man ja auf die Straße gehen. Und möglicherweise sagt das Volk dann Sachen, die nicht zur gewünschten Schlagzeile passen. Bliebe natürlich noch die Möglichkeit ein paar Laienschauspieler zu bezahlen, die dann das Gewünschte sagen. Soll ja auch schon passiert sein.

Tatsächlich gibt es zum Thema Medaillenträume (und das gilt ja auch fürs Schach, womit ich ausnahmsweise beim Thema dieser Webseite wäre) zwei Extremmeinungen. Die einen, die sagen, dass der Staat den Sport finanziell fördern soll und mehr Geld ausgeben soll. Und die anderen, die nichts zahlen wollen und dafür weniger Erfolg akzeptieren. Das sind meist die Leute, die auch keine Steuern und Rundfunkgebühren zahlen wollen.

Mehr Medaillen und weniger zahlen zusammen geht allerdings nicht. Denn das Geld schießt bekanntlich die Tore. Elisabeth Pähtz ist übrigens Sportsoldatin. Nur um mal zu zeigen, wo das Geld herkommt. Mehr gibt’s hier:

https://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.streitkraefte.spitzensport

Das mit dem Geld gilt auch für den kleinen Schachverein. Wollen wir einen Trainer bezahlen und / oder Geld für Jugendtraining ausgeben? Wohl wissend, das von den kleinen Rackern bestenfalls 10 % im Erwachsenenalter noch im Verein sind. Wir haben uns dagegen entschieden und das ist auch in Ordnung. Dann müssen wir möglicherweise damit leben, dass wir gemeinsam alt werden und irgendwann der letzte das Licht ausmacht. Wobei das Licht seit neuestem nur noch 14-tägig angeht, weil wir nur noch zweimal im Monat einen Raum im Freizeitheim gemietet haben.

Es sei denn, es finden sich Schachfreunde, die bereit sind sich ohne Geld zu engagieren.

Das wir jahrelang mehrere Aktive im Jugendtraining hatten (Dieter Jakob, Michael Gründer und Frank Titzhoff) lag daran, dass diese kein Geld verlangten. Es geht also auch ohne Geld, dazu braucht man aber aktive Schachspieler.

Aber kommen wir wieder zum Fußball. Das ist sowieso das interessantere Thema, weil mehr Geld fließt. Jeder der den Rundfunkbeitrag bezahlt finanziert diesen Sport durch die Übertragungsrechte. Egal, ob er ins Stadion geht oder den Fernseher anschaltet.

Zum Dank dafür darf man dann die opulenten Gehälter von Olli Kahn und Mehmet Scholl bezahlen. Warum müssen es eigentlich Nationalspieler sein, die als Experten auftreten? Unter den angeblichen 80 Millionen selbsternannten Bundestrainern dieses Landes wären bestimmt viele, die für weniger Geld ähnlich gut wären. Nur die Rubrik „Internes aus der Nationalelf“ muss dann etwas kürzer ausfallen.

Wenn das Programm weniger aufwändig und prominent gestaltet würde könnte zudem der Rundfunkbeitrag gekürzt werden.

Darauf kommt bei den Sendern natürlich niemand: Fußball ohne teure Experten? Wie soll das funktionieren?

Ich guck übrigens gleich Olympia. Irgendwie muss mein Geld für den Rundfunkbeitrag ja genutzt werden. Es gibt da ein paar interessante Livestreams:

http://rio.sportschau.de/rio2016/live/index.html

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