Ordnung oder Unordnung – Das ist hier die Frage

Wisst ihr, wie viele Turnierordnungen im Deutschen Schachbund gelten? Wer Lust hat, kann sie zählen. Nachfolgend habe ich alle aufgelistet; jedenfalls die, die ich im Netz finden konnte. Ihr müsst nur die jeweiligen Namen anklicken. Die führen als Link zu den Turnierordnungen. Die sind eine wahre Fundgrube. Mein Favorit ist die TO vom Bezirk Rhein-Wupper (NRW). Warum, erkläre ich in meinem Kommentar. Niedersachsen und die Norddeutschen Verbände habe ich vorangestellt, danach folgen die Landesverbände nach der Anzahl ihrer Mitglieder (Stand 01.01.2018).

Deutscher Schachbund 89.975 Mitglieder (Stand 01.01.2018)
1. Schach-Bundesliga
Oberliga Nord (veraltet, Website der Norddeutschen Landesverbände ist offline)

Niedersächsischer Schachverband 5.416 Mitglieder
Bezirk Hannover
Bezirk Braunschweig
Bezirk Südniedersachsen
Bezirk Lüneburg
Bezirk Oldenburg-Ostfriesland
Bezirk Osnabrück-Emsland

Berliner Schachverband 2.758 Mitglieder

Schachverband Schleswig-Holstein 2.403 Mitglieder
Bezirk Kiel
Bezirk Nord
Bezirk Ost
Bezirk West

Hamburger Schachverband 2.352 Mitglieder

Landesschachbund Mecklenburg-Vorpommern 1.111 Mitglieder

Landesschachbund Bremen 857 Mitglieder

Schachbund Nordrhein-Westfalen 18.020 Mitglieder
SV Ruhrgebiet
Schachbezirk Bochum TO Fehlanzeige!?
SG Dortmund
Essener Schachverband TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Emscher-Lippe
Schachbezirk Hamm
Schachbezirk Herne-Vest

Niederrheinischer Schachverband
Schachbezirk Bergisch-Land TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Düsseldorf  TO nur Jugendliche
Schachbezirk Duisburg
Schachbezirk Linker Niederrhein
Schachbezirk Wesel TO Fehlanzeige!?

SV Südwestfalen
Schachbezirk Iserlohn TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Oberberg TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Hochsauerland TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Sauerland
Schachbezirk Siegerland

SV Ostwestfalen-Lippe TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Bielefeld
Schachbezirk Hellweg TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Lippe TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Porta
Schachbezirk Teutoburger Wald-West TO Fehlanzeige!?

SV Münsterland
Schachbezirk Steinfurt TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Borken TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Münster TO Fehlanzeige!?

SV Mittelrhein
Schachverband Aachen
Schachbezirk Bonn/Rhein-Sieg
Kölner Schachverband
Schachbezirk Rur-Erft
Schachbezirk Rhein-Wupper vorbildlich!

Bayerischer Schachbund 16.176 Mitglieder
Schachbezirk Mittelfranken
Schachbezirk München
Bezirksverband Niederbayern
Bezirksverband Oberbayern
Bezirksverband Oberfranken
Schachverband Oberpfalz
Schachverband Schwaben
Schachverband Unterfranken

Schachverband Württemberg 9.346 Mitglieder
Bezirk Alb-Schwarzwald
Bezirk Neckar-Fils
Bezirk Oberschwaben
Bezirk Ostalb
Bezirk Stuttgart
Bezirk Unterland

Badischer Schachverband 7.846 Mitglieder
Bezirk Mannheim
Bezirk Heidelberg
Bezirk Odenwald TO Fehlanzeige!?
Bezirk Karlsruhe
Bezirk Pforzheim
Bezirk Mittelbaden TO Fehlanzeige!?
Bezirk Ortenau Geschäftsordnung!?
Schachbezirk Freiburg
Schachbezirk Hochrhein
Schachbezirk Schwarzwald
– Schachbezirk Bodensee Website Fehlanzeige!?

Hessischer Schachverband 7.149 Mitglieder
Schachbezirk Nordhessen
Schachbezirk Osthessen
Schachbezirk Lahn/Eder
Schachbezirk Main-Vogelsberg
Schachbezirk Frankfurt Handbuch 64 Seiten!
Schachbezirk Starkenburg
Schachbezirk Main-Taunus
Schachbezirk Rhein-Taunus
Schachbezirk Lahn TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Bergstraße

Schachbund Rheinland-Pfalz 4.744 Mitglieder
Schachverband Rheinland
Schachbezirk Rhein-Ahr-Mosel
Schachbezirk Rhein-Westerwald
Schachbezirk Trier
Schachbezirk Rhein-Nahe
Pfälzischer Schachbund
— Bezirke I bisVI ohne Website!?
Schachbund Rheinhessen

Schachverband Sachsen 3.861 Mitglieder
— Schachbezirk Chemnitz ohne Website!?
— Schachbezirk Dresden ohne Website!?
— Schachbezirk Leipzig ohne Website!?

Schachverband Sachsen-Anhalt 2.781 Mitglieder
Schachbezirk Dessau
Schachbezirk Magdeburg
Schachbezirk Halle TO Fehlanzeige!?

Thüringer Schachbund 2.078 Mitglieder
Schachbezirk Mitte
Schachbezirk Nord
Schachbezirk Ost Eine Seite!
Schachbezirk Süd TO Fehlanzeige

Landesschachbund Brandenburg 1.674 Mitglieder
– 15 Kreis- und Stadtbünde von Barnim bis Uckermark TO Fehlanzeige!?

Saarländischer Schachverband 1.031 Mitglieder

12 Gedanken zu „Ordnung oder Unordnung – Das ist hier die Frage“

  1. „Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht“, ist ein Spruch, den wohl jeder aus seiner Schulzeit kennt. Und so hat jeder Schachverband und nahezu jeder Schachbezirk in grauer Vorzeit seine eigenen Turnierordnungen erstellt und müssen diese ständig aktualisieren; sie führen halt dazu, dass es ein Schachverein, der mit Mannschaften in allen Klassen vertreten ist, mit bis zu 5 verschiedenen Turnierordnungen im Laufe einer Saison zu tun hat. Die ähneln sich zwar alle, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

    Die meisten Turnierordnungen sind schon deshalb überflüssig, weil sie das wiedergeben, was in denen der höheren Hierarchiestufen bereits steht. Einige Funktionäre haben das erkannt und beschränken sich auf wenige Seiten. Am klügsten waren diesbezüglich die Schachfreunde aus dem Bezirk Rhein-Wupper (siehe Link oben).

    Es gibt auch Kurioses zu entdecken. Im Bezirksverband Oberbayern dürfen sich die Mannschaftsführer unter Punkt 3.1 über diese Regelerklärung freuen:

    Dem Mannschaftsführer ist es gestattet, einem Spieler auf dessen Anfrage die Regeln zu erklären. Dies bedeutet z.B., dass er die Frage „Muss ich noch schreiben?“ mit Ja oder Nein beantworten kann. Er darf aber nicht von sich aus sagen „Du brauchst nicht mehr schreiben, Du hast doch weniger als fünf Minuten auf der Uhr!“

    Ihr wisst, dass ich ein Anhänger von schlanken Strukturen bin. Weniger ist mehr. Ich kann euch versichern, dass eine einzige Turnierordnung für den Deutschen Schachbund ausreichen würde. Die hätte einen Umfang von schätzungsweise 20 DIN-A4-Seiten und würde alle Besonderheiten bis in die Kreisklassen abdecken. Der Clou ist dabei, dass es nach unten eine größere Wahlfreiheit gäbe. Der Spielleiter vor Ort soll entscheiden, was aufgrund der aktuellen Situation zweckmäßig ist.

  2. Warum ich individuelle Turnierordnungen nicht nur für überflüssig, sondern für kontraproduktiv halte, möchte ich euch anhand eines Beispiels erklären. Dazu müsst ihr die Turnierordnung des Schachbezirks Osnabrück-Emsland aufrufen und bis an deren Ende blättern. Dort findet ihr Hinweise und Ratschläge für die Turnierpraxis. Die gehen auf Merksätze von Helmut Nöttger zurück. Helmut Nöttger (*1923 †2010) war von 1971 bis 1991 Spielleiter des Deutschen Schachbunds. Wegen seiner großen Kompetenz in Regelfragen erhielt er den Spitznamen „Regelpapst“ (Quelle Wikipedia).

    Wenn man die Regeln von damals mit einem Schneeball vergleicht, ist daraus heute eine Lawine geworden. Die findet sich in Schriftform unter den FIDE-Regeln wieder, die sich der Deutsche Schachbund zu eigen gemacht hat. Allein der Gebrauch der Schachuhr (Artikel 6) wird mit 867 Wörtern beschrieben; kleiner Auszug:

    6.2.6 Die Spieler müssen die Schachuhr angemessen behandeln. Es ist verboten, auf sie draufzuhauen, sie hochzuheben, die Uhr vor dem Ziehen zu drücken oder umzuwerfen. Der unangemessene Umgang mit der Uhr wird gemäß Artikel 12.9 bestraft.

    Gelten im Schachbezirk Osnabrück-Emsland heute die FIDE-Regeln oder die Regeln von Helmut Nöttger? Die Turnierordnung wurde am 30.08.2018 aktualisiert!

  3. Ein weiteres Beispiel dafür, welche Unordnung durch eigene Turnierordnungen entstehen kann, ist die TO des Schachbezirks Lüneburg. Darin erfahren wir unter Punkt 9.1 welche Spielregeln anzuwenden sind:

    Schachbezirk Lüneburg
    9.1. Die Spielregeln des Weltschachbundes (FIDE), die Turnierordnungen des Deutschen Schachbundes (DSB) und des Niedersächsischen Schachverbandes (NSV) bilden einen Bestandteil dieser Turnierordnung (TO) und sind grundsätzlich anzuwenden, wenn diese TO nichts anderes vorschreibt.

    Eigentlich sind die FIDE-Regeln anzuwenden, gäbe es am Schluss nicht den Hinweis auf individuelle Vorschriften der eigenen Turnierordnung. Und wie sehen die aus? Die bestehen aus einem Anhang mit Hinweisen für die Turnierpraxis inkl. Merksätze für die Zeitnotphase, die von Helmut Nöttger stammen.

    „Unkenntnis der Regeln ist häufig Anlass zu Meinungsverschiedenheiten und Protesten“, heißt es in der Einleitung. Was ursprünglich gut gemeint war, sorgt heute für Verwirrung, denn die Regeln und Merksätze aus Zeiten von Helmut Nöttger sind veraltet und damit zum Teil falsch.

    Welche Regeln gelten im Streitfall? Die der FIDE oder die eigenen? Sind die eigenen überhaupt rechtswirksam? Handelt es sich bei Merksätzen und Hinweisen um verbindliche Regeln?

    Fragen über Fragen. Die müssen erst gar nicht aufkommen. Kurz, knapp und unzweideutig ist diese Regel aus dem Schachbezirk, in dem Michael S. Langer das Sagen hat:

    Schachbezirk Braunschweig
    1.2. Spielregeln Für alle Turniere im Schachbezirk Braunschweig gelten die FIDE-Regeln.

  4. Heute beginnt in Templin die 27. Deutsche Senioren-Mannschaftmeisterschaft der Landesverbände. Niedersachsen ist mit einer Mannschaft vertreten. Hartmut Weist (kommissarischer Seniorenreferent) hatte mich dazu eingeladen. Dafür danke ich ihm. Da ich derzeit andere Verpflichtungen habe, musste ich ihm leider absagen. Seiner Mannschaft wünsche ich gleichwohl viel Erfolg.

    „Senioren“ ist das Stichwort für eine weitere Kritik an individuellen Turnierordnungen im Allgemeinen und der Niedersächsischen im Besonderen. Kürzlich fand die Niedersächsische Blitzeinzelmeisterschaft der Senioren in Hellern (Osnabrück) statt. Die Erwartungshaltung von Hartmut Weist war groß. In der Ankündigung empfahl er, sich möglichst rasch anzumelden, denn der Turniersaal sei nur für 32 Schachspieler ausgelegt.

    Es kamen Acht; davon Zwei, die nicht spielberechtigt waren und Vier aus dem eigenen Verein. Wenn das keine Ernüchterung ist! Schachfreund Hartmut Weist tat mir leid.

    Die Spielberechtigung in der TO Niedersachsens ist wie folgt geregelt:

    C.11.1 Spielberechtigung
    (2) Spielberechtigt sind alle Spieler, die eine aktive Spielberechtigung in einem Verein des Niedersächsischen Schachverbandes besitzen und im Laufe des Kalenderjahres, in dem die Meisterschaft stattfindet, das 60. Lebensjahr (bei Damen das 55. Lebensjahr) vollenden bzw. vollendet haben.

    Ein Spieler war vereinslos (ehemals Hellern); ein anderer war für einen Bremer Verein spielberechtigt. Hartmut Weist hat beide „vor dem Hintergrund der spärlichen Resonanz ausnahmsweise zugelassen“. Durfte er das?

    Formell müsste man die Frage verneinen. Die Vernunft sagt: „Prima, dass sich Hartmut über Formalien hinweggesetzt hat.“ Und so kann es doch nur darum gehen, die Turnierordnungen von überflüssigen Einschränkungen zu befreien und den Referenten möglichst freie Hand zu geben. – Die Bayern sind wahrlich nicht für progressive Regelungen bekannt; deren Turnierordnung zeigt sich an dieser Stelle jedoch von der vernünftigen Seite:

    2.1.4.1 Die Bayerische Schachmeisterschaft der Senioren wird als offene Meisterschaft ausgetragen. Die Einzelheiten der Durchführung werden vom Referenten für Seniorenschach festgelegt.

    „Einzelheiten regelt der Referent“, ist eine kluge Formulierung, die überall hingehört, wo Flexibilität wichtiger ist als ein starres Schema. Fortan müssten sich Referenten weder rechtfertigen noch ein schlechtes Gewissen haben.

  5. Ein Streifzug durch die Turnierordnungen ist wie ein Streifzug durch deutsche (Un-)Tugenden. Es gibt nichts, was nicht reglementiert werden könnte; z.B. die Rücksicht auf Narren:

    Hessischer Schachverband

    B II Mannschaftsmeisterschaft
    24. Mannschaftskämpfe sind an Sonntagen anzusetzen. Der Fastnachtssonntag bleibt von Verbandsspielen frei. An Wahltagen (Europa-, Bundestags- und Hessischen Landtagswahlen) und Volksabstimmungen auf Hessen- oder Bundesebene werden keine Spielrunden angesetzt, sofern diese Termine bei der Terminplanung bekannt sind. […]

    Wer zu spät kommt, verdonnert die Mannschaftskameraden zur Untätigkeit:

    Badischer Schachverband

    H-2.6.3 Mannschaftsaufstellung
    Alle Spieler, die beim Wettkampf zum Einsatz kommen sollen, müssen bei der Abgabe der Mannschaftsaufstellung anwesend sein. Die Bretter sind von den anwesenden Spielern von Brett 1 ab durchgehend zu besetzen. Tritt eine Mannschaft mit weniger Spielern an, so dürfen die Bretter nur von hinten nach vorne lückenlos freigelassen werden.

    Wer schwänzt, muss blechen:

    Schachbezirk Heidelberg

    § 6 Sanktionen und Rechtsweg
    6.1 Bei schuldhafter Abwesenheit einer Vereinsvertretung bei Bezirksversammlungen ist das von der Bezirksversammlung festgesetzte Strafgeld zu entrichten. Die Hälfte dieses Strafgeldes ist fällig bei einer mehr als dreiviertelstündigen schuldhaften Verspätung gegenüber dem in der Einladung ausgeschriebenen Termin. […]

    In Thüringen dürfen Frauen offiziell fremdgehen:

    Thüringer Schachbund

    A Spielberechtigung
    3. Frauen in Vereinen ohne eigene Herrenmannschaft sind für Herrenmannschaften anderer Vereine in Thüringen gastspielberechtigt. […]

  6. Wo ist der Turnierarzt?

    „Keine Macht den Drogen“ ist unter Sportlern ein Postulat, das eigentlich selbstverständlich ist. Wären da nicht die menschlichen Schwächen. Insofern ist es richtig, dass sich der Deutsche Schachbund in seiner Turnierordnung entsprechend positioniert. Das macht er ganz nüchtern:

    TO Deutscher Schachbund

    A-8.1.3 […] Im Spielbereich dürfen keine alkoholischen Getränke angeboten oder verzehrt werden. Im Turnierraum darf nicht geraucht werden. Das Rauchverbot kann nicht durch Übereinkunft aller Beteiligten umgangen oder ausgesetzt werden.

    Wir Niedersachsen haben zusätzlich ein neumodisches Teufelszeug ausgemacht: Die E-Zigarette.

    TO Niedersächsischer Schachverband

    A.5 Alkohol-, Drogen-, und Rauchverbot
    (1) Bei allen Turnieren gilt für Spieler, Wettkampfpersonal und Zuschauer im Spielbereich absolutes Alkohol-, Drogen- und Rauchverbot. Das gilt auch für die elektronische Zigarette. Das Verbot kann nicht durch Übereinkunft aller Beteiligten umgangen oder ausgesetzt werden.

    Die Hessen begeben sich indes aufs Glatteis. Sie verbieten lediglich den Genuss von Drogen. Spitzfindige Schachfreunde könnten jetzt einwenden, dass sie die Drogen nicht wegen des Genusses, sondern zu Rauschzwecken konsumiert hätten.

    TO Hessischer Schachverband

    C. Spielweise und Spielregeln
    Den Spielern ist während der Partie der Genuss von alkoholischen Getränken und anderen berauschenden Drogen am Brett untersagt. Zuwiderhandlungen ziehen den Partieverlust nach sich, wenn einer entsprechenden Aufforderung des Wettkampfleiters zur Beendigung des Genusses nicht Folge geleistet wird. Der gastgebende Verein ist durch seinen Wettkampfleiter für die Einhaltung dieser Bestimmungen verantwortlich. Auch Unbeteiligte sind darauf hinzuweisen.

    Am weitesten haben die Thüringer gedacht. Was nützt ein Drogenverbot im Turniersaal, wenn der Delinquent denselben bereits zugedröhnt betreten hat? Wohl dem, der auf einen Turnierarzt zurückgreifen kann.

    TO Thüringer Schachbund

    C. Spielweise und Spielregeln
    […] Im Turniersaal dürfen während der Veranstaltung alkoholische Getränke weder ausgeschenkt noch verzehrt werden. Ist ein Teilnehmer wegen des Einflusses von Rauschmitteln (z.B. Alkohol, Medikamenten, Drogen) offensichtlich nicht spielfähig, ist die Partie nicht aufzunehmen oder abzubrechen. Sie wird als verloren gewertet und der Teilnehmer muss den Veranstaltungsraum verlassen. In der Regel ist die Spielfähigkeit dann nicht gegeben, wenn der Schiedsrichter nach Rücksprache mit Mannschaftsführern, einem Turnierarzt oder der Turnierleitung den Eindruck bestätigt findet, dass der Teilnehmer nicht zu einer regelgerechten Partieabwicklung unter Beachtung der sportlichen Fairness und der Zumutbarkeit für andere Spieler, Zuschauer oder Veranstalter in der Lage ist.

  7. „…wenn der Delinquent denselben bereits zugedröhnt betreten hat?“

    Podzblitz & Co. haben und hätten jederzeit den Turnierarzt in Grund und Boden geblitzt!
    Damit käme der Artikel quasi nie zur Anwendung.

    Das Problem an sich ist real und durchaus unangenehm 🙁

  8. Wider die Spielberechtigungserschleicher*Innen

    Wodurch unterscheidet sich die Thüringer Turnierordnung von einer Thüringer Bratwurst?
    Antwort: Die Turnierordnung ist ohne Senf schärfer als die Bratwurst mit Senf.

    Der Grund: Die Väter (Mütter?) der Turnierordnung haben geahnt, dass sich in der vermeintlich heilen Familie der Schachspieler lauter schwarze Schafe befinden. Schachspielen ohne Berechtigung? Pfui Teufel! Präventiv werden den Spielberechtigungserschleichern und -Erschleicherinnen bereits in der Einleitung (Artikel A) empfindliche Strafen angedroht. Die lesen sich am Ende dann so:

    63. Strafbestimmungen:
    Das Spielen eines nicht spielberechtigten Spielers oder wenn dieser seine Spielberechtigung unter Verstoß gegen Sperrbestimmungen erschlichen hat, wird mit einer Sperre von ein bis sechs Monaten, im Wiederholungsfalle eine solche bis zu einem Jahr geahndet. Für das Spielenlassen eines solchen Spielers wird der Verein mit einer Geldbuße oder einer Spielsperre für die betreffende Mannschaft von ein bis drei Monaten bestraft. In besonders schwerwiegenden oder Wiederholungsfällen kann der Verein mit einer Geldbuße oder einer Spielsperre für die betreffende Mannschaft bis zu einem Jahr bestraft werden. Grobe Verstöße gegen diese TO, unsportliches Verhalten, Nichterfüllung von Verpflichtungen gegenüber dem ThSB und bei Schädigung dessen Ansehens werden in Abhängigkeit von der Schwere des Vergehens mit einem Strafgeld geahndet. Eine dem Vergehen entsprechende spieltechnische Wertung wird durch die Anwendung der Bestimmungen des Abschnitts G der TO nicht beeinflusst. Den Betroffenen steht das Protest-, Beschwerde- und Berufungsrecht zu.

  9. Ich kann mich erinnern, dass das den Schachfreunden 3 auch mal passiert ist, weil der Mannschaftsführer nicht bedacht hatte, dass ein im Vorjahr spielberechtigter Spieler in der aktuellen Saison nicht mehr spielberechtigt war. Der Spieler wusste auch von nichts.
    OK, das Mannschaftsheft hätte hier weiter helfen können. Aber Lesen ist Luxus.

  10. In Rheinland-Pfalz werden solche Fälle pragmatisch gelöst. Moralkeule = Fehlanzeige.

    XVII Ahndung von TO-Verstößen (Bußen, Sperren)
    + Aufstellen eines in der betreffenden Klasse oder Mannschaft nicht oder nicht mehr spielberechtigten Spielers = 50,00 €

    Der Teufel steckt allerdings im Detail:

    3. Die Festsetzung einer Strafe ist dem Betroffenen und dem Schatzmeister des SBRP mitzuteilen. Gegen die Festsetzung ist der Protest zulässig. Dieser hat keine aufschiebende Wirkung. Die Buße ist innerhalb der Protestfrist zu zahlen. Geschieht dies nicht, ist der Betroffene zu mahnen. Bei der ersten Mahnung wird automatisch ein Säumniszuschlag von 10 % der verhängten Buße fällig, mindestens jedoch fünf Euro. Wird eine zweite Mahnung erforderlich, werden zusätzlich weitere 20 % der verhängten Buße fällig, mindestens jedoch zehn Euro. Die zweite Mahnung ist dem Spieler bzw. dem Vereinsvorsitzenden per Einschreiben zuzustellen. Erfolgt auch keine Zahlung bis zum Termin der zweiten Mahnung, kann der Spielleiter den Spieler oder den betreffenden Verein vom Spielbetrieb ausschließen. Der Ausschluss ist mit einer Verdoppelung des bis dahin aufgelaufenen Bußgeldes und der Mahngebühren verbunden. Die Aufhebung des Ausschlusses erfolgt frühestens vier Wochen nach Eingang der Zahlung über den verdoppelten Betrag.

    Frage: Wie viel muss der SBRP zurückzahlen, wenn einem Protest stattgegeben wird, der keine aufschiebende Wirkung hatte, zusätzlich 20 % Mahngebühren fällig waren, die Einschreiben nicht zugestellt werden konnten, der Referent für Finanzen einen Kreislaufkollaps hatte, und die Mainzer Fastnacht angebrochen ist?

  11. Schmerzlinderung

    Wie stark Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, zeigt die Beteiligung an den Landesblitzmannschaftsmeisterschaften in Sachsen-Anhalt. Die Austragung wird in der Turnierordnung im Artikel F VI mit 536 Wörtern geregelt. Gekommen waren sage und schreibe 3 Mannschaften. Die Enttäuschung war groß. Aufwand und Ergebnis stünden in einem großen Missverhältnis, ist auf der Webseite zu lesen. Zur Linderung der Schmerzen wurde anschließend ein Einzelblitzturnier ausgetragen, das in der Turnierordnung selbstredend nicht vorkommt. Nun ist Vorbeugen bekanntlich besser als Heilen.

    Der Schachverband Sachsen-Anhalt hat 2.781 Mitglieder. Die Zahl der Mitglieder im Berliner Schachverband ist mit 2.758 nahezu identisch. Berlin ist rund 900 km² groß, Sachsen-Anhalt 20.500 km². In Berlin sind die Entfernungen der Schachvereine untereinander gering, in Sachsen-Anhalt zum Teil gewaltig; erschwerend kommt die längliche Ausdehnung des Landes hinzu. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die meisten Vereine an der Peripherie liegen und damit deutlich kürzere Strecken, z.B. von Halle nach Leipzig (Sachsen), zu bewältigen hätten als von Halle nach Havelberg.

    Das Beispiel Sachsen-Anhalt zeigt, dass Austragungsmodi nicht gleichermaßen auf die Landesverbände übertragbar sind. Was in Berlin wunderbar funktioniert, führt in Sachsen-Anhalt zu erheblichen Schmerzen. Insofern ist es naheliegend, die Strukturen aufzuweichen. Das beginnt mit den Turnierordnungen. So spricht nichts gegen den Erhalt des Landesverbandes Sachsen-Anhalt, aber er sollte seinen Vereinen die Gelegenheit bieten, sich über die Landesgrenzen hinaus zu orientieren. Das gilt gleichermaßen für alle anderen Landesverbände. Warum soll der SK Bad Harzburg nicht gegen Stahl Blankenburg antreten dürfen? Wir müssen die Turniersäle voll bekommen. Gähnende Leere kann nicht das Ziel sein.

  12. Osterrönfeld schafft die Hundesteuer ab

    Das ist die Meldung des Tages. Was lehrt uns das? Antwort: Nichts ist unmöglich! Es sei denn, es handelt sich um Turnierordnungen im Deutschen Schachbund.

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