Infinitum Mobile

Gerhard Einstein
Gerhard Einstein

Schachspieler sind vielseitig, vor allem wenn es ums Denken geht. Deshalb habe ich einen Tipp für euch, wie ihr dasselbe verbessern könnt. Es geht um Philosophie. Kürzlich wurde ich auf ein Projekt aufmerksam, das Dr. Gerhard Stamer (Jahrgang 1939) ins Leben gerufen hat. Raus aus dem Elfenbeinturm, rein ins pralle Internetleben, war seine Vision. Inifinitum Mobile (unbegrenzte Bewegung) nennt er sein Projekt. Über zehn Themen soll in den kommenden zwei Jahren öffentlich diskutiert werden. Darwins Evolutionstheorie macht den Anfang. Stamers Credo: „Ich möchte keine Diskussion unter Experten, sondern Diskussionen mit Menschen.“ Zu den Letztgenannten zähle ich mich.

Neugierig – wie ich nun einmal bin – habe ich mir die ersten Kommentare angeguckt. Ich war entsetzt! Es sollte ein Blog für Menschen sein, stattdessen präsentieren dort eine Handvoll Experten ihre Fabulierkunst, die bis an die Schmerzgrenze geht. Als Hobby-Philosoph kenne ich diese Sprache, aber jeder normale Mensch wird sich kopfschüttelnd abwenden. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Texte von Nichtexperten zu Ende gelesen und verstanden werden, ist gleich Null.

Als unerschütterlicher Optimist habe ich mir nach ein paar Tagen des Entsetzens ein Herz gefasst, mich dort angemeldet und auf meine Weise losgelegt. Womöglich ist das Entsetzen jetzt auf der anderen Seite. So oder so, die Diskussion hat Fahrt aufgenommen. Uncool ist die Sache nicht. Ich bin gespannt, ob ich eine Antwort auf meine Frage nach den Krähen bekomme. – Wenn ihr Lust und den Mut habt, eure eigenen Gedanken online schweifen zu lassen, solltet ihr meinem Beispiel folgen. Meine Kommentare sind unschwer auszumachen.

Der Appell von St. Gerhard und Gerhard St. lautet: „Die Diskussion ist eröffnet. Nehmen Sie teil!“ Der Eintritt war frei: die Website existiert nicht mehr…

11 Gedanken zu „Infinitum Mobile“

  1. Diskussionen zwischen Laien im Internet gibt es seit Tag 1 (Die ersten Worte des Internets waren vermutlich „Hello World“, dicht gefolgt von „You don’t know what you’re talking about“).

    Ich war bereits um 2002/2003 im zarten Alter von 15/16 Moderator des Philosophieteils eines >10.000 Mitglieder (vorrangig im Alter 14-20) umfassenden Forums. Altersbedingt war damit natürlich keiner Experte für irgendwas, aber interessenbedingt (wieviele Erwachsene haben schon einmal ein Buch über Anthropologie gelesen?) gab es schon einige Wissensspitzen und natürlich ein ziemlich lebhaftes Diskussionsinteresse. Als Physiker mit nun fast 10 Jahren Erfahrung belächle ich natürlich die damaligen Versuche meiner Mitstreiter und mir, auch nur eine seichte Diskussion über Quantenphysik zu führen. Aber darum ging es auch garnicht. Diskussionen mit interessierten Leuten waren in dem Alter erstaunlich fruchtbar.

    Warum Dr.Gerhard Stamer einen seltsamen Disclaimer („Ich möchte keine Diskussion unter Experten, sondern Diskussionen mit Menschen.“) anführt, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wenn er die Sachen ins Internet stellt, wird sich sowie eine Heerschaar Cretins und Hobbyphilosophen auf das Thema stürzen.

    Als Physiker kennt man das zu genüge. Das ganze Internet ist verpestet von halbwissenden Ingenieuren und leidenschaftlich interessierten Amateuren, welche meinen mit ihrem angelesenen Halbwissen und zumeist unterirdischen mathematischen Vorkenntnissen Fehler in den grundsätzlichen Theorien anführen, ihr eigenes Unverständnis mit Mängeln in der aktuellen Beschreibung der Physik verwechseln, ganz eigene, haarsträubende Lösungsansätze anführen, und ganz im Allgemeinen vollkommen unbelehrbar sind (vielzitierter Dunning-Kruger Effekt).

    Dr. Stamer muss auch garnicht versuchen, die ‚Experten‘ gezielt auszuladen. Durch die oben angeführte Unbelehrbarkeit (versuch das mal an einer Universität) sind sich die meisten Experten i.d.R. viel zu schade dafür. Ausnahmen sind dann meist auch sehr bekannt. Es gibt an unserem Theorieinstitut z.B. ein recht bekanntes Beispiel in Form eines Professors im Arbeitsbereich ‚Stringtheorie und Gravitation‘, der sich seit Jahren in etlichen Foren Streits mit -irgendwelchen Usern- liefert. Von Akademikern wird er im allgemeinen belächelt, denn seine Publikationsliste (und damit die -wissenschaftliche- Auseinandersetzung mit der Physik und v.a. Physikern) ist bedeutend kurz.

    Nun gut.

    Vielleicht schaue ich ja mal vorbei. Bei dem Titel „Warum Einsteins Relativitätstheorie richtig ist, aber nicht die wahre Wirklichkeit aufdeckt“ ist mir zumindest schon ein wenig die Kapuze hoch gegangen. Vielleicht ist das ganze aber auch nur – wie so ziemlich jede Diskussion im Internet – nichts anderes als vergebene Lebensmüh.

    1. Ob solche Internetdiskussionen vergebene Lebensmüh sind, hängt davon ab, was man erwartet. Den unbelehrbaren Experten auf den Zahn zu fühlen ist etwas, was mich reizt. Einen Erkenntnisgewinn speziell beim Thema „Darwin“ erwarte ich nicht. Wie sollte ich auch!? Da kann nichts Fruchtbares rauskommen. Nun besteht die Heerschar der Hobby-Philosophen, die sich bislang gemeldet hat, nur aus einer Person, nämlich meiner. Der Rest kennt sich. Trolle erwarte ich nicht. Die trauen sich erst gar nicht an solche Themen heran oder werden nicht freigeschaltet. Inwieweit es Gerhard Stamer ernst meint mit seiner Blog-Offensive ans gemeine Volk, wird sich zeigen. Im ersten Anlauf hat er einen sympathischen Eindruck auf mich gemacht. Auch seine Vita als Leistungssportler und Malocher hat mir imponiert. Allerdings hat er bei Adorno und Habermas studiert. Da sind Spätfolgen nicht ausgeschlossen.

      PS. Bravo Torben, du wirst immer stärker! Herzlichen Glückwunsch zum 5. Platz bei den Norddeutschen Blitzeinzelmeisterschaften. Guckt ihr hier:
      http://ergebnisdienst.schachverband-sh.de/index.php/ndbem-2015

  2. Hat jemand von euch die Diskussion über Darwins Evolutionstheorie im Internet verfolgt? Gestern Abend gab’s die Auswertung. 20 Personen trafen sich in einem Seminarraum am Maschsee, um leibhaftig darüber zu reden. Ich gesellte mich dazu. Es waren lauter, überwiegend männliche Bildungsbürger im fortgeschrittenen Alter, die sich offenbar alle kannten. Junge Menschen: Fehlanzeige. Ich war – wie im Internet – der Exot. Der Protagonist des Projekts, Dr. Gerhard Stamer, setzte sich vor die Gruppe, zitierte aus einigen Blog-Beiträgen, dozierte darüber und setzte eine hölzerne Diskussion in Gang, die wenig bis nichts mit Darwin zu tun hatte.

    Ich kam mir vor wie in einem falschen Film. Wollte Gerhard Stamer nicht den Elfenbeinturm verlassen? Nun war ich mittendrin. Ich habe nur darauf gewartet, dass Gerhard Stamer wie einst Fantomas seine Maske vom Kopf zieht und Hape Kerkeling zum Vorschein kommt, der in den Raum ruft: „Hurz!“

    Gerhard Stamer wusste, dass ich derjenige war, der im Internet das Procedere kritisiert hatte. Nach anderthalb Stunden, in denen ich mich zurückgehalten hatte, fragte er mich: „Wie hat Ihnen der Abend gefallen?“ „Grauenhaft!“, war meine ehrliche Antwort. Ihr könnt euch vorstellen, dass jetzt Leben in der Bude war. Eine vernünftige Diskussion kam aber nicht mehr zustande. Mit Selbstkritik tut sich Gerhard Stamer schwer. Auf diese Weise lässt sich jede nicht genehme Dialektik abwürgen, die eigentlich Grundlage der Abendländischen Philosophie sein sollte.

    Ursprünglich sollte die Veranstaltung in einem Livestream zu sehen sein. Das hat nicht geklappt. Gefilmt wurde trotzdem. Zumindest ein Zusammenschnitt wird in Kürze veröffentlicht. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch dann selbst ein Bild machen. – Nach Darwin ist Karl Marx als nächster dran. Ob ich mich künftig in das Projekt einmischen werde, weiß ich noch nicht. Die Personen, die zur Stiftung „Reflex“ (Praktische Philosophie) gehören, sind durchaus sympathisch, aber irgendwie esoterisch. Sie verlieren sich in teils eitel geführten Diskussionen um Begrifflichkeiten, die sie mit möglichst vielen Philosophen der Philosophiegeschichte in einen Kontext bringen wollen. „Was hätte Parmenides (520-460 v. Chr.) dazu gesagt?“ – So macht Philosophie keinen Sinn. Wenn Philosophie nicht das Ziel hat, einen Erkenntnisgewinn zu erlangen, ist sie lediglich ein zweifelhafter Zeitvertreib. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Bertrand Russell (1872-1970) ist für mich ein Paradebeispiel dafür, dass es anders geht.

  3. Wo ist das Problem?

    Den folgenden Text müsst ihr Wort für Wort bis zu Ende lesen. Darauf bestehe ich:

    „Es sprengt dann doch wieder das Thema Evolution, obwohl es damit zusammenhängt. Ich denke, wir müssen wirklich unterscheiden, was wir meinen, das Bleibende im Wandel, dass dann auch immer wieder durch den Wandel korrigiert, also zurückgenommen werden kann oder das Beständige als Voraussetzung des Wandels. Ich denke, die große Idee der Antike ist, dass eben das Beständige die Voraussetzung bleibt, das ist die Position von Parmenides, und so gesehen ist Heraklit der Kontrahent. Unser materielles Universum zeigt uns, dass eigentlich alles Prozess ist, deswegen wird ja auch Prozesswirklichkeit versucht zu denken. Die mathematische Theorie wiederum, die wir nun denken, die sich aber so bestätigt, dass wir in der Lage sind, Raketen zum Mond und zum Mars zu schicken, und selbst wenn sie in den Schatten fallen, wachen sie aus Eigendynamik wieder auf und fangen an zu funken, mit uns Kontakt aufzunehmen, obwohl wir sie abgeschrieben haben. Das letzte Ding da auf dem Komet.

    Also die Physik bestätigt das Beständige als Voraussetzung des Wandels. Im Denken ist das ja begrifflich paradox, ich denke darin liegt ja die Schwierigkeit, also brauchen wir auch die Idee der Überwindung einer zweiseitigen Logik wichtig ist. Aber auch diese Idee ist erst durch das Denken der zweiseitigen Logik entstanden, oder in der Quantenphysik ist dieser dritte Weg nicht die Voraussetzung, sondern das Resultat. Ich glaube, das ist jetzt wieder sehr abstrakt gesagt, aber in diesen Ungeklärtheiten darin verwickeln sich diese verschiedenen Diskussionen. Was für mich zentral ist, und ich nehme jetzt sozusagen die philosophische Reflexion einfach heraus, die klammere ich ein, die Großentdeckung der Neuzeit ist, dass es eine Eigengesetzlichkeit des Universums gibt. Und dass diese Eigengesetzlichkeit die wirklich fixe Grundlage für das biologische Lebewesen ist. Und ich denke bei aller Reflexion unsere Erfahrung gerade mit technischen Geräten über individuell, über kulturell, das dokumentiert, dass diese physikalische und dann noch funktionale und chemische und eben auch biologische Gesetzlichkeit etwas ist, was wir zur Kenntnis nehmen, und was den großen Unterschied zum antiken Philosophieren macht.

    Wenn jetzt die Antike aber dann sozusagen Postulate wie die Ideen hervorgebracht hat, und das begriffliche Denken, dass sich eben aus etwas absolut Beständiges im Denken dekoriert, also eben gesagt so ein Begriff wie das Sein, das wäre eben ein Feststehender, gar nicht festgesetzter, ein zu entdeckender Begriff, im Keim erfunden. Das ist die Spannung, in der wir heute stehen, und ich verstehe sofort, dass eben die Entdeckung der Naturgesetze, also der Autonomie der Naturgesetze dafür sorgt, dass wir das Beständige sozusagen immer nur im Wandel denken können. Und dann können wir aber eigentlich keinen Rückgriff auf die antiken Denkformen der Methexis oder sonst was nehmen. Da ich persönlich aber glaube, dass dort Inhalte zu finden sind, die eben so sind, dass wir die Subjektivität tatsächlich fast als grundlegend, fast ist jetzt das schwierige Wort, ja, als die Objektivität nehmen können, weil vom Erkenntnisprozess ist ja Subjektivität jeder Objektivität vorgeordnet, aber die Entwicklung des Universums sagt uns erst was das Objektive, also die Physik, das Physikalische an der Entwicklung durchgemacht, es müssen ja erst Planeten entstehen, dort sind wir biologisch entstanden. Also wir haben sozusagen zwei gegenläufige Geschichten. Und das kriegen wir nicht zusammen. Und das ist das Problem.“

    Alles klar!? Dies war der Diskussionsbeitrag eines Experten am 23. Juni nach äußerst zähen 100 Minuten, die ihr euch auf der Webseite von „Infinitum Mobile“ in voller Länge (2:06 Std.) anhören und ansehen könnt. Nun will ich eine freie Rede in einer Diskussion nicht überbewerten, da verzettelt man sich schon mal, nicht alles ist druckreif. Edi Stoiber weiß ein Lied davon zu singen. Dass ich den Diskussionsbeitrag trotzdem aufgeschrieben habe, soll verdeutlichen, wie der Abend ablief und wie groß meine Qualen waren. Es gab nur wenige zielführende Wortmeldungen. Insofern plädiere ich auf mildernde Umstände für mein Fazit des Abends: „Grauenvoll!“ Sollte ich falsch liegen, dürft ihr mich gern einen Vollpfosten nennen.

    Dass das Maß der Unverständlichkeit noch getoppt werden kann, zeigen die meisten Kommentare der Experten (vermutlich alle promoviert) im Internet. Sie schreiben und reden und berauschen sich in Fachsimpelei, ohne das Problem (wenn es überhaupt eins gibt) wirklich lösen zu können und zu wollen. Wenn ich meine Baustellen so organisiert hätte, wäre ich über den ersten Spatenstich nie hinausgekommen.

    Das neue Thema ist Karl Marx. Der bislang einzige Kommentar stammt von mir. Vermutlich werden die Experten die Nase rümpfen, weil ich es versäumt habe, im Urschleim des Dialektischen Materialismus zu stochern.

  4. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Diese abgedroschene Redensart will ich eigentlich nicht verwenden, aber ich mache hiermit eine Ausnahme in der Hoffnung, dass sich jemand unter den Schachspielern in die Diskussion einmischt. Nur Mut! Warum Marx‘ Alternative nicht richtig ist, soll aktuell diskutiert werden. Welche Alternative bleibt nebulös. Die des 19., die des 20. oder die des 21. Jahrhunderts? So wundert es nicht, dass die Kommentare spärlich und saftlos bleiben. Nichtsdestotrotz bin ich immer wieder fasziniert, wie es Hardcore-Philosophen gelingt, mit vielen Worten nichts zu sagen.

  5. Kritik der praktischen Vernunft

    Am 12. Februar 1804 ist Immanuel Kant gestorben. Also heute vor 220 Jahren. Am Rosenmontag vor einem Jahr war ich in Duisburg. Dort ist am Rathausbogen ein Schild angebracht, auf dem dieses Zitat von ihm steht:

    Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.

    Boah ey! Im Original folgt noch: „Ich sehe sie beide vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz.“ In diesem Sinne: „Haltet die Ohren steif!“

  6. Sapere Aude – Habe den Mut, Dich deines Verstandes zu bedienen

    Die Abrufzahlen auf Wikipedia für Königsberger Klopse haben sich gestern verdreifacht. Wem verdanken wir das? Ihr ahnt es: Immanuel Kant. Heute vor 300 Jahren wurde er geboren. Plötzlich interessieren sich auch Kochschüler für ihn. Kant hat sich seinen Kultstatus redlich verdient. Wenn ihn sogar Arthur Schopenhauer ausdrücklich lobt, muss etwas an seiner Philosophie dran sein: „Kants Lehre bringt in jedem Kopf, der sie gefasst hat, eine fundamentale Veränderung hervor, die so groß ist, dass sie für eine geistige Wiedergeburt gelten kann.“

    Immanuel Kant ist vor allem für seine Pedanterie bekannt. Die Schere auf dem Tisch oder der Stuhl davor, alles wurde tagtäglich im gewohnten Winkel ausgerichtet. Manchen Schachspielern fehlt leider diese Gabe. Schachfiguren, die nicht mittig auf dem Feld stehen, oder Springer, die in die falsche Richtung gucken, sind Zeugnis schlechter Tischmanieren. Insofern gehört Kants „Kritik der Stellungsbeurteilung“ in den Bücherschrank eines Schachspielers. – Übrigens stammte der verstorbene Ehrenpräsident der Schachfreunde Hannover, Dr. Hans Wiehler, ebenfalls aus Königsberg.

  7. Welttag des Buches

    Der Trend geht zum Zweitbuch. Heute, am Welttag des Buches, habt ihr einen guten Grund, ein solches zur Hand zu nehmen. Doch aufgepasst! Es besteht die Gefahr einer Desorganisation des eigenen Kopfes:

    Nun aber ist dem eigenen Denken, aus welchem allemal ein zusammenhängendes Ganzes, ein, wenn auch nicht streng abgeschlossenes, System sich zu entwickeln trachtet, nichts nachteiliger, als ein, vermöge beständigen Lesens, zu starker Zufluß fremder Gedanken; weil diese, jeder einem anderen Geiste entsprossen, einem andern System angehörend, eine andere Farbe tragend, nie von selbst zu einem Ganzen des Denkens, des Wissens, der Einsicht und Überzeugung zusammenfließen, vielmehr eine babylonische Sprachverwirrung im Kopfe anrichten und dem Geiste, der sich mit ihnen überfüllt hat, nunmehr alle klare Einsicht benehmen und so ihn beinahe desorganisieren. (Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2. Band, Kapitel 22, § 261)

    Dieser Satz besteht aus 91 Wörtern und 567 Zeichen. Wohl dem, der quer lesen kann, oder, um es mit Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: „Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor!“ (Fack ju, Teil 4)

    1. Tag des deutschen Bieres

      Ein aufmerksamer Blog-Fan hat mich darauf hingewiesen, dass heute auch der Tag des deutschen Bieres begangen wird. Klar! Es wächst zusammen, was zusammengehört. Der Inhalt mancher Bücher ist dermaßen trocken, dass er ohne ein Bierchen nicht verdaut werden kann. – Am 11. April gönnte ich mir in der Bundesligastadt Dresden ein Weizenbier. Das gab’s im Freiberger Schankhaus unweit der Frauenkirche. Meine feste Mahlzeit zeige ich aus Rücksicht auf vegane, norddeutsche Bundesligaschachspieler nicht. Gleichwohl hat das Schankhaus neben überwiegend deftiger Kost auch etwas für Veganer auf der Speisekarte: Veganes Gemüsecurry mit gebackenen Kichererbsenbällchen für 19,90 €. Wohl bekomm’s! Und natürlich: Prost!

  8. Das Wort zum Mittwoch

    Das Interesse an Königsberger Klopsen geht auf Wikipedia auf das Normalmaß zurück. Was lehrt uns das? Antwort: „Es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Kant verschwindet wieder im Bücherschrank. Der Zeitgeist kreißt und gebiert neue Leckerbissen: z.B. „Kichererbsenbällchen“. Hihihi! – Passend zum Tag des deutschen Bieres gab es gestern im Münchner Hofbräuhaus den Maibockanstich. Django Asül wärmte alte Geschichten auf. Die Gesichter der honorigen Gesellschaft sprachen Bände. Tröstlich, dass auch bei Schachturnieren nicht alles rund läuft. Beim „Rapid Rumble“ des SK Anderten spielte die Software verrückt. Aber die Fotosammlung ist erste Sahne!

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