Gerhards buntes Hannover

Gestern habe ich ein Büchlein zur Hand genommen, das den Titel trägt: „Klapas buntes Hannover“. Es ist 1989 bei Leuenhagen & Paris (Lister Meile) erschienen. Klapa steht für Klaus Partzsch (*1930 †1995). Die älteren Hannoveraner werden sich an seine Glossen erinnern, die er jahrzehntelang in der HAZ veröffentlicht hat. Seine Nachfahren führen die Tradition in der Kolumne „Lüttje Lage“ fort. 125 heitere Betrachtungen spiegeln Klapas buntes Hannover wider. Wobei „bunt“ heute eine andere Bedeutung hat als vor dreißig Jahren. Gleichwohl menschelt es nach wie vor. Es gibt Aufreger, die in Vergessenheit geraten sind, z.B. die Spielbankaffäre, andere sind aktuell wie eh und je, z.B. unser Verhältnis zu Bürgern, die im Freistaat Bayern beheimatet sind. Das wird in Klapas Glosse „Blitzschach“ deutlich.

Karnevalsumzug am 10. Februar 2018

Klapa hatte ein Vollwertkostmenü, das in einer Zeitschrift für gesundes Leben abgebildet war, mit einem Tarnnetz für Bundeswehrpanzer verglichen. Der Mann hinter dem Menü war ein Bayer vom Wörthsee, der erbost reagierte und Klapa riet, die Bewertung seiner Vollwertkost einer Gulaschkanone zu überlassen. Die hätte größere Kapazitäten. – Warum auch immer kam es zwischen den beiden zu einem Duell auf dem Schachbrett. Klapa musste klein beigeben: „Aber daß mich der Mann aus Bayern so furchtbar geschlagen hat, möchte ich den Hannoveranern doch nicht vorenthalten – es macht ja immer Vergnügen, eine fette Figur umkippen zu sehen, selbst wenn es nur die eines Kleinmeisters sein sollte.“

Kleinmeister ist das Stichwort für Gerhards buntes Hannover. Bei meiner Vorbereitung auf die neue Saison in der Oberliga Nord habe ich das Terrain eines Gegners erkundet: Aufsteiger Hannover 96. Dabei fiel mit ein merkwürdiges Schild auf:

Frauen kennen wir Schachspieler meist nur vom Hörensagen. „Warum“, fragen wir uns deshalb, „hat diese Spezies einen eigenen Eingang?“ Wobei es noch einen zweiten Eingang geben muss, wenn ich das Wort „zusätzlich“ richtig deute. Den konnte ich allerdings nicht finden. Getrennte Eingänge für Männer und Frauen kannte ich bislang nur von Moscheen. Welchen Sinn macht es, wenn ein Ehepaar, das ein Fußballstadion besuchen will, am Eingang getrennt wird? Ist es die Wiedersehensfreude in den Menschenmassen hinter den Eingangstoren? Oder werden an diesen Stellen sensible Ordnerinnen statt grobschlächtiger Ordner eingesetzt? Ich weiß es nicht. Als ich das letzte Mal im Stadion war, gab es das Schild noch nicht. Es war an einem bitterkalten Tag im Januar 2016. Thomas Schaaf war gerade als Fußballlehrer verpflichtet worden. Das erste Training war öffentlich. Er teilte die Profis in zwei Mannschaften und ließ sie auf einem Kleinfeld spielen. Ständig griff er ein und erklärte den Spielern etwas. Ich hatte den Eindruck, dass die Profis nur Bahnhof verstanden haben. Das Ergebnis ist bekannt: Es wurden 91 grausame Tage für die Kicker von Hannover 96.

Zurück zur Schachabteilung von Hannover 96. Am 25. November sind wir in der 3. Runde bei denen zu Gast. Die 2. Runde der Oberliga Nord ist für den 11.11. um 11:00 Uhr angesetzt. Das ist wieder typisch für die Humorlosigkeit von Schachfunktionären. Warum nicht um 11:11 Uhr? So viel Zeit muss sein. Wir haben dann ein Heimspiel gegen Werder Bremen. Thomas Schaaf ist wieder in deren Reihen. Als Sportdirektor möchte er an frühere Erfolge anknüpfen. Das sei ihm vergönnt. Misserfolge auf hannoverschem Gelände inbegriffen.

Gestern in Hannover

Die Tour de France startet wegen der Fußball-WM eine Woche später. Heute auf den Tag genau vor einem Jahr habe ich euch vom Tour-Start aus Düsseldorf berichtet:
https://www.schachfreunde-hannover.de/gestern-in-duesseldorf/
Ersatzweise muss ich auf meine Heimatstadt zurückgreifen.

Kirchen und Schützenvereine sind aus der Zeit gefallen. Ihre Traditionen leben dennoch fort. Solange sie Lebensfreude versprühen, spricht nichts dagegen. Häme ist fehl am Platz. Es geht nicht um Wahrheiten, sondern um Gefühle. – Um Punkt 10 Uhr läutete die Glocke an Hannovers Rathaus den 489. Schützenausmarsch ein. Ich richtete meine Kamera nach oben. Noch nie habe ich unser Rathaus auf diese Weise wahrgenommen. Wegen der eklektizistischen Bauweise mag ich es nicht. Details können versöhnen.

Unter der Uhr sah es so aus:

Hannovers Oberbürgermeister und JAMIEL-Kiez-Größe Stefan S. sprach die obligatorischen Grußworte zum größten Schützenausmarsch der Welt. Superlative gehören zu Hannovers Bescheidenheit:

Es herrscht wieder Frieden im Land:

Frackträger inbegriffen:

Jede Menge Volkswagen aus unschuldigen Zeiten:

… und aus Zeiten, als sich über Mohrenköpfe niemand Gedanken machte:

Alphornbläser sind über jede Kritik erhaben:

Der Madsack-Verlag ist Kritik gewohnt. Gleichwohl kümmert er sich rechtzeitig um das Wohlwollen des Nachwuchses:

Und was macht ihr? Entspannt euch. Vereinswechsel sind für uns Schachspieler gelaufen. Auftanken ist jetzt angesagt, damit ihr eure Niederlagen in den bevorstehenden Mannschaftskämpfen besser verkraftet. Bis dahin bemühe ich mich, in unserem Blog für gute Stimmung zu sorgen. Ihr dürft euch gern daran beteiligen.

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Lässt sich „Gestern in Hannover“ steigern? Ja! „Gestern über Hannover“
(siehe Kommentar):

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Heute in Hannover (siehe Kommentar vom 15. Juli 2018)

Die Straße lebt!

Seit 35 Jahren wohne ich dem Stadtteil, der sich neuerdings JAMIEL-Kiez nennt. Gestern durfte ich an einem außergewöhnlichen Ereignis teilhaben: dem allerersten Straßenfest fast ohne geparkte Autos, aber mit viel guter Laune, prächtigem Wetter und Schach zum Anfassen. Dort, wo sonst 250 Autos Stoßstange an Stoßstange stehen, und es ein Hingucker ist, wenn mal zwei Parkplätze hintereinander unbesetzt sind, vergnügten sich Jung und Alt auf vielfältige Weise.

Die Veranstaltung war der erste Höhepunkt in dem Bestreben, mehr Lebensqualität zu entfachen und die gute Nachbarschaft zu fördern. Plötzlich nehme ich Menschen wahr, die mir bislang fremd waren, grüße sie, plaudere mit ihnen und die mit mir. Es gibt viele nette und kreative Menschen in meiner Nachbarschaft, die sich zusammengetan haben, um mit der Idee vom KAMIEL-Kiez identitätsstiftend auf die Anwohner einzuwirken. Soll heißen: vor der Haustür soll es lebenswerter werden.

In der Mitte steht Hannovers Oberbürgermeister. Der wohnt auch in unserem Kiez und hat es sich nicht nehmen lassen, sich unter sein Volk zu mischen. Dabei kam er mit Sachverstand an meinen Schachstand. Wir plauderten eine Weile miteinander. Eine seiner Leidenschaften sei das Fotografieren. Er betrachtete fachkundig meine Kamera und kam von sich aus auf die Idee, von meiner Gattin und mir ein Foto zu schießen. Das Foto ist damit ein echter Schostok.

Auf dem Tisch seht ihr mein Go-Spiel liegen. Das hatte ich zusätzlich mitgebracht. Und siehe da, unter den Kiezgängern waren zwei, die das Go-Spiel gut beherrschen (hier mit gevierteltem Brett).

Und da wäre noch eine Dame, die 15 Jahre lang im Deutschen Bundestag saß und nun vor uns auf der Straße stand: Prof. Monika G. Sie zog anschließend mit den 60+ Jährigen durch den Kiez.

Echte Schachspieler waren rar. Karen war jedoch wie versprochen gekommen. Sie spielt für die SG Blau-Weiß Eilenriede. Nebenbei betreut sie ihren taubblinden Lebensgefährten, der trotz seiner Einschränkungen gern und gut Schach spielt.

Yoga auf Kopfsteinpflaster sieht man auch nicht alle Tage.

Auf eine junge Dame möchte ich euch aufmerksam machen, die mir gegenüber wohnt, etwas Kreatives studiert, Schlagzeug und Kontrabass spielt, leidenschaftlich Geschichten aus dem Stegreif schreibt und die auf ihrer eigenen Webseite präsentiert. Marilia heißt sie und ist gerade am Tippen. „Kreative Hirngespinste und Wortmalereien über das kunterbunte Leben“, sind ihr Credo. Damit trifft sie genau meinen Nerv. Guckt ihr hier: https://marillenbaererzaehlt.wordpress.com/

Gute Laune soweit der Kiez reicht:

Und wie wurde mein Schachstand angenommen? Großartig! Acht Stunden lang herrschte kaum Stillstand. Die großen Schachfiguren sind vor allem für Kinder ein Anreiz. Die Allerkleinsten haben damit die größte Freude. Wer weiß, vielleicht bleibt die Faszination bei ihnen im Hinterkopf gespeichert und entwickelt sich später zu einer Leidenschaft fürs Leben.

Deshalb kann ich euch nur empfehlen: Runter vom Sofa, rauf auf die Straße! Möbelt eure Wohngegend auf und freundet euch mit euren Nachbarn an. Dann macht das Schachspielen noch mehr Spaß. Ein paar Eindrücke bekommt ihr zum Schluss.

Noch ein Hinweis zur dämlichen DSGVO. Fotos von Personen, bei denen ich mir über das Einverständnis nicht sicher bin, habe ich ein wenig geschwärzt.

JAMIEL-Kiez

Drei Straßen. Ein Name. Ein Kiez: JAMIEL. Wer wissen möchte, was es damit auf sich hat, muss weiterlesen. So viel sei vorab gesagt: „Der Kiez soll Weltkulturerbe werden.“ Jawoll! Das berichten aktuell die Medien. Immer langsam mit den jungen Jamielianern. Erstmal ist das Freizeitheim Linden dran, dann St. Pauli und dann JAMIEL, das Tor zur Welt für unerfahrene Hannoveraner, die auf ihrem Weg gen Westen die Ihme überqueren.

JAMIEL gibt es erst seit Anfang dieses Jahres. Und schon wird gefeiert:

Am kommenden Samstag ist es soweit. Dann sind Autos im Kiez tabu. Das wird für manche Anwohner ein Kulturschock werden. Etwa so, als würde jemand aus dem Maschsee den Stöpsel ziehen. Dabei ist das nur ein Vorgriff auf Lindens Tausend-Jahr-Feier. Dann gibt es sowie keine Autos mehr. Sind das nicht herrliche Aussichten? Wolfsburg wird renaturiert. Lokführer können aufatmen.

Archivbild mit Thomas L.

Wir Schachspieler nutzen die Gunst der Stunde. Mitten auf der Straße wird mit großen Figuren Schach gespielt. Dem Schachbezirk Hannover sei für die Leihgabe und Thomas E. für den Transport ausdrücklich gedankt. Das Schach-Set habe ich frostfrei gelagert. Am Samstagmittag wird es aufgebaut. Das Szenario habe ich schon vor meinen Augen: Gedankenversunkene Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer schieben die weißen und schwarzen Klötze hin und her, halbwissend was sie tun, begeisterte Nachbarn stehen links und rechts Fähnchen schwenkend auf dem Trottoir; und Alexander Gerst grüßt aus dem All.

„So lang‘ man Träume noch leben kann“ (Münchener Freiheit), klappt’s auch mit dem Nachbarn. Die Kiez-Macher sind frohen Mutes. Ich auch. Was tatsächlich aus dem Straßenfest und den Plänen darüber hinaus wird, werden wir sehen. Ihr könnt zum Erfolg beitragen. Über den Besuch netter Schachfreunde würden sich die Jamielianer freuen. Es gibt ein vielseitiges Unterhaltungsprogramm. Echte Schachspieler können sich auch mit echten Schachfiguren messen. Ein Schachspiel in Original-Größe und eine Schachuhr werde ich beisteuern. Wenn’s ein Blitzturnier im Freien werden soll, müsst ihr entsprechendes Equipment mitbringen. Für die Einstimmung lohnt sich ein Rückblick auf den „Wahnsinn“ aus dem Oktober 2014: https://www.schachfreunde-hannover.de/wahnsinn/

Was hat es nun mit JAMIEL auf sich? Die Antwort findet ihr hier: http://www.jamiel-kiez.de/

Die wichtigste Botschaft: Jamielianer sind dynamisch, visionär, vielseitig, konstruktiv, friedlich, optimistisch, energievoll, intelligent, freundschaftlich miteinander verbunden.“

Im Grunde wie Schachspieler. Mit der kleinen Einschränkung: sofern sie nicht gerade eine Schachpartie verloren haben…

Autofrei

„Raymond Angelo Belliotti war sehr jung, als er geboren wurde.“ – Seit 1998 findet jährlich der Europäische Tag des Fahrrades am 3. Juni statt. Auf den heutigen Tag habe ich mich vorbereitet, indem ich wieder ein bestimmtes Buch zur Hand genommen habe, das mir vor ein paar Jahren geschenkt wurde. Es trägt den Titel „Die Philosophie des Radfahrens“ und ist im Mairisch-Verlag erschienen. Das Buch ist wirklich lesenswert, weil internationale Autoren aus unterschiedlichen Disziplinen – vom Philosophieprofessor bis zum Radprofi – ihre Sicht aufs Radfahren unterhaltsam darlegen. Belliotti hat über das Schicksal von Marco Pantani geschrieben. Eine Kurzbiographie über Belliotti gibt es am Ende seiner Analyse. Die Biographie beginnt mit dem eingangs zitierten Satz.

Nun weiß ich nicht, ob es sich um einen Fehler der Übersetzerin handelt oder so gewollt ist. Mit gefällt der Satz. Ich weiß nicht, ob ich sehr jung war, als ich geboren wurde, aber ich weiß, dass es nie zu spät ist, jung zu denken; d.h. nicht in verkrusteten Strukturen. Schach kann dabei helfen. Wenn, ja wenn wir uns nebenbei körperlich fit halten (Mens sana in corpore sano) und dazu beitragen, dass die Umwelt geschützt wird. Hannover hat zur Umwelt ein ambivalentes Verhältnis. Dank einiger Aktivisten tut sich etwas zum Guten. Wie schlimm die Auswirkungen des Autoverkehrs – vor allem an Ausfallstraßen – sind, zeigt dieses Beispiel aus Limmer:

Hannover ist heute positiv gestimmt. In der für Autos gesperrten Innenstadt ist jede Menge los. Es ist unglaublich, wie viele Möglichkeiten es gibt, sich sinnvoll zu beschäftigen, ohne dass dabei Schadstoffe in die Luft geblasen werden. Schachspielen gehört dazu; von Auswärtskämpfen im Emsland einmal abgesehen. Hannover 96 zeigte, wie’s geht:

Die Gesichter einiger Personen habe ich ein bisschen geschwärzt. Ihr wisst schon, wegen der DSGVO. Einen berühmten Schachfreund nebst Tochter darf ich euch jedoch ungeschwärzt zeigen:

Wer kein Risiko eingehen will, sollte Menschen künftig nur noch unter Wasser ablichten. Dazu habe ich folgendes Beispiel:

Wasserstadt-Triathlon am 2. Juni 2018

Wenn ich euch jetzt erzähle, dass diese Personen wenige Minuten später auf dem Rennrad saßen, wisst ihr das Fahrradfahren umso mehr zu schätzen. Wobei ich euch noch die Schlussworte aus der Biographie über Belliotti schuldig bin:

„Er lief einige Marathons, heiratete, schrieb ein paar Bücher, bekam zwei Kinder, lehrte sehr viel Baseball, verlor den Großteil seiner Haare und war beleidigt, als die restlichen dann auch noch grau wurden. Er besaß nie ein Fahrrad.“

 

Showdown im LA8

LA8 Kulturhaus in Baden-Baden

CR7 kennt jedes Kind (Cristiano Ronaldo). Aber wer kennt LA8? LA8 ist die Adresse in Deutschlands Schachszene. Es handelt sich um das Kulturhaus in Baden-Baden. Heute Nachmittag findet dort „der ganz besondere Höhepunkt des Denksports“ statt (Zitat von der Webseite der OSG Baden-Baden). Die OSG Baden-Baden trifft im Stichkampf um die Deutsche Schachmannschaftsmeisterschaft auf die SG Solingen. Die Spannung steigt. Um 15:00 Uhr geht’s los. Mal sehen, wie viele Topstars aufgeboten werden. Die GRENKE AG wird sich auf Seiten der OSG bestimmt nicht lumpen lassen. Können die Solinger dagegenhalten? Deren Einsatz wird durch den plötzlichen Tod ihres Urgesteins, Herbert Scheidt, überschattet.

Ab 14:30 Uhr ist das Spiellokal geöffnet. Der Eintritt ist frei. Es gibt Getränke, Kaffee, Kuchen und belegte Brötchen. Wer will, kann auf den Geburtstag von Peter Heine Nielsen anstoßen. Er wird heute 45 Jahre alt. Es ist allerdings kaum damit zu rechnen, dass er spielen wird. Das Privileg ist der Weltklasse vorbehalten.

Vor dem Kurhaus ist ein Public Viewing vorgesehen. Ich habe schon mal die Stühle rausgestellt. Wer nicht vor Ort ist, kann sich die Übertragung im Internet angucken. Es kommentiert GM Klaus Bischoff. Für gute Unterhaltung ist also gesorgt.

Schach als Investition

Walter Rädler, Vizepräsident für Verbandsentwicklung im DSB, hat gestern Unterlagen von der 2. Bundesvereinskonferenz mit einer E-Mail verschickt. Einige von euch werden diese ebenfalls erhalten haben. In seinem Begleittext hat Walter Rädler folgende rhetorische Frage gestellt und gleich selbst beantwortet:

Ein Freund hat mich gefragt: Warum investierst Du so viel Geld und Zeit, damit dein Sohn Schach lernen und spielen kann? Meine Antwort: Nun, ich habe ein Geständnis zu machen: Ich bezahle nicht, damit mein Sohn Schach spielt. Weißt du, warum ich bezahle?

• Ich zahle, damit mein Sohn lernen kann, diszipliniert zu sein.
• Ich zahle, damit mein Sohn seinen Verstand pflegen und so seine Kreativität entwickeln kann.
• Ich zahle, damit mein Sohn lernt, mit Enttäuschungen umzugehen, wenn er nicht bekommt, was er erwartet hat.
• Ich zahle, damit mein Sohn lernt, seine Ziele zu erreichen.
• Ich zahle, damit mein Kind versteht, dass es Stunden um Stunden harter Arbeit und Training kostet, eine Meisterschaft zu erreichen und dass der Erfolg nicht über Nacht geschieht.
• Ich zahle für die Chance, die mein Sohn hat, Freundschaften fürs Leben zu schließen.
• Ich bezahle dafür, dass mein Sohn Turniere spielt und nicht vor dem Fernseher, Tablet, elektronischen Spielen und mehr sitzt.
• Meine Bezahlung dient für alles, was dieser wunderschöne Sport ihm gibt: „Verantwortung, Demut, Freundschaft, Geduld, Respekt, Konzentrationsfähigkeit, usw.“
• Ich könnte weitere Dinge aufzählen, aber um mich kurz zu fassen:
• Ich zahle nicht für Schach, sondern für die Chancen, die dieser Sport meinem Sohn bietet, für die Entwicklung von Attributen und Fähigkeiten, die Ihm nützlich für sein Leben sein werden.
• Ich glaube, es ist meine beste Investition – es ist eine Universität des Lebens!

Am hehren Ziel dieser Antworten gibt es keinen Zweifel. Etwas stört mich indes. Geht es um den Sohn (Tochter?), oder geht es um den, der bezahlt? Bezahlen heißt, eine Schuld zu begleichen. Sind wir unseren Kindern etwas schuldig? Oder wollen wir ihnen eine bestmögliche Zukunft bereiten? Ohne Eigennutz!? Eine Investition ist eine Kapitalanlage. Früher waren Kinder als Altersvorsorge unverzichtbar. In vielen Teilen unserer Welt gilt das noch heute. Aber gilt es das auch für unser Land in der heutigen Zeit?

Mit diesem Beitrag möchte ich keinesfalls an der Wortwahl von Walter Rädler herummäkeln, sondern diese zum Anlass nehmen, unsere wahren Beweggründe auf den Prüfstand zu stellen. Dazu passt diese wahre Begebenheit:

Um die Ecke meiner Straße gab es einen Kiosk. Das ist rund dreißig Jahre her. Betrieben wurde dieser von einem Mann mit türkischen Wurzeln. Immer, wenn jemand bei ihm etwas kaufen wollte, antwortete er: „Geb‘ ich gerne!“ Dieser Satz ist meiner Frau und mir als geflügeltes Wort bis heute in Erinnerung geblieben. „Gerne geben!“ Die Bezahlung wird dabei zur Nebensache.

Karl Marx der Schachspieler

Lasst euch nicht verwirren, das nachfolgende Briefmarkenset ist 50 Jahre alt. Heute geht es um Marx‘ 200. Geburtstag.

Die Beurteilung seines Lebenswerks ist nicht mein Ansinnen. Es geht um eine seiner Leidenschaften: das Schachspiel. Dazu möchte ich an einen Beitrag in unserem Blog erinnern, den ich dank Jürgen Juhnke vor 4 Jahren geschrieben habe:

https://www.schachfreunde-hannover.de/arbeiterschach/

Auch wenn die Schrift nicht leicht zu entziffern ist, solltet ihr euch die Mühe machen, nach unten zu scrollen und die Arbeiterschachzeitung aus dem Jahr 1933 lesen. – Im Internet habe ich eine Partie gefunden, die Marx 1867 gegen einen gewissen Meyer gespielt haben soll. Wenn das so stimmt, hatte Karl Marx durchaus Talent.

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1278768

Auf Zeit-Online hat Helmut Pfleger vor drei Jahren einen kleinen Artikel über Marx als Schachspieler geschrieben:

https://www.zeit.de/2015/45/spiele-schach-45

Ansonsten könnt ihr über Karl Marx denken, was ihr wollt, aber diesen Satz werden wohl alle unterschreiben:

Tapetenwechsel

Ich brauch‘ Tapetenwechsel sprach der Schachfreund
Und macht‘ sich in der Sommerpause auf den Weg
Ich brauche frischen Wind um meine Krone…

Okay, Hildegard Knef sang einst von einer Birke, doch sind wir nicht alle ein bisschen Birke, Bluna oder neugierig auf ein anderes Umfeld? An diejenigen wollen wir uns mit diesem Aufruf wenden:

We want you!

Die Mannschaftssaison deutscher Schachvereine ist seit heute Nachmittag beendet. Fast. Um den Titel „Deutscher Mannschaftsmeister“ wird es einen Stichkampf zwischen der OSG Baden-Baden und der SG Solingen geben. Die Absteiger aller Klassen stehen indes fest. Gehört deine Mannschaft etwa dazu? Kein Problem. Für unsere Oberligamannschaft und für unsere Verbandsligamannschaft suchen wir nette Schachfreunde, die frischen Wind um ihre Krone brauchen. – Wir wollen ausdrücklich niemand abwerben. Wer sich in seinem Stammverein wohlfühlt, möge diesem die Treue halten. Für die anderen haben wir ein paar Plätze frei. Geld könnt ihr bei uns nicht verdienen; über Fahrtkosten lässt sich indes reden.

Insider wissen, dass wir unseren Spielabend abgeschafft haben. Das ist weitgehend dem Zeitgeist geschuldet und stimmt uns nach knapp 100 Jahren Vereinsgeschichte wehmütig. Andererseits bietet das Vorteile. Niemand muss Gewissensbisse haben, wenn er einen Spielabend schwänzt. Die Mitgliedschaft in unserem Schachverein konzentriert sich auf die Mannschaftskämpfe. Ansonsten kommunizieren wir virtuell, u.a. über unseren deutschlandweit bekannten Blog. Die Ortszugehörigkeit spielt deshalb eine untergeordnete Rolle. Ob ich von Hannover oder von sonst wo zum Mannschaftskampf nach Hellern aufbreche, ist zweitrangig.

Wer sich angesprochen fühlt, wende sich bitte mit einer E-Mail vertrauensvoll an unseren Vorstand: vorstand@schachfreunde-hannover.de

Anfragen werden diskret behandelt. Sollte sich dein Interesse verflüchtigen, wird niemand etwas darüber erfahren. Die Tapeten kannst du dir aussuchen: Oberliga oder Verbandsliga.

Tapetenwechsel auf dem Schachbrett:

Faites votre jeu bei den Schachfreunden Hannover!

Die besten Webseiten niedersächsischer Schachklubs

Am kommenden Wochenende findet in Berlin die 2. Bundesvereins-konferenz statt.

1. Bundesvereinskonferenz 2017

An der ersten habe ich bekanntlich teilgenommen. Die Herausforderungen an Schachvereine haben sich seitdem nicht geändert. Insofern ist es ein Jahr später hilfreich, uns die Einschätzung des Referenten Dirk Schröter (DS Sportmarketing) vom 29. April 2017 zu vergegenwärtigen. Die Herausforderungen sind:

Soziodemografischer Wandel
• Langtage an Schulen und Kindergärten
• Kommerzielle Konkurrenz
• Individualisierung/Selbstentfaltung
• Digitaler Wandel

11 Tipps gibt Dirk Schröter, diesen Herausforderungen zu begegnen. Tipp Nr. 7 ist die „Zeitgemäße Kommunikation“. Dazu gehört eine lebendige Homepage. Wie sieht es damit in Niedersachsen aus? Welche Schachvereine haben die besten Webseiten? Diese Frage beantworte ich hiermit selbst auf Grundlage einer semiwissenschaftlichen Fleißarbeit. Dafür habe ich mir sämtliche Internetdarstellungen der niedersächsischen Schachvereine, die auf der Webseite des NSV genannt sind, angesehen und ausgewertet.

Eine gelungene Homepage ist wie eine gelungene Darbietung im Zirkus. Die Zuschauer sollen begeistert werden. Konkurrenzkampf ist überall, und so gehört es dazu, dass diejenigen ausgezeichnet werden, die es am besten machen. Beginnen möchte ich mit der Preisverleihung. Dabei orientiere ich mich am berühmten Circus-Festival in Monte Carlo. Statt Clowns verteile ich Springer.

Ein Goldener Springer geht an:

Sportverein Hellern, Schachabteilung (Bezirk 6) https://schach-hellern.de/

Je ein Silberner Springer geht an:

SK Lehrte (Schachbezirk 1) http://sk-lehrte.de/home.php
Hamelner SV (Schachbezirk 3) https://www.hamelnerschachverein.de/

Je ein Bronzener Springer geht an:

SD Isernhagen (Schachbezirk 1) http://www.schachdrachen.de/
SV Winsen (Schachbezirk 4) https://sv-winsen.org/
SK Union Oldenburg (Schachbezirk 5) http://skunion.de/
SKP Bad Zwischenahn (Schachbez. 5) http://www.schwarzer-springer.de/
SK Nordhorn-Blanke (Schachbezirk 6) http://sknb-online.de/joomla1/

Ehrende Erwähnungen gehen an:

KSV Rochade Göttingen (Bezirk 2) http://www.rochade-goettingen.de/
Blau-Weiß Buchholz (Bez. 4) https://www.blau-weiss-buchholz.de/schach
Post SV Uelzen (Schachbezirk 4) http://schach.post-sv-uelzen.de/

Die Preise sind immateriell. Das sage ich ausdrücklich, damit niemand auf die Idee kommt, wie Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008 zu sagen: „Ich nehme diesen Preis nicht an!“ Und da es kein „Echo“ ist, könnt ihr ihn auch nicht zurückgeben. Spaß beiseite. Meine Auszeichnungen sind ehrlich gemeint. Diejenigen, die ich nicht genannt habe, bitte ich um Verständnis. Es gibt über die Preisträger hinaus viele gute Internetauftritte, aber hier und da fehlt das gewisse Etwas. Für meine Bewertung habe ich 10 Kriterien herangezogen:

• Webdesign
• Aktualität der Berichte
• Kontinuität der Berichte
• Themenvielfalt
• Illustrationen (Fotos, Diagramme usw.)
• Blick über den eigenen Tellerrand
• Humor
• Interaktion (Blog, Gästebuch)
• Schreibkunst
• Gesamteindruck

Für jede Eigenschaft habe ich 0 bist 6 Punkte vergeben. Die Maximalausbeute hätte somit 60 Punkte betragen. Die hat kein Verein erzielt, aber der SV Hellern kommt dem am nächsten. Hervorheben möchte ich die fachlich und stilistisch hervorragenden sowie stets aktuellen Berichte der Osnabrücker. Es gibt ein Gästebuch, das ein bisschen genutzt wird. In den meisten anderen Vereinen ist die Interaktion gar nicht möglich. Diesbezüglich herausragend ist der Hamelner SV. Die Homepage lebt von den Kommentaren. Mitglieder und Gäste können sich gleichermaßen zu Wort melden.

Meine ehrenden Erwähnungen gehen an den KSV Rochade Göttingen wegen der speziellen Ausrichtung auf Kinder und Jugendliche. Blau-Weiß Buchholz und Post SV Uelzen ehre ich deshalb, weil sich beide Schachvereine als Sparten in Großvereinen nicht unterkriegen lassen. Deren Webseiten sind üppig und informativ. In der Regel ist es umgekehrt. Die Darstellung der meisten Schachvereine geht in Sportvereinen unter.

164 Schachvereine habe ich insgesamt ausgewertet. Die zuvor genannte Benotung habe ich in eine Excel-Liste eingetragen. – Meine Gesamtbeurteilung ist zwiespältig. Etwa die Hälfte der Internetauftritte ist sehr gut bis ausreichend. Die andere Hälfte der Vereine hat entweder keine Homepage oder dermaßen schlechte, dass sie besser aus dem Netz genommen werden sollten. Dabei gibt’s Kuriositäten. Zwei Vereine aus dem Schachbezirk 1 empfangen den geneigten Besucher mit:

„Frohe Weihnachten“

Dass ich die Schachfreunde Hannover nicht mitbewertet habe, bedarf keiner Erklärung. Wer mein Resümee von der 1. Bundesvereinskonferenz nicht mehr vollständig in Erinnerung hat, kann es sich hier noch einmal anschauen: https://www.schachfreunde-hannover.de/1-bundesvereinskonferenz-ein-resuemee/

Falls ein Offizieller des NSV mitliest, habe ich folgenden Hinweis zur Liste der Vereins-Websites. Die Webseiten der Vereine mit diesen Nummern funzen nicht mehr:

70158, 70235, 70328, 70338, 70347, 70403, 70451, 70507(?), 70516, 70527, 70529, 70560, 70610, 70615, 70618, 70620, 70627 und 70645.

Bei Nr. 70477 (FG Wohlde) ist Vorsicht geboten! Wer den Link anklickt, riskiert einen Virenbefall.

Darüber hinaus sind in der Liste noch Vereine enthalten, die sich mittlerweile vom Spielbetrieb abgemeldet haben. Ein Frühjahrsputz wäre nicht schlecht.