Entspannt euch!

Ob es hier zur Okertalsperre ginge, wurde ich gestern von einem älteren Ehepaar gefragt. „Nein, das ist hier der Goetheweg“, antwortete ich. „Dann grüßen Sie ihn bitte, wenn er Ihnen begegnet“, war die freundliche Empfehlung des Mannes. „Das mache ich, Goethe ist ein alter Kumpel von mir“, entgegnete ich ihm schlagfertig und erntete Gelächter. Wenig später kam mir ein Paar entgegen, das offenbar aus Bayern stammt. Der Dialekt und die Grußformel ließen darauf schließen: „Grüß Gott!“ Sollte ich darauf die gleiche Antwort geben? Ich tat es nicht. Man tritt so leicht in Fettnäpfchen.

Womit ich beim Thema bin. Heute geht es nicht um überholte Turnierordnungen, an die sich Schachfunktionäre klammern wie Messis an Tageszeitungen aus Helmut Kohls Zeiten, nein, heute geht es um die deutsche Romantik. Da ist einerseits der sagenumwobene Brocken, der für uns Niedersachsen vor 30 Jahren unnahbar war, und andererseits ist da der deutsche Wald, der einen Stresstest nach dem anderen bestehen muss. Von beiden möchte ich euch ein paar schöne Bilder zeigen. Einfach so zur Entspannung. – Wusstet ihr, dass Fichten 500 Jahre alt werden können? So lange hält keine DWZ. Wenn wir nicht mehr sind, ist die DWZ wertlos. Anders verhält es sich in einem Naturwald. Der Tod eines Baumes ist ein Elixier für neues Leben, vorausgesetzt, wir Menschen greifen nicht ein. Ein besonders schönes Plätzchen im Wald – das wie gemacht ist für eine Schachpartie – zeige ich euch im Anschluss auf meinem letzten Foto.


DSenMMdL 2018 in Templin

Morgen werden die 27. Deutschen Senioren-Mannschaftsmeisterschaften der Landesverbände beendet. Für das niedersächsische Team sieht es diesmal nicht gut aus. Vor der Schlussrunde belegt es in der Altersklasse +65 mit 5:7 Punkten den 11. Platz unter 16 Mannschaften. Offenbar waren zwei unserer Spieler erkrankt und einer von der Rolle: Gerhard Kaiser (Hamelner SV). Lediglich ein Remis in 6 Partien ist auf seiner Habenseite. In der Vergangenheit war Gerhard bei seinen Einsätzen stets einer der Leistungsträger.

5,5 Punkte aus 6 Partien holte am 1. Brett FM Jefim Rotstein (NRW); mit einer Elo-Zahl von 2.315 die Nummer Eins der Rangliste. Heute gewann er glücklich gegen Karl-Heinz Jergler (Bayern 1). Das Ende der Partie habe ich zufällig live verfolgt. – Jefim Rotstein hatte eine Gewinnstellung erreicht. Allerdings stand sein König bedenklich, weil die weiße Dame zusammen mit dem weißen Springer für Gefahr sorgte. Es wurde unglaublich spannend. Die Partie wogte hin und her. Zwischendurch konnte sogar Weiß gewinnen. Mit 73. Sf8? statt 73. Sg5!! vergab er die letzte Remischance. Die Partie müsst ihr unbedingt nachspielen. Vor allem die Varianten, die nicht gespielt wurden! Wir steigen im 63. Zug ein:

Jergler, Karl-Heinz (Bayern 1) – FM Rotstein, Jefim (NRW)
DSenMMdL (6) Brett 1
15.09.2018
Schwarz am Zug


Ordnung oder Unordnung – Das ist hier die Frage

Wisst ihr, wie viele Turnierordnungen im Deutschen Schachbund gelten? Wer Lust hat, kann sie zählen. Nachfolgend habe ich alle aufgelistet; jedenfalls die, die ich im Netz finden konnte. Ihr müsst nur die jeweiligen Namen anklicken. Die führen als Link zu den Turnierordnungen. Die sind eine wahre Fundgrube. Mein Favorit ist die TO vom Bezirk Rhein-Wupper (NRW). Warum, erkläre ich in meinem Kommentar. Niedersachsen und die Norddeutschen Verbände habe ich vorangestellt, danach folgen die Landesverbände nach der Anzahl ihrer Mitglieder (Stand 01.01.2018).

Deutscher Schachbund 89.975 Mitglieder (Stand 01.01.2018)
1. Schach-Bundesliga
Oberliga Nord (veraltet, Website der Norddeutschen Landesverbände ist offline)

Niedersächsischer Schachverband 5.416 Mitglieder
Bezirk Hannover
Bezirk Braunschweig
Bezirk Südniedersachsen
Bezirk Lüneburg
Bezirk Oldenburg-Ostfriesland
Bezirk Osnabrück-Emsland

Berliner Schachverband 2.758 Mitglieder

Schachverband Schleswig-Holstein 2.403 Mitglieder
Bezirk Kiel
Bezirk Nord
Bezirk Ost
Bezirk West

Hamburger Schachverband 2.352 Mitglieder

Landesschachbund Mecklenburg-Vorpommern 1.111 Mitglieder

Landesschachbund Bremen 857 Mitglieder

Schachbund Nordrhein-Westfalen 18.020 Mitglieder
SV Ruhrgebiet
Schachbezirk Bochum TO Fehlanzeige!?
SG Dortmund
Essener Schachverband TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Emscher-Lippe
Schachbezirk Hamm
Schachbezirk Herne-Vest

Niederrheinischer Schachverband
Schachbezirk Bergisch-Land TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Düsseldorf  TO nur Jugendliche
Schachbezirk Duisburg
Schachbezirk Linker Niederrhein
Schachbezirk Wesel TO Fehlanzeige!?

SV Südwestfalen
Schachbezirk Iserlohn TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Oberberg TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Hochsauerland TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Sauerland
Schachbezirk Siegerland

SV Ostwestfalen-Lippe TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Bielefeld
Schachbezirk Hellweg TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Lippe TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Porta
Schachbezirk Teutoburger Wald-West TO Fehlanzeige!?

SV Münsterland
Schachbezirk Steinfurt TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Borken TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Münster TO Fehlanzeige!?

SV Mittelrhein
Schachverband Aachen
Schachbezirk Bonn/Rhein-Sieg
Kölner Schachverband
Schachbezirk Rur-Erft
Schachbezirk Rhein-Wupper vorbildlich!

Bayerischer Schachbund 16.176 Mitglieder
Schachbezirk Mittelfranken
Schachbezirk München
Bezirksverband Niederbayern
Bezirksverband Oberbayern
Bezirksverband Oberfranken
Schachverband Oberpfalz
Schachverband Schwaben
Schachverband Unterfranken

Schachverband Württemberg 9.346 Mitglieder
Bezirk Alb-Schwarzwald
Bezirk Neckar-Fils
Bezirk Oberschwaben
Bezirk Ostalb
Bezirk Stuttgart
Bezirk Unterland

Badischer Schachverband 7.846 Mitglieder
Bezirk Mannheim
Bezirk Heidelberg
Bezirk Odenwald TO Fehlanzeige!?
Bezirk Karlsruhe
Bezirk Pforzheim
Bezirk Mittelbaden TO Fehlanzeige!?
Bezirk Ortenau Geschäftsordnung!?
Schachbezirk Freiburg
Schachbezirk Hochrhein
Schachbezirk Schwarzwald
– Schachbezirk Bodensee Website Fehlanzeige!?

Hessischer Schachverband 7.149 Mitglieder
Schachbezirk Nordhessen
Schachbezirk Osthessen
Schachbezirk Lahn/Eder
Schachbezirk Main-Vogelsberg
Schachbezirk Frankfurt Handbuch 64 Seiten!
Schachbezirk Starkenburg
Schachbezirk Main-Taunus
Schachbezirk Rhein-Taunus
Schachbezirk Lahn TO Fehlanzeige!?
Schachbezirk Bergstraße

Schachbund Rheinland-Pfalz 4.744 Mitglieder
Schachverband Rheinland
Schachbezirk Rhein-Ahr-Mosel
Schachbezirk Rhein-Westerwald
Schachbezirk Trier
Schachbezirk Rhein-Nahe
Pfälzischer Schachbund
— Bezirke I bisVI ohne Website!?
Schachbund Rheinhessen

Schachverband Sachsen 3.861 Mitglieder
— Schachbezirk Chemnitz ohne Website!?
— Schachbezirk Dresden ohne Website!?
— Schachbezirk Leipzig ohne Website!?

Schachverband Sachsen-Anhalt 2.781 Mitglieder
Schachbezirk Dessau
Schachbezirk Magdeburg
Schachbezirk Halle TO Fehlanzeige!?

Thüringer Schachbund 2.078 Mitglieder
Schachbezirk Mitte
Schachbezirk Nord
Schachbezirk Ost Eine Seite!
Schachbezirk Süd TO Fehlanzeige

Landesschachbund Brandenburg 1.674 Mitglieder
– 15 Kreis- und Stadtbünde von Barnim bis Uckermark TO Fehlanzeige!?

Saarländischer Schachverband 1.031 Mitglieder

Die Affäre Jordan

Was hat den DSB-Präsidenten Ullrich Krause bloß geritten, aus einem ehemaligen Erfolgsmodell eine Schlammschlacht zu machen? Selbst wenn es stimmt, dass eine rasche Aufklärung vonnöten war, ist diese seitens des amtierenden DSB-Präsidiums stillos in die Öffentlichkeit gezerrt worden. Da der Skandal in den einschlägigen Fachmagazinen sowie sozialen Medien rauf und runter diskutiert wurde und wird (allein 48 Kommentare bei den Schachperlen vom Bodensee), ist euch die Sachlage vermutlich bekannt. Eigentlich wollte ich mich aus dem Thema heraushalten. Der Artikel „Keine Zusammenarbeit mehr mit Dirk Jordan“ in der neuesten Ausgabe von Otto Boriks Schachmagazin 64 hat mich jedoch veranlasst, mit diesem Beitrag mein Befremden über die Präsidentschaft im Deutschen Schachbund auszudrücken.

Der zuvor genannte Artikel im Schachmagazin 64 stammt von Hartmut Metz. Der Artikel ist sachlich geschrieben, verschweigt indes die Rolle desjenigen, der den Skandal aufgedeckt hat: Dipl.-Ing. Ossi Weiner, seit Ende 2017 Geschäftsführer der DSB Wirtschaftsdienst GmbH. Dessen nassforschen Kommentare widerlegen unseren Werbespruch: Nette Leute spielen Schach.

Das Gegenteil von nett ist seine arrogante Antwort im Schachticker auf eine Stellungnahme vom ehemaligen Vizepräsidenten des DSB und amtierenden Präsidenten des Badener Schachverbands, Prof. Uwe Pfenning, u.a. mit folgenden Worten: „Offensichtlich hat der gute Mann keinerlei Sachkenntnis von der tatsächlichen Faktenlage.“

Dipl.-Ing. Ossi Weiner kenne ich nicht persönlich, aber ein Blick ins Netz zeigt, dass er bei der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich ist. In einem Forum für Schachcomputer beschreibt ihn jemand mit diesen Worten: „Ein sehr harter Geschäftsmann, der ganz genau weiß was er will.“ Persönlich kennengelernt habe ich indes den amtierenden DSB-Präsidenten Ullrich Krause, seinen Vorgänger Herbert Bastian und Prof. Uwe Pfenning anlässlich der 1. Bundesvereinskonferenz 2017 in Berlin. Es blieb mir nicht verborgen, dass es zwischen dem damals amtierenden Präsidenten und dem Präsidenten in spe knisterte. Womöglich lösen sich jetzt die Spannungen. Den besten Eindruck auf mich hat Uwe Pfenning gemacht. Dass er von seinem Posten auf Bundesebene zurückgetreten ist, ist angesichts des derzeit rigiden Stils kein Wunder.

Wie geht’s weiter? Der Streit wird vermutlich juristisch ausgetragen. Er wird irgendwann mit einem Vergleich enden. Der DSB wird keinen adäquaten Ersatz für Dirk Jordan und sein ehemaliges Team finden. Die Schachszene in Deutschland wird ärmer. Ullrich Krause wird bei der nächsten Präsidentenwahl in seinem Amt nicht bestätigt. Sieht so eine bessere Zukunft aus?

Traurige Nachricht

Diese Nachricht erschüttert die Sportwelt: „Ehemaliger Radprofi nach Insektenstich gestorben.“ Radrennfahrer sind vielen Gefahren ausgesetzt, dass aber ausgerechnet ein winziges Insekt einen durchtrainierten Menschen umhauen kann, ist an Tragik kaum zu überbieten. Andreas Kappes ist nur 52 Jahre alt geworden. Ich hatte die Ehre, ihn kennenzulernen.

Um die Jahrtausendwende habe ich auf Mallorca zweimal an einem Trainingslager teilgenommen, bei dem Andreas meine Gruppe leitete. Das hat richtig Spaß gemacht. Wir waren die sogenannten „Speed-Fahrer“. Andreas verstand es, Tempo, Härte und Länge der Touren richtig zu dosieren. Unvergessen ist eine Tour, auf der es infernalisch regnete. Als wir losfuhren, war es trocken. In Selva setzte der Regen ein. Wir suchten Schutz in einer typisch spanischen Schankstube. Der Regen hörte nicht auf. Nach zwei Stunden entschlossen wir uns, trotz strömenden Regens aufzubrechen. Selva liegt am Fuß des Tramuntana-Gebirges. Bis zu unserem Hotel in Playa de Muro mussten wir rund 25 Kilometer zurücklegen. Wir nahmen die kürzeste Strecke; das ist die Schnellstraße zwischen Alcudia und Palma, die eigentlich für Radfahrer gesperrt ist. Andreas fuhr mit hohem Tempo voran. Ich an seinem Hinterrad. Hinter mir der Rest der Gruppe. Auf einer Strecke von rund 500 m war die Straße total überflutet. Wir mittendurch. Wir sind heil angekommen. Dank Andreas.

Gruppenbild aus dem März 2000 vor einem Hotel auf Mallorca

Andreas Kappes steht links neben mir.

Gestern war ich bei der Nacht von Hannover. Dort habe ich viele Weggefährten aus dem Radsport getroffen. Morgen findet die Nacht von Neuss statt. Andreas Kappes hat sie organisiert. Sie wird ohne ihn stattfinden. Die Erinnerungen bleiben.

Gerhards buntes Hannover

Gestern habe ich ein Büchlein zur Hand genommen, das den Titel trägt: „Klapas buntes Hannover“. Es ist 1989 bei Leuenhagen & Paris (Lister Meile) erschienen. Klapa steht für Klaus Partzsch (*1930 †1995). Die älteren Hannoveraner werden sich an seine Glossen erinnern, die er jahrzehntelang in der HAZ veröffentlicht hat. Seine Nachfahren führen die Tradition in der Kolumne „Lüttje Lage“ fort. 125 heitere Betrachtungen spiegeln Klapas buntes Hannover wider. Wobei „bunt“ heute eine andere Bedeutung hat als vor dreißig Jahren. Gleichwohl menschelt es nach wie vor. Es gibt Aufreger, die in Vergessenheit geraten sind, z.B. die Spielbankaffäre, andere sind aktuell wie eh und je, z.B. unser Verhältnis zu Bürgern, die im Freistaat Bayern beheimatet sind. Das wird in Klapas Glosse „Blitzschach“ deutlich.

Karnevalsumzug am 10. Februar 2018

Klapa hatte ein Vollwertkostmenü, das in einer Zeitschrift für gesundes Leben abgebildet war, mit einem Tarnnetz für Bundeswehrpanzer verglichen. Der Mann hinter dem Menü war ein Bayer vom Wörthsee, der erbost reagierte und Klapa riet, die Bewertung seiner Vollwertkost einer Gulaschkanone zu überlassen. Die hätte größere Kapazitäten. – Warum auch immer kam es zwischen den beiden zu einem Duell auf dem Schachbrett. Klapa musste klein beigeben: „Aber daß mich der Mann aus Bayern so furchtbar geschlagen hat, möchte ich den Hannoveranern doch nicht vorenthalten – es macht ja immer Vergnügen, eine fette Figur umkippen zu sehen, selbst wenn es nur die eines Kleinmeisters sein sollte.“

Kleinmeister ist das Stichwort für Gerhards buntes Hannover. Bei meiner Vorbereitung auf die neue Saison in der Oberliga Nord habe ich das Terrain eines Gegners erkundet: Aufsteiger Hannover 96. Dabei fiel mit ein merkwürdiges Schild auf:

Frauen kennen wir Schachspieler meist nur vom Hörensagen. „Warum“, fragen wir uns deshalb, „hat diese Spezies einen eigenen Eingang?“ Wobei es noch einen zweiten Eingang geben muss, wenn ich das Wort „zusätzlich“ richtig deute. Den konnte ich allerdings nicht finden. Getrennte Eingänge für Männer und Frauen kannte ich bislang nur von Moscheen. Welchen Sinn macht es, wenn ein Ehepaar, das ein Fußballstadion besuchen will, am Eingang getrennt wird? Ist es die Wiedersehensfreude in den Menschenmassen hinter den Eingangstoren? Oder werden an diesen Stellen sensible Ordnerinnen statt grobschlächtiger Ordner eingesetzt? Ich weiß es nicht. Als ich das letzte Mal im Stadion war, gab es das Schild noch nicht. Es war an einem bitterkalten Tag im Januar 2016. Thomas Schaaf war gerade als Fußballlehrer verpflichtet worden. Das erste Training war öffentlich. Er teilte die Profis in zwei Mannschaften und ließ sie auf einem Kleinfeld spielen. Ständig griff er ein und erklärte den Spielern etwas. Ich hatte den Eindruck, dass die Profis nur Bahnhof verstanden haben. Das Ergebnis ist bekannt: Es wurden 91 grausame Tage für die Kicker von Hannover 96.

Zurück zur Schachabteilung von Hannover 96. Am 25. November sind wir in der 3. Runde bei denen zu Gast. Die 2. Runde der Oberliga Nord ist für den 11.11. um 11:00 Uhr angesetzt. Das ist wieder typisch für die Humorlosigkeit von Schachfunktionären. Warum nicht um 11:11 Uhr? So viel Zeit muss sein. Wir haben dann ein Heimspiel gegen Werder Bremen. Thomas Schaaf ist wieder in deren Reihen. Als Sportdirektor möchte er an frühere Erfolge anknüpfen. Das sei ihm vergönnt. Misserfolge auf hannoverschem Gelände inbegriffen.

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Sonnenuntergang am 2. August 2018 (siehe Kommentar)

Gestern in Hannover

Die Tour de France startet wegen der Fußball-WM eine Woche später. Heute auf den Tag genau vor einem Jahr habe ich euch vom Tour-Start aus Düsseldorf berichtet:
https://www.schachfreunde-hannover.de/gestern-in-duesseldorf/
Ersatzweise muss ich auf meine Heimatstadt zurückgreifen.

Kirchen und Schützenvereine sind aus der Zeit gefallen. Ihre Traditionen leben dennoch fort. Solange sie Lebensfreude versprühen, spricht nichts dagegen. Häme ist fehl am Platz. Es geht nicht um Wahrheiten, sondern um Gefühle. – Um Punkt 10 Uhr läutete die Glocke an Hannovers Rathaus den 489. Schützenausmarsch ein. Ich richtete meine Kamera nach oben. Noch nie habe ich unser Rathaus auf diese Weise wahrgenommen. Wegen der eklektizistischen Bauweise mag ich es nicht. Details können versöhnen.

Unter der Uhr sah es so aus:

Hannovers Oberbürgermeister und JAMIEL-Kiez-Größe Stefan S. sprach die obligatorischen Grußworte zum größten Schützenausmarsch der Welt. Superlative gehören zu Hannovers Bescheidenheit:

Es herrscht wieder Frieden im Land:

Frackträger inbegriffen:

Jede Menge Volkswagen aus unschuldigen Zeiten:

… und aus Zeiten, als sich über Mohrenköpfe niemand Gedanken machte:

Alphornbläser sind über jede Kritik erhaben:

Der Madsack-Verlag ist Kritik gewohnt. Gleichwohl kümmert er sich rechtzeitig um das Wohlwollen des Nachwuchses:

Und was macht ihr? Entspannt euch. Vereinswechsel sind für uns Schachspieler gelaufen. Auftanken ist jetzt angesagt, damit ihr eure Niederlagen in den bevorstehenden Mannschaftskämpfen besser verkraftet. Bis dahin bemühe ich mich, in unserem Blog für gute Stimmung zu sorgen. Ihr dürft euch gern daran beteiligen.

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Lässt sich „Gestern in Hannover“ steigern? Ja! „Gestern über Hannover“
(siehe Kommentar):

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Heute in Hannover (siehe Kommentar vom 15. Juli 2018)

Die Straße lebt!

Seit 35 Jahren wohne ich dem Stadtteil, der sich neuerdings JAMIEL-Kiez nennt. Gestern durfte ich an einem außergewöhnlichen Ereignis teilhaben: dem allerersten Straßenfest fast ohne geparkte Autos, aber mit viel guter Laune, prächtigem Wetter und Schach zum Anfassen. Dort, wo sonst 250 Autos Stoßstange an Stoßstange stehen, und es ein Hingucker ist, wenn mal zwei Parkplätze hintereinander unbesetzt sind, vergnügten sich Jung und Alt auf vielfältige Weise.

Die Veranstaltung war der erste Höhepunkt in dem Bestreben, mehr Lebensqualität zu entfachen und die gute Nachbarschaft zu fördern. Plötzlich nehme ich Menschen wahr, die mir bislang fremd waren, grüße sie, plaudere mit ihnen und die mit mir. Es gibt viele nette und kreative Menschen in meiner Nachbarschaft, die sich zusammengetan haben, um mit der Idee vom KAMIEL-Kiez identitätsstiftend auf die Anwohner einzuwirken. Soll heißen: vor der Haustür soll es lebenswerter werden.

In der Mitte steht Hannovers Oberbürgermeister. Der wohnt auch in unserem Kiez und hat es sich nicht nehmen lassen, sich unter sein Volk zu mischen. Dabei kam er mit Sachverstand an meinen Schachstand. Wir plauderten eine Weile miteinander. Eine seiner Leidenschaften sei das Fotografieren. Er betrachtete fachkundig meine Kamera und kam von sich aus auf die Idee, von meiner Gattin und mir ein Foto zu schießen. Das Foto ist damit ein echter Schostok.

Auf dem Tisch seht ihr mein Go-Spiel liegen. Das hatte ich zusätzlich mitgebracht. Und siehe da, unter den Kiezgängern waren zwei, die das Go-Spiel gut beherrschen (hier mit gevierteltem Brett).

Und da wäre noch eine Dame, die 15 Jahre lang im Deutschen Bundestag saß und nun vor uns auf der Straße stand: Prof. Monika G. Sie zog anschließend mit den 60+ Jährigen durch den Kiez.

Echte Schachspieler waren rar. Karen war jedoch wie versprochen gekommen. Sie spielt für die SG Blau-Weiß Eilenriede. Nebenbei betreut sie ihren taubblinden Lebensgefährten, der trotz seiner Einschränkungen gern und gut Schach spielt.

Yoga auf Kopfsteinpflaster sieht man auch nicht alle Tage.

Auf eine junge Dame möchte ich euch aufmerksam machen, die mir gegenüber wohnt, etwas Kreatives studiert, Schlagzeug und Kontrabass spielt, leidenschaftlich Geschichten aus dem Stegreif schreibt und die auf ihrer eigenen Webseite präsentiert. Marilia heißt sie und ist gerade am Tippen. „Kreative Hirngespinste und Wortmalereien über das kunterbunte Leben“, sind ihr Credo. Damit trifft sie genau meinen Nerv. Guckt ihr hier: https://marillenbaererzaehlt.wordpress.com/

Gute Laune soweit der Kiez reicht:

Und wie wurde mein Schachstand angenommen? Großartig! Acht Stunden lang herrschte kaum Stillstand. Die großen Schachfiguren sind vor allem für Kinder ein Anreiz. Die Allerkleinsten haben damit die größte Freude. Wer weiß, vielleicht bleibt die Faszination bei ihnen im Hinterkopf gespeichert und entwickelt sich später zu einer Leidenschaft fürs Leben.

Deshalb kann ich euch nur empfehlen: Runter vom Sofa, rauf auf die Straße! Möbelt eure Wohngegend auf und freundet euch mit euren Nachbarn an. Dann macht das Schachspielen noch mehr Spaß. Ein paar Eindrücke bekommt ihr zum Schluss.

Noch ein Hinweis zur dämlichen DSGVO. Fotos von Personen, bei denen ich mir über das Einverständnis nicht sicher bin, habe ich ein wenig geschwärzt.

JAMIEL-Kiez

Drei Straßen. Ein Name. Ein Kiez: JAMIEL. Wer wissen möchte, was es damit auf sich hat, muss weiterlesen. So viel sei vorab gesagt: „Der Kiez soll Weltkulturerbe werden.“ Jawoll! Das berichten aktuell die Medien. Immer langsam mit den jungen Jamielianern. Erstmal ist das Freizeitheim Linden dran, dann St. Pauli und dann JAMIEL, das Tor zur Welt für unerfahrene Hannoveraner, die auf ihrem Weg gen Westen die Ihme überqueren.

JAMIEL gibt es erst seit Anfang dieses Jahres. Und schon wird gefeiert:

Am kommenden Samstag ist es soweit. Dann sind Autos im Kiez tabu. Das wird für manche Anwohner ein Kulturschock werden. Etwa so, als würde jemand aus dem Maschsee den Stöpsel ziehen. Dabei ist das nur ein Vorgriff auf Lindens Tausend-Jahr-Feier. Dann gibt es sowie keine Autos mehr. Sind das nicht herrliche Aussichten? Wolfsburg wird renaturiert. Lokführer können aufatmen.

Archivbild mit Thomas L.

Wir Schachspieler nutzen die Gunst der Stunde. Mitten auf der Straße wird mit großen Figuren Schach gespielt. Dem Schachbezirk Hannover sei für die Leihgabe und Thomas E. für den Transport ausdrücklich gedankt. Das Schach-Set habe ich frostfrei gelagert. Am Samstagmittag wird es aufgebaut. Das Szenario habe ich schon vor meinen Augen: Gedankenversunkene Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer schieben die weißen und schwarzen Klötze hin und her, halbwissend was sie tun, begeisterte Nachbarn stehen links und rechts Fähnchen schwenkend auf dem Trottoir; und Alexander Gerst grüßt aus dem All.

„So lang‘ man Träume noch leben kann“ (Münchener Freiheit), klappt’s auch mit dem Nachbarn. Die Kiez-Macher sind frohen Mutes. Ich auch. Was tatsächlich aus dem Straßenfest und den Plänen darüber hinaus wird, werden wir sehen. Ihr könnt zum Erfolg beitragen. Über den Besuch netter Schachfreunde würden sich die Jamielianer freuen. Es gibt ein vielseitiges Unterhaltungsprogramm. Echte Schachspieler können sich auch mit echten Schachfiguren messen. Ein Schachspiel in Original-Größe und eine Schachuhr werde ich beisteuern. Wenn’s ein Blitzturnier im Freien werden soll, müsst ihr entsprechendes Equipment mitbringen. Für die Einstimmung lohnt sich ein Rückblick auf den „Wahnsinn“ aus dem Oktober 2014: https://www.schachfreunde-hannover.de/wahnsinn/

Was hat es nun mit JAMIEL auf sich? Die Antwort findet ihr hier: http://www.jamiel-kiez.de/

Die wichtigste Botschaft: Jamielianer sind dynamisch, visionär, vielseitig, konstruktiv, friedlich, optimistisch, energievoll, intelligent, freundschaftlich miteinander verbunden.“

Im Grunde wie Schachspieler. Mit der kleinen Einschränkung: sofern sie nicht gerade eine Schachpartie verloren haben…

Autofrei

„Raymond Angelo Belliotti war sehr jung, als er geboren wurde.“ – Seit 1998 findet jährlich der Europäische Tag des Fahrrades am 3. Juni statt. Auf den heutigen Tag habe ich mich vorbereitet, indem ich wieder ein bestimmtes Buch zur Hand genommen habe, das mir vor ein paar Jahren geschenkt wurde. Es trägt den Titel „Die Philosophie des Radfahrens“ und ist im Mairisch-Verlag erschienen. Das Buch ist wirklich lesenswert, weil internationale Autoren aus unterschiedlichen Disziplinen – vom Philosophieprofessor bis zum Radprofi – ihre Sicht aufs Radfahren unterhaltsam darlegen. Belliotti hat über das Schicksal von Marco Pantani geschrieben. Eine Kurzbiographie über Belliotti gibt es am Ende seiner Analyse. Die Biographie beginnt mit dem eingangs zitierten Satz.

Nun weiß ich nicht, ob es sich um einen Fehler der Übersetzerin handelt oder so gewollt ist. Mit gefällt der Satz. Ich weiß nicht, ob ich sehr jung war, als ich geboren wurde, aber ich weiß, dass es nie zu spät ist, jung zu denken; d.h. nicht in verkrusteten Strukturen. Schach kann dabei helfen. Wenn, ja wenn wir uns nebenbei körperlich fit halten (Mens sana in corpore sano) und dazu beitragen, dass die Umwelt geschützt wird. Hannover hat zur Umwelt ein ambivalentes Verhältnis. Dank einiger Aktivisten tut sich etwas zum Guten. Wie schlimm die Auswirkungen des Autoverkehrs – vor allem an Ausfallstraßen – sind, zeigt dieses Beispiel aus Limmer:

Hannover ist heute positiv gestimmt. In der für Autos gesperrten Innenstadt ist jede Menge los. Es ist unglaublich, wie viele Möglichkeiten es gibt, sich sinnvoll zu beschäftigen, ohne dass dabei Schadstoffe in die Luft geblasen werden. Schachspielen gehört dazu; von Auswärtskämpfen im Emsland einmal abgesehen. Hannover 96 zeigte, wie’s geht:

Die Gesichter einiger Personen habe ich ein bisschen geschwärzt. Ihr wisst schon, wegen der DSGVO. Einen berühmten Schachfreund nebst Tochter darf ich euch jedoch ungeschwärzt zeigen:

Wer kein Risiko eingehen will, sollte Menschen künftig nur noch unter Wasser ablichten. Dazu habe ich folgendes Beispiel:

Wasserstadt-Triathlon am 2. Juni 2018

Wenn ich euch jetzt erzähle, dass diese Personen wenige Minuten später auf dem Rennrad saßen, wisst ihr das Fahrradfahren umso mehr zu schätzen. Wobei ich euch noch die Schlussworte aus der Biographie über Belliotti schuldig bin:

„Er lief einige Marathons, heiratete, schrieb ein paar Bücher, bekam zwei Kinder, lehrte sehr viel Baseball, verlor den Großteil seiner Haare und war beleidigt, als die restlichen dann auch noch grau wurden. Er besaß nie ein Fahrrad.“