Bremen – Oberneuland

Das Spiellokal im Gewerbegebiet Oberneuland

„Lage, Lage, Lage“, ist eine alte Immobilienweisheit. Bei Wettkämpfen in der Schachbundesliga müssen wir ein Auge zudrücken. Da meine Suite in Doha durch einen Fußballfunktionär belegt ist, musste ich umdisponieren (kleiner Scherz). Schachbundesliga statt Fußball-WM. Ohne sorgfältige Vorbereitung hätte ich heute den Austragungsort nie gefunden, denn der befindet sich im Niemandsland hinter der Autobahn. Der Weg mit der Regionalbahn zum Bremer Hauptbahnhof war noch easy, danach wurde es tricky: Busfahrt bis zur Endstation Neue-Vahr-Nord. Danach 20 Minuten Fußmarsch über verschlungene Wege unter der Autobahn A27 hindurch bis in ein Gewerbegebiet, das im Entstehen begriffen ist. Nichts für schwache Nerven, vor allem wenn’s dunkel ist.

Es ist so, wie es ist, und soll keine Kritik am Veranstalter Werder Bremen sein. Das Spiellokal selbst ist für den Zweck ausgezeichnet und dankenswerter Weise von der Geschäftsführung der Reederei Harren & Partner zur Verfügung gestellt worden, allein es manövriert unsere Sportart noch mehr ins Abseits. Immerhin ist mit der OSG Baden-Baden der Seriensieger mit dem deutschen Ausnahmetalent Vincent Keymer angereist. In der ersten Stunde war ich womöglich der einzige zahlende (spendende) Zuschauer.

Nichtsdestotrotz war die Stimmung gut. Das unzertrennliche Duo Dr. Oliver Höpfner & Michael S. Langer durfte natürlich nicht fehlen. Für Werder Bremen zeichnet sich sportlich ein Desaster ab. Am Freitag gab es eine unerwartete Klatsche gegen den Aufsteiger aus der Nachbarschaft, dem SK Kirchweye. Heute war die OSG Baden-Baden wie erwartet eine Nummer zu groß. Morgen könnte gegen das Schlusslicht aus Schönaich indes die Wende gelingen. Die Ergebnisse der 3. Runde sind wie gewohnt auf der DSB-Seite zu finden.

Das Kontrastprogramm gab’s in der Bremer Innenstadt. Ich habe gar nicht gewusst, dass Bremen so viele Menschen beherbergt. Offenbar waren die alle auf den Bremer Weihnachtsmärkten unterwegs. Meine Absicht, vor der Abreise noch einen Glühwein zu trinken, habe ich aufgegeben. Bei den Warteschlangen hätte ich den Nachtzug nehmen müssen:

 

Mach ihn!

Unsere Brüder und Schwestern vom SK Ricklingen sind stolz darauf, dass ein Kicker aus ihrem Stadtteil an der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar teilnimmt: Niclas Füllkrug. Laut HAZ stammt er aus einer „schrecklich netten Familie“. Das macht ihn sympathisch. Stell dir vor, er schießt Tore für Deutschland, und keiner guckt hin! Das Thema ist heikel. Ein Hingucker sind auf jeden Fall Schachaufgaben. Am 13. Juli 2014 habe ich euch diese gestellt:

Schwarz-Weißes Loch vor dem Urknall

Durch die extrem hohe Gravitation ist auf dem Schachbrett ein Schwarz-Weißes Loch in Form eines Fußballs entstanden. Ihr dürft die Luft rauslassen. Als Bedenkzeit hatte ich vier Jahre ausgelobt. Uwe benötigte nur eine halbe Stunde. Wisst ihr noch, was danach geschah? Die 113. Minute im Endspiel Deutschland – Argentinien bleibt unvergessen: „Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn! Mario Götze!“, machte Tom Bartels den Herbert Zimmermann anno 1954.

Acht Jahre später wird erstmal in den Keller geguckt, bevor ein Tor zählt. Gestern gab es den Fall bereits in der 3. Minute nach einem sehenswerten Tor von Enner Valencia für Ecuador. Der Videoassistent schaltete sich nach einer Weile ein, weil er mit seiner Supertechnik eine Fußspitze der Ecuadorianer im Abseits gesehen hatte. Welch ein Schwachsinn! Kalibrierte Linien im Abstand von hundertstel Sekunden entscheiden über den Ausgang von Wettkämpfen, die ihren Ursprung auf Bolzplätzen haben.

Für die Lösung meiner immergrünen Schachaufgabe benötigt ihr keine technischen Hilfsmittel. Eure Grauen Zellen sollten dafür ausreichen.

Echt fies

Wusstet ihr, dass Cheating schon vor 16 Jahren ein Thema war? Im Archiv des Schachvereins Weidenau/Geiswald habe ich einen verblüffenden Hinweis gefunden. Der Verein gehört zum Schachbezirk Siegerland und ist die Heimat von Heinz-Roland Send, dem Vorreiter des 1970-Olympiade-Rückblicks in Siegen. Im Jahr 2006 hat der Verein auf seiner Website die Kategorie Comics ins Leben gerufen und nach drei Beiträgen wieder eingestellt. Der erste Comic stammt vom Schachfreund Simon Mohr. Folgendes Diagramm sorgt für Aufregung:

Ist die Stellung legal? Der Bauer e7 ruft empört: „Cheater!“ Hat er recht? Nein! Mr. Inkognito klärt auf. „Ich finde den schwarzen Bauern echt fies, dem Weißen ist kein Vorwurf zu machen… (d3-sf6-d4-sg8-d5)“, lautet sein Kommentar. Seht ihr: Voreilige Anschuldigungen können echt fies sein. Wobei Mr. Inkognito nur die halbe Wahrheit ans Licht bringt. Es sind noch viel mehr Varianten möglich. Bis zu 200! Mehr Züge scheitern an der FIDE-Regel 9.3.2. Die Probe aufs Exempel: 50. d3 …, 100. d4 …, 150. d5 … und mit seinem 200. Zug muss Schwarz einen beliebigen Bauern ziehen, und die Partie kann weitergehen. Dazwischen können die Springer beiderlei Lager hin- und herspringen und lediglich darauf achten, dass sie nicht dreimal gemeinsam das Gleiche machen. – Hat eigentlich schon jemand ausgerechnet, wie viele Züge bei einer Schachpartie theoretisch möglich sind, bevor die FIDE-Regel 9.3.2 greift?

Die folgende Stellung ist auch legal. Nach spätestens 50 Zügen ist allerdings Schluss mit dem Springer-Hopping. „Wegen Regel“, würde Vlastimil Hort sagen.

Holt die Springer in den eigenen Stall zurück. Draußen ist es lausig kalt. Schönes Wochenende!

 

Wolfgang Petri, Lugano und das Momentum

Wolfgang Petri

Bei meinem Ausflug nach Siegen bin ich Wolfgang Petri begegnet. Es sollte sich herausstellen, dass es ein Wiedersehen war. Irgendwie kamen wir auf Lugano zu sprechen. Wolfgang hat dort mehrmals an den Open teilgenommen. Ich einmal. Das war 1977 zusammen mit Horst-Peter Anhalt. In meinem Kommentar vom 28. Mai 2015 habe ich darüber berichtet. Ich habe mir inzwischen die Teilnehmerliste vom „2. Campionato open di Lugano im Palazzo dei Congressi“ angesehen. Wolfgang war dabei. Er war 6 Jahre jünger als ich. Der Abstand ist geblieben. Seitdem hat Wolfgang an zahlreichen Turnieren teilgenommen. Die 217 Auswertungen hinter seiner DWZ sind ein Beleg dafür.

Wolfgang ist Mitglied bei den Hellertaler Schachfreunden. Hellertal ist ein Vorort von Siegen. Beeindruckend ist seine Bilanz in der Hall of Fame. Zwischen 1973 und 2019 wurde er 12x Gemeindemeister und 5x Vereinsmeister. Wer so viel Schach spielt, kann schwermütig werden. Wolfgang ist der Gegenbeweis; jedenfalls hat er auf mich einen fröhlichen Eindruck gemacht.

Frohsinn ist das Stichwort. Am 17. Oktober 2015 meldete sich IM Detlef Heinbuch in unserem Blog und berichtete über gemeinsame Open mit Helmut Reefschläger, z.B. in Lugano, wo sie sich nach jeder Niederlage abends die „Kante“ gegeben haben. Der Schock folgte wenige Wochen nach Detlefs Blog-Eintrag. Helmut war gestorben.

Als ich 1977 mit Horst-Peter von Lugano im Zug nach Hannover zurückfuhr, kamen wir ins Philosophieren. Du fährst durch die Landschaft, durch Orte und Städte, siehst für einen Moment Menschen, die ihrem Tagwerk nachgehen und weißt genau, die wirst du nie wiedersehen. Ein gemeinsames Hobby knüpft Bande, die auch Jahrzehnte später nicht zerreißen. In Siegen habe ich solch ein Momentum erlebt.

Siegen – 52 Jahre danach

Im Frühjahr 2017 hatte ich schlaflose Nächte. Was war passiert? In meinem Beitrag über Boris Spasski hatte ich die Stadt Siegen ins Sauerland verlegt! Das war ein unglaublicher Patzer. Zum Glück hat mich ein Siegerländer auf den Fehler aufmerksam gemacht.

Ein Sauerländer in Hannover

Wir wissen: „Im Sauerland sind die Wälder düster und verwunschen, die Täler nass und tief, die Straßen im Winter unpassierbar“ (Die Zeit). Und die Menschen? Männer tragen blaue Maßanzüge. Beispiel:

Heuer ist die Zeit zur Wiedergutmachung. Siegen im Siegerland. Nomen est omen. Vor 52 Jahren war ich dort. Danach nie wieder. Das Siegerland passt viermal ins Saarland. Das musst du als Niedersachse auf der Landkarte erstmal finden. Dank ChessBase, Google-Maps und der Deutschen Bahn bin ich dort gestern angekommen und nach einem gelungenen Aufenthalt wieder abgereist. Die Bahnfahrt von Hamm nach Siegen ist etwas für Romantiker. Wunderschön! Wenn der IC südlich von Schwerte im Bummelbahntempo durch die Täler tuckert, fühlst du dich in eine Modellbahnanlage versetzt. Mancherorts kleben die Häuser wie Schwalbennester an den steilen Berghängen. Dass die Strecke auch durchs schöne Sauerland führt, sei lobend erwähnt.

Stadtautobahn Saarbrücken

Noch ein Wort zum Saarland. Im Sommer dieses Jahres habe ich dieses Bundesland erstmals in meinem Leben betreten. Ich war begeistert von Land und Leuten. In Saarbrücken nervt allerdings die Stadtautobahn. Ein Relikt aus Zeiten als man am Schachbrett noch rauchen durfte.

Blick vom Oberen Schloss auf Siegen. Die Sonne hat sich von der Finsternis des Vortags gut erholt.

Die Ausstellung über die XIX. Schacholympiade 1970 hat mich nach Siegen gelockt: Wenn man so will ein bisschen persönliche Erinnerungskultur. Eine vereinsübergreifende Delegation aus Hannover hatte sich 1970 an dem Tag auf den Weg nach Siegen gemacht, als Boris Spasski gegen Robert Fischer spielte. Wir waren jung und wissbegierig und deshalb nah dran an den Brettern. Einer von uns konnte sogar ein Autogramm von Bobby Fischer ergattern. Gleichwohl ist das meine einzige, konkrete Erinnerung. Insofern tat die Auffrischung gut. Und von Siegen habe ich diesmal eine Menge sehen können. Die Stadt hat Charme und bietet Raum für

Unteres Schloss (Teil der Uni)

Leidenschaften. Das verspricht der neueste Imagefilm, der sich besonders an Studenten richtet. Peter Paul Rubens und Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg haben in Siegen ihre Wurzeln: Malerei und Pädagogik auf höchstem Niveau. Das spornt an!

 

Die Ausstellung über die Schacholympiade 1970 sollte eigentlich vor zwei Jahren zum fünfzigsten Jubiläum stattfinden. Pandemiebedingt wurde sie auf dieses Jahr verschoben. Zwei Schachfreunde haben großen Anteil am Zustandekommen: Wolfgang Petri (links) und Heinz-Roland Send (rechts). Schachfreund Send (Jahrgang 1952) gehörte bereits vor 52 Jahren zu den zahlreichen Helfern. Er war einer von denen, die an den Brettern die Partienotationen mitschrieben.

Beide haben mich herzlich empfangen und fachkundig durch die Ausstellung begleitet. Es gibt zwei sehenswerte Filme und viele Originaldokumente. Zum Beispiel ein Autogramm von Bobby Fischer:

 

 

 

Bemerkenswert ist auch die Weltkarte. Es fällt auf, dass China noch nicht zu den Schachnationen gehörte. Am besten guckt ihr euch die Ausstellung im KrönchenCenter selbst an. Bis Samstag, den 29. Oktober, habt ihr noch die Gelegenheit. Übrigens hat Heinz-Roland Send ein Schach-Lotto ausgelobt, das er zusammen mit dem Schachfreund Hans-Dieter Wunderlich komponiert hat. Es geht um die Frage, ob 30 Positionen aus der Anfangsstellung einer Schachpartie erreichbar sind oder nicht. Ganz schön knifflig. Samstagmittag gibt’s die Auflösung. – Diese Idee beruht auf einem Preisrätsel aus dem Jahr 1970. Eine Sammlung von 100 Schachproblemen auf realen Brettern hatte die Siegener Geschäftswelt in den Schaufenstern ausgestellt. Der 1. Preis war ein VW-Käfer.

Wer sich für die Ergebnisse der XIX. Schacholympiade interessiert, kann sich z.B. auf Wikipedia informieren. Auf der Website des Schachclubs Hilchenbach (liegt in der Nachbarschaft) findet ihr auch einen lesenswerten Beitrag.

Fotos und Erinnerungsstücke aus der Vergangenheit, die lange zurückliegt, machen nachdenklich. Der Vergleich zwischen früher und heute drängt sich auf. Früher war auch in der Schachwelt nicht alles besser. Beileibe nicht. Aber sie entfernt sich mehr und mehr von ihrem Motto: „Wir sind eine Familie“. Das Schachspiel hat seine Unschuld verloren. Die Ursachen sind vielfältig. Einst wurden die Schachgrößen mit Ehrfurcht betrachtet. Derzeit überwiegt das Misstrauen. Und der Spott! Der Auftritt von Elisabeth Paehtz in der NDR-Talkrunde am vergangenen Freitag ist ein Beleg dafür. Demnächst ist vor jeder Turnierpartie eine Darmspiegelung fällig inkl. Video-Analyse im „Kölner Keller“. „Wolle mer se reinlasse?“ „Nö!“

Wolfgang Petri und Heinz-Roland Send

Ausflüge in die Vergangenheit sind Balsam für die Schachspielerseele. Mein herzliches Dankeschön geht an die Siegerländer Schachfreunde von damals und an die Protagonisten von heute:

 

Erfurt, Einheit und vergebliche Liebesmüh

Die Deutsche Einheit wird dieses Jahr in Erfurt gefeiert. Heute geht’s richtig los und endet übermorgen. Die Werktätigen haben dann frei. Vor zwei Jahren habe ich euch von den Feierlichkeiten in Potsdam berichtet, die noch abgespeckt unter Corona-Bedingungen stattfanden. In Erfurt bin ich diesmal nicht, aber ich habe mich anlässlich der Buga dort bereits im vergangenen Jahr umgesehen:

Live-Musik auf dem Fischmarkt mit Rathaus im Hintergrund

Die Stadt hat Charme. Auch ohne Buga. Dort gibt es keine doofen Hochbahnsteige wie in Hannover. Stattdessen kommen Multigelenkniederflurstraßenbahnen zum Einsatz. Dies Wort allein ist einen Beitrag wert!

Erfurt ist eine Schachhochburg. Den Namen Paehtz kennt dort wohl jedes Kind. Und so wurde ich Zeuge, wie eine Glanzpartie von Elisabeth von lebenden Schachfiguren dargeboten wurde. IM Jonathan Carlstedt führte Regie:

Es war eine schweißtreibende Angelegenheit.

Geschlagener weißer Turm

Ich könnte euch noch mehr darüber erzählen, doch eine andere, zufällige Begegnung hatte es in sich. Das folgende Foto gehört zu meinen beeindruckendsten des vergangenen Jahres. Zum einen aus ästhetischen Gründen, zum anderen wegen der unerwarteten Geschichte, die sich dahinter verbirgt.

Die Szene spielt am Petersberg. Im Hintergrund sehen wir die Außenmauer der Festung. Die drei Stelzengeher waren zwecks Volksbelustigung unterwegs. Als sie den kleinen Jungen sahen, hielten sie an und schwangen unentwegt ihre Schleifen. Es mögen etwa 60 Sekunden gewesen sein. Plötzlich sagte der kleine Junge laut und deutlich: „Wann hört ihr mit dem Blödsinn endlich auf!?“ Die Stelzengeher hielten sofort inne, drehten ab und stelzten von dannen. Ich hörte noch eine Stimme, die ziemlich unwirsch klang.

Und die Moral von der Geschicht‘? Undank ist der Welt Lohn. Das fängt schon klein an…

Michael S. Langer

MSL & GHT

Sogar Niedersachsens Kultusminister schaut zu ihm auf – nicht nur wegen dessen Körpergröße. Niedersachsens Schachpräsident ist ein gefragter Mann. Sein Erfolgsrezept: er ist kommunikativ, kompetent, eloquent, omnipräsent, innovativ und (fast) immer gut drauf, selbst wenn er sich über den Starrsinn anderer Funktionäre ärgert. Darüber hinaus gelingt es ihm, als Primus inter Pares Aufgaben an Ehrenamtliche zu verteilen, die diese mit Leidenschaft wahrnehmen. Sozusagen ein Anti-Fenner. Der Niedersächsische Schachverband ist gut aufgestellt. Das haben wir Michael S. Langer zu verdanken.

Boris Pistorius (SPD) ist Niedersachsens amtierender Minister für Inneres und Sport. Michael steht hinter ihm. Obwohl beide in eine andere Richtung gucken, dürften sie das gleiche Ziel verfolgen: die Förderung des Sports in Niedersachsen. Ob Boris Pistorius und Grant Hendrik Tonne nach den Landtagswahlen am 9. Oktober in ihren Ämtern verbleiben, wissen wir nicht. Michael bleibt uns auf jeden Fall erhalten und das in mehrfacher Hinsicht.

„Ein Amt ist nicht genug“, (frei nach James Bond 007) lautet Michaels Motto. Abgesehen von seinen Anfängen, z.B. als Vorsitzender der Niedersächsischen Schachjugend und seinem Ausflug auf Bundesebene von 2003 bis 2015 als Schatzmeister und Vizepräsident, hat er derzeit folgende Ämter inne:

  • Präsident Niedersächsischer Schachverband
  • Vorsitzender Schachbezirk Braunschweig
  • Vorsitzender Schachclub Braunschweig Gliesmarode
  • Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Landesfachverbände im LSB
  • Vizepräsident Stadtsportbund Braunschweig
  • Vizepräsident ChessSports Association

Auch das noch: Seit dem 1. Juni 2022 ist Michael Mitglied im Rundfunkrat des NDR.

Kongresse, Versammlungen, Siegerehrungen, Interviews usw. in Braunschweig, in ganz Niedersachsen, in ganz Deutschland und neuerdings in der Alpenregion: Michael ist stets dabei. Und Schach spielt er auch noch. – Neben all den Ehrenämtern übt Michael einen „ordentlichen“ Beruf aus. Als gelernter Betriebswirt ist er derzeit bei einer Sozialeinrichtung in Hannover tätig. Das macht er bestimmt gewissenhaft. Alternativ hätte ihm nach eigenem Bekunden eine Laufbahn als Rechtsanwalt oder Journalist gefallen.

Michael ist es gelungen, das Schachspiel in Niedersachsen salonfähig zu machen. Vertreter anderer Sportarten respektieren uns, und als Aushängeschild für kulturelle Zwecke waren Schachspieler*innen schon immer willkommen.

Smalltalk auf dem Niedersachsentag 2022

Obwohl die Hansestadt Bremen mitten in Niedersachsen liegt, gehört sie nicht dazu. Michael ficht das nicht an. Er pflegt freundschaftliche Kontakte zum dortigen Präsidenten und dessen Mitstreiter*innen. Ein bisschen Fusion drückt sich in der Spielgemeinschaft Niedersachsen/Bremen aus. Michael ist Mitglied in drei Schachvereinen. Der SV Werder Bremen gehört dazu. Nicht die schlechteste Wahl. Auf Augenhöhe mit einem Vereinskameraden wie Marco Bode lässt es sich gut fachsimpeln.

„Schlaues Bremen“ am 7. Juli 2022

Der junge Mann mit Laptop und kurzer Hose hat kürzlich eine „Rochade rückwärts“ hingelegt (O-Ton Conrad S.).

Warum schreibe ich diesen Beitrag ausgerechnet heute? Weil Michael vor vielen Jahren am 23. September geboren wurde. Sein Alter erfahrt ihr auf Wikipedia.

Herzlichen Glückwunsch!

Satzungsänderung

Als Edgar Braun Mitte der Achtzigerjahre unserem Schachverein beitreten wollte, fragte er nach unserer Satzung. Wir guckten uns verdutzt an. „Satzung!? Sowas haben wir nicht!“ Über drei Jahrzehnte gehörten wir zu den stärksten niedersächsischen Schachvereinen, wurden mehrmals Landesmeister im Turnier- und Blitzschach. Schachspielen ohne Satzung – heutzutage undenkbar!

Zur damaligen Zeit galt das etwa für die Hälfte der niedersächsischen Schachvereine. Die hatten nämlich kein e.V. hinter ihrem Vereinsnamen. Damit war Schluss, als der NSV dem Landessportbund Niedersachsen beitrat. Die Folge: entweder wandeln sich die Schachklubs vom „nicht eingetragenen Verein“ in einen „eingetragenen Verein“ oder sie werden vom Spielbetrieb ausgeschlossen.

Diese Metamorphose fiel ausgerechnet in meine Amtszeit als 1. Vorsitzender. Es war eine zähe Angelegenheit. Die Rechtspflegerin der Landeshauptstadt Hannover schrieb unserem Notar einen langen Brief und verlangte hier und da formelle Änderungen. Kleinkram bis auf diesen Absatz:

Hä? Schachfreunde in Hannover? Unser Vereinsname war nicht neu, sondern etabliert, nachdem wir uns von der Peripherie Hannovers (Stadtteil Badenstedt) verabschiedet hatten. Überzeugungsarbeit war notwendig. Die Rechtspflegerin lenkte ein, und wir durften fürderhin mit Stolz als Hannoveraner antreten. Damit ist in diesen Tagen Schluss.

Die Fusion mit dem SK Ricklingen hat eine Namensänderung zufolge, die natürlich eine Satzungsänderung bedingt. Das dauert. Die Umsetzung ist nichts für Feingeister. Ein bisschen Schadenfreude kann ich mir nicht verkneifen. Die Geister, die die Bürokraten riefen, haben Deutschland und den Deutschen Schachbund fest im Griff.

Wie der neue Name im Detail lauten soll, ist mir nicht bekannt. Vorsichtshalber haben die Ricklinger ihren alten Vereinsnamen für die Oberliga Nord-West bei Jürgen Kohlstädt gemeldet. Von einer „Verzwergung“ (Stadtteil statt Großstadt) ist auszugehen.

Nachdem Edgar Braun Mitglied geworden war, hat er nie wieder nach der Satzung gefragt. Seiner Leidenschaft fürs Schachspiel tat das keinen Abbruch.

Fritz 18

Da es inzwischen viel kostenlose Schachsoftware gibt haben es kommerzielle Anbieter wie Chessbase nicht leicht. Bei Schachprogrammen gibt es drei wichtige Bestandteile: Online spielen im Internet, Spielen gegen den Computer und Datenbankanalyse.

Für Sparfüchse wäre vor allem Lichess zu nennen. Sogar Stockfish ist als Webassembly in die Oberfläche eingebunden, so dass es endlich möglich ist, Internet und lokale Engines miteinander zu verbinden. Einziges Defizit ist bei Lichess die Datenbankanalyse, weil Webbrowser und lokale Datenbanken technisch nicht zusammenpassen.

Weitere Infos für Sparfüchse bringt: https://perlenvombodensee.de/2018/10/08/fuer-sparfuechse-die-schach-grundausstattung-gratis/ oder  https://de.wikipedia.org/wiki/Schachdatenbank. Der Datenbankreader von Chessbase lässt sich in der neuesten Version (2017) von der Seite https://de.chessbase.com/pages/download herunterladen.

Funfact am Rande: Die Musiksoftware Ludwig 3.0 von Chessbase kann kostenlos von der Seite http://www.komponieren.de/download.html heruntergeladen werden. Diese Webseite scheint von Chessbase selber zu sein. Ein illegaler Download ist daher zumindest nicht zu erkennen.

Chessbase sucht nach Gründen, die den Preis ihrer Software rechtfertigen. Auch der oben genannte Artikel der Perlen vom Bodensee lässt Chessbase nicht unerwähnt. Die Frage ist auch nicht, ob es völlig ohne Chessbase geht (das wird tatsächlich schwer), sondern eher warum es immer die neueste Version sein muss.

Bei Fritz 17  aka Fat Fritz (Version 1) war die Spielstärke das Kaufargument. https://de.chessbase.com/post/fat-fritz-ohne-schablone Die Software kostete zwar nur 99 €, lief aber nur mit Nvidia RTX-Grafikkarte mit vernünftiger Geschwindigkeit. https://de.chessbase.com/post/fat-fritz-welche-grafikkarte-braucht-man

Die Software basiert auf Leela Zero, diese ihrerseits auf Googles Alpha Go Zero, also auf künstlicher Intelligenz. Die Software bringt sich dabei selber das Schachspielen bei.

Da aber eine teure Grafikkarte erforderlich ist beträgt der tatsächliche Preis der Software mit Zubehör wohl eher 500 € (es sei denn man ist bereits im Besitz des erforderlichen Gaming-PCs). Obwohl es mir in der Fingern juckte habe ich auf diese Version verzichtet, da ich nur über die Onboard-Grafik eines Intelprozessors verfüge. Stattdessen blieb ich bei Fritz 16 mit Stockfish als UCI-Engine.

Chessbase hatte ähnliche Gedanken und veröffentlichte Fat Fritz 2 (siehe Fat Fritz 2). Diese Engine basiert auf Stockfish und lief somit auch auf einer CPU schnell genug und brauchte keine schnelle Grafikkarte (GPU).  Dafür gabs Ärger mit Stockfish https://perlenvombodensee.de/2021/07/21/stockfish-verklagt-chessbase/ weil Chessbase deren Lizenzbedingungen verletzt haben soll. Davon abgesehen konnte jeder das Original Stockfish herunterladen und damit eine Software erhalten, die fast genauso stark wie Fat Fritz war. Mit Stockfish 14 wurde die Software dann auch noch weiter verbessert.

Chessbase brauchte nach Fritz 17 Version 1 und 2 also ein neues Kaufargument. Fritz 18 hat die Funktion Geführt-Berührt, verzichtet aber auf die Stockfish-Engine. Ich habe die Funktion getestet, nachdem ich die Software gekauft habe. Mit Berührt – Geführt gibt es Schachtipps im Audioformat. Und wer will kann Stockfish kostenlos herunterladen und als UCI-Engine mit der Fritz-Oberfläche nutzen.

Die Software ist keine Revolution, sondern eine Evolution. Schachtipps hat auch schon das Enginefenster gegeben (wenn auch nicht als Audio) und Reden kann Fritz schon seit Jahren (wenn auch weniger intelligent).

So ist die neue Funktion eine Kombination aus Engineanalyse und Sprachausgabe. Nett, aber in Zeiten von Alexa und Siri nichts Neues. Und die Tipps sind auch noch verbesserungsfähig, was Chessbase in den nächsten Versionen auch sicherlich tun wird.

Da wird mir geraten den Läufer nach e3 zu ziehen, obwohl er da schon steht. Das lag daran, dass ich in ausgeglichener Stellung die Züge wiederholen konnte und so tatsächlich die Läuferschaukel Le3-d2-e3 sinnvoll war. Fritz hatte zwar richtig analysiert, die Worte waren aber mißverständlich.

Oder mir wird geraten „einen Bauernzug zu drohen“. Erstens habe ich den Eindruck, dass Drohen hier „ziehe einen Bauern“ meint. Zweitens ist dieser Tipp bei sieben Bauern auf meiner Seite wenig hilfreich. Ein Blick aufs Enginefenster ist in diesem Fall hilfreicher.

Fritz 18 hat die bewährte Oberfläche mit Online und Offlineangeboten der Firma Chessbase. So weiß man auch wo die neuesten Videos zu finden sind. Zum Schachspielen gibts inzwischen vier Oberflächen: Berührt – geführt, Eingeben und analysieren, Klassische Menüs und Datenbank.

Ich fühle mich bei Klassische Menüs immer noch am wohlsten, unter Datenbank gibt es die Möglichkeit Schachdatenbanken zu bearbeiten, wenn man den hohen Preis vom großen Bruder Chessbase 16 nicht zahlen möchte.

 

Schachfreunde trauern um Christiane Jabs

In den vergangenen Tagen erreichte uns die traurige Nachricht, dass Christiane bereits vergangenen Sommer verstorben ist. Sie wurde 59 Jahre alt.

Christiane trat 1994 bei den Schachfreunden ein und war gefühlt bei jedem Vereinsabend, Mannschaftskampf und sonstigem Ereignis der Schachfreunde dabei. Obwohl sie fast jede Partie verlor, war sie mit großem Enthusiasmus dabei und ließ sich niemals entmutigen. Schach und unserer Verein schien ihr ein wichtiger Lebensinhalt zu sein. Um so mehr freute es mich, dass sie, nachdem unserer Spielabend eingestellt wurde, auch in Ricklingen wieder am Vereinsabend teilnahm. Die pandemiebedingten Einschränkungen waren für sie, die kein Handy oder Computer besaß sicher noch schwerer zu bewältigen als für alle anderen.

Persönlich wusste ich wenig von Christiane, vor einigen Jahren hatte sie einen Partner gefunden, der dann leider sehr plötzlich verstarb. Sie lebte zurückgezogen bis zu Ihrem Tod im Stadtteil Bult.

Christiane beim Leine-Open vor einigen Jahren

Danke an Udo, Gerhard und Uwe für Ihre beigesteuerten Gedanken.