Wir in Potsdam

Ein rauschendes Bürgerfest findet nicht statt. Dabei sollte das 30. Jahr der Deutschen Einheit gebührend gefeiert werden. Corona hat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam hat sich deshalb für eine weiträumige Ausstellung unter freiem Himmel entschieden. Das Motto lautet: „30 Jahre – 30 Tage – 30 x Deutschland“. Die Geburtstagsfeier begann am 5. September und endet am 4. Oktober. Am Montag, dem 14. September, nutzte ich den Ruhetag der Tour de France für einen Ausflug mit der Bahn nach Potsdam. Ich war begeistert. Und das lag nicht nur am Kaiserwetter.

Luisenplatz mit Personalpronomen in Schwarz-Rot-Gold

Potsdam ist eine wunderschöne Stadt. Obwohl ich in meinem Leben schätzungsweise 50 Mal in Berlin war, hatte sich ein Aufenthalt in Potsdam nie ergeben. Dabei ist Brandenburgs Landeshauptstadt nicht weit weg. „Da kannste hinspucken“, würde der Berliner sagen. Natürlich kannte ich Sanssouci und dieses und jenes von dort, aber der persönliche Eindruck hat meine Erwartungen getoppt. Wasser, Parks und historische Gebäude bilden ein Ensemble, das seinesgleichen sucht.

Brandenburger Tor
Alter Markt mit Potsdam-Museum im Hintergrund und Glasreiniger im Vordergrund

In der Innenstadt sind 30 Container verteilt, die einem Bundesland oder einem Thema zugeordnet sind. In Niedersachsens Container steht das bunte Pferd, das mir schon im Foyer des Niedersächsischen Landtags begegnet war. Ob die Zurschaustellung artgerecht ist, lasse ich im Raume (Container) stehen.

Niedersachsen-Ross von vorn in Potsdam
Niedersachsen-Ross von hinten in Hannover

Die Spielgemeinschaft des Niedersächsischen Schachverbands mit dem Landesschachbund Bremen verpflichtet zu einem Blick in dessen Container. Eine Ehrung von Carl Carls suchte ich vergeblich, dafür durften die Bremer Stadtmusikanten nicht fehlen.

Zwei Städte. Ein Land: Bremer Container

Die meiste Zeit habe ich im Park Sanssouci verbracht. Der ist 300 ha groß. Zum Vergleich: die Herrenhäuser Gärten in Hannover haben eine Größe von 50 ha. Im Park Sanssouci gibt es nicht nur das weltberühmte Schloss mit den vorgelagerten Terrassen, sondern jede Menge Bauwerke, die einst dem feudalen Lustwandeln dienten.

Weltkulturerbe: Schloss Sanssouci

Ein güldenes Schachspiel konnte ich nicht entdecken, jedoch eine güldene Teeparty am Chinesischen Pavillon. Potsdam bietet ein Füllhorn von Motiven. Am besten macht ihr euch – falls noch nicht geschehen – selbst ein Bild davon. Die Einheitsfeier kann dafür der Anlass sein. Die Älteren unter euch werden sich an die Einheitsfeier 2014 in Hannover erinnern. Dort wurde Simulationsschach (oder so ähnlich) geboten. Das Motto war zeitlos: Wahnsinn!

Chinesischer Pavillon im Park Sanssouci
Park Sanssouci – Bogenschütze vor der Orangerie (rechts in Hannover)

Sottrum

Meine Schulzeit verbrachte ich in Rotenburg (Wümme). Dort spielte ich in der Schach-AG des Ratsgymnasiums. In Schulwettkämpfen waren die drei Sottrumer Kunze / Clausing / Dautert gesetzt (in dieser Reihenfolge). Ich kam auf Platz 5 oder 6 und wurde somit in den Vierermannschaften nicht aufgestellt. Leider war diese Rangliste durchaus berechtigt. Gegen Claas Kunze hatte ich zu Schulzeiten nie gespielt (er ließ sich in der Schach-AG nicht sehen, hatte aber trotzdem ein Abo darauf für die Schule zu spielen), gegen Thorsten Clausing verlor ich knapp bei einer Kreismeisterschaft und Alexander Dautert war der einzige, der sich regelmäßig schnöden Schachspielen in der Schule stellte und gegen den ich meist verlor.

Dazu hatten die drei die höheren Ingozahlen (wenn es welche gab) und die besseren Schulnoten als ich. Also gab es da nichts zu diskutieren.

Nach sieben Jahren eindeutiger Hackordnung zu Schulzeiten gab es dann die überraschende Revanche. In einem Mannschaftskampf Rotenburg gegen Sottrum traf ich auf Claas Kunze: https://share.chessbase.com/SharedGames/share/?p=0cknh0pOl89TqCDihOQeLsNI0TAcIK3E0pM5L0xHftWx8EXr5wQMRoHYCRMLuTpM.

Was war passiert? Wahrscheinlich hatte ich in den vergangen Jahren einfach mehr Schach gespielt und war somit komkurrenzfähig geworden.

 

Ist ein Arzt anwesend?

Für die Fortsetzung des Spielbetriebes sind für die verschiedenen Bereiche Oberliga, Landesebene und Bezirksebene nun Beschlüsse gefasst und sogar veröffentlicht worden. Dabei ist ein bunter Strauß, teils eigentümlicher, Festlegungen getroffen worden.

Nun gebe ich gerne zu, dass es momentan einfach nicht möglich ist, es allen Leuten recht zu machen. Bei manchen Beschlüssen kann ich aber nur noch mit dem Kopf schütteln.

Beginnen möchte ich mit den Wettkämpfen auf Landesebene, denn die sollen ja, laut NSV, bereits in gut einer Woche starten.

Ob die Spiele tatsächlich an einem Sonntag stattfinden können, scheint fraglich. Zumindest die hannoverschen Vereine haben Probleme geeignete Spiellokale zu finden, da alle Freizeitheime sonntags geschlossen sind. Der NSV hat darauf reagiert und gibt die Verantwortung für den Spieltermin einfach mal an die Vereine weiter. Na gut, kann man so machen.

Weiterhin legt der NSV Wert darauf, dass der Heimverein ein Hygienekonzept erstellt und dem Gast rechtzeitig zukommen lässt. Diese Hygienekonzepte müssen gewissen Mindeststandards genügen, so weit so gut. Bei den Mindeststandards taucht aber u.a. der folgende unscheinbare Satz auf:

Kein Zutritt für Spieler*innen mit Erkältungssymptomen

Was sind denn die typischen Erkältungssymptome? Schnell mal gegoogelt und z.B. hier fündig geworden. Diese sind: Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Rachenentzündung, Frösteln, erhöhte Temperatur, allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Gliederschmerzen.

Hat schon mal jemand einen Schachspieler gesehen, der am Sonntagmorgen um 10 Uhr nicht müde ist?

Wie bitte schön sollen die armen Mannschaftsführer feststellen, ob sich ein Schachspieler widerrechtlich Zutritt zum Spiellokal verschafft? Hier wäre es sehr hilfreich, wenn man im Nebenjob noch Arzt ist oder zumindest einen in der Mannschaft hat.

Was passiert, wenn ein Spieler plötzlich während der Partie gähnt, hustet oder gar niest. Wird er dann sofort des Raumes verwiesen?

Wer solch einen Satz formuliert, hat aus meiner Sicht nicht wirklich weit gedacht oder möchte die Verantwortung für den Fall der Fälle einfach weitergeben. „Jaaa, der Spieler hätte den Raum ja auch erst gar nicht betreten dürfen“

Für die Oberliga hat es in der letzten Woche ein Schreiben des Turnierleiters gegeben. Veröffentlicht ist das  noch nicht, wo auch? Die Seite der Norddeutschen Schachverbände… ach nee, anderes Thema.

In diesem Schreiben steht, dass der Spielausschuss der Oberliga Nord beschlossen hat, die Saison am 28.2. und 21.3.2021 zu Ende zu bringen. Das ist zwar noch ein Weilchen hin, nichtsdestotrotz soll bereits von den Vereinen bis zum 30.9. verbindlich zugesagt werden, ob die Wettkämpfe ausgerichtet werden können.

Wie kann man denn nur auf so eine Idee kommen? Da gewinnt man Zeit durch die Verschiebung in das nächste Jahr und macht sich alles wieder zunichte, weil man jetzt entscheiden muss, ob man in 5 Monaten einen Mannschaftskampf ausrichten kann oder nicht.

Noch schlimmer wird dieser Punkt aber durch folgende Formulierung:

Eine Änderung der Sanktionierung bei Nichtantritt ist derzeit nicht geplant. Bei verändertem Infektionsgeschehen wird der Spielausschuß der OL-Nord dieses Thema noch einmal beraten.

Wie arrogant ist eigentlich solch eine Festlegung?

Dazu muss gesagt werden, dass das Nichtantreten einer Mannschaft in der Oberliga mal eben 1000€ pro Spiel kostet, d. h. zwei Spiele nicht spielen, wären für uns ruinös.

Nebenbei gilt momentan ja aber weiterhin der Grundsatz, Kontakte mit anderen Personen auf ein notwendiges Minimum zu beschränken. Aus meiner Sicht gehört Schach nicht zu den wirklich notwendigen Sachen.

Der Spielausschuss der Oberliga sieht das offensichtlich komplett anders und möchte die Mannschaften (und damit auch jeden einzelnen Spieler) zwingen, sich im Frühjahr ans Brett zu setzen. Das jetzige Infektionsgeschehen lässt also laut Spielausschuss die Entscheidung nicht zu spielen, nicht mehr zu. Sind die Mitglieder des Spielausschusses, die diesen Beschluss gefasst haben, auch am letzten Sonntag in Berlin mitmarschiert?

Eigentlich wollte ich jetzt noch was zum Bezirk schreiben, aber die haben ja erstmal nur die Termine für die ausstehenden Runden und lassen alles andere offen.

So genug ausgekotzt, ich habe fertig!

26. August 1950 – Ein Datum mit Wumms!

Fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs trafen sich 15 Männer in einem Stadtteil am Rande Hannovers und gründeten einen Verein. Es war eine Zeit des Aufbruchs, wenngleich der Motor der sozialen Marktwirtschaft noch stotterte. Die Arbeitslosenquote lag bei 13,5 %. Hohe Preise dämpften die Konjunktur. Die Rationierung von Lebensmitteln war zwar beendet worden, aber es fehlte den Leuten an Geld zum Kaufen. Hilfe kam aus Amerika in Form des Marshallplans. Währenddessen durften sich junge Leute auf dem Parkett austoben. Der Boogie-Woogie war über den Großen Teich geschwappt. Wer konnte, tanzte ihn mit Überschlag. Der Vatikan war entsetzt und warnte vor sittlichen Gefahren. – Ich war ein Jahr alt.

Die Zeit war reif für die Wiederbelebung von Sport und Spiel. Schach galt damals als spießig. Nichtsdestotrotz hatte Alfred Freiberg in die Badenstedter Bierstuben eingeladen. Es wurde nicht irgendein Schachverein gegründet, nein, ein Schachverein mit Wumms würde unser Vizekanzler sagen: die Schachfreunde Badenstedt. Das Gründungsdatum ist in unserer notariell beglaubigten Satzung vom 11.4.1988 dokumentiert:

Die Besetzung der Vorstandsposten war 1950 kein Problem:

1. Vorsitzender: Walter Keller
2. Vorsitzender: Otto Quessel
Spielleiter: Alfred Freiberg
Kassierer: Wolfgang Seidel
Schriftführer: Heini Jung

Richard Haera wurde 1951 erster Vereinsmeister. 1957 ging es erstmals um die Blitzmeisterschaft, die von Heinz Johann gewonnen wurde. Heinz Johann war die Seele des Vereins. Sein Friseursalon war Kontaktbörse und Rekrutierungsstelle für die Schachfreunde Badenstedt und letztlich mein Schicksal. Ohne ihn wäre das Schachspiel für mich eine Randnotiz geworden. Heinz Johann starb Ende der Sechzigerjahre. Ihm zu Ehren wurde ein Gedenkturnier veranstaltet.

Vom Vorstand der ersten Stunde habe ich lediglich Heini Jung (Jahrgang 1915) kennengelernt. Heini war ein liebenswertes Unikum. Er kam jahrzehntelang regelmäßig zu den Vereinsabenden, die er stets mit einer Skatrunde seiner Altersgenossen beendete. – Die Erfolge stellten sich rasch ein. Ein Beleg dafür ist diese schöne Urkunde aus dem Jahr 1951:

15 Jahre später, am 12. September 1965, – ich war ein Jahr zuvor Mitglied geworden –, gab es ein Stiftungsfest wiederum in den Badenstedter Bierstuben. In der Festschrift heißt es u.a.:

„Die noch anfänglich im kleinen Kreis ausgetragenen Turniere lockten nach und nach immer mehr Anhänger des Schachspiels heran, und so wuchs die Mitgliederzahl ständig. Auch jugendliche Interessenten konnten gewonnen werden, so daß eine Jugendgruppe ins Leben gerufen wurde. Schachfreund Karl Waldhof gründete ein Jahr später die Unterabteilung Empelde. Der Reiz, sich auch mit anderen Vereinen in der Spielstärke zu messen, schuf bald engen Kontakt mit anderen Schachklubs. Insbesondere seien die Schachvereine Ricklingen und Limmer genannt, die uns in der ersten Zeit durch Ausleihen von Spielen unterstützten. Auch der Niedersächsische Schachverband, vertreten durch den Verbandsschriftführer Meyer, half uns in organisatorischen Fragen.“

Die Chronik endet mit den Worten:

„Mit Freude und Stolz können wir auf die verflossenen 15 Jahre zurückblicken. Wir wollen uns bemühen, das bisher Erreichte nicht nur zu erhalten, sondern mit Hilfe aller Mitglieder noch verbessern.“

Das gelang tatsächlich. Die Schachfreunde Badenstedt wurden einer der stärksten Schachvereine Niedersachsens. Ich durfte die Blütezeit miterleben. Unsere 1. Mannschaft wurde mehrmals Niedersachsenmeister sowohl im Turnierschach als auch im Blitzschach. Das bescherte uns auch in dem lokalen Anzeigenblatt „FÜR DICH“ wiederholt Aufmerksamkeit; z.B. am 31. Juli 1977:

Ein Jahr später, am 13. Januar 1978, war es mit dem Bezug zum Stadtteil Badenstedt vorbei. Wir nannten uns offiziell Schachfreunde Hannover. Das war folgerichtig und für mich kein Anlass zu Wehmut, wenngleich ich in Badenstedt aufgewachsen bin.

Wehmut ist das Stichwort. Mit dem heutigen Tag bestehen die Schachfreunde Badenstedt genau 70 Jahre. Der Name hat sich geändert. Die Identität nicht. Oder!? Wir kokettieren damit, der „etwas andere Schachverein in Hannover“ zu sein. Wie lange noch? Manchmal gucke ich mir die Mitgliederlisten aus vergangenen Zeiten an. Wer hat nicht alles dazu gehört!? Fast alle sind aus unterschiedlichen Gründen verschwunden. Viele sind verstorben. An die meisten Ex-Mitglieder kann ich mich erinnern. Einige haben mein Leben geprägt. Und nun? Was wird aus dem Verein? Ich weiß es nicht. Alles hat seine Zeit.

Außerordentliche Mitgliederversammlung am 14. Oktober 1965

Siehe Kommentar vom 30. August 2020

19:40 Uhr, Schfr. Domeyer eröffnet als Vorsitzender die Versammlung.

Schfr. D.: Fragen an den Spielleiter: Wer ist nach den Statuten spielberechtigt? Muss man sich für die Mannschaftsaufstellung qualifizieren?

Schfr. Domeyer: Grundsätzlich für Qualifikation, aber wegen Zeit, Beruf usw. könnten sich 50 % nicht qualifizieren.

Schfr. Johann: Aufnahme von Schfr. K. Sache des Kassierers, unbekannt ob Antrag gestellt wurde. Schfr. K. hat aber am Vereinsturnier teilgenommen, auch Blitzturnier für Badenstedt gespielt.

(Folgt Diskussion ob Mitgliedschaft beantragt oder angetragen werden soll)

Schfr. Domeyer: Habe Kassierer gebeten, die Neuen aufzunehmen.

Schfr. B.: Vierteljahr warten mit Aufnahme, wissen nicht, wer bleibt.

Schfr. Domeyer: Nichts in den Statuten darüber.

Schfr. Brunotte: Wer aus der 2. Mannschaft will denn in die 1.?

Schfr. D. dringt auf Antwort seiner 2. Frage durch Spielleiter.

Schfr. Johann nimmt Stellung dazu (Manuskript liegt vor).

Schfr. Domeyer: Vorschlag zu dieser Stellungnahme abzustimmen.

Schfr. K.: Mein Schreiben in keinem Punkt widerlegt.

Schfr. H.T.: Wer fühlt sich benachteiligt?

Schfr. F.: Was war der Grund für dieses Schreiben?

Schfr. K.: Weiß nicht, warum Vorwürfe. Bin 14 Jahre im Verein, noch kein Spielleiter besser als der jetzige.

Schfr. H.: Wer hat sich qualifiziert? Schfr. Johann oder Schfr. A.T., aber die haben verzichtet.

Schfr. H.T.: Schfr. B. ist besser als ich, auch Schfr. K. gut. Selbst beruflich überlastet, aber lieber Ersatz und stelle meinen Platz einem der beiden Neuen zur Verfügung.

Schfr. B.: Wie steht das Turnier?

Schfr. H.: 2.  Mannschaft wurde eher gemeldet und war veröffentlicht. Wer sich für die 2. aufgestellt sah, mußte gleich und nicht erst jetzt sagen, daß er lieber in der 1. spielen wollte.

Schfr. Jung: Immer die Besten in die 1. Mannschaft, wir sind nicht schlecht damit gefahren, soll so bleiben, sonst schneiden wir uns die Finger ab. […]

Schfr. Johann: Schfr. Br. muss trotzdem in die 1. Mannschaft.

Schfr. B.: Donnerstag wurden Neue eingesetzt, mich hat keiner gefragt. Warum nicht Neue in die 2. Mannschaft, wer Interesse hat, spielt auch da.

Schfr. Brunotte: Es geht mir nicht um 2 Mitglieder, sondern um 2 gute Spieler.

Schfr. Ha.: Prinzipiell nicht dafür, Neue in die 1. Mannschaft zu nehmen, müssen sich hochspielen. Auch in anderen Vereinen so gemacht, daher besser in die 2. Mannschaft melden, wenn sie auch als Ersatz in der 1. spielen. Aber in unserer Lage fehlen nun Spieler für die 1., daher unter den Umständen besser Neue für 1. melden. Wenn sie schlecht spielen, dann andere als Ersatz einsetzen. – Warum tagt nicht der Spielausschuß und berät?

Schfr. F.: Ausführungen von Schfr. Ha. zur Abstimmung bitte.

Schfr. B.: Warum wurden nicht andere gefragt?

Schfr. K.: Konnte Vereinsturnier aus beruflichen Gründen nicht fertigspielen.

Schfr.  De.: Ich auch nicht, spiele deshalb nur in der 3. Mannschaft.

Schfr. Johann: Wenn anders aufgestellt, Abstiegsgefahr für alle 3 Mannschaften.

Schfr. B.: Wenn einige sich absondern, sollen sie ihre Mannschaft selbst finanzieren. (Proteste)

Schfr. Johann: Schfr. B. hat auch schon mal nicht für die 3. Mannschaft gespielt, weil für 2. nicht aufgestellt.

Schfr. B.: Sind langjährige Mitglieder schlechter als Neue? 1. Mannschaft ist zu teuer, das ist Grund für Manko.

Schfr. Johann: Studenten zahlen weniger, wenn die in 2. Mannschaft spielen, dann hat diese eben Manko, – gleiches Resultat.

Schfr. Domeyer: Verschiedene Meinungen gehört, glaube es genügt. Zusammenfassung: Lage ist so, daß Mannschaften gemeldet sind, Nach- und Ummeldungen nicht statthaft. Entweder alles so lassen, was zu begrüßen wäre, oder die Meldungen zurückziehen.

Schfr. B.: Vorwurf, daß Meldungen ohne mein Wissen gegeben wurden. (Wird vom Vorsitzenden bestritten)

Schfr. H.: Warum hatte sich Schfr. K. nicht um die Aufstellung gekümmert?

Schfr. D.: Schfr. H. gehört nicht zum Spielausschuß, hatte nichts mit Aufstellung zu tun. Ich wurde nicht eingeladen zur Mannschaftsaufstellung, das ist mein einziger Vorwurf.

Schfr. Johann: Warum nicht ohnehin erschienen?

Schfr. Domeyer: Bis letzten Donnerstag 22 Uhr war nicht klar, ob die Neuen kommen, da war nichts mehr einzuladen.

Schfr. H.: Habe mich gekümmert auf Aufforderung des Spielleiters, sonst war ja niemand da.

Schfr. Domeyer: Nun abstimmen: Mannschaftsaufstellung – unter Außerachtlassung der Umstände der Aufstellung – lassen, und für nächste Saison daraus lernen und dann Spielleiter und Spielausschuß und Vorstand entscheiden lassen.

Schfr. B.: Besser formulieren: Mannschaften lassen oder zurückziehen.

Schfr. Domeyer: Abstimmung, das Getane genehmigen oder nicht. Nächstes Jahr wird dann verfahren wie eben gesagt.

Die Abstimmung durch Handaufheben ergab:

dafür 28
dagegen 1
enthalten 0

Schfr. Domeyer als Vorsitzender dankt den Mitgliedern fürs Aushalten und die Sachlichkeit und bittet, diese Diskussion nun als beendet zu betrachten. 20:50 Schluß der Versammlung.

gez. E.G. Herzog (aus besonderen Gründen bei dieser Versammlung als Schriftführer tätig)

Corona Chaos

Ich habe fertig. Die Kommunikationsweise der für mich relevanten Schachorganisationen ist erschreckend nichtssagend. Es wird zwar über Onlineschach berichtet, aber zum Thema Nahschach nicht viel mehr als Schweigen.

Dabei könnten die Schachoffiziellen zumindest mal Wasserstandsmeldungen abgeben: Wie ist der Stand, was geht? oder ihre Mitglieder befragen, wie diese die Sache sehen: Wer will noch spielen? Mit oder ohne Maskenpflicht? Mindestabstand?

Der Schachbezirk hat nach langem Schweigen immerhin entschieden, dass vor März 2021 nichts passiert (20.8.2020).

Da gibt es selten mal so Perlen wie:

„Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

das Freizeitheim Lister Turm darf noch bis mindestens 31.8.2020 keine
Sportveranstaltungen durchführen. Daher nutzt die Gelegenheit, mit Euren
Vereinskameraden online auf Lichess zu spielen.“

sagt mein Ausbildungsreferent vom HSK Lister Turm.

Klare Aussage, leider ohne Links und daher nicht nachprüfbar. Aber trotzdem sehr löblich.

Die Stadt Hannover liefert Widersprüchliches (mein Verein der SK Lister Turm spielt im Freizeitzentrum Lister Turm):

„Alle Stadtteilkultureinrichtungen sind zurzeit geschlossen, aber trotzdem ist die Stadtteilkultur mit vielen Aktionen aktiv und bringt die Kultur in die Stadt.“ (zuletzt aktualisiert am 28.5.2020) https://www.hannover.de/Service/Presse-Medien/Landeshauptstadt-Hannover/Aktuelle-Meldungen-und-Veranstaltungen/Stadtteilkultur-mit-vielen-Aktionen

„Unter Einhaltung der geltenden und aktuellen Landesverordnungen haben die neun folgenden, kommunalen Stadtteilkultureinrichtungen seit dem 25. Mai die Türen für eine eingeschränkte Nutzung wieder geöffnet: Freizeitheim Döhren, Stadtteilzentrum KroKuS, Freizeitheim Linden, Stadtteilzentrum Lister Turm, Bürgerhaus Misburg, Stadtteilzentrum Ricklingen, Stadtteiltreff Sahlkamp, Freizeitheim Vahrenwald, Stadtteilzentrum Weiße Rose.“ https://www.hannover.de/Kultur-Freizeit/Freizeit-Sport/Freizeiteinrichtungen/Freizeitheime-Stadtteilzentren/Stadtteilzentrum-Lister-Turm/Veranstaltungen-Kurse/Schrittweise-%C3%96ffnung-der-Stadtteilkultureinrichtungen

Was denn nun? Geöffnet oder geschlossen und Ende August sind diese Meldungen von Ende Mai die aktuellen Stände? Bemerkenswert ist, dass die Stadt Hannover ihre Seiten (z.B. mit den Öffnungszeiten der Freizeitheime) nicht aktualisiert, dafür aber auf eine Coronaextraseite verlinkt, die dann wieder weiterverlinkt und dann zu den oben aufgeführten alten, sich widersprechenden Meldungen führt.

Wer sich z.B. die Hauptseite des Lister Turm ansieht stellt fest, dass dieses angeblich geöffnet ist: https://www.hannover.de/Media/02-GIS-Objekte/Organisationsdatenbank/Landeshauptstadt-Hannover/Kultur-Freizeit/Freizeitheime/FZH-Lister-Turm/Stadtteilzentrum-Lister-Turm#openinghours_anchor und das bis 23 Uhr. Klicke ich dann aber auf den Corona-Link oben auf der Seite und weiter auf die Stadtteilkultur erfahre ich, dass wie oben genannt alles geschlossen hat. Also hilft nur noch anrufen (falls jemand abnimmt) oder selber hinfahren. Und das alles im digitalen Zeitalter.

Aber auch der Kontakt über Telefon ist schwierig, wie auch die Stadt selber zugibt:“Um die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 (Coronavirus) zu verlangsamen und einzudämmen, sind zahlreiche Dienststellen der Landeshauptstadt Hannover nur eingeschränkt und mit vorheriger Terminvereinbarung für den Kund*innenverkehr geöffnet, andere Einrichtungen sind noch geschlossen. Die Erreichbarkeit ist in vielen Fällen jedoch über E-Mail, Telefon oder auf dem Postweg gegeben: https://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Gesundheit/Gesundheitsschutz/Coronavirus-in-der-Region-Hannover/Meldungen-zum-Coronavirus/Erreichbarkeit-von-st%C3%A4dtischen-Dienststellen

Sorry aber „in vielen Fällen“ reicht mir nicht.

Man erinnere sich an die Abfallhöfe, die Mitte März für viele Wochen geschlossen hatten. Man wolle die Erkrankungszahlen der Mitarbeiter in der Zukunft erstmal verfolgen. Man stelle sich vor das hätte der örtliche Edeka gemacht.

Dabei hätten die Abfallhöfe zahlreiche Möglichkeiten gehabt sich zu schützen (Kontakt nur durch eine geschlossene Scheibe, Besuch nur mit Anmeldung, Begrenzung der Personenanzahl auf dem Hof) Die Maskenpflicht wurde damals noch als zusätzliches Risiko betrachtet.

Die Zerstörung des DSB 2.0

In 12 Tagen soll in Magdeburg der außerordentliche Bundeskongress des Deutschen Schachbundes stattfinden. Ganz sicher ist das nicht. Das Corona-Virus könnte etwas dagegen haben. Unter anderem ist nicht sicher, ob ein Tagungssaal in ausreichender Größe für alle Delegierten zur Verfügung steht.

Seit Ullrich Krause DSB-Präsident ist, jagt ein Zoff den nächsten. Selbstkritik: Fehlanzeige. Raj Tischbierek hat ihm in einem ausführlichen Interview, das in der August-Ausgabe der Deutschen Schachzeitung (Schach) veröffentlich wird, die Frage gestellt: „Gipfel, solide Finanzen, DSAM – drei Erfolgsgeschichten. Wie erklären Sie sich den Fakt, dass trotzdem nur negativ über den Schachbund diskutiert wird? Warum ist sein Image so schlecht?“ Ullrich Krause: „Diese Frage habe ich mir von Beginn an gestellt – seit ich vor drei Jahren zum Präsidenten gewählt wurde. Egal, was passierte, ich wurde erstmal kritisiert.“ […]

Lieber Ullrich, es ist eben nicht egal, was passiert. Dir fehlt das diplomatische Geschick. Dadurch hast du „Kriegsschauplätze“ ins Leben gerufen, die den Deutschen Schachbund schlecht aussehen lassen und einen Bruch mit der Deutschen Schachjugend provozieren. Du hast Rechtsstreitigkeiten vom Zaun gebrochen und verdiente Schachfreunde vor den Kopf gestoßen. Dein Verhalten gegenüber Franz Jittenmeier gehört dazu. Dein Bericht in der 271-seitigen Kongressbroschüre beginnt mit den Worten: „Für mich persönlich waren es wieder sehr arbeitsreiche neun Monate seit dem letzten Hauptausschuss.“ Demut sieht anders aus.

Wichtige Wahlen stehen nicht auf der Tagesordnung. Eigentlich. Niedersachsen und Baden haben gleichlautende Anträge für die Abwahl des Vizepräsidenten Boris Bruhn gestellt. Die bergen Zündstoff und das schon im Vorfeld. Die Anträge waren in der Kongressbroschüre zwei Einzelpersonen zugeschrieben, obwohl sie von den Landesverbänden gestellt wurden. War das ein redaktioneller Fehler oder bewusste Manipulation? Niedersachsens Vizepräsident, Jörg Tenninger, hat vehement protestiert; siehe Perlen vom Bodensee.

Professionalisierung sei das Zauberwort, lautet Ullrich Krauses Credo in dem Schach-Interview. Wir denken unwillkürlich an Goethes Zauberlehrling:

„Der Zauberlehrling ist überheblich und leidet an Selbstüberschätzung. Seiner Unerfahrenheit zum Trotz strebt er die Herrschaft über dämonische Kräfte an. Er scheitert – und das Chaos breitet sich aus. Erst das Eingreifen des erfahrenen und kompetenten Meisters kann die alte Ordnung wiederherstellen.“ (Quelle: der Zauberlehrling)

Möge ein erfahrener und kompetenter Meister das Chaos im Deutschen Schachbund beenden!

Otto-von-Guericke-Denkmal in Magdeburg

Gute Demos, schlechte Demos

Der Herausgeber einer Schachzeitung hatte im Netz dazu aufgerufen, nach Berlin zu kommen:

„Am 01. August findet in Berlin die größte Demo gegen den Corona Wahnsinn statt, die Deutschland bisher gesehen hat. 500.000 Menschen aus ganz Deustchland werden hierfür anreisen und wir alle werden dort für unsere Grundrechte einstehen.“

Der Buchstabendreher im zweiten Deutschland ist nicht von mir. Vermutlich eine Freud‘sche Fehlleistung des Verfassers. Dazu passen die Phantasiezahlen, die ein Superhirn(-spreader) vor Ort auf 1,3 Mio. Menschen schraubte. Gekommen waren rund 20.000. Die waren schlimm genug. Saskia Esken nennt sie #Covidioten. Das Netzwerk meiner Tageszeitung nennt sie Rücksichtslose. Was heißt das für uns Schachspieler? Die Normalität rückt in weite Ferne.

Am Freitagnachmittag gab es in Hannover eine Demo der ganz anderen Art. Es ging um unsere Zukunft (FFF), die durch die Rücksichtslosigkeit der anderen bedroht ist. Rund 500 Demonstrantinnen und Demonstranten waren mit ihren Fahrrädern auf den Opernplatz gekommen. Von dort aus ging es auf einem Rundkurs durch Hannover. Ich habe in deren Gesichter geschaut. Das war Friedfertigkeit pur. Kein Vergleich zu den hässlichen Bildern in Berlin.

Als Beleg zeige ich euch diese Nahaufnahme einer Teilnehmerin:

31. Juli 2020 – Opernplatz Hannover

Die Maskenpflicht wurde von ihr – wie von allen anderen – anstandslos befolgt. Als Ex-Radrennfahrer gefällt mir darüber hinaus ihre sportliche Erscheinung, ihr sportliches Outfit und ihr Rennrad im Retrolook, Marke Gazelle.

25. September 2020 – Raschplatz-Hochbrücke

1985 – Abriss einer geplatzten Fusion

Das Jahr 1985 hatte es in sich: das „Vier-Bundesländer-Kind“ wurde geboren, das Bobbele gewann erstmals in Wimbledon, und der erste Minister der Grünen wurde vereidigt. Joschka Fischer in Turnschuhen und Jeans. In Hessen war’s. Die Schachfreunde Hannover waren 35 Jahre alt und hatten so etwas wie eine Midlife-Crisis. In solchen Fällen sehnt man sich nach einem Umbruch. Der sollte auf der Jahreshauptversammlung besiegelt werden.

Das Protokoll der Jahresversammlung vom 14. Juni 1985 hatte Erwin Kusche verfasst. Es umfasste 4 DIN-A4-Seiten und endete mit den Worten: „Die Unterzeichneten geloben außerhalb des Protokolls, nie wieder so viel über ein JHV zu schreiben!“

Unter TOP 2 gab es einen Abriss zur Vereinsgeschichte der letzten sieben Jahre. Ein Flop war der Einzug in das Clubhaus des TKH im August 1982:

„Unsere Hoffnungen trogen auf der ganzen Linie. Kein TKH-Mitglied zeigte sich am Schachspielen interessiert, die Restauration war meist geschlossen, unsere Jugend wurde als störend empfunden. Der schmucklose Raum wurde nicht renoviert. Die Sonntagsspiele wurden zum Problem, weil immer öfter der Hausmeister nicht kommen konnte oder ein zu hoher Stundenlohn verlangt wurde. Viel Unlust machte sich breit und erfasste auch den Vorstand.“

Es erfolgte der Umzug in das 100 m entfernt gelegene „Haus der Jugend“. Nichtsdestotrotz stand die Fusion mit dem SK Anderten auf der Tagesordnung. Der SK Anderten war 1922 gegründet und als ausgesprochener Arbeiterverein in der Nazi-Zeit verboten worden. Nach der Neugründung 1950 hatte der Verein besonders anfangs der 70er Jahre schöne Erfolge und gehörte zu den spielstärksten Vereinen im Bezirk. In den letzten vier Jahren war es jedoch trotz aller Bemühungen abwärtsgegangen. Die Fusion sollte beiden Vereinen die Aufstellungssorgen nehmen. Der Freitagsspielabend sollte im „Sporthaus am Kanal“ in Anderten stattfinden. Das Sporthaus liegt recht abgelegen und kann nur über einen beschrankten Bahnübergang erreicht werden. Der wurde unserem 1. Vorsitzenden, Dr. Hans Wiehler, einmal fasst zum Verhängnis, als sein Auto auf den Bahngleisen stehenblieb.

Die Fusion wurde nach hitziger Diskussion mit 16 Ja-, 4 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen angenommen. Der Jahresrückblick sah dann so aus:

„Trotz vieler Widerstände bis hin zu persönlichen Anfeindungen gelang es den Verantwortlichen schließlich, eine breite Mehrheit zumindest für ein Jahr Probezeit von diesem Vorhaben zu überzeugen, so daß zum 1. Juli 1985 durch Fusion die Schachfreunde Hannover-Anderten entstanden. Unsere Erwartungen wurden in der Folgezeit sowohl im Positiven wie im Negativen weit übertroffen.“

Ein Jahr später platzte die Fusion. Der NSV hatte aus formellen Gründen etwas dagegen. Die beiden Vereine hatten u.a. getrennte Kassen behalten. Das geht nun gar nicht. Fortan gingen der SK Anderten und die Schachfreunde Hannover getrennte Wege. Die wenigsten haben das bereut.

Jede Ähnlichkeit mit real existierenden und/oder geplanten Fusionen ist rein zufällig. Von zeitloser Gültigkeit ist jedoch folgender Mahnruf des damaligen Spielleiters, Werner Zoch, im Jahresrückblick von 1985:

„Ein Verein kann nur bestehen, wenn zumindest ein Großteil seiner Mitglieder aktiv mitarbeitet. Auf Mitglieder, deren Beitrag lediglich darin besteht, unregelmäßig (und oft erst nach mehrmaliger Aufforderung) an den Mannschaftskämpfen teilzunehmen, zu denen sie am liebsten noch von zu Hause abgeholt werden wollen, die noch unregelmäßiger ihre Vereinsbeiträge bezahlen, aber dafür hin und wieder mal eine Schachuhr mit nach Hause nehmen, die dann am Vereinsabend fehlt, können wir jedenfalls verzichten.“


Deutsche Schach-Online-Liga

Gestern war Meldeschluss für einen Versuch, die Corona-Auszeit mit Leben zu füllen. 176 Schachvereine haben 246 Mannschaften gemeldet, der Hamburger SK allein zehn. Vier Spieler gehören zu einer Mannschaft, sodass davon auszugehen ist, dass inklusive Ersatzspieler bis zu 2.000 Schachfreundinnen und Schachfreunde zum Einsatz kommen werden. Es ist ein Experiment mit unbekanntem Ausgang. Die Cheating-Versuchung ist bei einer Bedenkzeit von 45 Minuten plus 15 Sekunden pro Zug natürlich groß.

Grundsätzlich stehe ich dem Online-Schach skeptisch gegenüber. Es kann nur ein Lückenfüller und Zeitvertreib sein. Wettkämpfe um echte Meisterschaften kann es nicht ersetzen und das Spiel von Angesicht zu Angesicht schon gar nicht. Wenn das in absehbarer Zeit nicht mehr möglich ist, verliert das Schachspiel sein Ansehen in der Gesellschaft und damit viele organisierte Anhänger. Nichtsdestotrotz begrüße ich die Online-Liga, obwohl ich sie aus sportlicher Sicht für wertlos halte. Wenn man sich die Meldungen genauer ansieht, fällt auf, dass das Interesse von Titelträgern gering ist. Und so ist die Veranstaltung überwiegend für den Nachwuchs von Bedeutung. Die 1. Runde wird in der kommenden Woche ausgetragen. Wir dürfen besonders auf die Nebenwirkungen gespannt sein.

In Niedersachsen ist das Interesse der Schachvereine an der Online-Liga überschaubar. Damit wir deren Abschneiden besser verfolgen können, habe ich die gemeldeten, niedersächsischen Mannschaften herausgefiltert und den Bezirken zugeordnet. Die Zahl vor dem Vereinsnamen ist die derzeitige Rangliste anhand der DWZ. Der Hamelner SV hat für die 1. Mannschaft (18. Platz) offenbar seine Besten gemeldet. Der HSK Lister Turm fehlt trotz Beteiligung an der Quarantäne-Liga indessen komplett.

Schachbezirk 1 (5 Vereine/7 Mannschaften)
025. SK Rinteln I   DWZ 2128 = 1. Liga Gruppe A
162. SK Rinteln II   DWZ 1713 = 6. Liga Gruppe B
223. SK Rinteln III   DWZ 1326 = 8. Liga Gruppe C
060. SK Lehrte von 1919  DWZ 2004 = 2. Liga Gruppe D
066. SG Weiß-Blau Eilenriede   DWZ 1989 = 3. Liga Gruppe B
089. SF Barsinghausen   DWZ 1930 = 3. Liga Gruppe A
147. TuS Wunstorf   DWZ 1755 = 5. Liga Gruppe C

Schachbezirk 2 (2 Vereine/2 Mannschaften)
095. SC Braunschweig Gliesmarode   DWZ 1903 = 3. Liga Gruppe A
165. SF Fallersleben   DWZ 1707 = 6. Liga Gruppe D

Schachbezirk 3 (3 Vereine/5 Mannschaften)
018. Hamelner SV I   DWZ 2170 = 1. Liga Gruppe B
135. Hamelner SV II   DWZ 1786 = 5. Liga Gruppe B
051. ESV Rot-Weiß Göttingen I   DWZ 2030 = 2. Liga Gruppe C
155. ESV Rot-Weiß Göttingen II   DWZ 1735 = 5. Liga Gruppe C
151. SC Bad Salzdetfurth   DWZ 1750 = 5. Liga Gruppe B

Schachbezirk 4 (2 Vereine/2 Mannschaften)
141. SK Verden  DWZ 1766 = 5. Liga Gruppe D
209. FC Lachendorf   DWZ 1525 = 7. Liga Gruppe D

Schachbezirk 5 (1 Verein/1 Mannschaft)
105. VfR Heisfelde   DWZ 1869 = 4. Liga Gruppe A

Schachbezirk 6 (4 Vereine/5 Mannschaften)
027. SV Osnabrück   DWZ 2123 = 1. Liga Gruppe C
102. SV Lingen   DWZ 1873 = 4. Liga Gruppe B
148. SV Bad Essen I   DWZ 1754 = 5. Liga Gruppe D
232. SV Bad Essen II   DWZ 1232 = 8. Liga Gruppe C
224. SC Rochade Hollage   DWZ 1320 = 8. Liga Gruppe B