Die Zerstörung des DSB

Droht der Deutsche Schachbund zu zerbrechen? Der seit 1990 amtierende Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend Jörg Schulz wurde vom DSB-Geschäftsführer Marcus Fenner mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die Gründe sind unbekannt. Die Empörung ist groß. Der Vorsitzende der Deutschen Schachjugend Malte Ibs solidarisiert sich mit dem geschassten Geschäftsführer. Hier ein Auszug aus seiner E-Mail, die im Schachticker veröffentlicht ist:

Wir, der Vorstand der Deutschen Schachjugend, solidarisieren uns mit Jörg Schulz. Wir kämpfen um die ordnungsgemäße Weiterbeschäftigung unseres verdienten DSJ Geschäftsführers. Wir bitten euch hierfür um eure Unterstützung. Wir sind als Deutsche Schachjugend nicht bereit, den Versuch der Kündigung hinzunehmen. Wir sehen dies nicht nur als einen Angriff auf den Menschen Jörg Schulz, dem man damit versucht, seine finanzielle Existenz zu entziehen, sondern auch als einen Angriff auf die Deutsche Schachjugend, ihre Eigenständigkeit und ihre kommenden Aufgaben und Projekte. Die Vorstandsarbeit der Deutschen Schachjugend wird mit diesem Eingriff stark beschädigt und in Fällen zerstört.

Auf die weitere Entwicklung dürfen wir gespannt sein.

Hannovers Schachjugend vor 50 Jahren

Wenn du jung bist, weißt du nicht, ob du alt wirst. Bist du alt, weißt du, dass du einmal jung warst. Der Vorteil ist, dass du weißt, was sich in der Jugend ereignet hat. Umgekehrt ist das nicht möglich. – Vor 50 Jahren war die hannoversche Schachjugend spitze. Dafür habe ich einen Zeitungsartikel aus meiner Jugend hervorgeholt. Der Anlass war Albert Syska. Albert ist mein Jahrgang. Das Ende seiner Jugend war zugleich sein Ende in Hannover. Es zog ihn zwecks Studiums auf Nimmerwiedersehen nach Heidelberg. Heidelberg gehört zum Schachverband Baden, und dort war er meines Wissens in den letzten 50 Jahren mehr oder weniger aktiv und hat dabei sogar Bundesliga-Luft geschnuppert. Nun habe ich seinen Namen unter den Teilnehmern des 4. Helmut-Reefschläger-Gedächtnisturniers gelesen. Damit wurden meine Erinnerungen geweckt.

Artikel aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 4. Juli 1968 (der rote Strich unter Streich ist alt)


Das Highlight war unser 7,5 : 0,5 Sieg gegen die Braunschweiger Schachjugend. Ausgerechnet Albert gab den halben Punkt ab. Ich hoffe, dass er die Schmach inzwischen überwunden hat. Albert habe ich positiv in Erinnerung. Er war aufgeweckter als die meisten anderen, und diesen Spirit wird er sich vermutlich bewahrt haben. Eine meiner ersten Turnierpartien habe ich gegen ihn gespielt. Es ging um die Hannoversche Stadtjugendmeisterschaft im Jahr 1967. Die Partie nahm einen flotten Verlauf. Dank un petit combination im 22. Zug konnte ich die Partie 7 Züge später für mich entscheiden:


Meinen Rückblick in Sachen Schach möchte ich mit einem Rückblick auf die damalige Berichterstattung meiner Tageszeitung verknüpfen. Wir hatten das Jahr 1968. Die 68er (zu denen ich nicht gehörte) haben unser Land umgekrempelt. Preisfrage: War die Presse damals prüder als heute? Unter dem oben gezeigten Artikel gab es eine Rubrik mit folgender Überschrift:

Aus Hannovers Nachtlokalen

Der Text ist köstlich:

In neugestalteten Räumen präsentiert sich die “Uhu-Bar“ ihren Gästen. Ein sicheres Gefühl für das, was bei den Besuchern eines Nachtlokales ankommt, hat Heinz Stanitzek, der die Bar an der Georgstraße vor einem Jahr übernommen hatte, bei der Einrichtung bewiesen. Neu ist hier beispielsweise die Verpflichtung eines Disc-Jockey, der die verschiedenartigen Darbietungen der Striptease-Schönen mit Musik- und Textbeiträgen auflockert. Zwischendurch bereiten den Gästen an die Wand projizierte Mickymaus-Filme viel Spaß. Im vergangenen Monat waren die vollbusige Gilda Vulcano, die schlanke Natascha und die dunkelhäutige rassige Kadiaka zu bewundern. Letztere schien jedoch ohne Peitsche nicht auszukommen. Für den Monat August – nach den gegenwärtigen Betriebsferien – will Heinz Stanitzek zwei besonders attraktive Striptease-Tänzerinnen engagieren.

Mickymaus-Filme an der Wand werden heutzutage niemand vom Schachbrett weglocken. Die Uhu-Bar wurde Anfang der Achtzigerjahre geschlossen. Was aus der vollbusigen Gilda Vulcano geworden ist, konnte ich nicht ermitteln.

Was ist bloß mit Hannover 96 los?

Fußball und Schach unter einem Hut. Wie wird das in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Die Bilanz der Schachspieler ist ernüchternd. Seit Beginn der Saison 18/19 schnitten sie in Mannschaftskämpfen wie folgt ab:

1. Mannschaft Saison 18/19 Oberliga Nord West => 0 : 18 Punkte Abstieg
1. Mannschaft Saison 19/20 Landesliga Süd         => 0 : 4 Punkte
2. Mannschaft Saison 18/19 Kreisliga Ost              => 7 : 11 Punkte 6. Platz
2. Mannschaft Saison 19/20 Kreisliga Ost             => 0 : 4 Punkte
3. Mannschaft Saison 18/19 Kreisklasse Ost         => 0 : 18 Punkte Abstieg
3. Mannschaft Saison 19/20 Kreisklasse Mitte     => 2 : 2 Punkte
4. Mannschaft Saison 18/19 Kreisklasse West      => 0 : 16 Punkte Abstieg
4. Mannschaft Saison 19/20 Kreisklasse Ost        => 0 : 4 Punkte

Drei der vier Mannschaften stiegen in der vergangenen Saison mit 0 Mannschaftspunkten ab. Lediglich die 2. Mannschaft konnte sich mit 7 Mannschaftspunkten in der Kreisliga Ost halten. Nach zwei Spieltagen der Saison 19/20 hält der Trend an. Die 4 Mannschaften holten in der Summe 2 : 16 Mannschaftspunkte, wobei die zwei Punkte nur deshalb zustande kamen, weil die 3. Mannschaft 3 Brettpunkte kampflos erwarb.

Woran diese gruselige Bilanz liegt, vermag ich nicht zu beurteilen. Vielleicht tut das der guten Stimmung im Verein keinen Abbruch. Schön wär’s. Anders sieht das bekanntlich bei den Profikickern aus. Mirko Slomka hat eine Bilanz von 14 : 18 Punkten in der 2. Bundesliga. Zu wenig für die hohen Ansprüche. Sofort stellt sich die Schuldfrage:

Slomka trifft nicht alle Schuld, doch seine Entlassung ist alternativlos

So überschreibt der Sportredakteur Tobias Manzke seinen Artikel in meiner Tageszeitung. Welch eine Anmaßung! Mit einer mittelmäßigen Mannschaft kannst du keine Bäume ausreißen, das gilt gleichermaßen für Fußballer und Schachspieler. Wenn eine Liga aus 18 Mannschaften besteht, ist vor der Saison klar, dass am Ende jeder dieser Plätze einmal belegt wird. Wie kann man dann von Schuld reden? Das gehört zum Sport, liebe Sportreporter und liebe Schlaumeier, die jetzt den Trainer mit Häme überschütten. Schuld hatte offenbar auch Niko Kovač. Als die Fernsehkamera während der Übertragung der Partie Eintracht Frankfurt gegen FC Bayern München das unschuldige Gesicht von Uli Hoeneß auf der Tribüne einfing, wusste ich sofort, welche Pressemitteilung einen Tag später fällig war.

Stellt euch vor, die selbsternannten Experten würden nun in der Presse nach Schuldigen in der Schachabteilung von Hannover 96 suchen. Nicht auszudenken! Zum Glück interessiert sich dafür kein Schwein. Nichtsdestotrotz wünsche ich der Schachabteilung eine Trendwende ohne Schuldgefühle.

Mirko Slomka und all den anderen Trainern, denen eine Schuld angelastet wird, wünsche ich starke Nerven. 10 Jahre nach dem Tod von Robert Enke hat sich trotz aller Lippenbekenntnisse in der Fußballwelt und der restlichen Gesellschaft nichts gebessert. Es ist eher schlimmer geworden. – Bauen wir auf die glücklichen Momente im Sport. Deshalb zeige ich euch den freigestellten Trainer von Hannover 96, als er voller Zuversicht seine Mannschaft präsentierte. Es ist erst wenige Wochen her.

21. Juli 2019

Conrad, ich habe meine DWZ geschrumpft

Der Präsident des Niedersächsischen Schachverbands, Michael S. Langer, gibt dem Blog Perlen vom Bodensee ein Interview. Diese Meldung findet ihr aktuell auf der NSV-Webseite. Es geht um das Verbandsprogramm des Deutschen Schachbunds, an dem Michael mitgewirkt hat. Auf das Programm möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen, obwohl es genug Gesprächsbedarf gibt. Es geht mir in diesem Beitrag um eine bemerkenswerte Antwort, die Michael zu Beginn des Interviews gegeben hat:

Conrad Schormann: Bis gestern hast du beim Meisterturnier der Bezirksmeisterschaft gespielt. Wie ist es gelaufen?

Michael S. Langer: Ach, na ja. H-Zahl 1815, das kostet mich DWZ.

14 Schachspieler haben am Meisterturnier des Bezirks 2 teilgenommen. Michael belegte mit 2 Punkten aus 5 Partien den 11. Platz. Nach der DWZ-Rangliste hätte er den 8. Platz belegen sollen. Folglich ist Michael mit seiner Platzierung nicht zufrieden.

Warum hat Michael jedoch diese Antwort gegeben? Michael ist ein leidenschaftlicher Schachspieler und ein leidenschaftlicher Funktionär. Michael hätte z.B. die Antwort geben können: „Das Turnier hat mir Spaß gemacht. Ich habe einige inhaltsreiche Partien gespielt, auch wenn die Punktausbeute nicht befriedigend ist.“ Oder: „Es war ein verkorkstes Turnier. Ich habe mehrmals danebengegriffen. Dennoch bin ich nicht entmutigt.“

Warum spielen wir überhaupt Schach? Wegen der DWZ!?! Michael hat seine DWZ in diesem Turnier um 13 Punkte von 1909 auf 1896 verschlechtert. Damit liegt er in seinem Verein vorübergehend auf dem 16. Platz, in seinem Bezirk auf dem 93. Platz und in ganz Niedersachsen auf dem 668. Platz. Verbringen wir unsere kostbare Lebenszeit etwa damit, um lächerliche Platzierungen aufzubessern? Ist Schach nicht Kunst? Geht es nicht um die vielfältige Schönheit des königlichen Spiels gepaart mit Mut, logischem Denken und Kameradschaftlichkeit? Stattdessen geht es in Wirklichkeit um die schnöde DWZ!

Michael hat das ausgesprochen, was leider zu unserem Alltag geworden ist. Die DWZ macht schon von Kindesbeinen an süchtig, und wir kommen selbst im Alter 50+ nicht davon los. Die Werte des Schachspiels treten dadurch in den Hintergrund.

Auf diesen Umstand habe ich bereits mehrfach hingewiesen. Mein Vorschlag, die DWZ abzuschaffen, traf auf Unverständnis. Dass Wertungszahlen zum Leistungsschach gehören, ist kein Widerspruch. Vermutlich ist es indes einfacher, den Amerikanern das Tragen von Waffen zu verbieten und den Deutschen ein Tempolimit auf den Autobahnen zu verordnen, als Schachspielern die Droge DWZ wegzunehmen. Nichtsdestotrotz wiederhole ich hiermit meine Vision:

– Deutsche Wertungszahlen werden abgeschafft.
– Elo-Zahlen behalten ihre Gültigkeit und können von jedermann erworben werden.
– Mannschaftskämpfe werden ab der Oberliga ausgewertet.
– Turniere können auf Wunsch des Veranstalters ausgewertet werden.

Was haben wir davon? Wir können wieder unbeschwert „Just for Fun“ Schachspielen und müssen nicht bei jeder Turnierpartie um unsere soziale Rangordnung zittern.

Dieser Beitrag ist keineswegs eine Kritik an Michael S. Langer. Ich schätze ihn sehr. Dafür, dass er ein umtriebiger Schachfunktionär ist und dabei auf tausend Hochzeiten tanzt, hat er eine beachtliche Spielstärke. Mehr oder weniger ungewollt hat er das ausgesprochen, woran an das Deutsche Schach derzeit krankt: an der Droge DWZ.

OB-Wahl in Hannover

Am kommenden Sonntag wählen wir Hannoveraner*innen einen neuen Oberbürgermeister. Der alte musste abdanken. Die sogenannte Rathausaffäre wurde ihm zum Verhängnis. Soweit ich den Fall beurteilen kann, muss er für ein System büßen, das er bei seiner Amtsübernahme vorgefunden hat. Das kann man Filz nennen, was die Opposition dann auch tut und die Presse obendrein. Ein fleißiger Repräsentant war Stefan Schostok (Bildmitte) bestimmt, der geborene Revoluzzer indes nicht.

Früher hätte die SPD in Hannover einen Besenstiel als OB-Kandidaten nominieren können. Der wäre gewählt worden. Die Ausgangslage in der ehemaligen Hochburg hat sich inzwischen geändert. Die SPD schwächelt, weil sie hasenfüßig ist. Früher fiel das nicht auf, weil es den Klassenfeind gab. Heute sitzen alle in derselben Klasse, von den Schmuddelkindern mal abgesehen. In solchen Fällen wählt man einen Klassensprecher, der gute Ideen hat, zu begeistern weiß und nicht tatenlos rumsitzt. Nicht zu verwechseln mit Populisten.

Zehn Personen haben sich gemeldet, die den Posten des Klassensprechers, respektive Oberbürgermeisters, übernehmen wollen. Das finde ich großartig angesichts der Anfeindungen, die heutzutage en vogue sind. Drei Kandidaten haben eine reelle Chance, in die Stichwahl zu kommen, die am 10. November vorgesehen ist. Die vier Kandidatinnen leider nicht, dafür fehlt ihnen die Lobby. Nichtsdestotrotz verdienen deren Engagement und das der anderen, aussichtslosen Kandidaten meinen Respekt. Auf dem Limmerstraßenfest habe ich mit einem dieser Kandidaten (Adam Wolf) darüber geplaudert. Als ich ihm viel Erfolg wünschte und anfügte, dass seine Chancen wohl gering seien, entgegnete er mir: „Wieso?“ Dazu passt der Spruch des SV Hellern über dessen Oberligapartie gegen den MTV Tostedt: Du hast keine Chance, aber nutze sie!

Sitzt dort Hannovers nächster Oberbürgermeister? – Fridays-for-Future-Demo am 20.09.2019

Meine Tageszeitung, die ebenfalls am Stuhl unseres ehemaligen Oberbürgermeisters gesägt hat, lässt nun keine Gelegenheit aus, den Wählerinnen und Wählern die Kandidaten*innen vorzustellen. Das lobe ich ausdrücklich. Am 19. September veranstaltete sie eine politische Mittagspause in Hannovers City. Die Kandidaten*innen hatten die Gelegenheit, sich binnen 4 Minuten auf einer Bühne vorzustellen. Das Format war gelungen. Kein langes Geschwafel, aber Zeit genug, sich ein Bild von den Menschen zu machen, deren Absichten ansonsten an Laternenpfählen und sonst wo zu lesen sind; z.B. auf der Webseite des NDR. Acht Kandidaten präsentierten sich in ausgeloster Reihenfolge, zwei Kandidatinnen waren nicht erschienen.

Warum erzähle ich das? Weil auch Schachspieler ohne einen fortschrittlichen Verwaltungschef schlechte Karten haben. Unter den rund 100 Zuhörern konnte ich nicht einen einzigen Schachspieler ausmachen. Deshalb zeige ich euch im Anschluss die 8 Kandidatinnen und Kandidaten in der Reihenfolge ihres Auftritts. Schließlich geht ihr doch wählen!? Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich euch auch den Kandidaten einer Partei zeige, die nichts mit Gerhards buntem Hannover gemein hat. – Macht euch selbst ein Bild. Auf die Nennung der jeweiligen Parteien und eine Bewertung der Auftritte verzichte ich absichtlich. Allerdings möchte ich nicht verhehlen, dass ausgerechnet der Kandidat, der nach einer Umfrage der HAZ vorn liegt, die geringste Leidenschaft zeigte.

Ihme-Cup als Talentschmiede

Vor 5 Jahren waren wir alle 5 Jahre jünger. Junge Schachspieler träumten von einer Karriere, alte Schachspieler träumten von alten Zeiten. Ein Foto in meinem Archiv liefert den Beweis, dass Träume in Erfüllung gehen können. Vorausgesetzt ihr glaubt an euch selbst. Dann spielt das Alter keine Rolle.

1. Runde Ihme-Cup 2014

Das Foto stammt vom Ihme-Cup 2014. Genauer gesagt vom 9. Mai. In der 1. Runde trafen Lukas Hoffmann und Lara Schulze (Vordergrund) sowie Daniel Phunhon Lopez und Torben Schulze (Hintergrund) aufeinander. Die jeweils älteren gewannen ihre Partien, aber das ist nebensächlich. Mein Augenmerk liegt auf der Paarung im Vordergrund; wobei Daniel und Torben meines Wissens in punkto Fortschritt ebenfalls eine Menge erreicht haben.

Lara Schulze hat seitdem eine steile Karriere hingelegt. Ihr 4. Platz bei der U18 Weltmeisterschaft der weiblichen Jugend in Mumbai ist der vorläufige Höhepunkt. Außerordentlich erfreulich ist dabei nicht nur ihr Schachverständnis, sondern ihr Talent, ihre Erlebnisse anschaulich zu präsentieren. Ihr Blog auf der Webseite des SK Lehrte ist stilistisch ausgezeichnet gelungen. – Derweil macht Lukas Hoffmann auf andere Weise Schlagzeilen. Ob er beim Schachspielen seinen Zenit erreicht hat, vermag ich nicht zu beurteilen, aber als Funktionär hat er inzwischen mehrere Stufen auf der Karriereleiter erklommen. Seit 2017 ist er 1. Vorsitzender des HSK-Lister Turm und neuerdings NSV-Referent für den Leistungssport. Er hat erfolgversprechende Pläne; siehe HSK-Webseite. Die Schachszene braucht engagierte Funktionäre, die mit Ideen und Tatkraft an die Sache herangehen.

Wer sich den Ihme-Cup 2014 ansonsten in Erinnerung rufen möchte, klickt hier.

1. Mai 2017 – Schlussrunde der Bundesliga in Berlin – OSG Baden-Baden gegen SV Mülheim-Nord

Ganz dünnes Eis

Michael S. Langer hat recht behalten. Nach einem Anlauf von dreieinhalb Jahren gab es heute beim NSV-Kongress kein Reförmchen. Es gab auch keine Reform. Es bleibt alles beim Alten. „Verkrustete Strukturen, enorme Beharrungskräfte, keine Sponsorenakquise in großem Maßstab und Schach-Macher mit Scheuklappen, die auf ihren Inseln isoliert vor sich hinwurschteln, lassen Dynamik erst gar nicht entstehen.“ Dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von Conrad Schormann in den Perlen vom Bodensee. Meine Erwartungshaltung ist bekannt. Insofern ist dieser Ausgang für mich keine Überraschung.

Das Alte war allerdings perfekt inszeniert. Das ist ein Kompliment an alle, die sich für Ämter zur Verfügung gestellt haben. Die meisten Funktionäre machen weiter, die freien Plätze wurden ohne Gegenstimmen neu besetzt. Zwei davon werden von Lukas Hoffmann und Max Wall (beide HSK Lister Turm) wahrgenommen. Von beiden ist frischer Wind zu erwarten. Ich traue ihnen das zu und wünsche ihnen viel Erfolg. Nennenswerte Diskussionen gab es nicht. Michael S. Langer war als Chef im Ring souverän. Niedersachsens Schachspielerinnen und Schachspieler haben ihm viel zu verdanken. Trotz ausbleibender Reformen. Dass die ausbleiben, liegt nicht an ihm. Wir müssen nur auf unsere Bundesregierung gucken. Die Welt steht am Abgrund, und unsere Entscheidungsträger beschließen lächerliche Maßnahmen.

Ganz dünnes Eis / Fridays-for-Future-Demo am 20.09.2019 in Hannover

Meine Teilnahme als Gast beim NSV-Kongress habe ich nicht bereut. Am Rande konnte ich mit mehreren Schachfreunden inhaltsreiche Gespräche führen. Zum Glück hängt die Zukunft der Menschheit nicht vom Schachspielen ab.

GRANDPA FOR FUTURE / Fridays-for-Future-Demo am 20.09.2019 in Hannover
Fridays-for-Future-Demo am 20.09.2019 in Hannover
27.09.2019 Drachenfest am Kronsberg

Ilja Schneider gewinnt 24. Leine-Open

Nach einem Jahr Pause konnten wir dieses Jahr wieder, zum vierundzwanzigsten Mal, unser Leine-Open ausrichten. Da unsere alte Heimat, das FZH Linden dauerhaft belegt ist zogen wir ins FZH Ricklingen um. Auch die Bedenkzeit passten wir dem Zeitgeist an, was zudem noch den Vorteil hatte, dass das Turnier um ca. 90 Minuten verkürzt wurde.

Nach einem Jahr Pause weiß man nie, ob das Turnier noch gut angenommen wird. Da wir ohne Voranmeldung arbeiten waren wir mit der Teilnehmerzahl von 60 zufrieden. Kurz nach 10 Uhr konnten wir starten, für alle Teilnehmer war genügend Platz, und nachdem die Lüftung auf vollen Touren lief, auch ein brauchbares Raumklima vorhanden. Gleich in der ersten Runde gab es die erste Überraschung: Wulf Kunisch konnten seinem Vereinkameraden und Favoriten Ilja Schneider ein Remis abnehmen. Danach zogen die Favoriten ihre Kreise, in Runde 6 kam es dann zum voreintscheidenden Duell zwischen Ilja und GM Vladimir Epishin. Ilja spielte voll auf Sieg und konnte dann das Turmendspiel für sich entscheiden. Das war die Vorentscheidung über den Turniersieg: Ilja gab nur noch ein Remis ab, V. Epishin gewann den Rest seiner Partien.

Den Turnierverlauf könnte Ihr hier in der Fortschrittstabelle LO-2019-Fortschritt nachlesen. Als Schiedsrichter hatte ich wenig zu tun, lediglich einmal musste ich erklären, das auch ein umgedrehter Turm nur ein Turm und keine Dame ist. Danke an alle Teilnehmer für den fairen Verlauf.

Ausgeschlafen in Wilhemshaven – knapp wars

Am vergangenen Sonntag durfte ich, dank meines dritten Platzes bei der BBEM, an der LBEM teilnehmen. Diese wurde dieses Jahr nach Wilhelmshaven vergeben. Da Wilhelmshaven nicht gerade in der Mitte von Niedersachsen liegt entschloss ich mich, zusammen mit meiner besseren Hälfte, am Vortrag anzureisen. Bei sonnigen 33 Grad konnten wir zumindest den Südstrand mit Marinemuseum etwas näher kennenlernen.

Ausgeruht ging es dann am näcshten Morgen an die Bretter. Neben wir waren bereits einige weitere Spieler am Vortag angereist, so war ich nicht der einzige ausgeruhte Spieler. Pünktlich, nach ein paar kurzen Worten von M. Langer ging es mit 22 Spielern los, 2 Spieler fehlten.

Die ersten Runden liefen gut, wobei ich in Runde 2 gegen T. Elbern einen Königsinder völlig verdarb und glatt auf Verlust stand. Doch eine Mattdrohung und zwei Fehlzüge meines Gegenüber drehten das Blatt. Nach 5 aus 5 gab ich gehen H. Mittelstädt das erste Remis ab. Danach folgt ein Remis gegen Titelverteidiger F. Hampel, aus vermutlich besserer Position bot ich Remis welches Felix dann annahm. Knackpunkt vor der Mittagspause war dann die Niederlage gegen das „Wunderkind“ aus Hameln, Andreas Poschadel. Mit 11 Jahren war er jüngster Teilnehmer. Ich hatte ihm mit Schwarz sauber eine Qualität abgenommen, sein König stand offen, doch dann stellte ich die Qualität zurück ein und seine Freibauern machten das Rennen. Die Partie hat er dann sauber zu Ende gespielt! Nach weiteren Niederlagen gegen A. Izrailev und B. Laubsch gab ich noch dummerweise zwei weitere Remis ab und die Luft wurde dünner, das Ziel des Ausfluges zu erreichen: Platz 8, die Vorberechtigung fürs nächste Jahr. Knackpunkt des Turniers war letztendlich die Niederlage gegen M. Eilert. In einem wilden Handgemenge hat ich ihm einen Turm abgeluchst, dann wurde dummerweise meine Dame von seinem Läufer aufgespiesst. Marius wurde abschließend Dritter, und ist somit für die Norddeutsche Blitzeinzel qualifiziert. Respekt und herzlichen Glückwunsch! Ich scheiterte knapp an Platz 8, punktgleich und nur durch die Zweitwertung, den direkten Vergleich, wurde ich Zehnter. Glückwunsch auch an Felix und Alexander die verdient die Plätze 1 und 2 belegten. Die Ergebnisse können im Einzelnen auf der NSV-Seite nachgelesen werden.

INEOS – Das teuerste Radteam der Welt

Gestern wurde in Hannover die Deutschland-Tour 2019 der Radprofis gestartet. Da mir am Vorabend so viele Schachspieler bei der Nacht von Hannover begegnet sind, möchte ich denjenigen und allen interessierten Sportsfreunden ein paar Bilder vom Team INEOS zeigen, die ich vor dem Start aufgenommen habe. Das Team kommt aus Großbritannien und hieß bis zum Beginn dieser Saison „Sky“. Das Team stellt seit 2015 ununterbrochen den Tour-de-France-Sieger, und zwar 2015 bis 2017 durch Chris Froome, 2018 durch Geraint Thomas und in diesem Jahr durch Egan Bernal (Kolumbien). Zum Team gehören insgesamt 28 Radprofis. Bei der Deutschland-Tour sind 6 Rennfahrer pro Team startberechtigt. Fünf davon seht ihr auf diesem Gruppenfoto. Der Sechste, Geraint Thomas, gab gerade ein Interview auf seiner Rennmaschine.

Von links nach rechts: Michal Kwiatkowski (Polen) Straßenweltmeister 2014, Narváez Prado, Jhonatan Manuel (Ecuador), Pavel Sivakov (Russland), Ben Swift (Großbritannien) und Luke Rowe (Großbritannien)

Ben Swift trägt ein weißes Trikot mit Flaggenzeichen, weil er der amtierende Britische Straßenmeister ist. Sogar seine Rennmaschine wurde entsprechend lackiert. Ansonsten möchte ich nicht viele Worte verlieren, sondern die Bilder sprechen lassen.