Mühsamer Sieg im Kellerderby

Im Kellerderby der Oberliga traf die 1. Mannschaft auf das Schach-Team von Hannover 96. Auch gegen uns hatte 96 (wie die Fußballer) mit Aufstellungsproblemen zu kämpfen. Von den Top 4 war lediglich V. Ivanov dabei. Doch es wurde ein hartes Stück Arbeit.

Ohne Catering, dafür mit viel 96 Nostalgie im Vereinsheim ging es los. Andreas hatte immer leichten Vorteil, beidseitige Ungenauigkeiten eingeschlossen, am Ende ein gewonnenes Turmendspiel.

1 – 0

Martin und Gegenüber gingen kein unnötiges Risiko ein – die Partie endete im Dauerschach. Bernd leistete sich in völlig ausgeglichener Stellung einen Blackout und verlor Leichtfigur und Bauer.

1,5 – 1,5

Dennie hatte es mit dem nominell stärksten 96er zu tun. Er opferte mutig eine Leichtfigur und hätte hier mit 28. Sc5! Ausgleich gehabt.

Schade. Doch dafür setzte sich Malte souverän durch. Der generische König verblieb in der Mitte und wurde abschließend Matt gesetzt.

2,5 – 2,5

Es verblieben also noch die letzten beiden Bretter und Tom. Alle drei Stellungen war ausgeglichen – insbesonderen an Brett 7 und 8 konnten wir unsere nominelle Überlegenheit nicht zeigen. Zwischendurch sorgten dann die Fußballfrauen von 96 für Stimmung. Nach ihrem 11-0 Sieg in der Fußball-Oberliga gegen F.C. Pfeil Broistedt und dem damit verbundenen Herbstmeistertitel schallte laute Partymusik aus der Kabine in den Turniersaal. Doch unser Schiedsrichter konnte das beim Gespräch mit den Trainern eindämmen.

Thomas und ich setzen uns dann durch Fehler unserer Gegner im Endspiel durch – Tom hatte seine Stellung verschlechtert und verlor letztendlich. So am Ende ein glücklicher Sieg und der Abschied vom Tabellenende.

4,5 – 3,5

Karnevalsauftakt im Kargah

Zum Karnevalsauftakt erwartete die erste Mannschaft die Reserve von Werder Bremen im Kargah zur zweiten Runde in der Oberliga. Wir liefen mit der gleichen Aufstellung wie in Runde 1 auf, Werder konnte, da deren Dritte spielfrei war, zwei Spieler aus der Landesliga einsetzen. Trotzdem hatte Werder an allen Bretter deutliche ELO-Vorteile. Die Werderaner, fast alle im grün-weißen Dress zeigten sich bestens vorbereitet. Sie hatten neben der Vorbereitung auf dem Brett auch ein Tablett Brötchen und Obst im Gepäck.

Pünktlich um 11 Uhr ging es los und meiner Meinung nach lief es an vielen Brettern besser als gegen Hameln. Nach 2 Stunden mußte Andreas aufgeben, kleinere Ungenauigkeiten und ein Einschlag auf b5 brachten die Entscheidung zu gunsten von Werder. Auch bei Dennie lief es nicht besser, er wählte einen falschen Plan und ziemlich schnell brach sein Damenflügel zusammen.

0 – 2

Nach über drei Stunden verflachte dann meine Stellung soweit, das mein Gegner nach einigem Überlegen mein Remisangebot annahm. Somit konnte ich das 0-8 abwenden. 😉
Dann wurde es interessant, während der Analyse meiner Partie kamen nach und nach alle Mitspieler in den Analyseraum. Thomas E. hatte gegen das Läuferpaar zu kämpfen, verlor einen Bauern und wollte sich den Rest nicht mehr zeigen lassen.

0,5 – 3,5

Interessant war die Partie von Martin. Hier ballten sich die Leichtfiguren auf der C-Linie.

    Martin (mit Weiß) war zu gefrässig und verlor dann entscheidend Material. Auch bei Malte stand das Brett in Flammen:

Sein Gegner spielte Tg5 und Tg7, Schwarz kam mit der Dame auf die lange  Diagonale und konnte entscheidenden Vorteil erringen, in Zeitnot musste er sich dann mit Dauerschach begnügen.

1,0 – 5.0

Tom’s Königsgambit war sehr ambitioniert, bei der Vielzahl der taktischen Möglichkeiten verlor er viel Zeit und letztendlich den Faden. Hier eine der kritischen Stellungen (Schwarz am Zug):

Auch Bernd mit Weiß fand im Mittelspiel nicht den richtigen Plan.

Hier war 19. e4 der falsche Plan und er landete in einem schlechten Endspiel, welches er fast noch gehalten hätte. An dieser Stelle

42. Kb3 anstatt Kd3 und mein Engine fand keinen Gewinnweg für Weiß. Im Debakel hat Bernd den richtigen Plan erläutert: die weißen Bauern nach e5 und g6 stellen, dann kann Schwarz nicht in ein Bauernendspiel abwickeln. Damit am Ende

1,0 – 7,0 gegen den Aufstiegsfavoriten aus Bremen.

 

 

 

Alter schlägt Jugend mit 5,5:2,5

In der Verbandsliga Süd liegt der Altersschnitt unserer 2. Mannschaft bei 59 Jahren. Das ist der Spitzenwert. Am anderen Ende der Skala liegt die 3. Mannschaft des SK Lehrte mit 25 Jahren im Schnitt. Beide Teams mussten heute gegeneinander antreten. Das Ergebnis ist eindeutig, wenngleich es etwas zu hoch ausfiel. Das lag an einigen überflüssigen Patzern auf Lehrter Seite. Symptomatisch ist meine Partie, dessen Ende ich euch gleich zeige. Mein junger Gegner hat bis zum 28. Zug stark gespielt und sich keinen Fehler geleistet. Die Eröffnung kannte er offenbar aus dem Effeff. Nach 20 Zügen hatte er durch das Inkrement noch keine Zeit verbraucht; ich hingegen hatte bereits eine Stunde meiner Bedenkzeit investiert.

Vorher möchte ich noch auf meine Partie aus der 1. Runde gegen Harald Kiesel eingehen. Unsere Eröffnung, die Seltenheitswert hat, wurde gestern in der 1. Bundesliga kopiert; und zwar von IM Ilja Schneider (SF Berlin) und GM Gennadi Ginsburg (SV Hofheim). Bis zum 9. Zug war der Partieverlauf identisch. Dann wich Schwarz mit 9… De7 ab. Harald Kiesel hatte 9… b6 gespielt. Nachdem Iljas kleiner Vorteil versandet war, endete die Partie ebenfalls mit einem Remis. Ich kann mir vorstellen, dass sich Ilja die Anregung für 4. a3!? in unserem Blog geholt hat. Schließlich gehört Ilja seit Beginn zu den Fans unseres Blogs. Und ich zu den Fans seines ehemaligen Blogs in der ZEIT. Das ist leider Geschichte.

Kein Heimvorteil

Man soll ja schlechte Nachrichten immer mit etwas positivem beginnen: Wir hatten mit unserer Oberliga-Mannschaft im Kargah sehr gute Bedingungen. Absolute Ruhe, Platz und Verpflegung, was will man mehr. Und auch unser Neuzugang Malte war dabei, an dieser Stelle noch einmal: Herzlich Willkommen!

Dementsprechend motiviert gingen wir zur Sache, Ziel war sicherlich den Auftakt vom vergangenen Jahr zu wiederholen und einen Punkt in Linden zu behalten. Bernd und Tom gingen forsch zur Sache, Dennie stand sicher, in den anderen Schwarzpartien standen wir passiv. Bei Martin und mir war alles noch recht ausgeglichen.

Doch mit zunehmenden Spielverlauf wurde das Bild immer dunkler: Bernd’s Angriff wurde abgeblockt und durch ein Versehen stand er schnell auf Verlust. Auch Thomas stand ziemlich hoffnungslos hinten drin. In dieser Phase konnte dann Wilfried gegen Dennie remis machen, die Stellung war auch völlig ausgeglichen.

Tom hatte einen Springer ins Geschäft gesteckt und heftigen Angriff generiert, Martin kassierte einen falschen Bauern ein, seine Dame wurde überlastet und ein Springer ging verloren. Mein Gegner wich einer Zugwiederholung aus, sah allerdings den Schlüsselzug nicht, und so konnte ich das Heft in die Hand nehmen. Nach zwei weiteren Ungenauigkeiten konnte ich in ein gewonnenes Endspiel abwickeln. Bernd und Thomas hatten dann genug gesehen, somit der Zwischenstand:

0,5 – 2,5

Etwas Hoffnung keimte auf, als Andreas in gegnerischer Zeitnot noch gewinnen konnte:

Ich fuhr mein Endspiel nach Hause, und Martin rettete sich ins Dauerschach.

3,0 – 3,0

Doch die letzten beiden Partien boten wenig Hoffnung, Malte kämpfte mit zwei Bauern weniger ebenso ums Dauerschach wie Tom, er mit einem Springer weniger. Am Ende setzte sich das Mehrmaterial dann durch. Glückwunsch nach Hameln zu einer überzeugenden Mannschaftsleistung.

3,0 – 5,0

Die weiteren Partien findet ihr sicherlich bald auf der Oberligaseite des Schachbunds.

1:7 zum Auftakt in der Verbandsliga

Unsere Hoffnungen, die 1. Runde in der Verbandsliga Süd gegen den SV Laatzen unbeschadet zu überstehen, waren von vornherein gering. Unser komplettes Mittelfeld (Bretter 3 bis 6) war verhindert. So mussten die hinteren Bretter aufrücken, was dem Kräfteverhältnis nicht gut tat. Die routinierten Laatzener gewannen alle Partien vom 3. bis zum 8. Brett. An zwei Brettern war womöglich ein Remis drin. Aber es sollte nicht sein. Jürgen Reschke gegen Abdullah Celik (4) und Ulrich Wolf gegen Horst Ehlert (6) kämpften bravourös, mussten sich aber nach rund 6 Stunden geschlagen geben.

Anders sah es an den beiden ersten Brettern aus. Arthur Kölle erreichte gegen Patrick Lick mit Schwarz eine ausgeglichene Stellung, die einen Friedensschluss nahelegte. Ein bisschen mehr versprach meine Stellung, aber als mir mein Gegner, Harald Kiesel, das Remis anbot, nahm ich das nach kurzem Zögern an. Ein hoher Verlust unserer Mannschaft zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt bereits ab. Wie gewohnt zeige ich meine Partie im Anschluss. Die Eröffnung ist etwas für Liebhaber seltener Abspiele.

Streich, Gerhard (SFH II) – Kiesel, Harald (SV Laatzen)
Verbandsliga Süd (1) Brett 2
21.10.2018
Stellung nach dem 21. Zug von Schwarz

Remis

Mein Rechner attestiert mir an dieser Stelle einen Vorteil von ca. +1,00. Diesen in einen Sieg umzumünzen, hätte ich unter anderen Umständen gern probiert. Ein positioneller Vorteil bei ausgeglichenem Material ist jedoch kein Garant für einen Sieg. Schließlich hatte ich es mit einem starken Gegner zu tun. Den Verlauf der Partie könnt ihr euch hier angucken:

Gelungene Partien in Lingen

Knapp war’s am vergangenen Sonntag beim Aufsteiger in die 2. Bundesliga. Das habe ich bereits berichtet. Wie knapp es war, könnt ihr euch anhand der Partien ausmalen, die ich im Anschluss zeige. Die interessantesten Momente zeige ich in chronologischer Reihenfolge. Wobei ich auf die Bretter Nummer 7 und 8 verzichte. Am 7. Brett spielte Jörg ein Salonremis, und meine total ausgeglichene Schlussstellung kennt ihr schon. Los geht’s mit Dennie Ackermann am 1. Brett gegen Großmeister Milos Perunovic aus Serbien.

Ackermann, Dennie (SFH) – GM Perunovic, Milos (SV Lingen)
Oberliga Nord-West (9) Brett 1
15.04.2018
Schwarz am Zug setzt in 8 Zügen matt

Dennie und die Zigarette danach

Dennie hatte nach guter Eröffnungsbehandlung – immerhin verfügte er über einen Mehrbauern – den Faden verloren. Im 25. Zug hätte er nach 24… Da1+ mittels Db1 (da stand sein Springer noch auf d2) das Eindringen der schwarzen Dame auf der 1. Reihe verhindern können. GM Perunovic hätte danach keine zwingende Fortsetzung gehabt. Jetzt gibt’s indes kein Halten mehr. Das sehenswerte Matt in 8 Zügen lässt sich nicht mehr verhindern.


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Gegen einen Großmeister mit Schwarz ein Remis herauszuholen ist für uns Amateure ein beachtliches Erlebnis. Bernd durfte sich nach starker Leistung zu recht darüber freuen. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass in dieser Stellung mehr für ihn drin war. Die Partie endete durch Zugwiederholung. Die Engines halten die Stellung tatsächlich für ausgeglichen. Aber die verstehen nichts von unseren menschlichen Schwächen.

GM Milanovic, Danilo (SV Lingen) – Fritze, Bernd (SFH)
Oberliga Nord-West (9) Brett 2
15.04.2018
Weiß am Zug


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Kaimer, Thomas (SFH) – GM Gutman, Lev (SV Lingen)
Oberliga Nord-West (9) Brett 3
15.04.2018
Weiß am Zug

Tom grübelt über seinen 43. Zug

Mit der Berichterstattung steige ich im 51. Zug ein. Es war ein Duell auf Augenhöhe. In dieser komplizierten Stellung leistete sich Tom seinen einzigen echten Fehler, der zum Glück ungeahndet blieb. Nach 51. Kf3? hätte Lev Gutman einen Offizier gewinnen können (guckt ihr im Anschluss). Auch ein Großmeister sieht nicht alles. Danach hätte Tom die Partie halten können, wenn er nicht unerwartet zum Läufertausch gezwungen gewesen wäre. Der Mehrbauer im Turmendspiel entschied nach über 6 Stunden die Partie. Trotzdem eine starke Leistung von Tom.


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Den Skalp eines Internationalen Meisters holte sich Andreas Herrmann auf beeindruckende Weise. Den weißen Angriff auf dem Königsflügel neutralisierte Andreas mit Druck auf das Feld c2, hinter dem sich der weiße König versteckt hatte. Guckt euch zunächst die Schlussstellung an. Zwei Türme gegen zwei Damen! Das sieht man nicht alle Tage. Wie es dazu kam, könnt ihr euch im Anschluss angucken.

IM Milenkovic, Mladen (SV Lingen) – Herrmann, Andreas (SFH)
Oberliga Nord-West (9) Brett 4
15.04.2018
Weiß zieht 55. Td7-g7+ und gibt auf


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Unspektakulär ging es am 5. Brett zu. Martin stand stets ein Hauch besser. Für einen vollen Punkt genügte das nicht, und so endete die Partie folgerichtig mit einem Remis durch Zugwiederholung.

Ploog, Dr. Martin (SFH) – FM Kollen, Zyon (SV Lingen)
Oberliga Nord-West (9) Brett 5
15.04.2018
Schwarz am Zug


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Tragisch war der Partieausgang für Uwe am 6. Brett. Unser ewiger Schwarzspieler stand die ganze Partie über gut und hatte in diesem Moment eine gewonnene Stellung:

FM Gazic, Josip (SV Lingen) – Gabriel, Uwe (SFH)
Oberliga Nord-West (9) Brett 6
15.04.2018
Schwarz am Zug nach 41. gxf6+

Nach 41… Kf7! hätte der weiße Turm in der h-Linie für den Rest der Partie dumm aus der Wäsche geguckt. Leider übersah Uwe dessen Befreiungstrick nach 41… Kxf6?. Danach war die schwarze Stellung noch längst nicht verloren. Erst als Uwe seinen letzten Turm im 59. Zug zum Tausch anbot, war die Partie nicht mehr zu halten. Das war jammerschade. – Ihr seht, ein bis anderthalb Brettpunkte waren für uns in Lingen zusätzlich möglich.

Ein Punktgewinn in Lingen war möglich

Der SV Lingen ist die überragende Mannschaft in der Oberliga Nord-West. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord stand bereits vor der letzten Runde fest. Die meisten Gegner wurden haushoch geschlagen. So wäre gestern für uns alles andere als eine hohe Niederlage eine Überraschung gewesen, sofern die Lingener mit ihren Titelträgern antreten würden. Das taten sie bis auf GM Vladimir Epishin, der diesmal fehlte. Wir mussten hingegen im letzten Moment improvisieren. Unser Mannschaftsführer, Thomas Edel, war von mehreren Viren befallen worden. So sprang ich virenfrei ein und musste mich am 8. Brett mit einer jungen Dame auseinandersetzen.

Bevor ich mit meiner Berichterstattung über unsere 3:5 Niederlage fortfahre, zeige ich euch dieses Bild unserer Mannschaft, das kurz vor unserer Abfahrt aufgenommen wurde:

So sehen Verlierer aus, wenn sie trotzdem zufrieden sind. Sogar unser Tom war zu Späßchen aufgelegt, obwohl er gerade nach über 6 Stunden zähen Ringens gegen GM Lev Gutman verloren hatte. Ich bin davon überzeugt, dass er die Partie zumindest remis halten konnte. Aber das ist im Nachhinein leicht gesagt. Das gilt auch für den einen oder anderen halben Punkt, den wir womöglich liegengelassen haben. Nachdem Jörg und ich zeitgleich remisiert hatten, war auf den anderen Brettern noch alles offen:

Bretter 4-1
Bretter 5-6

Derweil analysierte Jörg seine Partie mit seinem Gegner:

FM Aleksandar Milosovic mit Schwarz gegen Jörg

Ich zog es vor, Lingen zu erkunden. Noch nie zuvor in meinem Leben war ich in dieser Stadt, die schließlich auch zu Niedersachsen gehört. Aber es ist halt das Emsland. Auf Mallorca kennen wir Hannoveraner uns besser aus. Dabei kann sich Lingen wirklich sehen lassen. Ein paar Schnappschüsse von meinem Rundgang zeige ich euch in der Bildergalerie. Dabei ist die Nähe zu Holland anhand der Bauweise für Reihenhäuser auszumachen. Irgendwie praktisch, andererseits komisch. Das Auto wird kurzerhand unter dem Schlafzimmer geparkt. Fehlt nur noch eine Stange wie bei der Feuerwehr, an der man schnellstmöglich nach unten rutschen kann.

Auf die Bewertung der Partien werde ich in einem gesonderten Beitrag eingehen, sobald mir die Notationen vorliegen. Dennies Niederlage am 1. Brett und mein Remis am 8. Brett möchte ich vorab kommentieren. Dennie hatte es mit Großmeister Milos Perunovic aus Serbien (Elo 2596) zu tun. Dennie hatte sich wie immer gut vorbereitet, aber nicht gut genug. Sein Gegner kannte sich in der Benoni-Verteidigung besser aus und just in dem Moment, als Dennie von einem Remis träumte, setzte dieser zu einem Mattangriff in 7 Zügen an. Dennies König wurde zu einer Wanderung nach g6 gezwungen. Dort stand er Tête-à-Tête dem schwarzen König auf g8 gegenüber. Das Matt mit Dame h7 wollte sich Dennie nicht mehr zeigen lassen.

Ich hatte mit einer jungen Dame namens Hannah Möller die vermeintlich leichteste Aufgabe. Pustekuchen. Es wurde die ausgeglichenste Partie meines Lebens. Logische Folge: Remis. Guckt ihr hier nach 32 Zügen:

Hannah Möller (SV Lingen) 1/2 – 1/2 Gerhard Streich (SF Hannover)

Das kommt dabei raus, wenn niemand einen schwachen Zug macht. Die ersten 10 Züge waren in der Theorie kein Neuland; der Rest war auf beiden Seiten immer folgerichtig. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich eine andere Eröffnung gewählt. Hätte, hätte, … ihr wisst schon. Aber meine junge Gegnerin (U 18) ist keine blutige Anfängerin. Im Gegenteil. In der Lingener Tagespost gab es im vergangenen Jahr einen Artikel über sie mit der Überschrift:

Lingenerin Hannah Möller spielte schon mit drei Jahren Schach

Als ich drei Jahre alt war, kannte ich nur Drogen, Alkohol und Sex. Kleiner Scherz. Nee, die Hannah spielt richtig gut, u.a. in der 2. Frauenbundesliga beim SC Steinfurt.

Der schönste Moment bei meinem Aufenthalt in Lingen war das Wiedersehen mit einem Schachfreund, der Hannover und damit unseren Verein vor 44 Jahren verlassen hatte und aus beruflichen Gründen nach Lingen gezogen war: Manfred Rockel.

Ich habe ihn sofort wiedererkannt. Er hat nichts von seiner Ausstrahlung verloren. Immer positiv gestimmt, immer geistreich, immer umtriebig. Manfred hatte Geschichte und Englisch an der TU in Hannover und in Bristol studiert, bevor es ihn als Pädagoge ins Emsland verschlug. Dort hat er bis heute ein ambivalentes Verhältnis zu seiner Wahlheimat, wie ich seinem Gedichtband „Emsiges Land“ entnommen habe, das er mir geschenkt hat. Wer mehr über Manfred erfahren möchte, sollte auf seiner Webseite stöbern: http://www.manfredrockel.de/

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Auszug aus dem SCHACHKURIER der Schachfreunde Badenstedt, veröffentlicht im Mai 1970; siehe meinen Kommentar vom 17. April 2018:

Fuchs gegen Wolf in der Verbandsliga

Gelächter! Auch das gibt es unter Schachspielern vor einem ernsten Mannschaftskampf. Auslöser war die Verlesung der Mannschaftsaufstellungen vor unserer letzten Runde in der Verbandsliga Süd: „An Brett 8 Fuchs gegen Wolf“. Genauer gesagt: Dr. Michael Fuchs gegen Dr. Ulrich Wolf. Die Partie endete unentschieden. Dazu später mehr.

In der 9. Runde mussten wir mit unserer 2. Mannschaft bei der SG Weiß-Blau Eilenriede antreten. Die Begegnung war vorverlegt worden. Dass das ein Unding ist, habe ich an anderer Stelle bereits thematisiert. Am nächsten Sonntag läuft das eigentliche Finale auch in der Landes- und in der Oberliga. Dann wird die Abstiegsfrage in dieser und in anderen Klassen endgültig geklärt. Fakt ist, dass die SG BW Eilenriede nach ihrer 3:5 Niederlage gegen uns als Tabellenletzter absteigen muss. Ob sich eine weitere Mannschaft dazugesellt, wird meines Wissens vom Ausgang in der Landesliga Süd abhängen. Wir können jedenfalls mit 8:10 Mannschaftspunkten nicht mehr absteigen. Darauf können wir nach einer durchwachsenen Saison stolz sein.

Der Teamgeist hat gestimmt. Nicht jeder wird mit seinem individuellen Ergebnis zufrieden sein. Zu hadern gibt es immer etwas. Da nehme ich mich nicht aus. Mit 5,5:2,5 Punkten (ohne Niederlage) habe ich mein selbst gestecktes Soll erfüllt; wenngleich es zwei halbe Punkte mehr sein konnten. Unsere Einzel- und Mannschaftergebnisse könnt ihr hier nachlesen:

http://www.nsv-online.de/ligen/nsv-1718/?mannschaft=5088

Mit einem Sieg gegen uns hätten die Weiß-Blauen noch die Chance gehabt, die Rote Laterne in der Verbandliga Süd abzugeben. Aber es sollte nicht sein. Bereits nach kurzer Zeit gab es am zweiten und am dritten Brett Salonremisen, die zum einen der Freundschaft und zum anderen dem fantastischen Wetter geschuldet waren. An den anderen Brettern wurde richtig gekämpft. Zwei davon konnten wir gewinnen, die anderen endeten ebenfalls mit einem Unentschieden. Die vier interessantesten Partien zeige ich euch in Ausschnitten. – Zuvor möchte ich noch etwas Positives loswerden. Am Rande der Veranstaltung habe ich erfahren, dass sich der schwerkranke Fritz-Günther Obert auf dem Weg der Besserung befinden soll. Der allseits beliebte Fritz ist die gute Seele der Weiß-Blauen und die des Schachbezirks Hannover. Hoffentlich wird er bald zur alten Stärke zurückfinden. Als Schachspieler und als Funktionär.

Am 1. Brett spielte unser Martin wie ein Großmeister und das nach wenig Schlaf. Er hatte am Vorabend an einem 50. Geburtstag (nicht seiner) teilgenommen, der zünftig ausgefallen sein soll. Mit einfachen Zügen erreichte Martin ein Endspiel, das für Schwarz kaum zu retten war. Interessant ist dabei die uralte Frage, wer in solchen Endspielen stärker ist, der Läufer oder der Springer? In diesem Fall ist Antwort eindeutig.

Ploog, Dr. Martin (SFH II) – Kleinschroth, Roland (SG WB Eilenriede)
Verbandsliga Süd (9) Brett 1
08.04.2018
Schwarz am Zug

Der naheliegende Zug 32… Kc7 konnte Schwarz nicht retten. Den Rest der Partie könnt ihr hier nachspielen:

Garthof, Günther (SFH II) – Jagst, Hilmar (SG WB Eilenriede)
Verbandsliga Süd (9) Brett 5
08.04.2018
Schwarz am Zug

Nach einer verkorksten Saison hatte Günther diesmal Grund zum Jubeln. Sein Gegner kam ihm durch ein verfehltes Bauernopfer in der h-Linie entgegen. Nach 37 Zügen entstand diese für Schwarz hoffnungslose Stellung. Sein Befreiungsversuch scheiterte unmittelbar:

37… f5+ 38. exf6 e.p. 1-0

 

„Der Wolf und der Fuchs“ ist ein Tiermärchen der Brüder Grimm. Obwohl der Wolf der Stärkere von beiden ist, triumphiert am Ende der schlauere Fuchs. In diesem Fall haben sich beide neutralisiert. Einmal hatte der Fuchs die Gelegenheit zuzubeißen, als der Wolf im 18. Zug patzte und eine Qualität nebst Bauern verlieren konnte. Als der Fuchs den tödlichen Zugriff verpasste, war der Wolf bis zum Ende dominierend. Es ergab sich eine lehrbuchartige Stellung.

Fuchs, Dr. Michael (SG Blau-Weiß Eilenriede) – Wolf, Dr. Ulrich (SFH II)
Verbandsliga Süd (9) Brett 8
08.04.2018
Schwarz am Zug

59… Kf3? Nach 59 Zügen entscheidet ein kleiner Unterschied die Partie. Richtig war Kf4! und Schwarz gewinnt:

Zum Schluss präsentiere ich euch meine Partie:

Lampe, Thomas (SG Blau-Weiß Eilenriede) – Streich, Gerhard (SFH II)
Verbandsliga Süd (9) Brett 4
08.04.2018
Weiß am Zug

33. Lxh5?!

Nachdem die Eröffnung in Bahnen der Theorie verlaufen war, hatte ich mir im Mittelspiel eine vorteilhafte Stellung erarbeitet. Das sah Thomas Lampe auch so und entschloss sich spontan zu diesem inkorrekten Figurenopfer, das sich in psychologischer Hinsicht jedoch auszahlen sollte. Mir war in dem Moment klar, dass Weiß nicht viel für das Opfer bekommt, aber ich wollte einfach nicht zulassen, dass mich mein Gegner vorübergehend unter Druck setzt. Deshalb entschloss ich mich zu der hasenfüßigen Fortsetzung 33… Df4?. Noch schlimmer als diese Fehleinschätzung war indes, dass ich im Anschluss zweimal die Springergabel nach Dxf2+ übersah. Das Ende war humorlos. Guckt ihr hier:

Nordhorn ist keine Reise wert

Der gestrige Sonntag stand für die Schachfreunde unter keinem guten Stern. 2 Spieler mit Grippe ausgefallen, 2 Spieler in fernen Ländern und so mußten dann sogar zwei Geburtstagskinder spielen. Dafür schon mal danke!

Die Erste mußte (fast) nach Holland, der SK Nordhorn Blanke erwartete uns, wie schon vergangene Saison. Und auch dieses Mal durfte ich als Ersatzmann mit. Kurz nach dem unsere Eishockey-Jungs in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer kassierten ging es los. Und so waren wir schon um 10.20 Uhr in Nordhorn.

Friedmar fiel aus, daher spielte Dennie an Brett 1. Brett 2 musste frei gelassen werden.

0 – 1

Nach 2 Stunden entwickelte sich ein ausgeglichener Kampf, mit etwas Glück wäre ein Punkt nicht unmöglich. Bevor es kompliziert wurde bot ich meinem Gegner im leicht besserer Stellung Remis an. Auch Dennie erreichte in ausgeglichener Stellung ein sicheres Remis.

1 – 2

Kurz vor der Zeitkontrolle mußte dann Thomas E. die Segel streichen. Er fand mit Weiß keinen richtigen Plan gegen den Aufbau seinen Gegners.

1 – 3

Auch Bernd erreichte nur ein Remis, sein Gegner lehnte vorher bereits sein Remisangebot ab, doch am Ende war nicht mehr drin. Das zeigte auch der Stockfisch am späten Nachmittag im Debakel.

1,5 – 3,5

Tom hat eine komplizierte Stellung auf dem Brett, ließ zwischendurch mehrere Möglichkeiten aus in Vorteil zu kommen. So hatte am Ende der Gegner zu viel Material eingesammelt.

1,5 – 4,5

Gerhard stand meiner Ansicht nach die ganze Partie über nicht schlechter. Beim Übergang ins Endspiel erlaubte er seinem Gegner einen entfernten Freibauern. Dieser wurde ihm dann am Ende zum Verhängnis. Hier werden die Computer zeigen, ob das alles so nötig war.

1,5 – 5,5

Den Schlußpunkt setzte Andreas, er hat seinem Gegner die Dame für Turm und Läufer abgenommen, doch dieser konnte gekonnt eine Festung aufbauen die nicht zu überwinden war.

2.0 – 6,0

Abschließend bleibt zu hoffen, das die Schachfreunde aus Nordhorn nächste Saison bei uns zu Besuch sind.

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Bos, Robin (Nordhorn Blanke) – Streich, Gerhard (SF Hannover)
Oberliga Nord West (7) Brett 8
25.02.2018
Schwarz nach 43. Sc5-a6 am Zug


43… Ke6? Der Verlustzug. Richtig war 43… d3! und die Partie wäre vermutlich Remis ausgegangen. Guckt ihr hier:

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Siehe Kommentar von Gerhard als Antwort auf Torben:

Tempolimit in der Oberliga

Unsere 1. Mannschaft hat am Sonntag in der Oberliga gegen den SC Tempo Göttingen mit 3:5 verloren. Offenbar sind unsere Mittel gegen die Göttinger, die bislang noch punktlos waren, limitiert. Bereits in der vergangenen Saison gab es eine deftige Niederlage. Nun können die Göttinger wieder Mut im Abstiegskampf schöpfen. Wir müssen indes aufpassen, dass wir dort nicht hineingeraten.

Meine drei Fragen, die ich in meinem letzten Kommentar gestellt habe, bleiben unter Verschluss. Nach Rücksprache mit unserem kommissarischen Innenminister gibt es dazu folgenden Kommentar: „Ein Teil dieser Antworten würde die Schachwelt verunsichern.“ Unser Mannschaftführer hält sich ebenfalls bedeckt. Deshalb fasse ich mich statt seiner kurz: Irgendwie war der Wurm drin.

In der nächsten Runde müssen wir die Wasserstädter (Nordhorner) aufs Trockendock befördern. Oder so ähnlich. Die Vorfreude auf den Ausflug ist groß. Wie spannungsreich Mannschaftskämpfe sind, zeigt ein Blick in die Gesichter der Protagonisten. Zu Beginn des Mannschaftskampfes gegen Göttingen habe ich einige mit meiner Kamera festgehalten. Drei Fotos zeige ich euch im Anschluss.