Nikolaustag

„Seid ihr auch alle weltoffen gewesen?“, ist eine Frage, die wir Schachspieler uns heute vom Nikolaus gefallen lassen müssen. Wer dabei an die nach oben offene DWZ-Skala denkt, bekommt die Rute zu spüren. Für die anderen habe ich unseren berühmten Heimatdichter gebeten, ein Gedicht zu verfassen, das sich mit einem Problem unserer Zeit beschäftigt. Wer das Gedicht auswendig aufsagt, wenn der Nikolaus vor ihm steht, wird von Caissa mit einem Lächeln belohnt.

Dicke Luft

Die Straßen sind in Smog gehüllt.
Knecht Ruprecht atmet schwer.
Mit Sprüchen ist sein Sack gefüllt.
Einer stammt von Steinbrücks Peer.

„Was wolltest Du mit der Kette? Schweig!“
„Die Stadt von den Autos befreien.“
Vom ADFC gibt’s dafür ein Like.
„Das sollst Du am Wahltag bereuen!“

Ruprecht prüft derweil den Schlitten.
Es hilft dabei der Hackl Schorsch.
Die Umwelt hat enorm gelitten.
Feinstaub macht die Hirne morsch.

Die Engel sind total frustriert
Und woll‘n ‘ne Frauenquote.
Mit Brille wär‘ das nicht passiert.
Nun drohen Flugverbote.

Wer sind die schlimmsten Klimakiller?
Die Engel schau’n sich fragend an.
Das sind doch wohl die Auftragsgriller
Mit Holz und Kohle, Mannomann!

4 Gedanken zu „Nikolaustag“

    1. Weltoffenheit ist ein Zeichen von Interesse. Wer sich z.B. für die Energieversorgung interessiert, kann diese besser beurteilen, wenn er sich sachkundig gemacht hat. Wer dabei Eigeninteressen hat, wird zu einer anderen Einschätzung kommen als diejenigen, denen das Gemeinwohl im Vordergrund steht. Die Direktion des Kernkraftwerks in Fukushima geht deshalb anders mit dem GAU um als die Menschen, deren Heimat für Jahrhunderte zerstört ist. Das gilt auch für uns. Solange Probleme nicht vor unserer Haustür stattfinden, haben wir dafür höchstens ein Achselzucken übrig. Was interessiert mich der Pseudokrupp, wenn ich keine Kinder habe? – Das Antonym von „weltoffen“ ist übrigens „spießig“.

  1. Gerhard, das ist zwar ein Schüttelreim (sorry: Stabreim), aber ein ziemlich cooler. Mit Räucherstäbchen und Weihnachtskerzen richten wir übrigens unser Klima zugrunde. Hallelujah! In der Tat habe ich mal flugs recherchiert, dass unsere heimelig scheinenden Paraffinkerzen jährlich 525.000 Tonnen CO2 verpuffen. Echt wahr!

    Lustig ist auch, wie die RWE-Aktie in den letzten 12 Monaten ihren Wert fast verdoppelt hat. Aus Ruinen auferstanden – wie die ostdeutsche Braunkohle. Da lobe ich mir den guten alten Vicco von Bülow alias Loriot, der die Hoppenstedts zu Weihnachten ein Atomkraftwerk basteln lässt.

  2. Und führe uns nicht in Versuchung

    So isses, Jürgen. Wir zeigen immer auf die anderen, wenn wir ertappt werden. Solange rülpsende Kühe und furzende Schachspieler in der Sünderdatei stehen, müssen die wirklich Bösen Buben keine Skrupel haben. Und erst die heiligen Kühe! Ich meine die schwimmenden Plattenbauten – im Volksmund „Kreuzfahrtschiffe“ genannt –. Die dürfen ihre hochgiftigen Abgase weltweit in die Luft blasen, damit sich gutsituierte Rentner ihren Lebensabend verschönern können. Wichtig ist, dass wir mitschwimmen. Mit der Mehrheitsmeinung, wohlgemerkt. Und niemals erwischen lassen, sonst gibt’s einen Arschtritt von denen, die sich einen Platz auf dem Sonnendeck reserviert haben. Sieben statt 169 Jahre Haft sitzen echte Kerle mit einer Arschbacke ab. Hauptsache, die Arbeitsplätze sind gesichert. Und die Boni.

    Was wäre die besinnliche Adventszeit ohne ein Lichtlein? Das wurde ausgerechnet im beschaulichen Artland entzündet. Nomen est Omen! Art ist wahre Kunst. Überlebenskunst statt Unkrautvernichter. „Unkraut!“, wenn das der Schöpfer hört! Möglicherweise hängt das mit der Versuchung zusammen. Ein Vater (Schöpfer) führe niemand in Versuchung, hat nun Papst Franziskus festgestellt. Vermutlich wäre unsere Geschichte anders verlaufen, wenn schon früher jemand diese Erleuchtung gehabt hätte.

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