Ziehen Lister den Bayern die Lederhosen aus?

Was ist List? Ein Synonym lautet „Schachzug“. Wie ihr wisst, habe ich mich schon mit den Fragen beschäftigt: „Was ist Linden?“ und „Was ist Ricklingen?“. Hannoveraner wissen: List ist ein Stadtteil der niedersächsischen Landeshauptstadt. Aus unerfindlichen Gründen wurde List mit Vahrenwald zu einem Stadtbezirk vereint. Von den insgesamt 72.000 Einwohnern sind 47.000 Lister. Acht von denen mit Zusatzzahl verbringen ihr Wochenende in München. Sagen wir mal: deren Vertreter. Echte Lister dürften Mangelware sein. Den Münchnern geht derweil „der Arsch auf Grundeis“. Das ist auch ein Synonym. Eins von der derben Sorte. „Wer Lister nicht schlägt, steigt ab!“, ist die Ansage von Gerald Hertneck. Wir dürfen gespannt sein. Am Sonntagabend wissen wir mehr. Ich als Lindener drücke den Listern die Daumen getreu dem Motto: „Nur die Harten kommen in den Englischen Garten.“ Und wegen der aktuellen Wetterlage: „Wo kein Schnee liegt, darf gelaufen werden!“

18 Gedanken zu „Ziehen Lister den Bayern die Lederhosen aus?“

  1. Ein Absteiger steht fest

    Gerald Hertnecks Mannschaft konnte die Lister nicht schlagen. Folglich wird der MSA Zugzwang absteigen. Ob der HSK Lister Turm mit dem Unentschieden zufrieden ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Gegen Bayern München zu verlieren ist keine Schande. Die Bayern dürfen damit die Lederhosen anbehalten. Dass der zweite Absteiger damit so gut wie feststeht, überrascht nicht und hat hoffentlich keine Auswirkungen auf die Moral. Offensichtlich gab es trotz des Schneechaos in Süddeutschland für die Lister keine Probleme bei der Anreise. Andere Mannschaften waren indes stark gebeutelt, z.B. Werder Bremen. Hoffentlich gelingt auch die Rückfahrt ohne größere Verzögerungen.

  2. Es muss heißen: „Wer List nicht schlägt“ oder „Wer die Lister nicht schlägt“. Der Stadtteil heißt nicht Lister. Aber das weiß Gerald Hertneck jetzt hoffentlich.

    1. Ene mene miste, es rappelt in der Liste

      … ene mene meck, und du bist weg (z.B. aus der Bundesliga). Kann man List steigern? Ja!
      List, Liste, Lister, Listerien

      Gerald Hertneck hat eine Phantom-Diskussion ausgelöst. Von Lister Schachspielern kann nämlich nicht die Rede sein. Das Freizeitheim Lister Turm ist das Spiellokal. Dieser Turm darf nicht mitspielen. Der traditionelle Name des Traditionsklubs lautet: HSK = Hannoverscher Schachklub. Wir reden also von einer Täuschung: „List und Tücke!“

      1. Der HSK ist ein Zusammenschluss der Vereine Schachklub Lister Turm von 1958 e. V. und dem Hannoverschen Schachklub von 1876 (HSK). So steht es auf der Website der Stadt Hannover. Allerdings mit einem Fehler: dort steht 1976 statt 1876. Im Jahr 1976 habe ich bereits an einem Turnier anlässlich des 100-jährigen Bestehens teilgenommen. In drei Jahren sind es 150 Jahre. Die Fusion mit dem Schachklub Lister Turm erfolgte meines Wissens etwa im Jahr 2008.

        Offensichtlich wollten beide Vereine einen Teil ihres ursprünglichen Namens einbringen. Das geht selten gut. Das H steht für Hannover, und zwar flächendeckend für eine ganze Stadt. Der „Lister Turm“ steht für das Spiellokal, hat also zunächst nichts mit der Herkunft der Spieler zu tun. Du bist ja auch Mitglied dieses Vereins, wohnst allerdings in einem anderen Stadtteil. Deshalb würde ich dich nicht als „Lister“ bezeichnen. Du spielst für einen hannoverschen Schachklub.

        Um deine Frage zu beantworten: Ich würde die Schachspieler „Hannoveraner“ nennen. Hannover kennt in Deutschland jeder. List könnte man auch mit List auf Sylt verwechseln.

  3. HSK Lister Turm das Tasmania 1900 des 21. Jahrhunderts?

    Auf der Website des HSK gibt es nun einen ausführlichen und lesenswerten Bericht zum vergangenen Wochenende in München. Darin stellt Felix Hampel folgende Frage:

    Nebenbei bemerkt – ob das der erste Mannschaftspunkt einer Hannoveraner Mannschaft in der Bundesliga überhaupt war? Vielleicht gibt es ja unter den Lesern Recherchefreudige oder Schachbundesligahistoriker, die sich dieser Frage annehmen möchten.

    Antwort: Ja! Es war der erste Mannschaftspunkt. Dafür gibt es meine ehrliche Anerkennung. Bislang gab es nämlich in der einzigen Bundesliga-Saison eines hannoverschen Schachvereins nicht einen einzigen. Das war 1991/92. Guckt ihr hier. Die Braunschweiger waren u.a. mit Horst-Peter Anhalt deutlich erfolgreicher. – Tasmania 1900 Berlin gilt bis heute als erfolglosester Verein der Bundesliga. Im Fußball wohlgemerkt. Das war in der Saison 1965/66. Verdamp lang her. Die meisten Negativrekorde haben bis heute Bestand.

    Arthur Kölle gehörte damals zur Mannschaft des HSK (für eine Saison abgeworben). Ein Grund für mich, an das Jahr des Schafes zu erinnern.

  4. Wenn du Torsten nicht als Lister bezeichnen magst, weil er nicht aus der List kommt, könntest du auch damit Probleme bekommen, einen Bremer wie David als Hannoveraner zu bezeichnen.

    Mir selbst sind übrigens alle Bezeichnungen recht (solange sie mit dem korrekten Respektgrad dahergehen). Ich lass uns auch die Türmenden nennen 🙂

    1. Du hast recht. Jemand als Hannoveraner zu bezeichnen, der seine Wurzeln nicht in Hannover hat, ist grenzwertig. Zweifelsfrei handelt es sich jedoch um Lister Schafe auf dem verlinkten Foto. Die habe ich auf meinem Weg zum Ellenbogen fotografiert.

  5. Licht aus – Spot an!

    … oder „Lister Turm zieht weiter“. So lautet die Überschrift zu einem ausführlichen Artikel im Sportteil meiner Tageszeitung. Online lautet die Überschrift: „HSK Lister Turm rechnet sich in Solingen keine großen Chancen aus“. In dem Artikel geht es nicht nur um die Schachbundesliga, sondern auch um eine Nachlese der Niedersachsenmeisterschaften in Verden. Ein Fauxpas regt zum Schmunzeln an. Aus Ilja Schneider wird plötzlich Ilja Richter. Sei’s drum. Das Verb „ziehen“ ist offenbar auch doppeldeutig. Die Karawane zieht ersatzgeschwächt weiter: an diesem Wochenende nach Solingen. Das Anhängsel „Klingenstadt“ verkneife ich mir (nicht). „Eine feine Klinge führen“ auch wenn die Chancen gering sind, ist ein hehres Ziel. Mögen die Lister Züge gelingen!

    1. Lister Turm schlägt sich gut

      Yep! Meine Tageszeitung schnuppert derzeit Bundesligaluft. Im heutigen Sportteil gibt es wieder einen ausführlichen und fachlich fundierten Artikel über den Auftritt des HSK am Wochenende in Solingen (siehe Überschrift). Vermutlich hat Torben die fachlichen Hinweise gegeben, die sich mit meinen Ferndiagnosen decken. Wie es tatsächlich mit der Psyche derer bestellt ist, die sich zwar gut schlagen, aber meistens geschlagen werden, kann ich nicht beurteilen. Eine Erfahrung ist das Abenteuer Bundesliga allemal wert.

  6. Bröckelt die Festung Lister Turm?

    Es fällt auf, dass es auf der Website des HSK Lister Turm keine aktuellen Berichte aus der 1. und 2. Bundesliga gibt. Woran liegt das? Analog zum Anti-Cheating-Officer Klaus Deventer ist dieser Grund naheliegend:

    Beachten Sie: Spieler, die gerade verloren, sind nicht nur schlechter gelaunt, es ist auch weniger wahrscheinlich, dass sie Bock darauf haben, darüber zu berichten.

    Ich weiß es nicht. Womöglich wollen die dafür Verantwortlichen beim HSK zu perfekt sein. Die Berichte von den ersten Bundesligarunden waren ausführlich und detailverliebt, aber leider nicht zeitnah. Für meinen Geschmack wäre es besser, nach einer Bundesligarunde unmittelbar ein paar Worte zu verlieren, wie z.B. der SC Ötigheim am 6. Februar nach seinem „Pflichtsieg gegen das Ligaschlusslicht“. – In einer Woche findet eine zentrale Runde mit allen Erstligamannschaften in Viernheim statt. Die Werbung läuft auf Hochtouren, u.a. wegen des Spitzenspiels zwischen dem SC Viernheim und der OSG Baden-Baden. Der Hype um den Einsatz von Superstar Nikaru Nakamura (USA) am 1. Brett von Viernheim gehört dazu. Ich bin gespannt, was es aus der Festung Lister Turm darüber vorher und nachher zu hören gibt; inkl. meiner Tageszeitung versteht sich.

  7. D.h. du möchtest neben dem Teaser VOR dem Spieltag, sowie dem kurzen Bericht NACH dem Spieltag, den wir direkt AM TAG DER RÜCKREISE, und in der Regel NOCH IM ZUG abgeben, der dann verfasst wird, und den wir dann auch noch i.d.R. regidieren (um das Schachvokabular mit der Presse abzugleichen), mit Fotos versehen und unmittelbar abgeben, NOCH einen kurzen Bericht, BEVOR DANN der lange, ausführliche und liebevolle Bericht kommt?

    Ein Vorbericht, ein Kurzbericht UND ein Langbericht reichen dir nicht? Es muss noch ein Vierter sein?

    Und da sagt noch jemand, Ehrenamt sei undankbar.

    1. Die letzte Neuigkeit auf eurer Website stammt vom 5. Februar. Dort steht unter der Überschrift „Die Festung Lister Turm hält stand (mit einer Ausnahme)“:

      Am ersten Februarwochenende waren wieder einmal alle Mannschaften des HSK Lister Turm im Einsatz. Während die Bundesligamannschaften sicherlich an anderer Stelle über ihre Erlebnisse berichten werden, […]

      Ich kenne keine anderen Stellen, insofern verstehe ich deinen Kommentar nicht. Es geht auch nicht um mich, sondern um die Öffentlichkeitsarbeit im Allgemeinen; siehe Leitbild der Bundesliga.

  8. Zur Verdeutlichung meines letzten Kommentars zitiere ich aus dem Leitbild der Bundesliga:

    Professioneller Auftritt und Öffentlichkeitsarbeit
    Über die Veranstaltungen des Schachbundesliga e.V. wird im Nachgang zeitnah und umfassend berichtet. Dies geschieht sowohl auf dem eigenen Internetauftritt als auch in öffentlichen Print- oder Onlinemedien, zu denen der Schachbundesliga e.V. bzw. die Vereine der Schachbundesliga enge Kontakte pflegen.

    Dazu habe ich mir die Internetauftritte aller Bundesligavereine nach der Doppelrunde am 3. und 4. Februar angesehen. Von den 16 Vereinen haben lediglich 9 einen eigenen Bericht veröffentlicht. Die Berichte sind von unterschiedlicher Qualität und Aktualität. Am schnellsten waren die Schachfreunde Deizisau und der FC Bayern München, die noch am Sonntagabend ihre Berichte ins Netz stellten.

    „Zeitnah und umfassend“ zu berichten ist kein Wunsch meinerseits, sondern der Anspruch, den die „stärkste Schachliga der Welt“ an ihre Vereine stellt. Dem werden längst nicht alle gerecht. Die mit Abstand umfassendsten Berichte hat der HSK Lister Turm verfasst, allerdings nur zu den ersten drei Doppelrunden. Dass darin viel Arbeit steckt, leuchtet ein. Wer diese Arbeit auf sich nimmt, sollte das gern machen. Dass ich – wie Torben schreibt – „lange, ausführliche und liebevolle Berichte“ erwarte, stimmt nicht. Ich würde es begrüßen, wenn die Berichte tatsächlich zeitnah, kurzweilig und authentisch sind. Auf eine „umfassende“ Berichterstattung lege ich keinen Wert, wohlwissend, dass solche Artikel weder von mir noch von den meisten anderen Schachfreunden zu Ende gelesen werden.

  9. Weltklasse vom Ligaschlusslicht

    Jetzt wissen wir, warum die Berichterstattung von der letzten Doppelrunde so lange gedauert hat. Drei Autoren haben das umfassendste Elaborat aller Zeiten verfasst:

    ca. 4.700 Wörter, ca. 26.500 Zeichen, 29 Diagramme, 2 Partiefragmente und 17 Fotos

    All das vereint unter dem Titel: Kampf gegen den Schlossherren der Bundesliga

    Wer sich so viel Mühe gibt, hat ein großes Lob verdient, gleichwohl bleibe ich bei meiner Meinung, dass angesichts dieses Umfangs keine „zeitnahe“ Berichterstattung möglich ist. Die Aktualität ist indes wichtiger, weil wir – auch in der Schachwelt – von Ereignissen überrollt werden. Insofern weiß ich nicht, was dagegenspricht, unmittelbar nach einer Runde einen Kurzbericht ins Internet zu stellen; z.B. wie die OSG Baden-Baden am 5. Februar nach ihrem Sieg über den HSK Lister Turm:

    Es spitzt sich zu
    Gegen den Verein aus Hannover rechneten wiederum Nikita Vitiugov, Alexei Shirov, Radosław Wojtaszek, Michael Adams und Sergei Movsesian genauer als ihre Gegner und steuerten damit die vollen Punkte für die OSG bei, Alexander Donchenko hielt mit dem Materialverhältnis von Turm gegen Läufer und zwei Bauern mühelos remis, Rustam Kasimdzhanov verzichtete mit minimalem Stellungsvorteil auf langwierige Gewinnversuche, Etienne Bacrot übersah zwar einen Gewinnzug, trug mit einem Unentschieden aber ebenfalls dazu bei, dass an diesem Wochenende keine einzige Partie verloren ging.

  10. Nach dem 11. Spieltag

    Der SC Viernheim wird Deutscher Meister. Das Orakel meint zu 99,8 %. Ebenfalls 99,8 % attestiert das Orakel dem MSA Zugzwang; allerdings in puncto Abstieg. Der HSK Lister Turm wird zu 100 % absteigen. Das überrascht niemand, gleichwohl hatten sich die Lister bestimmt eine höhere Punktausbeute erhofft. Die Zwischenbilanz: 6 Partien gewonnen, 26 remis und 55 verloren (1 kampfloser Punkt nicht mitgerechnet). 10 Mannschaftskämpfe wurden verloren, gegen den Mitabsteiger gab es ein Unentschieden.

    Die Lister mögen sich damit trösten, dass es den Bundesligisten aus Aachen in der jüngsten Vergangenheit nicht besser erging:

    • Saison 2018/19 => DJK Aachen zieht die Mannschaft zurück
    • Saison 2019/21 => 15. Platz Aachener SV = 1 MP, 24,5 BP (16. SV Lingen Rückzug)
    • Saison 2021/22 => 16. Platz Aachener SV = 1 MP, 31,0 Brettpunkte

    Duplizität der Ereignisse: Derzeit hat der HSK Lister Turm ebenfalls einen Mannschaftspunkt und 20,0 Brettpunkte. Wenn der HSK aus den letzten vier Begegnungen noch 11,5 Brettpunkte holt, steht er in der ewigen Bundesligatabelle vor den Aachenern. Wenn das kein Ansporn ist!? – Wie es der Zufall will, mache ich am Donnerstag einen Ausflug nach Aachen. Mal sehen, ob ich auf den dortigen Straßen eine Erklärung für deren schlechtes Abschneiden finde. Wenn ja, werde ich an dieser Stelle exklusiv darüber berichten.

  11. Lister Turm schlägt sich wacker

    Unter dieser Überschrift hat meine Tageszeitung heute einen freundlichen Bericht über das vergangene Bundesligawochenende platziert. Dass Schachspielen nicht ungefährlich ist, darf indes nicht verheimlicht werden: Verzwickte Turmendspiele können einen Kopf zum Rauchen bringen. – Ein ausdrückliches Lob gibt es von mir für Benjamin Löhnhardt und Niklas Prahl auf der NSV-Website. So stelle ich mir eine zeitnahe Berichterstattung vor.

  12. In Aachen ist die Wurm drin

    Ihr habt richtig gelesen: in Aachen ist Wurm weiblich. So heißt nämlich der 53 km lange Fluss, der im Aachener Becken entspringt. Damit gehört Aachen zu den wenigen deutschen Großstädten ohne eine nennenswerte Wasserstraße. Was macht das mit einem Schachspieler, der dort beheimatet ist? Keine Ahnung. Ich hatte euch ja versprochen, bei meinem gestrigen Ausflug die Ursache für deren schwaches Abschneiden in der Bundesliga zu ergründen. Die Antwort: Womöglich ist Aachen nicht erstligatauglich. Damit meine ich die Stadt selbst. Echte Aachener müssen sich jetzt die Augen zuhalten: Die Stadt hat mich (ein bisschen) enttäuscht. So viel Geschichte und so wenige Sehenswürdigkeiten. Dom, Rathaus, die Pontstraße und dann!? Immerhin ist Aachen mit rund 250.000 Einwohnern so groß wie Braunschweig. Als Hannoveraner scheue ich mich nicht, diesen Vergleich heranzuziehen. Wobei Hannovers Innenstadt auch keinen Schönheitspreis verdient. Deren wahren Werte liegen woanders; z.B. in Linden…

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