Die Zerstörung des DSB

Droht der Deutsche Schachbund zu zerbrechen? Der seit 1990 amtierende Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend Jörg Schulz wurde vom DSB-Geschäftsführer Marcus Fenner mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die Gründe sind unbekannt. Die Empörung ist groß. Der Vorsitzende der Deutschen Schachjugend Malte Ibs solidarisiert sich mit dem geschassten Geschäftsführer. Hier ein Auszug aus seiner E-Mail, die im Schachticker veröffentlicht ist:

Wir, der Vorstand der Deutschen Schachjugend, solidarisieren uns mit Jörg Schulz. Wir kämpfen um die ordnungsgemäße Weiterbeschäftigung unseres verdienten DSJ Geschäftsführers. Wir bitten euch hierfür um eure Unterstützung. Wir sind als Deutsche Schachjugend nicht bereit, den Versuch der Kündigung hinzunehmen. Wir sehen dies nicht nur als einen Angriff auf den Menschen Jörg Schulz, dem man damit versucht, seine finanzielle Existenz zu entziehen, sondern auch als einen Angriff auf die Deutsche Schachjugend, ihre Eigenständigkeit und ihre kommenden Aufgaben und Projekte. Die Vorstandsarbeit der Deutschen Schachjugend wird mit diesem Eingriff stark beschädigt und in Fällen zerstört.

Auf die weitere Entwicklung dürfen wir gespannt sein.

30 Gedanken zu „Die Zerstörung des DSB“

  1. Sogar der Landesverband, in dem der DSB-Präsident seine Heimat hat, ist konsterniert:

    Sehr geehrter Herr Krause,
    mit größtem Bedauern und absoluten Unverständnis haben wir von Ihrer Entscheidung erfahren den Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend, Jörg Schulz, mit sofortiger Wirkung freizustellen und entlassen zu wollen. […] Für uns zerstört dieses Vorgehen das Vertrauen in Sie als Präsident des Deutschen Schachbundes. Weiterhin sind Sie derzeit im Schachverband Schleswig-Holstein als stellvertretender Vorsitzender gewählt. Wir fordern vom Schachverband Schleswig-Holstein die Solidarisierung mit Jörg Schulz. Sollte dies nicht geschehen, sehen wir eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Schachverband Schleswig-Holstein als nicht mehr gewährleistet an.
    der gesamte Vorstand der Schachjugend Schleswig-Holstein
    i.A. Fabian Winker
    1. Vorsitzender

    Den vollen Wortlaut des Protests findet ihr auf der Webseite des Schachverbands Schleswig-Holstein.

  2. Hallo Gerhard,

    als aus Niedersachsen stammendes Vorstandsmitglied der deutschen Schachjugend (Schulschachreferent der DSJ) bin ich immernoch vor allem über das hinterlistige und zwischenmenschlich falsche Spiel des DSB-Präsidiums erschüttert.

    Laut dem DSB-Präsidenten Ullrich Krause soll die Entscheidung schon länger fest gestanden haben (ohne jedoch genauere aktuelle Gründe nennen zu können), trotzdem hat der DSB Jörg letztes Wochenende noch zusammen mit mir und der deutschen Schulschachstiftung (deren 1. Vorsitzender in dem Falle bizarrerweise niemand anderes als Boris Bruhn, derzeitiger DSB-Vize, ist) mit mal wieder (zumindest aus meiner Sicht) völlig überwältigendem Erfolg durchführen lassen um ihn zwei Tage später von langer Hand geplant für uns völlig überraschend für den Rest der Woche freizustellen.

    Und das Ganze natürlich ohne uns bzw. zumindest unseren Vorsitzenden Malte Ibs vorher über die Planungen mit einzubeziehen.

    Sieht so ein vertrauensvoller Umgang miteinander aus ?

    Des Weiteren hat man Jörg, der immer pflichtbewusst war/ist, am Dienstag die Weiterarbeit in der Geschäftsstelle untersagt und ihn aufgefordert die Räumlichkeiten sofort zu verlassen, was eventuell zur Folge hat, dass uns, der DSJ, Fördermittel für das Rest-Jahr 2019 und Folgejahr 2020 in Höhe von ca. 200.000 Euro entgehen, die damit eine Durchführung vieler geplanter Veranstaltungen des geplanten 50-jährigem Jubiläumsjahres schier mehr als unsicher machen.

    Ich bin immernoch sprachlos dass der DSB aus seinen zumindest aus menschlicher Sicht Fehler im Umgang mit der Causa Jordan rein gar nichts draus gelernt hat.

    Ich für meinen Teil schließe je nachdem wie die ganze Sache weitergeht einen Rücktritt von meinem Amt jedoch nicht aus.

    Herzliche Grüße,
    Sven

    1. Noch ein paar Ergänzungen:

      Die Veranstaltung letztes Wochenende die Jörg, die Schulschachstiftung und ich mithilfe der Ausrichterin vor Ort, Frau Ulrike stark, durchführten war der deutsche Schulschachkongress.

      Die Fördermittel würden verfallen weil für die Beantragung dieser die Frist 15.11. gilt und wir diese Frist damit nicht einhalten könnten.

      Es gibt mittlerweile übrigens auch ein Statement des gesamten DSJ-Vorstandes auf der Startseite unserer DSJ-Homepage.
      Vielleicht magst Du den Link ja einfach deinem Beitrag hinzufügen.

      1. Klimbim

        Hier ist der Link, Sven, wobei sich der Inhalt weitgehend mit dem deckt, was Malte Ibs zuvor veröffentlicht hat.

        Unter der Führung von Ullrich Krause ist das DSB-Präsidium so chaotisch wie die Klimbim-Familie. Nur nicht so lustig. Im Forum von Schachfeld hat jemand einen treffenden Kommentar geschrieben:

        […] Von der Seite betrachtet scheint die wirtschaftlichste Lösung in dieser Situation zu sein, den gesamten Vorstand einschließlich des Geschäftsführers Fenner abzulösen, sich bei Jörg Schulz und der DSJ zu entschuldigen, Schwamm drüber zu murmeln und mit neuem, verantwortungsvoll handelndem, Personal weiter zu machen. […]

  3. Danke Gerhard, dem ist nichts hinzuzufügen.

    Aus sicherlich verständlichen Gründen möchte ich mich hiermit bis zur endgültigen Klärung auch von weiteren Kommentaren/Diskussionen zurückziehen.

    Ich bin immernoch sprachlos ..

    1. Wer sich ein Bild von den beiden Kontrahenten machen möchte, möge sich auf YouTube ein Interview ansehen, das Jörg Schulz und Rafael Müdder mit Dr. Marcus Fenner geführt haben, als dieser sein Amt als Geschäftsführer gerade übernommen hatte. Das Interview stammt vom 25.05.2018, läuft auf ChessyTV und dauert 37:50 Minuten. Die ersten beiden Minuten tut sich nichts bis auf die Hintergrundmusik. Das Interview ist ziemlich zäh und bis auf die Schilderung der amerikanischen Verhältnisse nicht besonders erhellend. Oder eben doch!? Mich wundert, dass das Interview erst 229 Mal angeklickt wurde, davon zweimal von mir. Das erste Mal vor einem halben Jahr. Anscheinend interessieren sich Kinder und Jugendliche nicht für ChessyTV, obwohl deren Zahl bei 27.000 liegt.

  4. Maulkorb für die Schachjugend?

    Es fällt auf, dass die Webseite der Deutschen Schachjugend nicht erreichbar ist. Das Gleiche gilt für die Schachjugend von Württemberg, die ebenfalls ein Protestschreiben gegen die Entlassung von Jörg Schulz veröffentlicht hat.

      1. Offensichtlich haben die Verfasser der Solidaritätsbekundungen erkannt, dass sie sich mit ihrem Eintreten für den Verbleib des DSJ-Geschäftsführers völlig verrannt und blamiert haben.

      2. Verrannt hat sich Ullrich Krause. Er hat den DSB in eine Sackgasse manövriert. Ob er da wieder rauskommt, werden wir morgen erfahren. Geduld!

    1. Ich will den Streit hier nicht relativieren, aber die Seiten sind nun (wieder) online, laden allerdings teilweise langsam. Da würde ich technische Probleme wetten. Ich glaube kaum, dass der DSB einfach irgendwelche Websites vom Netz nehmen kann und darf.

      1. Conrad Schormann hat auf Facebook dazu Folgendes geschrieben:

        Heute Nacht war plötzlich die Website der Schachjugend offline. Ein gefundenes Fressen für die Gerüchteküche. Lieblingsgerücht dieser Seite: Ein mit dem Schachbund verbundener Schachcomputerhersteller habe gezielt den DSJ-Server attackiert, um sich beim DSB lieb Kind zu machen. Anderes Gerücht: Die Schachjugend habe selbst den Stecker gezogen, um nun einfach mal Ruhe zu haben. Nächstes Gerücht, das offensichtliche: Der DSB habe der DSJ den Stecker gezogen. In der Zwischenzeit hat die DSJ mitgeteilt, dass es sich um einen technischen Defekt gehandelt hat. Die Seite ist wieder online.

        Dass ausgerechnet der Server der Jugend und nur der Jugend (!) zu einer Zeit ausfällt, wenn diese gegen den DSB rebelliert, ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass jemand daran geschraubt hat und später zurückgepfiffen wurde. Der Server des DSB steht in Ismaning (Bayern), der Server der Schachjugend Schleswig-Holsteins in Frankfurt am Main. Beide sollen zeitgleich ausgefallen sein!? Der Server der Niedersächsischen Schachjugend befindet sich auch in Ismaning. Der war nicht out of order!

        Die Sache hat sich erledigt. Die Texte sind wieder in Gänze abrufbar. Gleichwohl bleibt ein fader Nachgeschmack, der zum desaströsen Auftritt des DSB-Präsidiums passt.

  5. Gerhard, sorry, aber das ist eine absolut unhaltbare Verschwörungstheorie (wie alle Verschwörungstheorien – das ist ja ihr Markenzeichen). Derzeit ist die Seite schachbund.de offline. Haben jetzt die Hacker zurückgeschlagen? Woher weißt du überhaupt, wo welcher Server steht und wie das technisch zusammenhängt? Für mich sind viele verschiedene Gründe denkbar, warum das so passiert, und keiner davon hat damit zu tun, dass „jemand daran geschraubt hat“.

    1. Mein Kommentar hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun. Fakt ist, dass mehrere Jugendseiten mit kritischen Inhalten auf verschiedenen Servern über viele Stunden offline waren. Dafür muss es einen Grund gegeben haben. Darüber nachzudenken macht dich nicht zum Verschwörungstheoretiker. Conrad Schormann hat drei Varianten bzw. Gerüchte genannt. Das von ihm als „offensichtlichste“ genannte Gerücht, habe ich als „wahrscheinlicher“ bezeichnet. Ich habe weder behauptet, es sei „höchstwahrscheinlich“ noch „tatsächlich“ die Ursache gewesen. Derzeit brennt im DSB die Luft. Vielleicht sind wir bald schlauer. – Wer wissen will, wo die Server stehen, muss eine entsprechende Seite im Internet aufrufen.

    2. Wenn du mal ein Beispiel für eine wahre Verschwörungstheorie haben möchtest, Jürgen. Hier ist eine: https://de.wikipedia.org/wiki/Celler_Loch.

      Dass der niedersächsische Verfassungsschutz ein Loch in die Celler JVA sprengt um dieses der RAF in die Schuhe zu schieben kann eigentlich nur eine Verschwörungstheorie sein. Ist aber leider wahr. Und deshalb halte ich Gerhards Theorie auch für möglich. Was beim DSB passiert ist zur Zeit extrem. Und dann ist auch das Abschalten der Server denkbar.

  6. Schön, dass du dich mit Serverarchitektur und Steckern und all diesen Dingen so prima auskennst. Da brauchen wir restlichen Dummies nur noch eins und eins zusammenzählen, einmal umrühren, und schon wissen wir Bescheid.

  7. Vor wenigen Minuten wurde eine gemeinsame Erklärung des DSB und der DSJ zur Eigenständigkeit der Schachjugend veröffentlicht. Die Umwandlung soll im Mai 2020 erfolgen. Was davon zu halten ist, vermag ich nicht zu beurteilen. – Kein Wort zum Fall des geschassten Geschäftsführers.

      1. Nun hat sich auch Ullrich Krause geäußert. Aus der fristlosen Kündigung wurde eine fristgerechte Kündigung zum 30. Juni 2020. Ob sich Jörg Schulz darauf einlässt und der DSB damit durchkommt, wird sich zeigen, denn anscheinend gab es keine gerichtsverwertbaren Verfehlungen. Ullrich Krause spricht von einer vollständigen Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses. Seine Vorgänger sahen das in 30 Jahren anders. Insofern sollte Ullrich Krause so selbstkritisch sein und sich fragen, ob er nicht selbst der Auslöser der Zerrüttung ist.

  8. Eine fristlose Kündigung hat es nie gegeben. Für eine fristgerechte Kündigung bedarf es keiner gerichtsverwertbaren Verfehlungen. Einen Sieg der Schachjugend vermag ich daraus nicht zu ersehen. Wenn Ullrich Krause das Vertrauensverhältnis jetzt als vollständig zerrüttet betrachtet, kommt es nicht darauf an, wie das in den dreißig Jahren vorher gewesen sein mag. Schwerwiegende Differenzen hat es allemal auch schon früher gegeben, wie aus einem Interview aus dem Jahr 2011 mit dem damaligen Präsidenten Herbert Bastian erhellt: „Wir wissen alle, dass es in der Vergangenheit Spannungen zwischen der DSJ bzw. Jörg Schulz und DSB-Funktionären gab. Unser ausgeschiedener Präsident hat schon auf dem Kongress in Bonn gesagt, dass er die Stirn nicht in Falten legt, wenn er den Namen Jörg Schulz hört, und so sehe ich es auch. An dieser Front muss endlich Ruhe einkehren…“

  9. Dass Jörg Schulz mit nahezu jedem seiner Wegbegleiter einmal Zoff hatte, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Das ändert nichts an der Tatsache, dass er – wie es Walter Rädler formuliert hat – in drei Jahrzehnten sehr gute Arbeit geleistet hat. Wer es ernst nimmt mit dem Wahlspruch der FIDE – Gens una sumus – verhält sich als DSB-Präsident wie ein gutmütiger Familienvater und nicht wie ein kaltherziger Patriarch.

  10. Die Frage ist ja, kann die Öffentlichkeit mit diesem Ergebnis leben. Mindestens halb Schach-Deutschland hat sich über das Gebaren des DSB-Vorstandes empört, die DSJ wurde mit Anteilnahme , inklusive einer Online-Petition, überschüttet und heraus kommt eine einvernehmliche Erklärung.
    Das kann doch in Zeiten von Impeachment, Fake-News, Klimakatastrophe etc. nicht die Lösung sein. Das ist ja GroKo-mäßig. Die Leute wollen Blut sehen.

    Spannend wird in der Tat, wie das neue Konstrukt am Ende aussehen soll. Wer wird Mitglied im neuen eigenständigen Verein der Schachjugend? Wo kommen die Beiträge her?
    Man könnte jetzt sagen, dass sich da viele schlaue Leute Gedanken machen werden, dann kommt schon was Sinnvolles und Verbindendes dabei raus. Aber irgendwie habe ich daran meine Zweifel.

    Vielleicht liegt die Zukunft des Schachs ja doch wieder in der Kneipe (so wie früher im Kaffeehaus). Jürgen hat ja am letzten Donnerstag die (kurze) Tradition des Debakel-Schachs wieder aufleben lassen. Das war launig und ist definitiv auch ohne DSB durchführbar.

  11. Wo ist Weiner?

    „Das DSB-Präsidium hat sich deshalb aus der durch die E-Mail des DSJ-Vorstandes vom 12.11.2019 initiierten Diskussion auf diversen Internetforen vollständig herausgehalten und wird dies auch weiterhin tun“, heißt es in der Erklärung von Ullrich Krause vom 18.11.2019. Diese Aussage galt offenbar nicht für Ossi Weiner. Er gehört(e) dem Wirtschaftsdienst an. Ossi Weiner hat gestern im Schachticker mehrere Kommentare und im Blog von Schachfeld einen Kommentar abgegeben. Sein Kommentar im Schachfeld ist inzwischen gelöscht, der Folgekommentar von PerryOde um 16:51 nicht:

    Woher kommt denn jetzt der Wasserträger vom Präsi her , einfach herrlich

    Unter den Adressen auf der DSB-Webseite sucht man den Namen von Ossi Weiner neuerdings vergeblich. Der Wirtschaftsdienst des DSB wird ohne eine Bezugsperson genannt. Wo Behle geblieben ist, wissen wir inzwischen, aber wo bitteschön ist Weiner?

      1. Das wird’s sein. Heute Nacht ist ihm aufgefallen, dass er für den Job eigentlich zu alt ist. Nichtsdestotrotz hat er bis zur letzten Minute aufopferungsvoll für den Deutschen Schachbund gearbeitet. Seine letzten Kommentare hatten jedoch eine kurze Halbwertszeit. Er ließ sie kurzerhand löschen, mittlerweile laut Franz Jittenmeier auf eigenen Wunsch auch im Schachticker. Sein Foto auf der Adressenseite des DSB war damit ebenfalls obsolet. Auf den Nachruf bin ich gespannt.

      2. Der DSB schweigt. Wer eine Übersicht der früheren Mitarbeiter aufrufen möchte, wird enttäuscht: „Zugriff verweigert“, lautet die Antwort. Die Kommentare, die Ossi Weiner zuletzt geschrieben hat, waren unter der Gürtellinie. Womöglich haben diese das Fass zum Überlaufen gebracht. Erstaunlich ist, dass ein Umstand in der Diskussion bislang keine Rolle gespielt hat: Jörg Schulz ist nebenbei 1. Vorsitzender der Schachfreunde Berlin. 2. Vorsitzender ist GM Rainer Polzin. Er ist Fachanwalt für Arbeitsrecht.

      3. Jetzt ist es amtlich: Der DSB-Wirtschaftsdienst wird zum 1. Januar 2020 aufgelöst und Ossi Weiner wird früher freigestellt als Jörg Schulz; nämlich rückwirkend zum 16.11.2019.

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