Hannovers Schachjugend vor 50 Jahren

Wenn du jung bist, weißt du nicht, ob du alt wirst. Bist du alt, weißt du, dass du einmal jung warst. Der Vorteil ist, dass du weißt, was sich in der Jugend ereignet hat. Umgekehrt ist das nicht möglich. – Vor 50 Jahren war die hannoversche Schachjugend spitze. Dafür habe ich einen Zeitungsartikel aus meiner Jugend hervorgeholt. Der Anlass war Albert Syska. Albert ist mein Jahrgang. Das Ende seiner Jugend war zugleich sein Ende in Hannover. Es zog ihn zwecks Studiums auf Nimmerwiedersehen nach Heidelberg. Heidelberg gehört zum Schachverband Baden, und dort war er meines Wissens in den letzten 50 Jahren mehr oder weniger aktiv und hat dabei sogar Bundesliga-Luft geschnuppert. Nun habe ich seinen Namen unter den Teilnehmern des 4. Helmut-Reefschläger-Gedächtnisturniers gelesen. Damit wurden meine Erinnerungen geweckt.

Artikel aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 4. Juli 1968 (der rote Strich unter Streich ist alt)


Das Highlight war unser 7,5 : 0,5 Sieg gegen die Braunschweiger Schachjugend. Ausgerechnet Albert gab den halben Punkt ab. Ich hoffe, dass er die Schmach inzwischen überwunden hat. Albert habe ich positiv in Erinnerung. Er war aufgeweckter als die meisten anderen, und diesen Spirit wird er sich vermutlich bewahrt haben. Eine meiner ersten Turnierpartien habe ich gegen ihn gespielt. Es ging um die Hannoversche Stadtjugendmeisterschaft im Jahr 1967. Die Partie nahm einen flotten Verlauf. Dank un petit combination im 22. Zug konnte ich die Partie 7 Züge später für mich entscheiden:


Meinen Rückblick in Sachen Schach möchte ich mit einem Rückblick auf die damalige Berichterstattung meiner Tageszeitung verknüpfen. Wir hatten das Jahr 1968. Die 68er (zu denen ich nicht gehörte) haben unser Land umgekrempelt. Preisfrage: War die Presse damals prüder als heute? Unter dem oben gezeigten Artikel gab es eine Rubrik mit folgender Überschrift:

Aus Hannovers Nachtlokalen

Der Text ist köstlich:

In neugestalteten Räumen präsentiert sich die “Uhu-Bar“ ihren Gästen. Ein sicheres Gefühl für das, was bei den Besuchern eines Nachtlokales ankommt, hat Heinz Stanitzek, der die Bar an der Georgstraße vor einem Jahr übernommen hatte, bei der Einrichtung bewiesen. Neu ist hier beispielsweise die Verpflichtung eines Disc-Jockey, der die verschiedenartigen Darbietungen der Striptease-Schönen mit Musik- und Textbeiträgen auflockert. Zwischendurch bereiten den Gästen an die Wand projizierte Mickymaus-Filme viel Spaß. Im vergangenen Monat waren die vollbusige Gilda Vulcano, die schlanke Natascha und die dunkelhäutige rassige Kadiaka zu bewundern. Letztere schien jedoch ohne Peitsche nicht auszukommen. Für den Monat August – nach den gegenwärtigen Betriebsferien – will Heinz Stanitzek zwei besonders attraktive Striptease-Tänzerinnen engagieren.

Mickymaus-Filme an der Wand werden heutzutage niemand vom Schachbrett weglocken. Die Uhu-Bar wurde Anfang der Achtzigerjahre geschlossen. Was aus der vollbusigen Gilda Vulcano geworden ist, konnte ich nicht ermitteln.

7 Gedanken zu „Hannovers Schachjugend vor 50 Jahren“

  1. Albert Syska hat noch 1975/76 in der Regionalliga Nord für den SV Vahrenwald gespielt, sein Wechsel nach Baden kann somit nicht schon 50 Jahre zurückliegen, sondern ist erst später erfolgt.

    1. Deine Besserwisserei nervt. Die von mir genannten 50 Jahre sind ein ungefährer Zeitraum. Albert Syska kann für seinen alten Verein, den SV Vahrenwald, Mannschaftskämpfe bestritten haben und parallel in Baden aktiv gewesen sein. Das ist in diesem Zusammenhang unerheblich. Du solltest lieber recherchieren, was aus Gilda Vulcano geworden ist.

      1. Ich denke, dass mit der Bezeichnung „Mickymaus-Filme“ dezent umschrieben werden sollte, dass dort Bewegtbilder von unbekleideten Menschen beiderlei Geschlechts zu sehen waren, die sich nicht als Schauspieler, sondern als Darsteller betätigten.

      2. Was du denkst, wurde in Deutschland erst 1975 legalisiert. Für Bewegtbilder waren Gilda, Natascha und Kadiaka zuständig. Meine Tageszeitung würde nie einen Wahrheitsgehalt verdrehen. Und so handelt es sich um den wahrhaftigen Michael S. Langer, der heute im Sportteil der HAZ zu sehen ist. Mir wäre beinahe mein Honigtoast aus der Kauleiste gefallen. Michael neben Innenminister Boris Pistorius! Warum? Verrate ich nicht!

  2. Sensation in der Bundesliga

    Albert Syska ist ein verlorener Sohn Hannovers, der vor rund 50 Jahren für den SV Vahrenwald spielte. Ein zweiter kommt heute in der Bundesliga zum Einsatz: Ralf Rache. Ralf spielt für den Aachener SV, der derzeit mit null Punkten auf dem letzten Tabellenplatz liegt. Ralf ist Jahrgang 1947. Damit dürfte er einer der ältesten Akteure in der Bundesliga sein. Sein Gegner ist IM Dirk Sebastian vom Hamburger SK. Die beiden trennen knapp 600 Elo-Punkte. Ralf hat mit Königsgambit eröffnet. Das ist die uralte Schule. – Ich wünsche ihm viel Erfolg. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich damals eine oder zwei Turnierpartien gegen Ralf gespielt.

  3. Ralf Rache stand heute wie erwartet auf verlorenem Posten. Gegen mich hatte er sich vor 51 Jahren einen kapitalen Fehler in ausgeglichener Stellung geleistet. Damals ging es um den Aufstieg unserer 1. Mannschaft. Ein Stichkampf gegen den Post SV war erforderlich geworden. Es war mein erster Einsatz in der 1. Mannschaft. Der endete mit einem Knalleffekt. Guckt ihr oben.

  4. Beim Thema Besserwisserei fühle ich mich angesprochen, auch wenn ich den Beitrag erst verspätet lese: Albert Syska verliess Hannover, um in Heidelberg ein Philosophie-Studium aufzunehmen. Im Sommer 1976 besuchten meine Frau und ich und einige Schachfreunde ihn dort. Sein Abschied aus Vahrenwald ging mit seinem Umzug nach Baden einher (muss also wohl so Anfang 1976 gewesen sein).

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