Ende schlecht, alles schlecht

Unseren letzten Mannschaftskampf gegen Nordhorn-Blanke mussten wir nicht verlieren. Die 3,5:4,5 Niederlage war so unnötig wie einige andere Niederlagen in dieser Saison. An dieser Serie bin ich nicht schuldlos. Im vergangenen Jahr konnte ich noch wesentlich zum Aufstieg beitragen, in dieser Saison konnte ich den Abstieg durch ein miserables Ergebnis nicht verhindern. Hier und da ein voller Punkt meinerseits, und wir hätten die Klasse gehalten. Heute war auch mehr drin, aber irgendwie fehlt mir derzeit der Durchblick. 

Ein allgemeines Fazit mögen unser Mannschaftsführer, der heute verhindert war, und/oder andere Mannschaftskameraden ziehen. Was meine eigene Zukunft in der Mannschaft angeht, werde ich demnächst entscheiden. Es wird vom Ergebnis eines Schachturniers abhängen, an dem ich über Ostern teilnehmen werde. Bekanntlich bin ich ab Mai in Rente. Vielleicht habe ich dann den Kopf frei, vielleicht auch nicht. Vielleicht gibt der Inhalt einfach nicht mehr her. 

Zum Abschluss der Oberliga-Saison möchte ich euch meine heutige Partie zeigen. Spannend war sie allemal, aber die schwerwiegenden Fehler habe ich am Ende trotz besserer Zeit gemacht.

Hoellmann, Ludger (2159) – Streich, Gerhard (2151) [D36]

SFH-SV Nordhorn-Blanke (9), 06.04.2014

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 d5 4.cxd5 exd5 5.Lg5 Le7 6.Dc2 c6 7.e3 Sbd7 8.Ld3 h6 9.Lh4 0-0 10.Sf3 a5 11.h3 Te8 12.0-0 Se4 13.Lxe7 Dxe7 14.a3 Sxc3 15.Dxc3 a4 16.b4 axb3 17.Dxb3 Mit meiner Stellung war ich nicht unzufrieden. Vielleicht war mein folgender Zug nicht der stärkste. 17…Df6?! besser 17… Dd6 oder 17… b6 18.a4 g5 Ich träume von einem Angriff auf dem Königsflügel. Die nächsten Züge gehören zu meinem Plan. 19.Lc2 Kg7 20.Dd3 Th8 21.Tae1
Höllmann-Streich 21. Zug21… Sb6? Verpasst eine gute Gelegenheit mit 21… b6 nebst La6. Nun hängt entweder der Bauer a3 oder der auf h3. Aber glücklich werde ich damit nicht. 22.Se5 h5 23.f4 g4 24.f5 gxh3 25.gxh3 Sxa4?! 26.Te2 Sb2 27.Tg2+ Kf8 28.Db3 Sc4 29.Sxc4 dxc4 30.Dxc4 De7 31.e4 Tg8 32.Txg8+ Kxg8 33.Kh2 Ta3 34.Tg1+ 
Höllmann-Streich 34. Zug34… Kh8? [34…Kf8] 35.De2 Lxf5? [35…Dh4 36.Dg2? (36.Ld3!+-) 36…Df4+ 37.Kh1 Df3=] 36.Dxh5+ Lh7 37.e5 1-0

12 Gedanken zu „Ende schlecht, alles schlecht“

  1. Noch unter dem Eindruck des furchtbaren, unfassbaren 96-Spiels in Braunschweig könnte ich Gerhard in seiner Überschrift durchaus zustimmen. Doch ein Blick auf die Oberliga-Abschlusstabelle zeigt: Nicht nur uns fehlte heute am Ende ein läppischer halber Brettpunkt – auch unserem Gegner!!! Dieser halbe Brettpunkt trennt nämlich nun die Nordhorner vom Tabellenersten und 2.-Liga-Aufsteiger Oldenburg. Völlig überraschend, zumindest in der Höhe, haben die Oldenburger 5,5:2,5 beim HSK gewonnen und am letzten Spieltag noch soeben den Platz an der Sonne eingenommen. Ein Zielfoto-Finale, das Erinnerungen an unseren legendären Aufstieg 1990 aufkommen lässt, wenngleich wir Schachfreunde das Drama diesmal aus dem Süden der Tabelle betrachten. Und ein paar Nordhorner, die heute bei uns die 3,5 Punkte haben liegen lassen, dürften jetzt auch ein wenig Frust schieben, vielleicht auch ein wenig mehr…
    Also, soweit ich als Ersatzspieler und Beobachter das denn beurteilen kann: Es hat wirklich nicht viel gefehlt, um diese Klasse zu halten. Und neben Pleiten, Pech und Pannen waren viele beeindruckende Leistungen zu sehen, beispielsweise wie heute Andreas und Reinhard den beiden Nordhorner Spitzenbrettern standgehalten haben. Deshalb kann ich nur hoffen, dass tragende Säulen wie Du, Gerhard, sich ob des kleinen Durchhängers nicht allzu lange grämen und vielleicht schon übernächstes Jahr den nächsten Oberliga-Anlauf nehmen. Wenn die Mannschaft zusammenbleibt, gehört sie in der Landesliga sicherlich wieder zum Favoritenkreis.
    Auf ein neues! Ach, und falls die Oldenburger sich für unsere „Schützenhilfe“ bedanken wollen, Kontaktdaten sind ja bekannt.

    1. Damit die Jüngeren unter den Lesern auch mal wissen, wie knapp der Aufstieg 1990 wirklich war…
      Aufstieg 1990
      Und natürlich auch als Motivation für den direkten Wiederaufstieg

      1. Danke für die Tabelle, Thomas. Sie ist einmalig und dient damit als Lehrstück für das Unmögliche. Darüber habe ich bereits vor drei Jahren in meinem Radsportforum philosophiert. Wer einmal über den Tellerrand schauen möge, guckt hier:
        Dichtes Gedränge in der Bergwertung oder wie wahrscheinlich ist das Unmögliche
        http://www.rcgehrden.de/forum/viewtopic.php?f=3&t=152&start=105#p3204
        P(A und B) = P(A)•P(B)
        http://www.rcgehrden.de/forum/viewtopic.php?f=2&t=149&start=30#p3161

  2. Ich bedanke mich erst einmal hier öffentlich im Namen aller Oldenburger Schachfreunde für eure Schützenhilfe!! Ohne Euch hätten wir es nicht geschafft!
    Wir hatten heute einfach den Vorteil, als Aussenseiter im Aufstiegsrennen völlig befreit aufspielen zu können – was wir dann auch taten 🙂

    Für unseren Kampf war ich optimistisch, aber dass ihr Nordhorn so knapp halten könnt, hat mich überrascht. Im Übrigen ist die Oberliga Nord-West traditionell sehr eng, mit sehr geringen Unterschieden zwichen den ersten und den letzten Plätzen, sehr vielen 3,5:4,5 Kämpfen usw. – siehe Abschlusstabelle.
    Vielleicht tröstet das den SF Streich ja ein bisschen. Vor unüberlegten Schritten sei gewarnt.

    Also, nochmals herzlichen Dank!!

  3. Wie eng es in der Oberliga Nord West zugeht konnte ich als Schiedsrichter bei Hannover 96 in deren Vereinsheim beobachten. Während ab 15.30 Uhr in der benachbarten Gaststätte die Fußballprofis von 96 auseinanderfielen zeigten die Schachspieler Kampfgeist und besiegten die Gäste aus Braunschweig (!!) – Gliesmarode. Alexander Izrailev hatte in der Zeitnotphase eine Qualität eingebüsst kämpfte sich aber zurück und konnte schließlich die Partie noch gewinnen. Zeitgleich mit den Fußballprofis beendete dann Torben Schulze seine Partie, eine Seeschlange über 130 Züge. Sein Gegner hatte es versäumt im Damenendspiel die 50-Züge-Grenze durch Dauerschach zu erreichen.
    Die Stimmung war dennoch getrübt als klar war, das Werder Bremen II aus der 2. Liga Nord abgestiegen ist, somit drei Mannschaften aus der Oberliga und damit auch vier Mannschaften aus der Landesliga Süd absteigen.

  4. Ich habe da heut morgen (gestern war ich einfach viel zu weich..) noch ein bisschen analysiert..

    (großes Kompliment an Altmeister Clemens – ich bin immerhin erst Mitte Zwanzig und mein Denkapparat war, als es in die sechste Stunde Spielzeit ging, schon weich wie ein Sahneeis, ich weiß nicht, wie der das durchgehalten hat)

    Hätte mein Gegner am Scheideweg auf weitere Schachgebote gesetzt, so hätte ich in einer Variante 49 (!) und in einer anderen exakt 50 (!!!) Züge nach 83.(!!)…Kxd4 erneut einen Bauern mit 133..Kxh5 geschlagen.. und die ganze Sache wäre noch weiter gegangen.

    Insofern war seine Entscheidung, 123.Dxe2 zu spielen, im Nachhinein doch korrekt (objektiv ja sowieso).

    Einen herzlichen Glückwunsch an die Oldenburger Truppe, die wir für ihren Kampfgeist und ihre Eingeschworenheit schon lange bewundert haben – eine so konstante Eins-bis-Acht Besetzung kennt man sonst höchstens von Hameln.. und wenn sie mal nicht vollständig spielen wirds ja noch viel schlimmer, denn dann spielt der Hammer Bürckner an 8! Die zweite Liga wird auf jeden Fall ein wunderbares Erlebnis.

    Ein herzliches „Schade!“ nicht nur an den HSK, der bis zuletzt die Nase vorn hatte, sondern auch an die Schachfreunde, deren Oberligaauftritt leider nicht den gewünschten Wow-Effekt mit sich bringen konnte. Naja, vielleicht trifft man sich ja übernächstes Jahr wieder ?

  5. Der Käptn war heuer verhindert (Rugby Jugendreise nach London), möchte aber auch noch seinen Senf beigeben:

    Fakten:
    1) Wir sind als Tabellenletzter abgestiegen
    2) Wir haben eine Menge Siege liegen lassen, leider auch Teampunkte…
    3) Dennoch haben wir alten Säcke nicht schlecht mitgehalten!
    4) Die Bedenkzeitregelung in der Oberliga ist stressig und „sportlich“!
    5) Zitat eines Mitspielers: „Die Oberliga ist ja krass stärker als die Landesliga!“
    6) Better next time!

    Statistik:
    Die untere Hälfte unseres 10er Kaders war deutlich spielfreudiger als die obere (42:23 Spiele).
    Ein ausgeglichener Score ist das beste Resultat: Tom Kaimer (3/6) und Uwe Gabriel (4/8) schafften dies.
    Die beste ELO-Performance hatten Reinhard Brodhuhn (2266), Tom Kaimer (2182) und Bernd Fritze (2167).
    Remiskönig mit 6 Punkteteilungen ist Uwe Gabriel.

    Fazit:
    Die nächste Landesliga wird dank der Mitabsteiger stark werden. Sollten wir als Team beisammen bleiben, können wir von den Erfahrungen und der Wettkampfhärte dieses Jahres nur profitieren.

    Mein Glückwunsch für den Lucky Punch geht an den SK Oldenburg, eine Mannschaft, die den Fahrstuhl nach oben bereits kennt und mit einer ähnlichen Mannschaft sogar die 2.Bundesliga gehalten hat.

  6. Schade. Es hat nicht gereicht. Beim Nachspielen der Oberligapartien stelle ich immer wieder den Niveauunterschied zur Landesliga fest. In der Oberliga wird um einiges besser gespielt. Trotzdem kann man auch bei Gerhards Gegner feststellen, dass er Fehler macht. Züge wie 16. b4 (Warum gibt Weiß dem Schwarzen die Möglichkeit den a-Bauern abzutauschen und eine offene Linie zu erhalten?) und 21. Tae1 klemmt den Tf1 ein und ermöglicht b6+La6.

    Ich hoffe, Gerhard, dass du jetzt nicht eine lange Pause vom Schach einschiebst. Gibt es eigentlich Beispiele für Leute, die nach jahrelanger Pause, deutlich stärker zurückkamen? Die Sommerpause ist schon ziemlich lange und sorgt für Erholung und im Gegensatz zu anderen Sportarten gibts im Schach keine englischen Wochen.

    1. Vielen Dank für deine tröstenden Worte, Torsten. Meine Pause vom Schach wird nur kurz sein. Über Ostern spiele ich auf einen Schlag so viele Turnierpartien wie zuvor im ganzen Winterhalbjahr, nämlich neun. Für mich ist dabei nicht der Erfolg allein entscheidend, sondern der künstlerische Wert meiner Partien. Soll heißen, es kommt für mich darauf an, meine eigenen Züge als Komposition zu begreifen, statt sie mechanisch aneinander zu reihen. Das sind hehre Ziele, die natürlich jeder hat, aber nicht jeder ist mit dem Ergebnis gleichermaßen zufrieden. Dafür bin ich zu ehrgeizig, um als Patzer meine Zeit zu vertreiben.

      Nun will ich mich an dieser Stelle nicht ausweinen. Zum Schach gehört das Verlieren. Andere Mannschaftskameraden sind vermutlich noch frustrierter als ich, behalten ihren Frust aber für sich. Eine verkorkste Saison ist für mich kein Anlass, dem Schach auf Dauer Adieu zu sagen. Dennoch stelle ich mir die Frage, wie es mit meinem neuen Lebensabschnitt als Rentner weitergehen soll. Ich halte mich für einen aktiven, positiven und fröhlichen Menschen, der gern andere entsprechend inspirieren möchte. Deshalb habe ich u.a. diesen Blog angeregt und schreibe darin so viele Beiträge. Unzufriedenheit schadet der Fröhlichkeit. Ich will doch meinen Lebensabend nicht als Misanthrop verbringen.

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