Gerhards buntes Hannover

Gestern habe ich ein Büchlein zur Hand genommen, das den Titel trägt: „Klapas buntes Hannover“. Es ist 1989 bei Leuenhagen & Paris (Lister Meile) erschienen. Klapa steht für Klaus Partzsch (*1930 †1995). Die älteren Hannoveraner werden sich an seine Glossen erinnern, die er jahrzehntelang in der HAZ veröffentlicht hat. Seine Nachfahren führen die Tradition in der Kolumne „Lüttje Lage“ fort. 125 heitere Betrachtungen spiegeln Klapas buntes Hannover wider. Wobei „bunt“ heute eine andere Bedeutung hat als vor dreißig Jahren. Gleichwohl menschelt es nach wie vor. Es gibt Aufreger, die in Vergessenheit geraten sind, z.B. die Spielbankaffäre, andere sind aktuell wie eh und je, z.B. unser Verhältnis zu Bürgern, die im Freistaat Bayern beheimatet sind. Das wird in Klapas Glosse „Blitzschach“ deutlich.

Karnevalsumzug am 10. Februar 2018

Klapa hatte ein Vollwertkostmenü, das in einer Zeitschrift für gesundes Leben abgebildet war, mit einem Tarnnetz für Bundeswehrpanzer verglichen. Der Mann hinter dem Menü war ein Bayer vom Wörthsee, der erbost reagierte und Klapa riet, die Bewertung seiner Vollwertkost einer Gulaschkanone zu überlassen. Die hätte größere Kapazitäten. – Warum auch immer kam es zwischen den beiden zu einem Duell auf dem Schachbrett. Klapa musste klein beigeben: „Aber daß mich der Mann aus Bayern so furchtbar geschlagen hat, möchte ich den Hannoveranern doch nicht vorenthalten – es macht ja immer Vergnügen, eine fette Figur umkippen zu sehen, selbst wenn es nur die eines Kleinmeisters sein sollte.“

Kleinmeister ist das Stichwort für Gerhards buntes Hannover. Bei meiner Vorbereitung auf die neue Saison in der Oberliga Nord habe ich das Terrain eines Gegners erkundet: Aufsteiger Hannover 96. Dabei fiel mit ein merkwürdiges Schild auf:

Frauen kennen wir Schachspieler meist nur vom Hörensagen. „Warum“, fragen wir uns deshalb, „hat diese Spezies einen eigenen Eingang?“ Wobei es noch einen zweiten Eingang geben muss, wenn ich das Wort „zusätzlich“ richtig deute. Den konnte ich allerdings nicht finden. Getrennte Eingänge für Männer und Frauen kannte ich bislang nur von Moscheen. Welchen Sinn macht es, wenn ein Ehepaar, das ein Fußballstadion besuchen will, am Eingang getrennt wird? Ist es die Wiedersehensfreude in den Menschenmassen hinter den Eingangstoren? Oder werden an diesen Stellen sensible Ordnerinnen statt grobschlächtiger Ordner eingesetzt? Ich weiß es nicht. Als ich das letzte Mal im Stadion war, gab es das Schild noch nicht. Es war an einem bitterkalten Tag im Januar 2016. Thomas Schaaf war gerade als Fußballlehrer verpflichtet worden. Das erste Training war öffentlich. Er teilte die Profis in zwei Mannschaften und ließ sie auf einem Kleinfeld spielen. Ständig griff er ein und erklärte den Spielern etwas. Ich hatte den Eindruck, dass die Profis nur Bahnhof verstanden haben. Das Ergebnis ist bekannt: Es wurden 91 grausame Tage für die Kicker von Hannover 96.

Zurück zur Schachabteilung von Hannover 96. Am 25. November sind wir in der 3. Runde bei denen zu Gast. Die 2. Runde der Oberliga Nord ist für den 11.11. um 11:00 Uhr angesetzt. Das ist wieder typisch für die Humorlosigkeit von Schachfunktionären. Warum nicht um 11:11 Uhr? So viel Zeit muss sein. Wir haben dann ein Heimspiel gegen Werder Bremen. Thomas Schaaf ist wieder in deren Reihen. Als Sportdirektor möchte er an frühere Erfolge anknüpfen. Das sei ihm vergönnt. Misserfolge auf hannoverschem Gelände inbegriffen.

Sonnenuntergang am 2. August 2018 (siehe Kommentar)

Siehe Kommentar vom 17.10.2018

8. April 1990 Radrennen „Rund ums Rathaus“ im Hintergrund die Stahlhochstraße über dem Aegi
16. November 2018 – Vorbildlich beleuchteter Bulli als Shuttle Service für Schlachtenbummler

3 Gedanken zu „Gerhards buntes Hannover“

  1. Derzeit lässt es die Sonne richtig krachen. Wie gut, dass wir eine fürsorgliche Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft haben: Julia Klöckner will die Viehhalter nicht im Regen stehen lassen! Auf diese Metapher musst du erstmal kommen. Derweil habe ich überprüft, ob die Sonne vor ihrer Nachtruhe verhaltensauffällig geworden ist. Ich kann euch beruhigen. Sie errötet wie eh und je, wie das Foto von meiner Dienstreise belegt (siehe oben).

  2. Heute vor 20 Jahren

    An Gerhards buntem Hannover nagte der Rost. Das war einer der Gründe, warum am 17. Oktober 1998 Hannovers hübsch-hässliches Wahrzeichen abgebrochen wurde: die Stahlhochstraße über dem Aegi. Sie stand 30 Jahre lang als Provisorium. Heute erinnert nichts mehr daran. Für Nostalgiker und Spätgeborene zeige ich deshalb einen Ausschnitt des ehemaligen Stahlkolosses (siehe oben). – Im Vordergrund könnt ihr unschwer mehrere Sportler bei Ausübung ihrer Disziplin erkennen. Es handelte sich um das Radrennen „Rund ums Rathaus“. Die Aufnahme stammt vom 08. April 1990. Das war also vor gut 28 Jahren = zweimal lebenslänglich. Ein Radrennfahrer wird euch möglicherweise bekannt vorkommen. Er machte Werbung für ein Pharmaunternehmen. Dank seines Schweißes hat sich das Unternehmen erfolgreich auf dem Markt behauptet.

  3. Shuttle Service

    Hinweis für Schlachtenbummler, die am 25. November unseren Auswärtskampf in der Oberliga bei Hannover 96 live verfolgen wollen. Der Wettkampf findet nicht in der HDI-Arena statt, sondern im Vereinsheim Clausewitzstraße. Die gute Nachricht: es gibt einen Shuttle Service. Davon konnte ich mich gestern Abend überzeugen (siehe oben).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.