Ilja Schneider Deutscher Blitzmeister 2018

Die Überschrift habe ich den Schachfreunden Berlin entnommen. Der „Hannoveraner“ IM Ilja Schneider heißt es auf der Webseite des Niedersächsischen Schachverbands. Ja. Wir Hannoveraner freuen uns mit ihm und wollen IM Dennes Abel nicht vergessen. Er belegte den 6. Platz und stammt ebenfalls aus Hannover. Von Ilja zeige ich euch ein Archiv-Foto. Es stammt vom Leine-Open 2017. Ilja nicht als Akteur, sondern als Kiebitz. Hochkonzentriert ist er trotzdem:


Wer sich die Kommentare im Schach-Ticker durchliest, wird auch kritische Töne vernehmen, was Iljas Leistung keinesfalls schmälert. Allerdings sollte sich der DSB fragen, ob die Attraktivität solcher Meisterschaften inkl. Öffentlichkeitsarbeit nicht verbesserungsfähig ist. Wie stark Wunschdenken und Wirklichkeit auseinanderklaffen, zeigt die vermeintliche Zahl der Besucher. Der SC Bamberg spricht als Veranstalter von rund 50 anwesenden Zuschauern. Ein Teilnehmer (lukki) schreibt indes im Schach-Ticker:

„Das Zuschauerinteresse war leider fast geich null und kann nur schön geredet werden. Ich habe, weil ich es so erschreckend empfand, in ca Runde 25 gerade mal 6 Zuschauer gezählt. Leider.“

11 Gedanken zu „Ilja Schneider Deutscher Blitzmeister 2018“

  1. Umgedrehter Turm

    Vor 39 Jahren hatte ich einmal die Ehre, an der Deutschen Blitzeinzelmeisterschaft teilzunehmen. Die fand in Bad Neuenahr-Ahrweiler statt und wurde vom SC Bad Godesberg veranstaltet. 36 Schachspieler hatten sich dafür qualifiziert. Das Turnier wurde an zwei Tagen ausgetragen, und zwar am 19. und 20. Mai 1979. Deutscher Blitzeinzelmeister wurde Karl-Heinz Podzielny (Potz-Blitz) vor Stefan Ingenerf und Walter Rostalski.

    Ein Blick in die alten Unterlagen lässt Wehmut aufkommen. Damals war Blitzschach noch unschuldig. Heute musst du einen Rechtsanwalt an deiner Seite haben, um gegen spitzfindige Reklamationen gewappnet zu sein. Damals galt noch das Wort. In den Blitzschachregeln, die uns ausgehändigt wurden, stand z.B.:

    14. Im Falle der Umwandlung eines Bauern muß der Spieler den Bauern durch eine neue Figur ersetzen, ehe er die Uhr bedient. Handelt es sich bei der Umwandlung z.B. um eine zweite Dame oder einen dritten Springer, muß die Figur genau als solche bezeichnet werden, wenn statt der richtigen (neuen) Figur z.B. ein umgedrehter Turm (gelegentlich mit einem aufgesetzten Bauern) benutzt wird. Erst dann darf der Spieler seine Uhr drücken.

    Hört! Hört! Oder besser nicht. Die Schiedsrichterkommission des DSB hält nichts vom gesprochenen Wort:

    Setzt ein Spieler einen Turm in der Weise ein, dass dieser nach oben weist, dann gilt dies nach Loslassen der Figur als wirksame Umwandlung in einen Turm. Etwaige Ansagen des Spielers (zB. „Dame“) ändern daran nichts.

    By the way. Wisst ihr, warum der Läufer oben einen Schlitz hat? Als ich noch Anfänger war, wurde mir gesagt, dass der für die Aufnahme eines Zettels gedacht sei, falls bei Umwandlung eines Bauern keine entsprechende Figur verfügbar ist. Stellt euch vor, Schachfunktionäre hätten diese Variante in ihr Regelwerk aufgenommen. Ihr ahnt es schon: Zettelgröße, Knickmuster, Tintenart, Schriftart, Schriftgröße, Symbole, Streichungen, Statik usw. hätten selbstredend einer Reglementierung bedurft.

  2. Bei mir kommt da keine Wehmut auf. Ein Turm bleibt ein Turm.

    Wenn du mich irgendwann mal Matt setzen solltest, erklär ich dir einfach, dass deine Dame in Wirklichkeit ein Springer ist. Und dein König eine Currywurst. Mahlzeit!

    1. Es soll ja Leute geben, die Schach nur deshalb spielen, um ihren Gegnern maximale seelische Schmerzen zuzufügen. Für die ist es natürlich ein gefundenes Fressen, wenn ein Sieg mit Rechthaberei einhergeht. Mein König ist eine Kanzler-Currywurst (siehe oben). Guten Appetit und schönen 2. Advent!

      1. Zitier mich wenigstens richtig! Ich habe wörtlich gesagt: „Ich will meinen Gegner nicht mit einem Remis schonen. Ich will ihm maximale seelische Schmerzen zufügen. Das gelingt mir freilich viel zu selten.“

        Da steht nichts von „nur“. Das Zufügen von seelischen Schmerzen ist ein Ziel, aber nicht das Einzige.

  3. Den schönen zweiten Advent wünsche ich Euch auch!

    Mir ging es genau wie Bernd („Larry“) Schneider (siehe Kommentare auf chess-international, erreichbar über den o.g. Berliner Link): Ich habe am letzten Wochenende und am Montag verzweifelt nach News zur Herren DBEM gesucht. Marta Michna war da bereits auf der Titelseite des DSB platziert. Diese Deutsche Meisterschaft der Frauen fand leider auf/unterhalb hannoverschem Bezirksblitzniveau statt, vermutlich dem Reiseaufwand geschuldet. Es gibt nämlich eine Menge Frauen in Deutschland, die Gerd, Torsten und mich ohne Schulterzucken vom Brette fegen.

    Das in Hannover zur DBEM gestartete Auto war mit 3 Spielern besetzt. Tobi Vöge vom Lister Tum muss man in der Tabelle leider von unten suchen. Ich bin sicher, es haben nur Nuancen für ein besseres Ergebnis gefehlt. Herzlichen Glückwunsch an Ilja zum Titelgewinn!!! Für das Teilnehmerfeld kann er nichts und hätte auf jeden Fall auch bei Bestbesetzung eine gute Figur gemacht. Der 6. Platz von Dennes ist auch aller Ehren und einen Glückwunsch wert. In Hannover wird halt gut gezockt, auf Niveau Bundesspitze. Ich finde ich es toll, dass man ab und an die Gelegenheit hat, sich mit Ilja und Dennes zu messen – vielleicht demnächst auch wieder beim Preisskat (das kann Ilja nämlich auch!).

    Ist Euch etwas aufgefallen? In dem Berliner Bericht wird von einer „Schlussserie gegen die untere Tabellenhälfte“ gesprochen. Das gibt es nur, wenn – wie leider bei der LBMM am 01.12.2018 erlebt – Programme wie SwissChess am Start sind und die Sitzreihenfolge gesetzt anstelle ausgelost wird. Man arbeitet dann die Rundentabelle=Setzliste der Reihenfolge nach ab. Ich finde das nicht schön, da quasi ALLE die besseren und die schlechteren Spieler in Serie haben. Den schlechtesten Spieler der Setzliste trifft es noch ärger: Er hat abwechselnd Schwarz gegen einen Spitzenspieler und dann lauter Weißpartien gegen die untere Hälfte, zudem weniger Weiß. Auch finden ALLE Spitzenpaarungen der Setzliste in den ersten paar Runden statt. Der Rest ist Kondition und Konzentration.

    Mehr Spannung gibt es diesbezüglich bei frei geloster Reihenfolge der Setzliste. Aber dazu muss der Turnierleiter halt auch sein Handwerk beherrschen und zudem willig sein, die „besten“ Programmoptionen zu ignorieren.

    1. Da ich in Bamberg zumindest körperlich anwesend war, kann ich anmerken, dass die Startnummern durchaus zufällig ausgelost wurden – es hat sich eben so ergeben, dass Ilja in den letzten 11 Runden nur noch 3 Gegner aus der ersten Tabellenhälfte hatte.
      (Kleine Bemerkung am Rande: Wer bei der FIDE nach den Ergebnissen gesucht hat (was zugegebenermaßen nicht mein erster Gedanke wäre), wurde bereits am letzten Sonntag fündig unter https://ratings.fide.com/view_source.phtml?code=195552)

  4. Hallo Holger,
    danke fürs Lesen und Deine aufklärenden Worte. War also doch Glück im Spiel 🙂
    Als Tabellen-Neunter bist Du auf jeden Fall auch geistesgegenwärtig gewesen.

    Ist Dir eigentlich noch gegenwärtig, dass Du als D-Jugendlicher mehrfach am Isernhagener Schnellturnier teilgenommen hast? Damals hieß der Ausrichter Schachgemeinschaft(!) Isernhagen, war später mal Zweitligist. Ich kann mich nicht erinnern, ob Du das Turnier gewonnen hast. Vorn dabei warst Du auf jeden Fall!
    Das CH-System habe ich seinerzeit per Karteikarten manuell gelost, mit Fortschritt als Feinwertung.

  5. Aber natürlich erinnere ich mich noch an das Isernhagener D-Jugendschnellturnier – 1988 habe ich das Turnier tatsächlich gewonnen. (Und auch die Tatsache, dass die SG Isernhagen mal in der 2. Liga gespielt hat, ist mir noch gegenwärtig – ich habe damals beim Stand von 3,5:3,5 dank der freundlichen Mithilfe von Rudi Hörstmann ein verlorenes Endspiel noch zum Remis geführt…)

    1. Holger, beim El Gordo unter den Schachlotterien hat die Krennwurzn sechsmal auf dich gesetzt. Zu recht. Dein 9. Platz ist aller Ehren wert. – Mich würde interessieren, wie in Bamberg anschließend das Festessen verlaufen ist. Dem Vernehmen nach gab es als Hauptgericht Sauerbraten vom Angus-Rind mit Apfelrotkohl und Kartoffelkloß statt Currywurst.

  6. Oberkotzauer Schläue und andere Geschichten

    Die Bamberger haben ein „unglaublich bewegtes Jahr“ hinter sich. Darauf bin ich erst durch die Deutsche Blitzeinzelmeister richtig aufmerksam geworden. 150 Jahre machen sexy. Es lohnt sich, mit der Historie des SC Bamberg zu beschäftigen. „Born to Be Wild“ und „Nomen est omen“ fallen mir ein, denn der Verein wurde anno 1868 in der Brauereigaststätte „Wilde Rose“ gegründet. Wer eine Chronik mit dem Titel „Das Haar muss ziehen“ herausbringt, hat die besten Voraussetzungen für: „Forever Young“. Insofern kann das Festessen mit ausgebufften Blitzern nur ein Erfolg gewesen sein.

    Holgers 9. Platz hat mich dazu animiert zu gucken, wer denn vor 39 Jahren Neunter geworden ist. Es war Toni Sandmeier. Achter wurde Hans-Werner Ackermann. Beide rocken seit vielen Jahren das Deutsche Seniorenschach.

  7. Dementi muss sein:
    Oben habe ich behauptet: “ Preisskat (das kann Ilja nämlich auch!)“

    Das ist (manchmal) falsch. Richtig ist:
    Ilja und der Preisskat wurden heuer keine Freunde. Es war fast, als wollte Ilja dem Zufall nachhelfen und in der virtuellen 2-Jahres-Abrechnung unbedingt einen Mittelplatz belegen. Spaß hatten wir dennoch!

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