INEOS – Das teuerste Radteam der Welt

Gestern wurde in Hannover die Deutschland-Tour 2019 der Radprofis gestartet. Da mir am Vorabend so viele Schachspieler bei der Nacht von Hannover begegnet sind, möchte ich denjenigen und allen interessierten Sportsfreunden ein paar Bilder vom Team INEOS zeigen, die ich vor dem Start aufgenommen habe. Das Team kommt aus Großbritannien und hieß bis zum Beginn dieser Saison „Sky“. Das Team stellt seit 2015 ununterbrochen den Tour-de-France-Sieger, und zwar 2015 bis 2017 durch Chris Froome, 2018 durch Geraint Thomas und in diesem Jahr durch Egan Bernal (Kolumbien). Zum Team gehören insgesamt 28 Radprofis. Bei der Deutschland-Tour sind 6 Rennfahrer pro Team startberechtigt. Fünf davon seht ihr auf diesem Gruppenfoto. Der Sechste, Geraint Thomas, gab gerade ein Interview auf seiner Rennmaschine.

Von links nach rechts: Michal Kwiatkowski (Polen) Straßenweltmeister 2014, Narváez Prado, Jhonatan Manuel (Ecuador), Pavel Sivakov (Russland), Ben Swift (Großbritannien) und Luke Rowe (Großbritannien)

Ben Swift trägt ein weißes Trikot mit Flaggenzeichen, weil er der amtierende Britische Straßenmeister ist. Sogar seine Rennmaschine wurde entsprechend lackiert. Ansonsten möchte ich nicht viele Worte verlieren, sondern die Bilder sprechen lassen.

19 Gedanken zu „INEOS – Das teuerste Radteam der Welt“

  1. Remco Evenepoel

    Den Namen müsst ihr euch merken. Wunderkinder gibt es immer wieder, aber dieses Wunderkind ist unglaublich. Derzeit finden in Harrogate (Großbritannien) die Straßenradsport-Weltmeisterschaften statt. Heute Nachmittag stand das Einzelzeitfahren der Männer auf dem Programm. Remco Evenepoel (Belgien) wurde hinter dem Titelverteidiger Rohan Dennis (Australien) Zweiter. Dabei ist Remco erst schlappe neunzehn Jahre alt. Im vergangenen Jahr war er noch Juniorenfahrer. Bei der WM in Innsbruck holte er sowohl im Zeitfahren als auch im Straßenrennen die WM-Titel bei den Junioren. Für Radsportler seines Alters geht es normalerweise in der U23-Klasse weiter. Evenepoel hat diese Klasse einfach übersprungen und ist mittlerweile bei den gestandenen Profis im Kampf gegen die Uhr kaum zu schlagen. Deutschlands Ex-Weltmeister Toni Martin wurde z.B. mit großem Rückstand Neunter.

    Würde man einen Leistungsvergleich mit dem Schachsport herstellen, käme das einem WM-Titelkampf zwischen Magnus Carlsen und einem U12-Jugendlichen gleich. Dabei ist Remco Evenepoel nicht nur ein Jungspund, sondern auch schmächtig. Im schwäbischen Dialekt sagt man Hempfling dazu. Das entspricht etwa meiner Figur inkl. Körpergröße, als ich so jung war wie er. Bei der Deutschland Tour war er auch dabei. Auf einem meiner Fotos habe ich ihn gut getroffen. Ihr könnt euch selbst ein Bild vom Wunderkind machen (siehe oben).

  2. Tour de France 2020

    Heute startet die Tour de France in Nizza. Aus bekannten Gründen um zwei Monate verspätet und mit strengen Hygieneauflagen. Ob Paris in drei Wochen erreicht wird, ist fraglich. Hoffen wir das Beste. – Vor einem Jahr hatte ich euch das Team INEOS vorgestellt. Tour-Sieger 2019 Egan Bernal (Kolumbien) war nicht in Hannover, aber drei Profis des diesjährigen Teams seht ihr oben im großen Foto: Michal Kwiatkowski (Polen) Straßenweltmeister 2014, Pavel Sivakov (Russland) und Luke Rowe (Großbritannien). Neben Egan Bernal ist Primož Roglič (Slowenien) der Top-Favorit. Wundert euch bitte nicht, wenn er stets von seiner Vergangenheit eingeholt wird: Roglič war mal Skispringer. Und weil das ungewöhnlich ist, hat sein Name Übergewicht, so wie wir das von indigenen Völkern kennen, die Karl May beschrieben hat. Im vergangenen Jahr gewann Roglič die Vuelta (Spanienrundfahrt). Die Kommentare der Deutschen Presseagentur (dpa) sahen entsprechend aus:

    14.09.2019 / 20. Etappe: Der frühere slowenische Skisprung-Profi Primoz Roglic steht…
    13.09.2019 / 19. Etappe: Allerdings musste der frühere Skispringer…
    12.09.2019 / 18. Etappe: Im Gesamtklassement liegt der ehemalige Skispringer…
    11.09.2019 / 17. Etappe: Der ehemalige Skispringer liegt…
    09.09.2019 / 16. Etappe: Der ehemalige Skispringer liegt…
    08.09.2019 / 15. Etappe: Mit 2:25 Minuten Vorsprung führt der ehemalige Skispringer…
    06.09.2019 / 13. Etappe: Der Ex-Skispringer erreichte…
    04.09.2019 / 11. Etappe: Einen Tag […] bleibt der frühere Skispringer Roglic damit…
    31.08.2019 / 08. Etappe: … und den slowenischen Ex-Skispringer Primoz Roglic…
    25.08.2019 / 02. Etappe: … und dem slowenischen Ex-Skispringer Primoz Roglic…

    Immerhin hat der Journalist (oder war es ein Volontär?) zwischen Ex (3x), früherer (3x) und ehemaliger (4x) Skispringer gewechselt. Das nenne ich Vielfalt!

    Primož Roglič gehört zum Team Jumbo Visma (Niederlande). Mein Freund Grischa Niermann ist sein Betreuer. Grischa wurde in dem Jahr geboren, als der DSB-Kongress auf Helgoland stattfand. Mein Gott, das ist 45 Jahre her. Vor 30 Jahren habe ich ihn erstmals mit zum Training genommen. Die Zeit vergeht wie im Flug.

  3. Julian Alaphilippe

    In Frankreich ist er ein Volksheld. Bei der Tour de France 2019 trug er lange das Gelbe Trikot und belegte im Gesamtklassement hinter Emanuel Buchmann den 5. Platz. Heute gewann er nach spannendem Verlauf die 2. Etappe und hat damit das Gelbe Trikot übernommen. Julian Alaphilippe ist ein lockerer Typ. Das belegt mein Foto, das ich oben an die Galerie gehängt habe. Ich habe es am 28. August 2019 aufgenommen, als die Fahrer der Deutschland-Tour vorgestellt wurden. Hier bei der Stippvisite bei einem Radsportausstatter.

  4. Caleb Ewan

    Auch heute – am dritten Tag der Tour de France – kann ich euch den Tagessieger präsentieren. Es handelt sich um Caleb Ewan (Australien). Mit einer Körpergröße von 1,65 m gehört er zu den kleinsten Sprintern unter den Radprofis. Heute kam er wie ein Kugelblitz aus dem Hintergrund des sprintenden Feldes und überquerte als Erster die Ziellinie. Auf meinem Foto seht ihr ihn bei der Teampräsentation vor einem Jahr in Hannover (guckt ihr oben). Er gehört zum Radsportteam Lotto-Soudal (Belgien). Caleb Ewan ist derjenige, der den Arm hochhebt.

  5. Ex-Skispringer

    Heute Morgen bin ich richtig happy. Danach sah es gestern Abend nicht aus, als ich diese dpa-Meldung las:

    Emanuel Buchmann kämpfte bei der ersten Klettershow verbissen um den Anschluss, doch gegen die Wucht von Ex-Skispringer Primoz Roglic war die deutsche Rad-Hoffnung machtlos.

    Zu meinen Frühstücksritualen gehört seit jeher das Studium meiner Tageszeitung. Beim Blick in den Sportteil wollte ich meinen Augen nicht trauen. Der Artikel über die 4. Etappe der Tour de France beginnt mit folgendem Satz:

    Emanuel Buchmann kämpfte bei der ersten Klettershow verbissen um den Anschluss, doch gegen die Wucht von Primoz Roglic war die deutsche Rad-Hoffnung machtlos.

    Erkenne den Unterschied! Offensichtlich hat jemand aus der Sportredaktion meinen Kommentar vom 29. August gelesen. – Für die Menschheit ist es nur ein kleines Wort, für mich ist es eine Riesenfreude.

  6. Hopelijk heb ik de trui in Parijs nog steeds om mijn schouders

    … sagte der Vuelta-Champion* und slowenische Ex-Skispringer*, nachdem er gestern das Gelbe Trikot erobert hatte. Ihr wisst schon: Primož Roglič. Das war Holländisch (frei nach der Sendung mit der Maus). Roglič fährt bekanntlich für das niederländische Radteam Jumbo Visma, dessen sportlicher Leiter Grischa Niermann ist. Grischa ist ein „Burger van de Bondsrepubliek Duitsland“, genauer gesagt: ein Hannoveraner, noch genauer: mein ehemaliger Nachbar. Als Aktiver ist er selbst 9 Mal die Tour de France gefahren. Schade, dass die heimischen Sportjournalisten nicht darüber berichten. Immerhin ist die Tour de France in diesem Corona-Jahr die größte Sportveranstaltung der Welt. Man stelle sich vor, bei einer Fußball-WM fände Bundestrainer Jogi Löw keine Erwähnung. Dabei ist die Leitung eines Profi-Radteams ungleich anstrengender als die Tätigkeit eines Fußballtrainers.
    *abgedroschene Synonyme bei dpa

  7. Verstümmelte Nachrichten

    Der Aufreger der 11. Etappe war das Herzschlagfinale, bei dem Peter Sagan hinter Caleb Ewan zwar als Zweiter über die Ziellinie fuhr, aber von der Jury zurückversetzt wurde, weil er den Belgier Wout van Aert (Team Jumbo Visma) durch einen Rempler zur Seite gedrängt hatte. Die Entscheidung der Jury ist hart, aber vertretbar. Die Aussichten für Peter Sagan, das Grüne Trikot zum achten Mal zu erobern, sind durch den gestrigen Punktabzug daher stark gesunken.

    Meine Tageszeitung bedient sich bei der Berichterstattung von dem, was die Deutsche Presse-Agentur (dpa) dazu schreibt. Meistens werden die Artikel gekürzt, so auch in der heutigen Printausgabe. Solange es sich um das Weglassen von Bläh-Synonymen handelt, ist das in Ordnung. Folgende Aussage weckt jedoch meine Zweifel:

    Der Slowake Sagan, der zunächst als Zweiter die Ziellinie überquert hatte, war sich keiner Schuld bewusst. Dass der Superstar mit harten Bandagen im Finale kämpft, ist bekannt.

    So steht es sowohl im Original bei dpa als auch in meiner Tageszeitung. Bei dpa gibt es noch diese Erklärung, die in meiner Tageszeitung fehlt:

    2017 hatte er im Sprint den Ellbogen gegen Mark Cavendish ausgefahren und war anschließend komplett von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen worden.

    Das ist nur die halbe Wahrheit, denn später wurde das Urteil revidiert und nur als „unglücklicher Rennunfall“ gewertet. Peter Sagan ist einer der geschicktesten Radprofis. Und einer der beliebtesten! Sowohl bei den Fans als auch bei seinen Kollegen. Die nicht belegte Behauptung, dass der Superstar bekanntlich mit harten Bandagen im Finale kämpft, stempelt ihn zu einem Bad Boy, und das ist schlichtweg falsch. Dass es in einem Massensprint manchmal grenzwertig zugeht, liegt in der Natur der Sache.

    Wer zwischen den Meeren lebt und sein Wissen aus dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) bezieht, hat von alledem nichts mitbekommen. Der Vorfall wird mit keiner Silbe erwähnt. Die Erklärung: nicht dpa, sondern der Sportinformationsdienst (SID) ist die Quelle.

    Was lehrt uns das? Informiere dich umfassend, bevor du dir ein Urteil bildest. In Sachen Tour de France empfehle ich z.B. die Radsport-News.

  8. Mein Resümee der Tour de France 2020

    Den dramatischen Ausgang der Tour habt ihr sicher mitbekommen. Der Abschlussbericht in meiner Tageszeitung passt zu meiner Journalismus-Kritik. Die meisten Zeitungsverlage berufen sich auf dpa-Artikel, hinter denen zwei Journalisten stehen. Deren Elaborate sind per se von mäßiger Qualität. Wenn diese Artikel dann noch bis zur Unkenntlichkeit von den lokalen Sportredaktionen zerkleinert werden, bleibt für den geneigten Leser allenfalls ein schaler Rest. – In der digitalisierten Medienwelt sind Phrasen-Schweine anscheinend aus der Mode gekommen. Allein der „frühere Skispringer“ hätte ein Schwein in den vergangenen drei Wochen zum Überlaufen gebracht. Heute „hockt“ derselbe gleich zweimal in einem einzigen Artikel meiner Tageszeitung. Der Artikel wurde nach dem entscheidenden Zeitfahren am Samstag geschrieben. Darin wird von Roglic‘ tiefer Enttäuschung berichtet. Die wurde wahrheitsgetreu wiedergegeben. Was er einen Tag später in Paris gesagt hat, bleibt den Madsack-Lesern jedoch vorenthalten:

    „Natürlich will man immer gewinnen. Aber ich bin sehr stolz auf das, was ich erreicht habe. Stolz auf die Arbeit eines jeden in meiner Truppe. Wir haben über drei Wochen ein schönes Rennen gezeigt. Gratulation an Tadej, er war der Stärkste. Er hat den Sieg verdient.“

    Und noch etwas fehlt im Abschlussbericht meiner Tageszeitung: eine Würdigung des einzigen (Nord)Deutschen Etappensiegers Lennard Kämna. Lennard gilt als Hochbegabter mit Perspektive auf die Gesamtwertung. Sein Geburtsdatum ist eine Augenweide: 9.9.96. Vor einem Jahr war er beim Start der Deutschland-Tour in Hannover. Dort habe ich ihn abgelichtet (guckt ihr ans Ende meiner Bildergalerie). Das Trikot von Sunweb hat er inzwischen gegen das von Bora-hansgrohe getauscht.

  9. Es gewann also der beste Doper, vor dem zweitbesten Doper, diesem Ex-Skispringer. Mit Doping kann man beim Skispringen halt weniger Wunder bewirken als beim Radeln. In den letzten Jahren hatten immer die Briten die besten Mediziner, jetzt sind es die Slowenen – schau an.
    Und bitte, bitte Gerhard, sag jetzt nicht, dass das alles sauber war. Okay, Radfahren ist dein Herzenssport, und okay, das ewige Lamento ums Doping nervt da ganz bestimmt, vor allem wenn solche Cretins wie ich rummosern. Aber trotzdem ist das alles mehr als verdächtig.

    1. Ich kann ebenso wenig behaupten, dass alles sauber war, wie du behaupten kannst, dass der Toursieger und andere gedopt waren. Wir wissen es nicht. Folglich orientiert sich unsere Einschätzung an der in den Medien verbreiteten Stimmung. Die Italiener, Franzosen, Belgier und Holländer gehen mit dem Problem anders um. Wir Deutschen lieben den Zweifel, und wenn der geschürt wird, fühlen wir uns bestätigt. Der letzte Absatz in dem von mir genannten Artikel handelt ausschließlich von Doping, obwohl es gegenüber dem Toursieger nicht einen einzigen Anhaltspunkt gibt. Je öfter wir so etwas lesen, desto größer ist unser Misstrauen.

      Zu viel Vertrauen ist häufig eine Dummheit, zu viel Misstrauen immer ein Unglück. (Jean Paul 1763-1825, deutscher Dichter und Pädagoge)

      1. „Wir Deutschen lieben den Zweifel“. Das ist ein wahres Wort. Allerdings erkenne ich mich darin nicht unbedingt. Ich hoffe sehr, mich in vielen Details von einem typischen Deutschen zu unterscheiden. Aber Radfahren und Gewichtheben haben nun mal gemeinsam, dass beides wohl geradezu nach Doping schreit. Bei Schach oder Darts habe ich mehr Vertrauen in die authentische Leistungsfähigkeit der Akteure.

        Als ob ich es geahnt hätte: https://www.sportschau.de/tourdefrance/tour-de-france-droht-doping-skandal-100.html. Der Beschuldigte ist aber wohl nicht der Ex-Skispringer (der hat besser aufgepasst), sondern ein anderer.

      2. Der Kolumbianer, gegen den sich der Verdacht richtet, hat im Endklassement den 95. Platz belegt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, hat er nichts damit erreicht. Einzelfälle kannst du weder im Sport noch in unserer Gesellschaft ausschließen. Derzeit werden unter unseren Polizisten mehr und mehr Rassisten ausfindig gemacht. Ein Generalverdacht ist ebenso wenig angebracht, wie die Behauptung, heutzutage würden alle Radprofis dopen. Dass gerade unter Schachspielern das Misstrauen besonders ausgeprägt ist, zeigt die Cheating-Diskussion, die in der unseligen Spielervereinbarung gipfelt.

      3. Ich verstehe schon, warum du den Radsport verteidigst. Aber von „Einzelfällen“ zu reden, geht wirklich an der Realität vorbei. Ich fand jetzt diesen Spiegel-Artikel.
        Bemerkenswert finde ich vor allem die Grafik „Sauberes Feld?“, in der abzulesen ist, dass etwa bis zum Jahr 2006 rund 40 Prozent aller Tour-de-France-Starter überführte Doper waren (nicht unbedingt bei der Tour gedopt, sondern überhaupt in ihrer Karriere). Das muss man sich mal klarmachen: Fast die Hälfte der Fahrer waren bewiesenermaßen Sportbetrüger. Das ist so ziemlich das Gegenteil von Einzelfällen. Seither sinkt augenscheinlich der Anteil der Doper, aber bei rückwirkenden Analysen mag sich der Anteil wieder erhöhen. Auf jeden Fall gehört Doping absolut zum System. Um das zu erkennen, muss man beileibe kein misstrauischer oder missgünstiger Mensch sein.

      4. Mein Hinweis auf Einzelfälle bezieht sich auf die aktuelle Zeit. Dass vor mehr als 10 Jahren Doping unter Radprofis an der Tagesordnung war, bestreite ich nicht, und verteidige ich nicht. Die neue Generation ist weitgehend sauber. Das belegen die unzähligen Dopingkontrollen. Nichtsdestotrotz wird es immer wieder schwarze Schafe geben. Das gilt für alle Sportarten. Zum Beispiel auch für den Fußball. Das Problem wird hierzulande – vor allem von Sportjournalisten – unter den Teppich gekehrt. Dazu ist folgende Belehrung auf der Seite von fußballtraining.de interessant. Laut Peter Neururer (Ex-Trainer von Hannover 96) waren Dopingfälle im Fußball ganz normal.

        Apropos Einzelfälle. „Man sollte nicht von Einzelfällen reden“, ist heute eine Schlagzeile in meiner Tageszeitung. Das ist die Aussage einer Kriminologin über möglichen Rassismus in der Polizei. Hört, hört! Lag ich mit meiner Einschätzung etwa falsch? Womöglich ist die Polizei heute dort, wo der Radsport zu Zeiten von Lance Armstrong war. Horst Seehofer, bitte übernehmen Sie!

  10. Julian Alaphilippe wird Weltmeister 2020

    Soeben wurden die Straßenweltmeisterschaften in Imola (Italien) beendet. Auf dem knüppelharten Rundkurs konnte er sich am letzten steilen Anstieg ein wenig vom Feld absetzen und diesen Vorsprung bis ins Ziel retten. Alaphilippe war in Frankreich bereits ein Volksheld, jetzt ist er unsterblich!

    Am 20. August hatte ich über ihn kurz berichtet und ein Foto von ihm aus dem Vorjahr an die Bildergalerie gehängt. Dort seht ihr auch Michal Kwiatkowski aus Polen. Im Jahr 2014 wurde er Weltmeister, diesmal erreichte er einen ausgezeichneten 4. Platz.

    Was lehrt uns das? Beim SFH-Blog sitzt ihr in der ersten Reihe!

    Bester Deutscher wurde Maximilian Schachmann auf dem 9. Platz. Der gebürtige Berliner hat einen eigenen Fanclub, der ihn hin und wieder begleitet. Der nennt sich: The Schachclub. Guckt mal auf Instagram.

  11. Abrechnung mit Sportjournalisten

    Wer sich für Schach, Gott und die Welt interessiert, sitzt bei den Schachfreunden Hannover in der ersten Reihe. In der letzten Reihe sitzen indes diejenigen, die ihren Wissensdurst allein durch ihre Tageszeitung stillen wollen. Meine Tageszeitung hat über die Rad-WM in Imola in wenigen Sätzen einen derart lieblosen Artikel zusammengeschnippelt, als hätte es sich dort um eine Seifenkisten-WM gehandelt. Emotionslos mit negativem Unterton (z.B. Simon Geschke schaffte es nicht unter die besten zehn). Dieser Loser!

    Simon Geschke belegte mit einem Rückstand von 1:34 Minuten den 17. Platz unter 174 Startern. Es war ein Ausscheidungsfahrern. Lediglich 88 Radprofis kamen ins Ziel. Simon Geschke zog ein „uneingeschränkt positives Fazit“ über die Mannschaftsleistung, über die Leistung von Maximilian Schachmann und über seine eigene. Das steht allerdings in den Fachmedien. Simon Geschke ist ein echtes Original und wie Max Schachmann ein gebürtiger Berliner. Simon hat vor ein paar Jahren den Vollbart unter den Radprofis hoffähig gemacht. Auch ihn konnte ich vor einem Jahr in Hannover ablichten. Meine Bildergalerie habe ich entsprechend ergänzt.

    Dieser lieblose Artikel ist eingebettet in einen Abklatsch aus der Bild am Sonntag. Die fettere Überschrift als die der Rad-WM lautet: Abrechnung mit Armstrong. Es geht um längst bekannte Aussagen von Ex-Toursieger Greg Lemond über seinen dopingbelasteten Landsmann Lance Armstrong. Doping kann natürlich im Zusammenhang mit Radsport nicht fehlen. Auf diese Weise werden Vorurteile perpetuiert. Sollte der geneigte Leser den Artikel tatsächlich zu Ende lesen, wird er erstaunt sein. Greg Lemond hält den heutigen Radsport für vergleichsweise dopingfrei: „Ich denke, dass der Radsport aktuell so sauber ist, wie ich ihn noch nie gesehen habe.“

  12. Giro d’Italia

    Sportlich steht die Italien-Rundfahrt der Tour de France in nichts nach. In den Medien spielt sie hierzulande jedoch kaum eine Rolle. Normalerweise findet der Giro d’Italia im Mai statt. Heuer wurde die dreiwöchige Landesrundfahrt aus bekannten Gründen in den Oktober verlegt. Zwei Wochen sind nun herum. Ob die dritte Woche noch ausgetragen wird, ist fraglich. Corona und Schnee in den Dolomiten könnten für ein vorzeitiges Ende sorgen. Gestern gab’s eine Regenschlacht. Die konnte Jhonatan Manuel Narváez Prado (Ecuador) nach einem Alleingang für sich entscheiden. Ihr kennt ihn bereits. Guckt ihr oben.

    1. Wieder ein sinnloses Radrumgefahre um Rentner zu unterhalten. Hatten wir schon bei der Tour-de-France. Kann weg. Wir brauchen mehr Events! Radfahren im Schnee wäre mal was Neues. Das bringt Presse. Das steht auf Seite 1 der Nachrichten. Nicht wenn du das gleiche machst wie alle anderen seit 150 Jahren.

      Deshalb Radfahren im Schnee, im Schlamm, die Klippen runter, die Treppen hoch. Das gibt tolle Fotos auf Instagram. Wann fangen diese Radfahrer endlich an Social-Media zu verstehen?

      Torsten Gans
      Defluencer

      1. Die tollen Fotos auf Instagram & Co. gibt’s schon. Schach-Nerds holst du damit nicht vom Sofa. Und auf die erste Seite meiner Tageszeitung kommst du damit auch nicht. Bei einer Giro-Etappe zu normalen Zeiten stehen indes mehr – überwiegend junge, begeisterte Tifosi – an einem einzigen Berghang, als der Deutsche Schachbund Mitglieder hat.

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