Neujahrsansprache

Liebe Schachfreundinnen, liebe Schachfreunde,

hinterm Schreibtisch eines hannoverschen Unternehmers und zweimaligen Deutschen Rallye-Meisters, der bis zu seiner Pleite 14 Jahre lang das Vergnügen hatte, mein Chef zu sein, hängt ein Bild mit dem Schriftzug: „Jedes Leben ist auch ein verpfuschtes Leben.“ Was uns der Künstler namens Werner Büttner damit sagen will, kann ich nur vermuten. Ich finde den Satz großartig. Im ersten Moment klingt er furchtbar pessimistisch, wenn man ihn jedoch frei ins Englische übersetzt, spendet er Trost: „Nobody is perfect.“ Womit wir bei uns Schachspielern sind. Wir Schachspieler sind alles andere als perfekt. Wir sind eigenbrötlerisch und sensibel. Unsere Seelen sind übersät mit unzähligen Narben. Jede Verlustpartie schlägt eine neue Wunde. Manche vernarben nie.

Diese Metapher ist nichts gegen die, die ich vor Weihnachten in einer norddeutschen Tageszeitung las: Die heftigen Regenfälle in Schleswig-Holstein seien ein „Fußabdruck des Klimawandels“. Wow! Dann ist der „Arschtritt des Klimawandels“ der Untergang Sylts. Bevor es soweit ist, wird die heilige Gabriele (St. Pauli) an meiner ehemaligen Wirkungsstätte zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Ihre erste Amtshandlung: Echte Sylter dürfen ihr Autokennzeichen mit SYL statt NF beschriften lassen. Es lebe der kleine Unterschied!

Horst-Peter anno 1984
Horst-Peter anno 1984

Mit dem heutigen Tag endet die Mitgliedschaft eines Schachfreunds, der 45 Jahre lang zu den herausragenden Persönlichkeiten unseres Vereins gehörte. Horst-Peter hat die Konsequenzen gezogen aus Vorfällen, die ohne Empathie als erledigt erklärt wurden. Dass ausgerechnet ein Reglementierungsunfug, den wir in den Achtzigerjahren abschaffen wollten, der Auslöser war, nennt man wohl Ironie des Schicksals. Die gemeinsamen Lehrjahre mit Horst-Peter haben mir viel gebracht. Seine Wissbegierde und sein gediegener Humor waren ansteckend. Möge es einen gemeinsamen Weg in der Zukunft geben. Wir sind ja noch so jung. „Spirituelles Alzheimer“ findet woanders statt.

Obwohl er unfehlbar ist, hat Papst Franziskus wenig Beifall von seinen Kardinälen bekommen, als er ihnen zu Weihnachten die Meinung geigte. Abgesehen von Untugenden jeder Art litten sie unter einer „mentalen Erstarrung“. Deshalb wolle er „verkrustete Strukturen“ seiner Kirche aufbrechen. Ich prophezeie euch, dieser Papst wird eher die Menschheit davon überzeugen, dass es keinen Gott gibt, als dass verkrustete Strukturen in Schachvereinen aufgebrochen werden. Sie gehen lieber mangels Masse unter, aber nicht bevor der Schriftführer das Protokoll darüber verfasst hat.

Zu einer Neujahrsansprache gehört der Ausblick auf kommende Ereignisse. Zwei Ergebnisse kann ich euch vorab nennen. Hamelner und Salzgitteraner müssen jetzt ganz tapfer sein, denn nach dem Gesetz der Serie werden wir in der Landesliga am 18. Januar mit 4,5:3,5 beim Hamelner SV und am 1. Februar mit dem gleichen Ergebnis gegen die SVG Salzgitter gewinnen. Ätsch! – Im vergangenen Jahr gab es eine Fülle runder Geburtstage und Jubiläen. Dies Jahr gibt’s davon wenig; Höhepunkt ist der Geburtstag einer Führungsperson, die so alt wird wie Hape Kerkeling vor wenigen Wochen.

Der Vorteil meiner Neujahrsansprache ist, dass man sie nicht mit der des Vorjahrs verwechseln kann, wie es Helmut Kohl 1987 widerfahren ist. Plattitüden sind nicht mein Ding. Eine Rückschau auf das vergangene Jahr spare ich mir. In eigener Sache gab es allerdings eine Zäsur. Die Freiheit, die ich mit dem Eintritt in die Rente gewonnen habe, lässt mir einen großen Spielraum. Inwieweit das Schachspielen dabei eine Rolle spielt, wird sich zeigen. Persönliche Erfolge sind zwar wichtig, aber noch wichtiger ist die Frage, ob ich mich in der Familie, die wir Schachspieler sein wollen, wohl fühle. „Gens una sumus“ ist leichter gesagt als gelebt.

Noch Fragen, Miss Sophie? Okay. Ihr wartet auf das verblüffende Ende meiner letzten Partie gegen Berenbostel. Das will ich euch nicht länger vorenthalten. Bis zum 21. Zug hatte mein Gegner tadellos gespielt. Dann griff er ohne Not zu einem inkorrekten Figurenopfer, das mir einen Mehrklotz (O-Ton Uns Uwe) bescherte. Meine vollzählige Kavallerie (O-Ton Problem-Peer) beziehungsweise meine schnaubenden Rösser (O-Ton Helmut Pfleger) konnten anschließend den gegnerischen König ohne viel Federlesens in die Zange nehmen.

Radecke, Peter (SV Berenbostel) – Streich, Gerhard (SFH)

Landesliga Süd, 07.12.2014

Stellung nach 30.Sc3-d5?
Stellung nach 30.Sc3-d5?

Der letzte Zug von Weiß 30.Sc3-d5? kommt einem Hilfsmatt gleich. Aber auch nach anderen Zügen ist Weiß verloren. 30… Sd4 31.Txa5 Sxf3+ 32.Kf1 32.Kh1 Txh2++ 32… Sxe4 Gegen Tf2++ gibt es keine Parade. 33.Ta7+ Das sprichwörtliche Racheschach 33… Kh6 0-1

 

 

 

 

Ich wünsche euch und euren Familien für 2015 Gesundheit, Kraft, Zufriedenheit und Caissas Segen.

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Skoda CITIGO als Hauptgewinn
Skoda CITIGO als Hauptgewinn

Das Jahr 2015 beginnt mit einigen Paukenschlägen. Über zwei berichte ich in meinem neuesten Kommentar.

12 Gedanken zu „Neujahrsansprache“

  1. Hallo Gerd,

    ich wünsche dir auch ein frohes, neues 2015.

    Was war denn der Reglementierungsunfug der Peter gestört hat? Ich dachte immer das sei das Problem mit den falsch gestellten Digitaluhren (gegen 96) gewesen. Aber das war in den 80ern weniger ein Problem.

  2. Auch alles Gute zum Neuen Jahr.Wenn man in Andeutungen spricht, sorgt man meist für Irritationen.Ich glaube, das ist nicht so gut und einer Neujahrsansprache nicht angemessen.

  3. Lieber Torsten, lieber Peter,

    ihr kennt sicher den Spruch: „Immer wenn über eine Sache Gras gewachsen ist, kommt ein Esel und frisst es wieder runter.“ Dieser Esel werde ich nicht sein. Deshalb werde ich öffentlich keine Vorfälle aus unserer unbewältigten Vergangenheit aufwärmen. Gleichwohl sollte es zu denken geben, wenn eine lebende Legende wie Horst-Peter unseren Verein verlässt. In einer Familie sollten sich alle Mitglieder wohlfühlen. Daran müssen wir arbeiten. Wenn das kein guter Vorsatz für 2015 ist?

    Gerhard

    1. Hallo Gerhard,

      deine Aussage verstehe ich nicht.

      1. Du hast in deiner Neujahrsansprache sehr vage über Peter Anhalt gesprochen. Das da Nachfragen kommen muss dich eigentlich nicht wundern. Und wenn du nicht öffentlich drüber sprechen willst, warum hast du dann damit angefangen?
      2. Ich weiß nicht, wie mir Dinge zu denken geben sollen, die ich nicht genau kenne. Ich weiß ja garnicht, worüber ich nachdenken soll.
      3. Arbeiten kann ich daran auch nicht.

      1. Meine Aussage möchte ich wie folgt erläutern:

        Zu 1.) Dass Horst-Peter nicht mehr Mitglied unseres Vereins ist, wird in der Schachszene bald jeder bemerken. Deshalb ist die Meldung darüber zunächst nichts anderes als eine wichtige Information zum richtigen Zeitpunkt, denn Horst-Peter ist kein x-beliebiges Mitglied, sondern über unseren Verein hinaus eine Institution in Niedersachsen. Obendrein bin ich ihm seit meiner Jugendzeit freundschaftlich verbunden. Die Beweggründe für seinen Austritt habe ich angedeutet, weil natürlich jeder nach dem Warum fragen wird. Mehr darüber zu schreiben, steht mir nicht zu. Es ist seine persönliche Entscheidung. Ob ich die für richtig halte, behalte ich für mich. Mein Hinweis auf die „Ironie des Schicksals“ war für diejenigen gedacht, die die Vorgeschichte in den Achtzigerjahren miterlebt haben. Der Fall hatte viel Staub aufgewirbelt. Wir mussten sogar Rechtsmittel einlegen. Um das alles zu erklären, müsste ich sehr weit ausholen. Dafür müsste ich bildlich gesprochen das Gras runterfressen. Das macht keinen Sinn. Wir wollen nach vorn schauen.

        Zu 2.) Es ehrt dich, dass du über die Ursachen nachdenken willst, an denen du offenbar nicht beteiligst warst. Wie sonst auch im Leben stellen sich hier zwei Fragen: 1. Warum gibt es das Problem? 2. Wie gehe ich damit um, wenn es eingetreten ist? Die erste Frage hat etwas mit Strukturen zu tun, die zweite mit Empathie.

        Zu 3.) Arbeiten daran kannst du, indem du dich dem dialektischen Dreischnitt stellst: These, Antithese und Synthese. Womit wir wieder bei Horst-Peter sind, denn er ist nicht nur „Seelenklempner“, sondern auch Magister der Philosophie.

  4. Falls ich mich zu 3.) schulmeisterlich ausgedrückt haben sollte, bitte ich um Nachsicht. Der Wohlfühleffekt in einem Schachverein kommt nicht von selbst. Dass daran bewusst oder unbewusst gearbeitet werden muss, steht für mich außer Frage. Dabei spielen die gewählten Vertreter eine wichtige Rolle. Niemand wird behaupten, dass der Spielbetrieb und die Kameradschaft in unserem Verein derzeit zufriedenstellend laufen. Arbeit gibt es also genug. Vielleicht ist es hilfreich zu gucken, wie andere Vereine damit – zumindest theoretisch – umgehen. Der Sportverein Hannover 78 hat dazu ein Leitbild verfasst: http://www.hannover78.de/leitbild/

    Drei Punkte habe ich herausgesucht:
    „Wir wollen, …
    … Sport zusammen mit gleichgesinnten Menschen treiben; bei aller Erfolgsorientierung soll Sport vor allem Spaß machen.
    … mehr als eine reine Zweckgemeinschaft sein; das menschliche Miteinander, über den Sport hinaus, hat eine hohe Bedeutung für uns.
    … ein spartenübergreifendes Gemeinschaftsgefühl fördern; Konflikte sollen gemeinsam mit gegenseitigem Respekt und Achtung voreinander gelöst werden.“

    Was spricht dagegen, sich an solchen Leitbildern zu orientieren? Die Arbeit lohnt sich.

  5. Apropos Arbeit. Schwerstarbeit mussten 200 niedersächsische Schachfreunde (davon 29 Innen) zum Jahresauftakt leisten. Sieben Turnierpartien in vier Tagen sind kein Pappenstiel. In Verden ging’s um die Landeseinzelmeisterschaft, die wie gewohnt in drei Gruppen ausgetragen wurde. Unser Verein war mit drei Schachfreunden vertreten. Sie belegten folgende Plätze:

    Michael Gründer 16. Platz von 20 Teilnehmern im Meisterturnier mit 3,0:4,0 Punkten
    Dr. Martin Ploog 5. Platz von 108 Teilnehmern im A-Open mit 5,5:1,5 Punkten
    Klaus Franke 17. Platz im A-Open mit 4,5:2,5 Punkten

    Niedersachsenmeister wurde Matthias Tonndorf (Jahrgang 1983) vom SV Caissa Wolfenbüttel mit 5,5 Punkten. Gratuliere! Den neuen Landesmeister dürfen wir uns im letzten Mannschaftskampf der Landesliga am 12. April „vorknöpfen“. Ungeschlagen und mit der gleichen Punktzahl wurde Martin hervorragender Fünfter im A-Open. Bravo! Aber auch die Platzierungen von Michael und Klaus können sich sehen lassen. Sämtliche Ergebnisse könnt ihr auf der NSV-Seite nachlesen.

    Es wäre schön, wenn uns ein Augenzeuge vom Turnierverlauf berichten würde. Ich denke vor allem an Martin. Er ist uns noch einen Bericht von der Deutschen-Amateur-Meisterschaft 2014 schuldig, bei der er einen ausgezeichneten 3. Platz in der B-Gruppe erreicht hatte.

    Martin, wir wollen eine Partie von dir!

    Dass Klaus noch hier und da die Klötze schiebt, freut mich. Zur Erinnerung an Zeiten als dies öfter der Fall war, möchte ich euch eine witzige Kurzpartie zeigen, die ich bei unserer Vereinsmeisterschaft 1979 gegen ihn gewonnen habe. In der Schlussstellung konnte ich auch mit 14.Dd3-f3 (droht Matt auf f7 und Dxa8) statt 14.Dd3-b5+ gewinnen, aber wer weiß, ob Klaus dann sofort aufgegeben hätte!?

  6. Neues Jahr, neues Glück

    Für Uwe hat das neue Jahr prima begonnen. Er konnte seine 1. Partie in Wijk aan Zee gewinnen. Wenn man bedenkt, dass er sich im vergangenen Jahr die lange Rochade (0-0-0) eingehandelt hatte, kann man erahnen, wieviel der Sieg wert ist. Wünschen wir ihm für die nächsten zwei Partien viel Glück.

    Knapp am Glück vorbei schrammte gestern meine Tochter. Sie hatte beim Adventsrätsel der HAZ und der Neuen Presse eine Tageswertung gewonnen. Als Hauptgewinn war ein Kleinwagen von Skoda ausgelobt. Der nennt sich auf Neudeutsch CITIGO und hat einen Wert von gut 14.000,00 Euro. Insgesamt sollen sich 113.000 Personen am Adventsrätsel beteiligt haben. Die 24 Tagesgewinner waren für gestern Nachmittag ins Autohaus Rindt & Gaida eingeladen. Die Chancen meiner Tochter auf den Hauptgewinn lagen somit bei 1:23. Jeder der Gewinner durfte sich eine Tüte mit einem Autoschlüssel auswählen. Nur ein Schlüssel passte ins Schloss des Autos. Dann begann für alle das große Zittern. In der Reihenfolge der Tagesgewinner musste jeder sein Glück versuchen. Passt der Schlüssel, oder passt er nicht? Die ersten Zwölf versuchten es vergeblich. Die Enttäuschung war ihnen anzumerken. Die Chancen meiner Tochter waren somit auf 1:11 gestiegen. Es half ihr nichts. Auch ihr Schlüssel war der falsche. Wenig später war eine Dame mittleren Alters die Glückliche. – Für alle, die leer ausgingen, gab’s zum Trost einen Gutschein eines hannoverschen Möbelhauses.

    Die HAZ und die Neue Presse werden am Mittwoch, dem 14. Januar, in Wort und Bild darüber berichten. Um dem Madsack-Verlag nicht die Show zu stellen, werde ich euch jetzt nicht verraten, wer gewonnen hat. Auch mein Gruppenfoto aller Gewinner behalte ich für mich. Das gleiche Foto gibt’s in den Printausgaben schwarz auf weiß und vielleicht online in Farbe. Meine Tochter ist die zweite Person von rechts. – Ein Bild des feschen, roten Hauptgewinns will ich euch jedoch nicht vorenthalten. Deshalb habe ich meinen Beitrag entsprechend ergänzt.

  7. Die Bilanz des Wochenendes, zweimal hui und einmal pfui:

    • 2:1 Punkte holt Uwe Gabriel in Wijk aan Zee und gewinnt seine Vierergruppe
    • 6:2 gewinnt unsere 2. Mannschaft in der Verbandsliga Süd beim SV Springe
    • 45:55 verliert Gabriele Pauli die Stichwahl zur Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt

    1. Hallo Gerd,
      da muss ich doch noch ein hui und ein pfui hinzufügen.
      Hui war, dass die gesamte Mannschaft der Schachfreunde bereits um 9:35 in unserem Spiellokal anwesend und der Wettkampf bereits 5 vor 10 beginnen konnte. So etwas habe ich in meinen Jahren bei Schachfreunde definitiv nie erlebt…
      Pfui war allerdings, dass mein Freund Günther den Wettkampf aufgrund irgendeines 40. Geburtstages nicht mitmachen wollte 😉
      Ansonsten geht der Sieg auch in der Höhe in Ordnung, unsere 2 Brettpunkte mussten wir uns hart erkämpfen.

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