Reife Klasse setzt sich durch – nicht immer…Team 1 verliert

Im Duell gegen die ziemlich junge Delmenhorster Mannschaft (15-42, im Mittel 27 Jahre alt) haben wir – da gibt es nichts zu deuteln – gestern ziemlich alt ausgesehen. Zu selten ist es uns gelungen, Stellungen zu produzieren, in denen wir unseren Erfahrungsschatz (und damit den dynamischen Jungspund auf der anderen Brettseite) ausspielen können. Das Ergebnis mag letztlich zu hoch ausgefallen sein – mein klarer Glückwunsch geht an ein Delmenhorster Team, das seinen Weg noch gehen wird!

Zunächst erwischte es Altmeister Gerd im Variantendickicht des Sveshikov-Sizilianers – wenig trostreich, dass die Partie Chasin-Strathoff aus 2007 kopiert wurde. Eine Miniatur, in die der staunende Delmenhorster Weißspieler weniger als 10 Minuten investierte.

Alle übrigen Partien gestalteten sich deutlich zäher, wobei es dem 15 Jahre alten Dmitri Kollars staubtrocken gelang, einen entnervend starken Zug nach dem nächsten zu produzieren. Nach 2 1/2 Stunden hatte dieser Spuk ein Ende. Der Delmenhorster Hunger nach ganzen Punkten war beeindruckend.
Kurz vor der Zeitkontrolle verloren dann mit Dennie und Michael, die beide für kleine Ungenauigkeiten büßen mussten, die übrigen Schwarzspieler. 4-0 nennt man eine „weiße Weste“!
Wir hatten unsererseits mit Weiß gegen erbitterten Widerstand zu kämpfen. Zweimal d4+Sf3+Lf4 führte in jeweils hartem Ringen nur zu einem Remis von Uwe – vier Remisgebote in einer Partie sind schon rekordverdächtig und bezeugen den Spielwillen der Kontrahenten wie auch das offenbar dynamische Gleichgewicht der Partie. Dieter hatte am Spitzenbrett einen harten Fight auf Biegen und Brechen aufs Brett gezaubert, der zwischenzeitlich sehr positiv aussah, allerdings nach Figurenabtausch in einem verlorenen Endspiel mit mehreren Minus-Freibauern endete. Schach kann in dieser Hinsicht grausam sein: 5 Stunden hervorragende und harte Arbeit ohne Zählbares!

Beenden möchte ich das Partiereview mit dem schönen Weißsieg von Arthur (2. in Folge). Gegen Sizilianisch erkämpfte er sich an Brett 3 zunächst „nur“ Raumvorteil, dann markierte er an verschiedenen Flügeln Angriffsziele („Zange“) und pflanzte letztlich den tödlichen Läufer auf f6 ein, der des schwarzen Königs Matt nach 44 Zügen besiegelte. Saustark, mit offenem Visier voll ausgekämpft und hier auch belohnt! Solche Partien machen Spaß, auch beim Zugucken.

Die Lage der Liga:
Von zehn Mannschaften spielen vier noch um den Aufstieg (1.Platz) und drei noch gegen den Abstieg (9.+10. Platz). Wir müssten in drei Wochen haushoch gewinnen, am besten 8-0, gegen einen der Aufstiegsaspiranten…

2 Gedanken zu „Reife Klasse setzt sich durch – nicht immer…Team 1 verliert“

  1. Es ist kein Trost für mich, dass meine Partie tatsächlich einen Vorläufer hat. Es war die kürzeste, erbärmlichste und peinlichste Turnierpartie, die ich in 50 Jahren gespielt habe. Damit will ich die Leistung meines Gegners nicht schmälern, aber ich war gestern in einer Verfassung, in der ich auch gegen Horst-Peters Eichhörnchen verloren hätte. Ich weiß nicht, was in mich gefahren war, in einer mir bekannten Eröffnung, die ich in Blitzpartien tausendmal auf dem Brett hatte, vom Standardzug 8…b5 abzuweichen. Danach habe ich nur noch Blödsinn gespielt. Ich entschuldige mich bei meinen Mannschaftskameraden, denen ich mit meiner schnellen Niederlage einen schlechten Dienst erwiesen habe. Shame on me.

  2. Schöner Bericht, selten genug, dass der Verlierer schneller als der Gewinner über so ein Ergebnis schreibt (bei uns kommt aber auch noch einer). Danke für den Hinweis mit der Vorgängerpartie an Brett 6.
    Kleine Korrektur: Bei der Partie an Brett 3 kann es sich nicht um Spanisch gehandelt haben, da ungefähr bis zum 30. Zug ein schwarzer Bauer auf e7 stand. Es war wohl eher ein Lb5-Sizilianer.

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