Schatten

Die Aufstellungen für die neue Oberliga-Saison sind veröffentlicht. Wie nicht anders zu erwarten, finden wir uns beim optischen Vergleich dieser, eher am Ende der zu erwartenden Tabelle wieder. Das erste Spiel der neuen Saison, gegen unsere Nachbarn aus Hameln, könnte bereits sehr entscheidend für den weiteren Saisonverlauf sein. Vom Ligaorakel werden wir sicherlich in Bälde erfahren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für unseren Klassenerhalt ist.

Klare Favoriten für den Aufstieg sind Ungarn (äh, eigentlich MTV Tostedt), die noch an Brett 12 einen IM gemeldet haben und Werder Bremens zweite Vertretung. Die Bremer haben nach dem überraschenden Abstieg aus der 2.Liga keinesfalls abgerüstet, sondern können dem Neuling aus Tostedt ein ebenbürtiger Gegner sein.

Dahinter kommen noch einige Mannschaften, die eigentlich auch gern aufsteigen würden (HSK Lister Turm, Nordhorn und Hellern), aber vermutlich gegen die Übermacht der zuvor genannten Teams chancenlos sein werden.

Genug spekuliert, wieder zitiere ich gern einen häufig auf der Hamelner Homepage zu lesenden Spruch: „DWZ (ELO) spielen kein Schach!“

Was ist sonst noch so los in der Schachwelt?

Im November findet wohl tatsächlich der WM-Kampf zwischen Carlsen und Caruana in London statt. Zumindest gibt es seit gestern Karten zu kaufen. Für die erste Partie allerdings nur noch VIP-Tickets – für schlappe 600 Britische Pfund. Na gut, wenn man schon mal in London ist…

Momentan findet in Dresden gerade die Deutsche Meisterschaft im Schach statt. Einen Hinweis darauf sucht man auf der Website des Deutschen Schachbundes übrigens vergebens. Das Teilnehmerfeld ist aber für eine Deutsche Meisterschaft auch etwas ungewöhnlich. Nur ein Großmeister hat sich gefunden, da haben die meisten Wald- und Wiesen-Open mehr zu bieten. Soll das Ganze deshalb vor der Schachöffentlichkeit geheim gehalten werden?
Vielleicht kann aber ein junger Spieler, der seine ersten Schacherfahrungen in Hannover gemacht hat und nun bei unserem Ligakonkurrenten aus Oldenburg spielt, diesen Umstand nutzen und sich ganz nach vorne spielen.
Jari Reuker ist nicht nur in diesem Jahr deutscher Jugendmeister geworden, sondern hat auch gleich noch zwei IM-Normen gesammelt. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen, dann bekommt meine Gewinnpartie aus dem Jahre 2012 (nun gut, da war er gerade 11 oder 12 Jahre alt) auch gleich eine ganz andere Bedeutung 😉

Der Schachbund hat außerdem noch eine andere Baustelle. Im Rahmen der Deutschen Seniorenmeisterschaft in Hamburg wurde bekannt, dass der Organisator eine Nebenabsprache mit dem Hotel getroffen hatte, wonach einige Prozent der Übernachtungskosten an einen ihm sehr nahe stehenden Verein gehen sollten. Auf jeden Fall bot der Schachbund den Teilnehmern die Rückerstattung an. Das Dumme an der Sache ist nur, dass dieser Organisator auch der Kopf der äußerst beliebten (und auch immer sehr gut organisierten) Deutschen SchachAmateurMeisterschaften ist (besser bekannt als RAMADA-Cup). Jedes Jahr haben dort weit über tausend Schachfreunde aus ganz Deutschland teilgenommen. Es steht zu befürchten, dass es diese Turnierserie wohl nicht mehr geben wird…
Schach wurde bei der Seniorenmeisterschaft übrigens auch gespielt. Jürgen Juhnke vom HSK Lister Turm belegte in der Gruppe 65+ einen hervorragenden 5. Platz, Glückwunsch Jürgen!

Was hat dieser Artikel jetzt mit Überschrift zu tun? Nix, aber eigentlich sollte der erste Satz so lauten: „Die Saison wirft ihre Schatten voraus“. In Anbetracht der schattenlosen Situation draußen, fand ich das unpassend. Eine sinnvolle neue Überschrift fiel mir aber nicht ein, so blieb der reißerische Titel einfach bestehen.

6 Gedanken zu „Schatten“

  1. Danke an Thomas für die Rundschau – ist mal wieder Schach hier 😉

    Reformen hat es natürlich gegeben – siehe zB gelbe Textmarker-Links, Revolutionen (und die meint Gerd ja sozusagen) „noch“ nicht. Der lokale Kongress tagt ja auch erst im September 2018 – und hat/hätte auf Bundes- oder norddeutscher Ebene einen schweren Stand in Punkto Durchsetzungsvermögen.

    Revolution findet häufig im Kleinen statt…man könnte hier mal die Spielerwechsel ab 2000 aufwärts betrachten. Beispielsweise ist unser Fussballverein mit Schachsparte wieder erstarkt – dank der Rückwechsel aus Ricklingen.

    Profivereine rüsten auf, interessanterweise sämtlich in der Provinz und weit weg von Hannover beheimatet (was in Niedersachsen nicht so schwer ist):
    Lingen
    Tostedt
    Kirchweyhe
    Lilienthal
    Esens (etwa gleich zum Vorjahr)

    Auffällig, dass in den niedersächsischen Top 100 viele Passive gelistet sind.

    Bezirk 1
    Torben und Alex Ivanov gehen nach H96
    Fridmar ist nach Lehrte gewechselt
    Patrick Lick wechselt nach Laatzen
    Der Ur-Berliner Ralf-Axel Simon spielt für Ricklingen
    Der Ex-Springer Malte ist bei den Schachfreunden unterwegs
    Mühlenberg (soll ich da auch Profi-Verein anheften?!) hat ab sofort mehrere 2000er

    to be continued (wenn schachbund.de mal wieder funzt)

    1. Die einzige Reform in der Niedersächsischen Turnierordnung besteht darin, dass die Pokalmannschaftsmeisterschaft (B2) alternativ als fünfrundiges Turnier nach Schweizer System ausgetragen werden kann. Ansonsten nichts Neues. In der FAZ gab es vor wenigen Tagen einen interessanten Artikel mit folgender Überschrift:

      Deutschland hat zu viele alte Strukturen und zu wenig Mut

      Gäbe es unter den Mutlosen eine Rangliste, stünden wird Schachspieler ganz unten.

      1. Einverstanden. So oder so befinden wir uns am Ende der Messlatte. Wobei sich meine Frage nach dem Reformstau speziell auf die Oberliga bezog. Gilt noch immer die Strafandrohung von 1.000 € +Nebenkosten zuzüglich Abzug zweier redlich verdienter Mannschaftspunkte, wenn eine Mannschaft verspätet zu einem Mannschaftskampf antritt? Da die Webseite der Norddeutschen Landesverbände nicht mehr existiert, kann ich die aktuelle Beschlussfassung nicht einsehen. Wobei ich mir die Antwort selber geben kann. Angesichts der Mutlosigkeit unter Schachspielern und Schachfunktionären wird diese Regel so lange perpetuiert, bis die Mutigen die Oberhand gewinnen und bekunden: Innerhalb einer Familie (gens una sumus) sind Strafandrohungen dieser Art unerträglich.

  2. Für eine Mannschaft, die aus Kostengründen die Fahrt von Hannover nach Lingen schwänzt, weil es dort eh nichts zu gewinnen gibt sind 1000 € Strafe durchaus ok.
    Nicht aber wenn das Spiellokal aufgrund des Verschuldens Dritter verschlossen bleibt. Das Problem sind also die pauschalen Strafhöhen, die keinerlei Einzelfallgerechtigkeit ermöglichen.

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