Halloween

Gern hätte ich euch heute zum Reformationstag über Reformen im Deutschen Schachbund berichtet. Tut mir leid. Da ist nix in Sicht. Die Fertigstellung des BER ist dagegen ein Schnellschuss geworden. Notgedrungen muss ich auf einen Volksbrauch zurückgreifen, den die Iren einst in die USA brachten: Halloween. Ursprünglich wollten sich die Gläubigen mit den gruseligen Verkleidungen vor den Seelen der Toten verstecken. Heutzutage dient das Fest der Kinderbelustigung. Gar nicht lustig sind Horrorclowns. Ein Exemplar verbreitet das ganze Jahr über Angst und Schrecken. Bei mir führt sein Anblick leicht zu Halluzinationen. Als ich vor ein paar Tagen einem Wisent begegnet bin, traute ich meinen Augen nicht. Guckt mal auf die Haarpracht zwischen dessen Hörnern! Zum Glück waren meine Ängste unbegründet. Der Wisent dachte sich seinen Teil…

TUNGSRAM-Schachfestival 1980 in Baden/Wien

Zu Pfingsten vor einem Jahr erntete Dennie Wiener Lorbeeren. Vor 40 Jahren stand ich vor dem Wiener Riesenrad im Prater und fror. Meine gelbe Jacke war zu dünn. Ich hatte mit meiner Frau einen Ausflug nach Wien gemacht. Ansonsten befanden wir uns in Baden anlässlich eines Schachfestivals der Extraklasse. Baden sei eine Schachstadt mit Tradition, steht im Programmheft von 1980. Dr. Dr. W. Dorazil begann seine Hommage mit folgenden Worten:

Baden ist nicht nur eine Stadt in einer lieblichen Landschaft mit vielen Wäldern und ihren klimatischen Vorzügen, ein Kurort, der durch seine Thermalbäder als solcher in der ganzen Welt ob seiner spezifischen Heilkräfte beliebt und geschätzt ist, ein Weinort, dem großes Interesse entgegengebracht wird und schließlich – last not least – eine Theaterstadt, die besonders durch ihre Freilichtaufführungen im Sommer kulturell wertvolle Arbeit leistet, nein, sie ist auch eine Schachstadt par excellence!

Das Schachfestival bestand aus drei Turnieren: einem Großmeisterturnier, einem Meisterturnier und einem Offenen Turnier. Das GM-Turnier gewann Boris Spasski punktgleich mit Alexander Beljawski. Wer darüber hinaus teilnahm, könnt ihr über 365chess  nachvollziehen und sämtliche Partien nachspielen. Ich spielte mit mittelmäßigem Erfolg im Open. Meine beste Partie war das Remis gegen Österreichs Schachlegende IM Dr. Andreas Dückstein. Den Partieverlauf habe ich euch bereits 2013 gezeigt. Bemerkenswert war die Teilnahme von Josef Klinger (Jahrgang 1967). Josef, Spitzname Pepi, war Österreichs größtes Schachtalent der Achtzigerjahre. Zehn Jahre später beendete er seine Schachkarriere und wurde Poker-Profi. Das brachte ihm eine Gewinnsumme von über 1,7 Mio $ ein. Dafür musst du als Schachspieler lange stricken. Als schmächtiges Kerlchen von 13 Jahren war er inmitten von gestandenen Schachspielern ein Hingucker. Heutzutage gehören spielstarke Kinder in Schachturnieren zum Alltag.

Einen Nachruf hat der Veranstalter verdient: TUNGSRAM AUSTRIA Aktiengesellschaft. Seit ihrem Gründungsjahr 1891 sei sie nicht nur die älteste Glühlampenfabrik Österreichs, sondern eine der ältesten der Welt. Pro Tag werden 100.000 Glühlampen mit hohem Standard von 400 Mitarbeitern gefertigt. Das Unternehmen dürfe im geschäftlichen Verkehr das österreichische Staatswappen führen. Diese besondere Auszeichnung werde nur hochqualifizierten Betrieben verliehen. Das und noch viel mehr steht im Programmheft. – Zehn Jahre später gingen für immer die Lichter aus.

Im Programmheft hatte auch der Humor seinen Platz. Diesen Witz kennen wir alle:

„Meine Frau hat gesagt, sie lässt sich scheiden, wenn ich nicht endgültig das Schachspielen aufgebe!“ „Das ist ja scheußlich!“ „Ja, freilich, ich werde meine Frau wirklich sehr vermissen!“

Meine Frau muss ich bis heute nicht vermissen. Als wir gemeinsam in Baden waren, lag unsere Eheschließung gerade 10 Monate zurück. Was lehrt uns das? Auf die richtige Dosis kommt es an. Und auf die richtige Frau!

Anleitung zum Bescheissen

Niclas Huschenbeth hat in der aktuellen C’t (23/2020, Seite 77) einige Schachseiten erwähnt: Chess24, lichess und Chess-bot. Chess-bot?? Nie gehört. Als ich mir die Webseite ansah fragte ich mich warum Huschenbeth sowas empfiehlt. Chess-Bot ist keine Seite zum Schachspielen, sondern ein Programm zum Züge vorhersagen. Für 180 $ gibts die Lifetime-Lizenz. Chess-Bot gibt die Möglichkeit zum Betrügen auch zu unter den FAQ:

Q: Can I get banned for using this software?
A: Yes, if you’re using it for cheating, you will be banned sooner or later.

Warum empfiehlt ein GM, der sich seriös gibt, eine solche Seite? Weil die Software zugegebenermaßen auch legal genutzt werden kann? Ich kann es mir nicht erklären. Zudem gibt es neben Chess24 und Lichess andere Schachseiten, die der Erwähnung wert sind: z.B. Chess.com und ChessBase.de. Chess-Bot ist sicherlich keine Webseite zum Schachspielen und auch kein Programm für Amateure, denn es kostet Geld. Für gute Spieler mag es Sinn machen, dieses Programm legal zu nutzen, weil Chess-Bot für diverse Schachseiten die besten Züge anzeigen soll. Man kann ja trotzdem selber denken.

Dennoch wird mir nicht klar, was Niclas geritten hat, diese Software zu empfehlen, obwohl es wirklich andere mehr erwähnenswerte Seiten gibt.

Eine Erklärung bietet vielleicht folgendes Video, aber auf den Chess-Bot geht Niclas hier nicht ein: https://www.youtube.com/watch?v=IY-8VE1GoqE.

Die Zerstörung des DSB 3.0

Heute feiern wir 30 Jahre Deutsche Einheit. Ein Punkt zwischen den beiden Ziffern und wir haben das Update der Selbstzerstörung im Deutschen Schachbund: 3.0. Ein wichtiger Funktionsträger wird demnächst zurücktreten. Er hat die Faxen dicke. Den längst überfälligen Rücktritt von Andreas Scheuer meine ich nicht. Nein, es ist jemand, der seinen Aufgaben durchaus gewachsen ist. Mehr verrate ich jetzt nicht. Den DSB wird in Kürze ein Beben heimsuchen. Ich erwarte eine Stärke von >5,0 auf der nach oben offenen Krauseskala.