Schach als Investition

Walter Rädler, Vizepräsident für Verbandsentwicklung im DSB, hat gestern Unterlagen von der 2. Bundesvereinskonferenz mit einer E-Mail verschickt. Einige von euch werden diese ebenfalls erhalten haben. In seinem Begleittext hat Walter Rädler folgende rhetorische Frage gestellt und gleich selbst beantwortet:

Ein Freund hat mich gefragt: Warum investierst Du so viel Geld und Zeit, damit dein Sohn Schach lernen und spielen kann? Meine Antwort: Nun, ich habe ein Geständnis zu machen: Ich bezahle nicht, damit mein Sohn Schach spielt. Weißt du, warum ich bezahle?

• Ich zahle, damit mein Sohn lernen kann, diszipliniert zu sein.
• Ich zahle, damit mein Sohn seinen Verstand pflegen und so seine Kreativität entwickeln kann.
• Ich zahle, damit mein Sohn lernt, mit Enttäuschungen umzugehen, wenn er nicht bekommt, was er erwartet hat.
• Ich zahle, damit mein Sohn lernt, seine Ziele zu erreichen.
• Ich zahle, damit mein Kind versteht, dass es Stunden um Stunden harter Arbeit und Training kostet, eine Meisterschaft zu erreichen und dass der Erfolg nicht über Nacht geschieht.
• Ich zahle für die Chance, die mein Sohn hat, Freundschaften fürs Leben zu schließen.
• Ich bezahle dafür, dass mein Sohn Turniere spielt und nicht vor dem Fernseher, Tablet, elektronischen Spielen und mehr sitzt.
• Meine Bezahlung dient für alles, was dieser wunderschöne Sport ihm gibt: „Verantwortung, Demut, Freundschaft, Geduld, Respekt, Konzentrationsfähigkeit, usw.“
• Ich könnte weitere Dinge aufzählen, aber um mich kurz zu fassen:
• Ich zahle nicht für Schach, sondern für die Chancen, die dieser Sport meinem Sohn bietet, für die Entwicklung von Attributen und Fähigkeiten, die Ihm nützlich für sein Leben sein werden.
• Ich glaube, es ist meine beste Investition – es ist eine Universität des Lebens!

Am hehren Ziel dieser Antworten gibt es keinen Zweifel. Etwas stört mich indes. Geht es um den Sohn (Tochter?), oder geht es um den, der bezahlt? Bezahlen heißt, eine Schuld zu begleichen. Sind wir unseren Kindern etwas schuldig? Oder wollen wir ihnen eine bestmögliche Zukunft bereiten? Ohne Eigennutz!? Eine Investition ist eine Kapitalanlage. Früher waren Kinder als Altersvorsorge unverzichtbar. In vielen Teilen unserer Welt gilt das noch heute. Aber gilt es das auch für unser Land in der heutigen Zeit?

Mit diesem Beitrag möchte ich keinesfalls an der Wortwahl von Walter Rädler herummäkeln, sondern diese zum Anlass nehmen, unsere wahren Beweggründe auf den Prüfstand zu stellen. Dazu passt diese wahre Begebenheit:

Um die Ecke meiner Straße gab es einen Kiosk. Das ist rund dreißig Jahre her. Betrieben wurde dieser von einem Mann mit türkischen Wurzeln. Immer, wenn jemand bei ihm etwas kaufen wollte, antwortete er: „Geb‘ ich gerne!“ Dieser Satz ist meiner Frau und mir als geflügeltes Wort bis heute in Erinnerung geblieben. „Gerne geben!“ Die Bezahlung wird dabei zur Nebensache.

11 Gedanken zu „Schach als Investition“

  1. Katzenbilder

    Auf ein anderes Thema möchte ich in diesem Zusammenhang zu sprechen kommen; und zwar auf einen Anhang in der E-Mail von Walter Rädler, der sich auf den Vortrag des DSB-Präsidenten Ullrich Krause bezieht:

    Die Vereinshomepage – Wie bringt sie den Verein nach vorne?

    Sein Vortrag deckt sich weitgehend mit meiner Einschätzung, die sich in meiner Webseitenauszeichnung niedersächsischer Schachvereine widerspiegelt. Ein Problemfall, der am 25. Mai 2018 durch die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft tritt, kommt mir in der schriftlichen Darstellung jedoch zu kurz: Es geht um die Veröffentlichung von Bildern auf einer Homepage. Hochwertige Bilder hält Ullrich Krause für wünschenswert, wären da nicht die ab 25. Mai dräuenden Konsequenzen. Bei Ullrich Krause liest sich das so:

    10. Problematische Themen
    • Urheberrecht an Bildern sicherstellen!
    • Namen des Fotografen angeben (Wikipedia macht exakte Vorgaben)
    • Bilder von Minderjährigen nur mit expliziter Erklärung der Eltern!
    • Datenschutz – Änderung auf EU-Ebene […]

    Leider sieht es derzeit so aus, dass bis auf Pressefotografen niemand befugt sein wird, digitale Fotos zu veröffentlichen, auf denen Menschen zu erkennen sind. Schriftliche Einwilligungen einzuholen, ist nahezu unmöglich. Der Hinweis in Turnierausschreibungen, dass sich ein Teilnehmer mit der Veröffentlichung seines unverhüllten Gesichts im Internet einverstanden erklärt, reicht ab dem 25. Mai nicht mehr aus. Wie schlimm das nach derzeitiger Rechtslage wird, könnt ihr u.a. hier nachlesen:

    https://www.ipcl-rieck.com/allgemein/wissen-zur-dsgvo-7-tipps-fuer-fotografen.html

    Kreativität war gestern. Künftig ist Vorsicht geboten. Auch für mich. Katzenbilder sind unverfänglich. Oder? Ich versuch’s mal. Siehe oben.

  2. Affenbilder sollten auch unverfänglich sein (so genannte Selfies…). Darüber mussten aber erst hohe Gerichte streiten. Vorsicht war und ist geboten!

  3. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der Affe eine Brille trägt und aus Burladingen stammt. – Wisst ihr übrigens, dass Joachim Fuchsberger 1978 bei einer Fernsehshow von einem Affen gebissen wurde? Fuchsberger erkrankte daraufhin an Hepatitis B und verbrachte vier Monate auf der Isolierstation eines Krankenhauses. Er fiel dadurch in ein tiefes Tal der Depressionen, wie er später berichtete.

    Depressionen kennen wir Schachspieler zur Genüge. Deshalb mein Rat: Lasst euch nicht von einem Affen beißen, sondern lieber von einer Muse küssen. Erato ist nichts für Schachspieler, aber Kalliope wäre genau die Richtige: Epische Dichtung kann den künftigen Bildermangel ersetzen.

  4. Epische Dichtung…
    Obacht – schon im alten Gallien ist man mit Troubadix nicht wirklich sanft umgegangen, sogar aus dem eigenen Verein äh Stamm und obwohl der ohne GEMA&Co ganz legal Liedgut verbreitete 😀

  5. Matt? Yes!

    Wie künftig die Bilder in unserem Blog aussehen werden, möchte ich euch anhand eines Beispiels zeigen (siehe oben), das ich von meiner Dienstreise mitgebracht habe: Ein Schachmotiv und keine Gesichter! Keine Gesichter werdet ihr schnell entdecken. Das Schachmotiv können indes nur Querdenker ausmachen. – Wer übrigens bei Gosch keine Menschenseele antreffen möchte, muss verdammt früh aufstehen.

    1. Stimmt. Wir haben auf unserer Tribüne extra Wellenbrecher montieren lassen, weil wir mit einem Besucheransturm rechnen. – Bezüglich der Erfahrung mit Affen habe ich am Donnerstag probehalber eine Möwe um ihre Einwilligung gefragt, bevor ich sie fotografiert habe. Die habe ich bekommen, allerdings musste ich dafür einen Preis zahlen. Guckt ihr oben…

  6. Du sollst dir kein Bildnis machen lassen

    Gestern hat Walter Rädler die Ergebnisbroschüre der Bundesvereinskonferenz 2018 verschickt. Viel Neues gegenüber 2017 ist darin nicht enthalten. Das Vereinssterben war in Berlin ein Thema, das sei aber nicht so schlimm, weil nur die schwachen Vereine stürben. Der Trend geht zu Großvereinen. Ab in die zwölfte Männermannschaft. Wenn das kein Anreiz ist!? Strukturen im Deutschen Schachbund sind anscheinend tabu. Dabei wäre dies der richtige Ansatz, um sich den Herausforderungen unserer Zeit anzupassen.

    Eine Herausforderung ist der Datenschutz. Statt den Normalbürger zu schützen ist ein Bürokratiemonster entstanden. Denjenigen, die angeblich geschützt werden sollen, schlottern die Knie. Für Veranstalter von Schachturnieren heißt das, die „Einwilligung in die Veröffentlichung von Personenbildnissen“ ist womöglich umfangreicher als die Ausschreibung selbst. Wie gruselig das aussieht, zeigt uns der SV Berenbostel mit der Ausschreibung der Offenen Garbsener Stadtmeisterschaft 2018: http://sjbh.de/attachments/article/573/Garbsen_2018.pdf

    Null bis drei Kreuze der Einwilligung kann/soll/muss die Turnierteilnehmerin/der Turnierteilnehmer machen. Was ist, wenn jemand bei Facebook kein Kreuz gemacht hat, dort aber dessen Bildnis reingestellt wird? Kann der SV Berenbostel dafür haftbar gemacht werden? Oder was ist, wenn sein Bildnis in der überregionalen Presse erscheint? Schließlich hat er seine Einwilligung nur für die regionale Presse gegeben. Fragen über Fragen. Ist eigentlich das Tragen von Burka und Niqab im Turniersaal erlaubt? Es gibt noch viel Spielraum für Turnierordnungen, von denen es Hunderte in Deutschland gibt. Die Entwicklung zeigt der Schachbezirk Südniedersachsen. Der hat seine aktuelle Turnierordnung mit Datum vom 9. Juni 2018 veröffentlicht. Die umfasst 18 Seiten. Daneben ist die Turnierordnung vom 5. April 1986 abrufbar. Die besteht aus 6 Seiten. Natürlich geht noch mehr: die Turnierordnung des Schachbezirks Lüneburg aus dem Juni 2018 kommt auf schlappe 37 Seiten.

    Dekadenz hin oder her. Wer eine Turnierpartie verloren hat, fühlt sich im Anschluss grottenschlecht. Daran hat sich in den letzten hundert Jahren nichts geändert.

  7. Freitag, der 13.

    Wölfe dürfen künftig in Niedersachsen nicht mehr fotografiert werden. Der Grund: sie verlieren dabei ihre natürliche Scheu vor den Menschen. Wir scheue Schachspieler werden indes immer scheuer, was unterm Strich aufs Gleiche hinauskommt. Das Volk freut sich, dass es uns gibt, aber nur, wenn wir in unserem Gehege (Hinterzimmer) bleiben.

    „Die Kuh ist noch nicht ganz vom Gleis“, metapherte jüngst der Verkehrsminister Schleswig-Holsteins, Bernd Buchholz, in Bezug auf die Marschbahn. Wieviel Kuh befindet sich noch auf dem Gleis? Kopf oder Schwanz? Versinken wird sie nicht, bevor die Gleise repariert sind. Oder doch? Der Meeresspiegel steigt dank Donald T. & Co. – Wer sich heute mit oder ohne Marschbahn auf den Weg nach Sylt macht, kann in Kampen handgemachter Musik mit Till Brönner lauschen. Sein Musikgeschmack gefällt mir, seine Instrumentalmusik auch, nur wenn er selbst singt, sehne ich mich nach Frank Sinatra. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Das Angebot reicht von Currywurst über Ochsenbäckchen oder Japanküche bis hin zu Kaviar.

    Sektempfang, Kaffee, Kuchen und Fingerfood gab’s zum 30-jährigen Bestehen des Bridge-Clubs Bredenbeck. Das war im Mai 2018. Das Durchschnittsalter der 36 Mitglieder liege bei etwa 65 Jahren, wird der 77-jährige Vorsitzende in der Presse zitiert. Parallelen zu uns Schachspielern sind evident, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Versuche, Bridge Grundschülern schmackhaft zu machen, seien gescheitert. Vielleicht liegt es an der Schrottwichtelei zu Weihnachten. Da lobe ich mir die Deutsche Schachjugend. Die ist modern aufgestellt. Noch. Wer weiß, wenn die in Jahre kommt!? Wenn ein Rindvieh auf dem Gleis steht, ist erstmal Stillstand angesagt.

  8. Fasse dich kurz!

    Meiner Tageszeitung ist es heute gelungen, einen neuen Weltrekord aufzustellen. Auf Seite 20 hat sie unter der Rubrik „In Kürze“ den kürzesten Artikel aller Zeiten veröffentlicht. Er kommt ohne Worte aus. 50×70 mm unbedrucktes Papier! No news is better than fake news. Was heißt das für unser Blog? Guckt ihr hier:

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