Wird Michael Weltmeister?

In diesem Beitrag geht es nicht um die Weltmeisterschaft der Besserverdienenden (Fußballer), sondern um die der reinen Schachamateure mit Handicap (Gehörlose). Unser 1. Vorsitzender Michael Gründer gehört zum Team, das derzeit in Kroatien die deutschen Farben vertritt.

Michael Gründer (Archivbild)
Michael Gründer (Archivbild)

Es wird mit Vierer-Mannschaften plus Ersatz gespielt. Aus Niedersachsen ist noch Dieter Jentsch (Wolfsburg) dabei. Die ersten Runden liefen super fürs deutsche Quartett. Es gab Siege gegen Kasachstan (3,5:0,5), Ukraine (2,5:1,5) und England (3,5:0,5). Michael wurde bislang einmal gegen England eingesetzt und konnte seine Partie gewinnen. Einen Dämpfer gab’s heute in der Spitzenpaarung gegen Serbien. Der Kampf ging ohne Michael mit 1:3 verloren. Aber noch ist alles drin. Die 5. Runde morgen Vormittag gegen Polen wird die Weichen stellen. Am nächsten Freitag enden die Mannschaftsweltmeisterschaften mit der 9. Runde. Drücken wir Michael die Daumen, dass er mit einem Weltmeistertitel zurückkehrt. Unbestätigten Meldungen zufolge gibt’s dann Freibier für alle Vereinsmitglieder.

Die Spitzenpartien könnt ihr live im Internet verfolgen: http://www.wdtc2014.org/

Die Ergebnisse gibt’s wie immer höchst professionell auf Chess-Results: http://chess-results.com/tnr135006.aspx?lan=1

Übrigens wird Michael für diese WM von der NP-Sportstiftung mit 450 € unterstützt. Darüber gab’s am letzten Mittwoch einen großen Artikel in der Neuen Presse. Guckt mal in euer Altpapier, ob ihr die NP vom 18. Juni findet (aus rechtlichen Gründen verzichte ich auf eine Veröffentlichung). Autor ist der Redakteur Simon Lange. Zum Artikel gehören zwei Fotos, die Michael beim Gartenschach zeigen. Auf einem Foto ist auch Christiane Jabs zu sehen, wie sie mediengerecht von Michael mattgesetzt wird.

11 Gedanken zu „Wird Michael Weltmeister?“

  1. Schachgrüße aus Kroatien… es läuft super fürs deutsche Team und ansonsten…
    gibt es auch nix zu beklagen. Nach der gestrigen Doppelrunde Platz 2 und heute
    wg. des ICCD-Kongresses spielfrei (wir machen einen Ausflug… und bereiten uns
    vor ;-)) … und dann morgen gg. Gastgeber Kroatien…

    Am Freitag können wir Gerhards Frage beantworten. Peters Frage schon jetzt…
    ja, 2006 in Ungarn ist Deutschland mit/wegen mir Vize-Weltmeister geworden.

  2. Wer Zeit hatte, saß gestern den ganzen Tag über am PC und hat Michaels Partien live verfolgt. Nach dem souveränen Sieg am Vormittag gegen den Polen Pjotr Walczak folgte am Nachmittag ein spannender Kampf gegen den Bulgaren Petar Orev, der mit einem gerechten Unentschieden endete. Michael hat mir diese Partie mit einigen Anmerkungen geschickt. Die decken sich weitgehend mit meinen eigenen Analysen und denen meines Rechners. Leider erlaubt mir das Web und/oder Browser nicht, alles Eins-zu-eins umzusetzen, deshalb möchte ich ein paar erläuternde Worte hinzufügen:

    In etwa ausgeglichener Stellung unterlief Michael mit 30… Sf6? eine Ungenauigkeit. Besser war 30… Sg3!; Weiß erkannte jedoch seine Chance nicht, die in folgender Variante bestanden hätte: 31.Lf5! (statt 31.Lxf4) Te2 32.Tc2 Te1+ 33.Txe1 Txe1+ 34.Kf2 Th1 35.Lxf4 Sh5 36.Lg5 Dc7 37.Lg4 Dg7 38.Tc1 Txc1 39.Lxc1 Dxc3 40.Db1+=

    Nach 41.Dd5?! (besser 41.Te1) hatte Michael in dem Doppelturmendspiel eigentlich nichts zu befürchten. Nach 46… b5? (46… hxg4 47.Texg4 Th8=) steckte er plötzlich in der Bredouille, die im Vormarsch des h- oder d-Bauern bestand. Der passive Zug 50.Kh3? machte die für Weiß unverhofften Gewinnvarianten zunichte.

    Mit 2,5 Punkten aus 3 Partien und seiner derzeitigen Ratingperformance von ELO 2252 liegt Michael auf dem 11. Rang aller WM-Teilnehmer. Es sei ihm vergönnt, dass er nicht nur den Weltmeistertitel aus Kroatien mitbringt, sondern allerhand ELO-Punkte, die auch der Region Hannover zugute kommen.

  3. Sensation in Opatija!

    Die Deutsche Mannschaft liegt vor der 7. Runde plötzlich in Führung. Warum? Das 4. Brett der Serben, Zoran Stojkovic, wurde nachträglich genullt. Über die Ursache kann ich nur spekulieren. Vermutlich hat Zoran zu gut gehört. Heute Nachmittag geht’s für unsere Mannschaft gegen Russland. Wenn die Begegnung gewonnen wird, können wir den Sekt kalt stellen.

  4. Anscheinend wurde ein serbischer Spieler genullt. Daher ist Deutschland jetzt an der Spitze des Feldes und spielt gegen Russland. Michael ist auch wieder dabei!

  5. Gestern gab es keine Live-Übertragung der Partien. Erst heute Morgen sind sie im Internet abrufbar. Vermutlich lag es daran, dass der suspendierte Serbe ein „vorlautes“ Kind im Ohr hatte, um mal die Werbung eines stadtbekannten Präsidenten zu zitieren. Mal sehen, ob dieser Betrugsfall ähnliche Wellen schlägt wie z.B. der des Bulgaren Ivanov.

    Nun habe ich mir Michaels Partie zusammen mit meinem Rechner angesehen. Meines Erachtens hat Michael ziemlich verkrampft gespielt, was angesichts der Bedeutung verständlich ist. Ein Sieg gegen die Russen und der WM-Titel wäre fast perfekt gewesen. – Die Bewertung durch meinen Rechner ging hin und her. 7.f2-f3 fand er gar nicht gut, die Antwort 8… exf3 aber auch nicht (besser 8… De8 oder 8… Sc6). Das Bauernopfer durch 12.Sd3? war zu optimistisch. Danach gewann Schwarz die Oberhand. Mit 17… a5?! leistete er sich jedoch eine Ungenauigkeit, wonach Michael den Bauern mittels 18.axb5 cxb5 19.Tb1 hätte zurückgewinnen können. Auch war 20.Tb1 dem Textzug 20.Db1?! vorzuziehen.

    In der Endstellung stand Schwarz auf Gewinn, wobei die Realisierung nicht einfach gewesen wäre. Hier kam Michael offenbar der Spielstand zugute. Durch das Remis hatten sich die Russen den Sieg gegen Deutschland gesichert. Der WM-Titel ist für die Deutsche Mannschaft zwar noch möglich, dann muss in den beiden Schlussrunden jedoch alles zusammenpassen. Ein Platz auf dem Treppchen wäre auch aller Ehren wert.

  6. Michael ist der Matchwinner gegen Ungarn!

    Heute konnte ich von Anfang die Partien live verfolgen. Michaels Partie war der Wahnsinn. So spannend wie der Spielverlauf war, kann kein Fußballspiel sein. Zunächst sah alles nach einem sicheren Sieg von Michael aus. Mit seiner unorthodoxen Eröffnung kam sein Gegner nicht klar. Mit 8.Lg3? büßte der Ungarn erst einen Bauern ein und brachte sich anschließend mit dem Manöver b2-b4-b5? in eine grottenschlechte Lage. Michaels Mörderspringer auf c3 hatte die weiße Stellung voll im Griff. In seiner Not versuchte Weiß, mit 23.Da3 ein bisschen Gegenspiel anzuzetteln, das eigentlich zum Scheitern verurteilt war. Michael geriet ins Schwimmen, und prompt kippte die Partie. Plötzlich befand sich Michael auf der Verliererstraße. Ein Unentschieden war dem Ungarn mehrmals sicher, dann verdaddelte er die Partie mit seinem 41. Zug Dd5-d7 endgültig. Jetzt ließ sich Michael die Partie nicht mehr nehmen. Sein Sieg war hochverdient, zeigt jedoch, dass vermeintliche Gewinnstellungen (>+2,50) nicht automatisch gewonnen sind. Ein oder zwei ungenaue Züge können alles zunichte machen.

    Durch Michaels Sieg gewann die Deutsche Mannschaft mit 2,5:1,5 gegen Ungarn. Parallel dazu gab es mit 0:4 eine sensationell hohe Niederlage der Russen gegen die Bulgaren, die damit fast durch sind, weil sie im letzten Kampf gegen die Engländer lediglich ein Unentschieden benötigen. Michaels Mannschaft spielt in der letzten Runde gegen die starken Kroaten. In diesem Kampf gilt es, zumindest die Silbermedaille zu sichern. Drücken wir ihnen morgen Vormittag noch einmal die Daumen. Vizeweltmeister klingt auch nicht schlecht.

    Schnallt euch an. Die Partie ist nichts für schwache Nerven:

  7. Brandaktuell: Die Bulgaren sind WDTC-Weltmeister 2014!
    Vier Remis nach wenigen Minuten reichen zum Titelgewinn. Gratulation. Unsere Mannschaft kämpft noch um den Platz dahinter. Statt Michael spielt Dieter Jentsch.

  8. Bronzemedaille!

    In der letzten Runde gab es eine 1,5:2,5 Niederlage gegen Kroatien. Dadurch konnten die Polen noch am Deutschen Team vorbeiziehen. Bulgarien stand bereits als Weltmeister fest. Bis vor wenigen Minuten kämpfte Dieter Jentsch 125 Züge lang, um sein Turmendspiel zu gewinnen und damit der Mannschaft ein Unentschieden zu retten. Sein Gegner hielt tapfer dagegen und rettete sich in dem für ihn etwas schlechter stehenden Endspiel ins verdiente Remis.

    Michael ist zwar nicht Weltmeister geworden, aber mit 4 Punkten aus 5 Partien und der achtbesten Ratingperformance (ELO 2257) aller Teilnehmer wird er mit seinem Abschneiden sicher zufrieden sein.

    Meine Glückwünsche gehen auch an Olaf Hoyer (Hannover 96). Er gewann das Open souverän mit 7 Punkten aus 9 Partien. Hannover darf stolz auf Olaf und Michael sein.

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