Schach ist, wenn…

…nach sechseinhalb arbeitsreichen Stunden und Remisschluss beide Protagonisten der Meinung sind, sie hätten die Partie verloren. Deprimierend gewissermaßen und zu Recht übrigens, aber dazu später.

Unser Team II hatte gestern in der vorletzten Runde der Verbandsliga gegen die Schachtiger zu spielen, eine Mannschaft aus dem vorderen Tabellendrittel. Beide Mannschaften mussten fernreisebedingt auf ihre nominellen ersten Bretter verzichten. Ein munteres Spiel begann.

Marc übersah leider, dass er seinem Läufer alle Felder verstellt hatte und verlor diesen prompt. Technisch hochwertig folgte die Verwertung durch den Langenhagener Gegner.
0-1

Wer 1-0 führt, der stets verliert. Willi spielte eine offene Partie und hatte einen schönen Zwischenzug, der die gegnerische Stellung pulverisierte.
1-0 Ausgleich

Die übrigen Partien entwickelten sich auf Augenhöhe und zäh. Kleine Vorteile, mal hier ein wenig Raum, mal da ein besser entwickelter Klotz, aber alles (noch) nicht gefährlich.

Gerd wollte gegnerisches Gegenspiel verhindern und bog in eine Zugwiederholung ein.
1,5:1,5

Schlag auf Schlag remisierten Jörg und Martin vor der Zeitnotphase ihre Schwarzpartien.
2,5:2,5

Die letzten drei Partien hatten es auch nach vier Stunden noch in sich:
Günter hatte seinen Läufer auf g6 einsperren lassen. Die Zeit, die dessen Befreiung dauerte, nutzte der Langenhagener Spieler zu Druckaufbau gegen den unterentwickelten Damenflügel. Irgendwann stand ein weißer Bauer auf der siebten Reihe, später ein zweiter – Aufgabe.
2,5:3,5

Jürgen hatte (diesmal gambitfrei) eine dynamische Stellung aufgebaut. Im späten Endspiel konnte er sich einen entfernten Freibauern bilden bei gleichzeitigen Chancen gegen den offenen König. Sahe gut aus. Dann Abtausch ins Turmendspiel – sah auch gut aus. Dann Verlust des eigenen Freibauerns. Ab hier wurde es komisch. Rund 15 Züge später wurde es dann remis. Eine erste Achterbahn der Gefühle.
3,0:4,0

Dies galt auch für die Partie an Brett zwei. Ich (Uwe) hatte zum ersten Mal in dieser Saison die weißen Steine. Es ging gegen Bernd Grohmann, eine gut bekannte Paarung. Bernd ist ein netter Zeitgenosse, möchte stets gern gewinnen und kennt seine sehr solide-gefährlichen Eröffnungen wie seine Westentasche. In den ersten 20 Zügen gab es also nichts für mich zu holen. Ich agierte in komplexer Stellung zunächst sehr umsichtig, gestattete ihm dann aber doch Initiative, zu der Bernd sich nicht 2x bitten lässt.

Bei Zug 30 dann mein Fehlzug – der Springer zieht aufs falsche Feld und wird vom Turm geschlagen. Übersehen – mir rutscht das Herz in die Knie. Der folgende Generalabtausch lässt Dame Turm gegen Dame Turm entstehen, Minusbauer und offene Königsstellung inklusive. Eigentlich (m)ein Todesurteil, aber bei knapper Zeit findet Bernd die Verwertung nicht. Ich kann glücklich in ein Turmendspiel übergehen und bekomme mit dem geschaffenen Freibauern und Druck gegen die siebte Reihe Kompensation für den Minusbauern (oder sogar schon mehr?!).

Um Zug 50 dann das Remisgebot von Bernd, das ich aber nur für ein 4:4 annehmen darf. Doch die Tiger wollen gewinnen – und so muss ich weiterspielen – Ausgleich bei den Bauern. Ich finde ein paar tolle Züge, die dem Rechner nur ein Gähnen entlocken (allesamt locker Remis!), aber wir spielen ja eine praktische Partie, in der auch Bernd trickreich agiert. Und so wogt dieses Endspiel mehrfach zwischen Remis und Gewinn für mich. Das Ergebnis steht nach knapp 90 Zügen und ziemlicher Ermattung beider Spieler fest – und macht sie gewissermaßen beide unglücklich (siehe Einleitung). Ein Drama also!
3,5:4,5 vorbei und verloren

Ich freue mich dennoch schon auf nächste Partie mit Bernd. Es macht einfach Spaß, wenn beide auf Augenhöhe den ganzen Punkt suchen und gut was los ist auf dem Brett.

Gratulation an die Tiger, die im nächsten Jahr mal realistisch in Richtung Landesligaaufstieg gucken dürften. Wir selbst haben die Abstiegschancen von 5% auf 2% gedrückt. Das Ligaorakel wird schon am nächsten Sonntag neu kalkulieren.

Noch ein Glückwunsch geht an den Lister Turm, dessen zweite Vertretung den Aufstieg in die Landesliga schon jetzt perfekt gemacht hat und auch dort kein Kanonenfutter sein wird.

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Streich, Gerhard (SFH II) – Backhaus, Manfred (ST Langenhagen)
Verbandsliga Süd (8) Brett 4
11.03.2018
Weiß nach 22… Dg5-h6 am Zug

Remis! Warum? Siehe Kommentar!

Mögliche Varianten guckt ihr hier:

Ein Gedanke zu „Schach ist, wenn…“

  1. Im Nachhinein muss ich mich für meine Mutlosigkeit entschuldigen. Meine Stellung war gut, und so überlegte ich lange, wie ich daraus Kapital schlagen konnte. Zur Auswahl standen drei vielversprechende Züge, die ich allesamt am Brett sah:

    23. c5!
    23. Da4!
    23. h4!

    Alle führen zu vorteilhaften Varianten für Weiß, wenngleich die Realisierung nicht einfach und ein Straucheln nicht ausgeschlossen gewesen wäre. Stattdessen hatte ich mich mit 23. Sh4 für eine Zugwiederholung entschieden, die mein Gegner jeweils mit Dh6-g5 beantwortete. Meine Befürchtung war, dass Schwarz mittels f7-f5 Gegenspiel bekommt.

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