DSenMMdL 2018 in Templin

Morgen werden die 27. Deutschen Senioren-Mannschaftsmeisterschaften der Landesverbände beendet. Für das niedersächsische Team sieht es diesmal nicht gut aus. Vor der Schlussrunde belegt es in der Altersklasse +65 mit 5:7 Punkten den 11. Platz unter 16 Mannschaften. Offenbar waren zwei unserer Spieler erkrankt und einer von der Rolle: Gerhard Kaiser (Hamelner SV). Lediglich ein Remis in 6 Partien ist auf seiner Habenseite. In der Vergangenheit war Gerhard bei seinen Einsätzen stets einer der Leistungsträger.

5,5 Punkte aus 6 Partien holte am 1. Brett FM Jefim Rotstein (NRW); mit einer Elo-Zahl von 2.315 die Nummer Eins der Rangliste. Heute gewann er glücklich gegen Karl-Heinz Jergler (Bayern 1). Das Ende der Partie habe ich zufällig live verfolgt. – Jefim Rotstein hatte eine Gewinnstellung erreicht. Allerdings stand sein König bedenklich, weil die weiße Dame zusammen mit dem weißen Springer für Gefahr sorgte. Es wurde unglaublich spannend. Die Partie wogte hin und her. Zwischendurch konnte sogar Weiß gewinnen. Mit 73. Sf8? statt 73. Sg5!! vergab er die letzte Remischance. Die Partie müsst ihr unbedingt nachspielen. Vor allem die Varianten, die nicht gespielt wurden! Wir steigen im 63. Zug ein:

Jergler, Karl-Heinz (Bayern 1) – FM Rotstein, Jefim (NRW)
DSenMMdL (6) Brett 1
15.09.2018
Schwarz am Zug


Die Affäre Jordan

Was hat den DSB-Präsidenten Ullrich Krause bloß geritten, aus einem ehemaligen Erfolgsmodell eine Schlammschlacht zu machen? Selbst wenn es stimmt, dass eine rasche Aufklärung vonnöten war, ist diese seitens des amtierenden DSB-Präsidiums stillos in die Öffentlichkeit gezerrt worden. Da der Skandal in den einschlägigen Fachmagazinen sowie sozialen Medien rauf und runter diskutiert wurde und wird (allein 48 Kommentare bei den Schachperlen vom Bodensee), ist euch die Sachlage vermutlich bekannt. Eigentlich wollte ich mich aus dem Thema heraushalten. Der Artikel „Keine Zusammenarbeit mehr mit Dirk Jordan“ in der neuesten Ausgabe von Otto Boriks Schachmagazin 64 hat mich jedoch veranlasst, mit diesem Beitrag mein Befremden über die Präsidentschaft im Deutschen Schachbund auszudrücken.

Der zuvor genannte Artikel im Schachmagazin 64 stammt von Hartmut Metz. Der Artikel ist sachlich geschrieben, verschweigt indes die Rolle desjenigen, der den Skandal aufgedeckt hat: Dipl.-Ing. Ossi Weiner, seit Ende 2017 Geschäftsführer der DSB Wirtschaftsdienst GmbH. Dessen nassforschen Kommentare widerlegen unseren Werbespruch: Nette Leute spielen Schach.

Das Gegenteil von nett ist seine arrogante Antwort im Schachticker auf eine Stellungnahme vom ehemaligen Vizepräsidenten des DSB und amtierenden Präsidenten des Badener Schachverbands, Prof. Uwe Pfenning, u.a. mit folgenden Worten: „Offensichtlich hat der gute Mann keinerlei Sachkenntnis von der tatsächlichen Faktenlage.“

Dipl.-Ing. Ossi Weiner kenne ich nicht persönlich, aber ein Blick ins Netz zeigt, dass er bei der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich ist. In einem Forum für Schachcomputer beschreibt ihn jemand mit diesen Worten: „Ein sehr harter Geschäftsmann, der ganz genau weiß was er will.“ Persönlich kennengelernt habe ich indes den amtierenden DSB-Präsidenten Ullrich Krause, seinen Vorgänger Herbert Bastian und Prof. Uwe Pfenning anlässlich der 1. Bundesvereinskonferenz 2017 in Berlin. Es blieb mir nicht verborgen, dass es zwischen dem damals amtierenden Präsidenten und dem Präsidenten in spe knisterte. Womöglich lösen sich jetzt die Spannungen. Den besten Eindruck auf mich hat Uwe Pfenning gemacht. Dass er von seinem Posten auf Bundesebene zurückgetreten ist, ist angesichts des derzeit rigiden Stils kein Wunder.

Wie geht’s weiter? Der Streit wird vermutlich juristisch ausgetragen. Er wird irgendwann mit einem Vergleich enden. Der DSB wird keinen adäquaten Ersatz für Dirk Jordan und sein ehemaliges Team finden. Die Schachszene in Deutschland wird ärmer. Ullrich Krause wird bei der nächsten Präsidentenwahl in seinem Amt nicht bestätigt. Sieht so eine bessere Zukunft aus?

Schatten

Die Aufstellungen für die neue Oberliga-Saison sind veröffentlicht. Wie nicht anders zu erwarten, finden wir uns beim optischen Vergleich dieser, eher am Ende der zu erwartenden Tabelle wieder. Das erste Spiel der neuen Saison, gegen unsere Nachbarn aus Hameln, könnte bereits sehr entscheidend für den weiteren Saisonverlauf sein. Vom Ligaorakel werden wir sicherlich in Bälde erfahren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für unseren Klassenerhalt ist.

Klare Favoriten für den Aufstieg sind Ungarn (äh, eigentlich MTV Tostedt), die noch an Brett 12 einen IM gemeldet haben und Werder Bremens zweite Vertretung. Die Bremer haben nach dem überraschenden Abstieg aus der 2.Liga keinesfalls abgerüstet, sondern können dem Neuling aus Tostedt ein ebenbürtiger Gegner sein.

Dahinter kommen noch einige Mannschaften, die eigentlich auch gern aufsteigen würden (HSK Lister Turm, Nordhorn und Hellern), aber vermutlich gegen die Übermacht der zuvor genannten Teams chancenlos sein werden.

Genug spekuliert, wieder zitiere ich gern einen häufig auf der Hamelner Homepage zu lesenden Spruch: „DWZ (ELO) spielen kein Schach!“

Was ist sonst noch so los in der Schachwelt?

Im November findet wohl tatsächlich der WM-Kampf zwischen Carlsen und Caruana in London statt. Zumindest gibt es seit gestern Karten zu kaufen. Für die erste Partie allerdings nur noch VIP-Tickets – für schlappe 600 Britische Pfund. Na gut, wenn man schon mal in London ist…

Momentan findet in Dresden gerade die Deutsche Meisterschaft im Schach statt. Einen Hinweis darauf sucht man auf der Website des Deutschen Schachbundes übrigens vergebens. Das Teilnehmerfeld ist aber für eine Deutsche Meisterschaft auch etwas ungewöhnlich. Nur ein Großmeister hat sich gefunden, da haben die meisten Wald- und Wiesen-Open mehr zu bieten. Soll das Ganze deshalb vor der Schachöffentlichkeit geheim gehalten werden?
Vielleicht kann aber ein junger Spieler, der seine ersten Schacherfahrungen in Hannover gemacht hat und nun bei unserem Ligakonkurrenten aus Oldenburg spielt, diesen Umstand nutzen und sich ganz nach vorne spielen.
Jari Reuker ist nicht nur in diesem Jahr deutscher Jugendmeister geworden, sondern hat auch gleich noch zwei IM-Normen gesammelt. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen, dann bekommt meine Gewinnpartie aus dem Jahre 2012 (nun gut, da war er gerade 11 oder 12 Jahre alt) auch gleich eine ganz andere Bedeutung 😉

Der Schachbund hat außerdem noch eine andere Baustelle. Im Rahmen der Deutschen Seniorenmeisterschaft in Hamburg wurde bekannt, dass der Organisator eine Nebenabsprache mit dem Hotel getroffen hatte, wonach einige Prozent der Übernachtungskosten an einen ihm sehr nahe stehenden Verein gehen sollten. Auf jeden Fall bot der Schachbund den Teilnehmern die Rückerstattung an. Das Dumme an der Sache ist nur, dass dieser Organisator auch der Kopf der äußerst beliebten (und auch immer sehr gut organisierten) Deutschen SchachAmateurMeisterschaften ist (besser bekannt als RAMADA-Cup). Jedes Jahr haben dort weit über tausend Schachfreunde aus ganz Deutschland teilgenommen. Es steht zu befürchten, dass es diese Turnierserie wohl nicht mehr geben wird…
Schach wurde bei der Seniorenmeisterschaft übrigens auch gespielt. Jürgen Juhnke vom HSK Lister Turm belegte in der Gruppe 65+ einen hervorragenden 5. Platz, Glückwunsch Jürgen!

Was hat dieser Artikel jetzt mit Überschrift zu tun? Nix, aber eigentlich sollte der erste Satz so lauten: „Die Saison wirft ihre Schatten voraus“. In Anbetracht der schattenlosen Situation draußen, fand ich das unpassend. Eine sinnvolle neue Überschrift fiel mir aber nicht ein, so blieb der reißerische Titel einfach bestehen.

Traurige Nachricht

Diese Nachricht erschüttert die Sportwelt: „Ehemaliger Radprofi nach Insektenstich gestorben.“ Radrennfahrer sind vielen Gefahren ausgesetzt, dass aber ausgerechnet ein winziges Insekt einen durchtrainierten Menschen umhauen kann, ist an Tragik kaum zu überbieten. Andreas Kappes ist nur 52 Jahre alt geworden. Ich hatte die Ehre, ihn kennenzulernen.

Um die Jahrtausendwende habe ich auf Mallorca zweimal an einem Trainingslager teilgenommen, bei dem Andreas meine Gruppe leitete. Das hat richtig Spaß gemacht. Wir waren die sogenannten „Speed-Fahrer“. Andreas verstand es, Tempo, Härte und Länge der Touren richtig zu dosieren. Unvergessen ist eine Tour, auf der es infernalisch regnete. Als wir losfuhren, war es trocken. In Selva setzte der Regen ein. Wir suchten Schutz in einer typisch spanischen Schankstube. Der Regen hörte nicht auf. Nach zwei Stunden entschlossen wir uns, trotz strömenden Regens aufzubrechen. Selva liegt am Fuß des Tramuntana-Gebirges. Bis zu unserem Hotel in Playa de Muro mussten wir rund 25 Kilometer zurücklegen. Wir nahmen die kürzeste Strecke; das ist die Schnellstraße zwischen Alcudia und Palma, die eigentlich für Radfahrer gesperrt ist. Andreas fuhr mit hohem Tempo voran. Ich an seinem Hinterrad. Hinter mir der Rest der Gruppe. Auf einer Strecke von rund 500 m war die Straße total überflutet. Wir mittendurch. Wir sind heil angekommen. Dank Andreas.

Gruppenbild aus dem März 2000 vor einem Hotel auf Mallorca

Andreas Kappes steht links neben mir.

Gestern war ich bei der Nacht von Hannover. Dort habe ich viele Weggefährten aus dem Radsport getroffen. Morgen findet die Nacht von Neuss statt. Andreas Kappes hat sie organisiert. Sie wird ohne ihn stattfinden. Die Erinnerungen bleiben.

Gerhards buntes Hannover

Gestern habe ich ein Büchlein zur Hand genommen, das den Titel trägt: „Klapas buntes Hannover“. Es ist 1989 bei Leuenhagen & Paris (Lister Meile) erschienen. Klapa steht für Klaus Partzsch (*1930 †1995). Die älteren Hannoveraner werden sich an seine Glossen erinnern, die er jahrzehntelang in der HAZ veröffentlicht hat. Seine Nachfahren führen die Tradition in der Kolumne „Lüttje Lage“ fort. 125 heitere Betrachtungen spiegeln Klapas buntes Hannover wider. Wobei „bunt“ heute eine andere Bedeutung hat als vor dreißig Jahren. Gleichwohl menschelt es nach wie vor. Es gibt Aufreger, die in Vergessenheit geraten sind, z.B. die Spielbankaffäre, andere sind aktuell wie eh und je, z.B. unser Verhältnis zu Bürgern, die im Freistaat Bayern beheimatet sind. Das wird in Klapas Glosse „Blitzschach“ deutlich.

Karnevalsumzug am 10. Februar 2018

Klapa hatte ein Vollwertkostmenü, das in einer Zeitschrift für gesundes Leben abgebildet war, mit einem Tarnnetz für Bundeswehrpanzer verglichen. Der Mann hinter dem Menü war ein Bayer vom Wörthsee, der erbost reagierte und Klapa riet, die Bewertung seiner Vollwertkost einer Gulaschkanone zu überlassen. Die hätte größere Kapazitäten. – Warum auch immer kam es zwischen den beiden zu einem Duell auf dem Schachbrett. Klapa musste klein beigeben: „Aber daß mich der Mann aus Bayern so furchtbar geschlagen hat, möchte ich den Hannoveranern doch nicht vorenthalten – es macht ja immer Vergnügen, eine fette Figur umkippen zu sehen, selbst wenn es nur die eines Kleinmeisters sein sollte.“

Kleinmeister ist das Stichwort für Gerhards buntes Hannover. Bei meiner Vorbereitung auf die neue Saison in der Oberliga Nord habe ich das Terrain eines Gegners erkundet: Aufsteiger Hannover 96. Dabei fiel mit ein merkwürdiges Schild auf:

Frauen kennen wir Schachspieler meist nur vom Hörensagen. „Warum“, fragen wir uns deshalb, „hat diese Spezies einen eigenen Eingang?“ Wobei es noch einen zweiten Eingang geben muss, wenn ich das Wort „zusätzlich“ richtig deute. Den konnte ich allerdings nicht finden. Getrennte Eingänge für Männer und Frauen kannte ich bislang nur von Moscheen. Welchen Sinn macht es, wenn ein Ehepaar, das ein Fußballstadion besuchen will, am Eingang getrennt wird? Ist es die Wiedersehensfreude in den Menschenmassen hinter den Eingangstoren? Oder werden an diesen Stellen sensible Ordnerinnen statt grobschlächtiger Ordner eingesetzt? Ich weiß es nicht. Als ich das letzte Mal im Stadion war, gab es das Schild noch nicht. Es war an einem bitterkalten Tag im Januar 2016. Thomas Schaaf war gerade als Fußballlehrer verpflichtet worden. Das erste Training war öffentlich. Er teilte die Profis in zwei Mannschaften und ließ sie auf einem Kleinfeld spielen. Ständig griff er ein und erklärte den Spielern etwas. Ich hatte den Eindruck, dass die Profis nur Bahnhof verstanden haben. Das Ergebnis ist bekannt: Es wurden 91 grausame Tage für die Kicker von Hannover 96.

Zurück zur Schachabteilung von Hannover 96. Am 25. November sind wir in der 3. Runde bei denen zu Gast. Die 2. Runde der Oberliga Nord ist für den 11.11. um 11:00 Uhr angesetzt. Das ist wieder typisch für die Humorlosigkeit von Schachfunktionären. Warum nicht um 11:11 Uhr? So viel Zeit muss sein. Wir haben dann ein Heimspiel gegen Werder Bremen. Thomas Schaaf ist wieder in deren Reihen. Als Sportdirektor möchte er an frühere Erfolge anknüpfen. Das sei ihm vergönnt. Misserfolge auf hannoverschem Gelände inbegriffen.

Sonnenuntergang am 2. August 2018 (siehe Kommentar)

Siehe Kommentar vom 17.10.2018

8. April 1990 Radrennen „Rund ums Rathaus“ im Hintergrund die Stahlhochstraße über dem Aegi
16. November 2018 – Vorbildlich beleuchteter Bulli als Shuttle Service für Schlachtenbummler

Gestern in Hannover

Die Tour de France startet wegen der Fußball-WM eine Woche später. Heute auf den Tag genau vor einem Jahr habe ich euch vom Tour-Start aus Düsseldorf berichtet:
https://www.schachfreunde-hannover.de/gestern-in-duesseldorf/
Ersatzweise muss ich auf meine Heimatstadt zurückgreifen.

Kirchen und Schützenvereine sind aus der Zeit gefallen. Ihre Traditionen leben dennoch fort. Solange sie Lebensfreude versprühen, spricht nichts dagegen. Häme ist fehl am Platz. Es geht nicht um Wahrheiten, sondern um Gefühle. – Um Punkt 10 Uhr läutete die Glocke an Hannovers Rathaus den 489. Schützenausmarsch ein. Ich richtete meine Kamera nach oben. Noch nie habe ich unser Rathaus auf diese Weise wahrgenommen. Wegen der eklektizistischen Bauweise mag ich es nicht. Details können versöhnen.

Unter der Uhr sah es so aus:

Hannovers Oberbürgermeister und JAMIEL-Kiez-Größe Stefan S. sprach die obligatorischen Grußworte zum größten Schützenausmarsch der Welt. Superlative gehören zu Hannovers Bescheidenheit:

Es herrscht wieder Frieden im Land:

Frackträger inbegriffen:

Jede Menge Volkswagen aus unschuldigen Zeiten:

… und aus Zeiten, als sich über Mohrenköpfe niemand Gedanken machte:

Alphornbläser sind über jede Kritik erhaben:

Der Madsack-Verlag ist Kritik gewohnt. Gleichwohl kümmert er sich rechtzeitig um das Wohlwollen des Nachwuchses:

Und was macht ihr? Entspannt euch. Vereinswechsel sind für uns Schachspieler gelaufen. Auftanken ist jetzt angesagt, damit ihr eure Niederlagen in den bevorstehenden Mannschaftskämpfen besser verkraftet. Bis dahin bemühe ich mich, in unserem Blog für gute Stimmung zu sorgen. Ihr dürft euch gern daran beteiligen.

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Lässt sich „Gestern in Hannover“ steigern? Ja! „Gestern über Hannover“
(siehe Kommentar):

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Heute in Hannover (siehe Kommentar vom 15. Juli 2018)

Variationen des Patts

(120 Minuten für die gesamte Partie)

Inspiriert von meiner gestrigen Partie gegen Horst Peleikis, der mich in hoffnungsloser Stellung bei beidseitig sehr knapper Zeit patt setzte habe ich mal ein Patt-Szenario konstruiert (siehe Stellung).

Weiß zieht seinen Bauern nach f8 und nimmt einen Turm, stellt ihn auf den Kopf und ruft laut „Dame“, da er keine Dame zur Hand hat.

a.) Beide Spieler halten den auf den Kopf gestellten Turm für eine Dame und denken, dass die Stellung Patt = Remis ist. Die Regel, dass auch ein auf den Kopf gestellter Turm ein Turm ist, kennen beide nicht. Die Spieler packen ihre Sachen und verschwinden. Obwohl die Partie nicht beendet ist, muss man davon ausgehen, dass hier konkludent Remis vereinbart wurde denn weitergespielt werden kann die Partie ja nicht (es gibt keine Hängepartien).

b.) Weiss denkt, dass die Partie durch Patt remis ist und drückt die Uhr nicht. Schwarz wartet ab bis die weiße Zeit gefallen ist und reklamiert dann Zeit. Schwarz gewinnt, weil er noch einen Bauern auf a3 hat.

c.) Weiss drückt die Uhr und erkennt dann dass die Partie nicht patt ist. Schwarz zieht nicht mehr und verliert auf Zeit.

Bei meiner gestrigen Partie wars einfacher. Sowohl bei einer Umwandlung in einer Dame wie auch in einen Turm war die Stellung patt. Daher war das Ergebnis klar.

Wie macht man es richtig? Die Uhr anhalten und eine Dame suchen statt den Turm auf den Kopf zu stellen. Allerdings war ja gerade die Umwandlung in eine Dame in dieser Partie ein Fehler.

Die Straße lebt!

Seit 35 Jahren wohne ich dem Stadtteil, der sich neuerdings JAMIEL-Kiez nennt. Gestern durfte ich an einem außergewöhnlichen Ereignis teilhaben: dem allerersten Straßenfest fast ohne geparkte Autos, aber mit viel guter Laune, prächtigem Wetter und Schach zum Anfassen. Dort, wo sonst 250 Autos Stoßstange an Stoßstange stehen, und es ein Hingucker ist, wenn mal zwei Parkplätze hintereinander unbesetzt sind, vergnügten sich Jung und Alt auf vielfältige Weise.

Die Veranstaltung war der erste Höhepunkt in dem Bestreben, mehr Lebensqualität zu entfachen und die gute Nachbarschaft zu fördern. Plötzlich nehme ich Menschen wahr, die mir bislang fremd waren, grüße sie, plaudere mit ihnen und die mit mir. Es gibt viele nette und kreative Menschen in meiner Nachbarschaft, die sich zusammengetan haben, um mit der Idee vom KAMIEL-Kiez identitätsstiftend auf die Anwohner einzuwirken. Soll heißen: vor der Haustür soll es lebenswerter werden.

In der Mitte steht Hannovers Oberbürgermeister. Der wohnt auch in unserem Kiez und hat es sich nicht nehmen lassen, sich unter sein Volk zu mischen. Dabei kam er mit Sachverstand an meinen Schachstand. Wir plauderten eine Weile miteinander. Eine seiner Leidenschaften sei das Fotografieren. Er betrachtete fachkundig meine Kamera und kam von sich aus auf die Idee, von meiner Gattin und mir ein Foto zu schießen. Das Foto ist damit ein echter Schostok.

Auf dem Tisch seht ihr mein Go-Spiel liegen. Das hatte ich zusätzlich mitgebracht. Und siehe da, unter den Kiezgängern waren zwei, die das Go-Spiel gut beherrschen (hier mit gevierteltem Brett).

Und da wäre noch eine Dame, die 15 Jahre lang im Deutschen Bundestag saß und nun vor uns auf der Straße stand: Prof. Monika G. Sie zog anschließend mit den 60+ Jährigen durch den Kiez.

Echte Schachspieler waren rar. Karen war jedoch wie versprochen gekommen. Sie spielt für die SG Blau-Weiß Eilenriede. Nebenbei betreut sie ihren taubblinden Lebensgefährten, der trotz seiner Einschränkungen gern und gut Schach spielt.

Yoga auf Kopfsteinpflaster sieht man auch nicht alle Tage.

Auf eine junge Dame möchte ich euch aufmerksam machen, die mir gegenüber wohnt, etwas Kreatives studiert, Schlagzeug und Kontrabass spielt, leidenschaftlich Geschichten aus dem Stegreif schreibt und die auf ihrer eigenen Webseite präsentiert. Marilia heißt sie und ist gerade am Tippen. „Kreative Hirngespinste und Wortmalereien über das kunterbunte Leben“, sind ihr Credo. Damit trifft sie genau meinen Nerv. Guckt ihr hier: https://marillenbaererzaehlt.wordpress.com/

Gute Laune soweit der Kiez reicht:

Und wie wurde mein Schachstand angenommen? Großartig! Acht Stunden lang herrschte kaum Stillstand. Die großen Schachfiguren sind vor allem für Kinder ein Anreiz. Die Allerkleinsten haben damit die größte Freude. Wer weiß, vielleicht bleibt die Faszination bei ihnen im Hinterkopf gespeichert und entwickelt sich später zu einer Leidenschaft fürs Leben.

Deshalb kann ich euch nur empfehlen: Runter vom Sofa, rauf auf die Straße! Möbelt eure Wohngegend auf und freundet euch mit euren Nachbarn an. Dann macht das Schachspielen noch mehr Spaß. Ein paar Eindrücke bekommt ihr zum Schluss.

Noch ein Hinweis zur dämlichen DSGVO. Fotos von Personen, bei denen ich mir über das Einverständnis nicht sicher bin, habe ich ein wenig geschwärzt.