Ende Gelände

Schach stoppen. Gesundheit schützen! Der Österreichische Schachbund hat die Bundesligen abgebrochen. Und was macht der DSB? Er wartet ab. Auf was? Otto vom SV Hellern ist einen Schritt weiter: „Wir werden auch damit leben müssen, dass erst im Spätherbst 2021 das Turnierschach aus seiner katatonischen Starre erwacht. Dann werden wir zählen. Wer ist noch da? Wer hat noch Lust? Haben wir alle Jugendspieler an andere Hobbies verloren?“

In Wolfsburg gilt ab heute die Maskenpflicht:

Sind Masken für Schachspieler eine Lösung? Auch darauf hat Otto eine vorausschauende Antwort:

„Masken? Mal abgesehen davon, dass dies im stundenlangen Gebrauch möglicherweise eine ganz andere Geschichte ist als eine Maske beim Discounter zu tragen, muss man auch hier die goldene Regel der Virologen und Epidemiologen anwenden: Nichts kann empfohlen werden, wenn es nicht eine Studie gibt, die diesen Anwendungsfall untersucht hat. Nur dann hat man ein evidenzbasiertes Ergebnis.“

Worauf müssen wir uns einstellen? Auf Geisterschach? Ohne Spieler? Ohne Zuschauer?

Es wäre klug, wenn sich die Verantwortlichen auf einen Neustart im Spätherbst 2021 einstellen würden. Im Idealfall denken Schachspieler einige Züge im Voraus. Wer sich auf die verschiedenen Varianten rechtzeitig vorbereitet, handelt verantwortungsbewusst.

150 Gedanken zu „Ende Gelände“

  1. Shutdown mit Perspektive

    Aus meiner Sicht gibt es zwei Hauptvarianten, die einerseits die Mannschaftskämpfe und andererseits die Strukturen betreffen. Dazu stelle ich mir folgendes Szenario vor:

    1. Mannschaftskämpfe
    1.1 Die Saison 2019/20 wird mit sofortiger Wirkung in allen Spielkassen (Kreisklasse bis Bundesliga) beendet.
    1.2 Die jeweiligen Klassen gelten als unvollendet. Meistertitel werden nicht vergeben. Für den Auf- oder Abstieg hat die aktuelle Platzierung keine Auswirkung.
    1.3 Ein Vereinswechsel ist bis zum 31. August 2020 möglich. Die derzeit gültige Spielberechtigung bleibt so lange erhalten.
    1.4 Der DSB entscheidet spätestens bis zum 31. August 2020, ob die Saison 2020/21 in der klassischen Form ausgetragen wird; d.h. sich zwei Schachspieler am Brett gegenübersitzen.
    1.5 Für den Fall, dass die klassische Austragung möglich ist, haben die Vereine bis zum 30. September 2020 die Gelegenheit, ihre Mannschaften zu melden.
    1.6 Die einzelnen Ligen werden anhand der Meldungen, ehemaliger Platzierungen und Wünsche der Vereine neu bestückt. Es ist damit zu rechnen, dass sich das Spielerpotential bis dato erheblich verändert; weil sich z.B. Seniorenspieler und Halbprofis zurückziehen werden sowie Ausländer nicht mehr reisen können oder wollen.
    1.7 Die Saison 2020/21 beginnt Ende Oktober 2020.
    1.8 Für den Fall, dass die klassische Austragung nicht möglich ist, finden die Mannschaftskämpfe online statt. Dabei gilt die klassische Bedenkzeit (keine Blitzpartien).
    1.9 Während der Online-Austragung sitzen die Spieler in einem Raum ihres Heimatortes. Anwesend ist jeweils ein Schiedsrichter, um E-Doping bzw. Cheating zu verhindern.
    1.10 Die Saison 2020/21 endet im Mai 2021. Nach Lage der Dinge werden anschließend die Weichen für die Saison 2021/22 gestellt.

    2. Schachstrukturen
    2.1 Für den Fall, dass gemäß 1.5 die klassische Austragung möglich ist, bleiben das aktuelle DSB-Präsidium und alle nachgeordneten Schachverbände im Amt. Ihnen obliegt die Fortführung des Spielbetriebs mit den erforderlichen Modifikationen der Turnierordnungen.
    2.2 Falls die klassische Austragung in der Saison 2020/21 nicht möglich ist, treten die Mitglieder des DSB-Präsidiums und sämtlicher nachgeordneter Schachverbände binnen eines halben Jahres von ihren Ämtern zurück.
    2.3 Von externen Experten wird eine Strukturreform ausgearbeitet, die sich am modernen Management orientiert und die Folgen der Corona-Pandemie berücksichtigt.
    2.4 Infolgedessen werden Vereine bestimmter Hierarchien gelöscht (z.B. Kreise und Bezirke), andere passen ihre Satzungen und Ordnungen den neuen Gegebenheiten an.
    2.5 Die notwendigen Ämter werden neu besetzt, wobei ehemalige Funktionäre wiedergewählt werden können.
    2.6 Die neuen Strukturen mit zum Teil neuen Köpfen bringen frischen Wind in die Schachszene und sorgen für den Erhalt des organisierten Turnierschachs in Deutschland.

  2. Der DSB hat reagiert. Allerdings nur für die 2. Bundesliga. Meines Erachtens ist Jürgen Kohlstädts Vorschlag zu kurz gedacht. In drei Staffeln der 2. Bundesliga sind noch 2 Runden offen, in der 2. Bundesliga Ost nur eine. Das heißt, in den nächsten anderthalb Jahren müssten die Zweitligamannschaften für ein bis zwei Mannschaftskämpfe vorgehalten werden. Das wird nie und nimmer funktionieren. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass unterhalb der 2. Bundesliga viele Mannschaften wegbrechen werden. Dadurch wird ein Vakuum entstehen. Ich halte stattdessen meinen Vorschlag Nr. 1.6 für zielführend.

    1. Spontan war ich für den gleichen Vorschlag wie Kohlstädt. Statt die Saison abzubrechen wird sie ein Jahr später fortgeführt. Vereinswechsel sollten allerdings bis 2021 erlaubt werden, denn schließlich gibt es Leute, die wegziehen. Außerdem will ich mit dem SK Lister Turm 5 nicht umsonst Erster im KLO (Kreisliga Ost) sein.

      Außerdem glaube ich nicht, dass die Lage ab Herbst 2020 besser ist. Selbst wenn die Infiziertenzahl nicht wieder sprunghaft steigt sondern gleichbleibt haben wir im Herbst immer noch keinen Impfstoff und eine Infiziertenzahl von 0,1 % (wie jetzt). Du könntest also auch sofort mit dem Schach anfangen, weil besser wirds erstmal sowieso nicht. Das einzige Problem ist doch im Moment, dass die Spiellokale dicht sind. Rein von der Gefahrenlage her hätten wir die aktuelle Saison auch im März / April 2020 zu Ende spielen können. Die Infektionsgefahr ist gering. Nur an Spielorten mangelt es.

      Nur die oberen Ligen haben ein zusätzliches Problem. Zu viert in ein Auto zwängen und nach Nordhorn fahren ist im Moment verboten. Nach Döhren kann ich auch alleine fahren.

      1. Die Saison mit sofortiger Wirkung abzubrechen, ist richtig, sie bis Ende April 2021 zu verlängern, ist indes realitätsfremd. Niemand kann die Auswirkungen der Corona-Pandemie voraussagen. Ende August oder Ende September 2020 sind wir etwas schlauer. Dann wäre der richtige Zeitpunkt, Beschlüsse über die weitere Vorgehensweise zu fassen. Ottos Fragen: „Wer ist noch da? Wer hat noch Lust?“, müssen nicht nur rechtzeitig gestellt, sondern vor einem Neustart beantwortet werden.

        Leider hat sich Jürgen Kohlstädt nicht mit den Landesverbänden abgestimmt. „Ich möchte hiermit alle Spielleiter der Oberligen bitten mir so schnell als möglich mitzuteilen wie sie den Spielbetrieb ihrer Oberligen gestalten wollen“, lautet seine Aufforderung an dieselben im Nachhinein. Umgekehrt wäre es zweckmäßig gewesen. Es sind ja nicht nur die Oberligen betroffen. So viel Zeit hätten wir allemal gehabt.

  3. Du willst also die Saison sofort abbrechen und dann im Herbst möglicherweise feststellen, dass die Lage doch noch zu schlecht ist um mit der neuen Saison zu beginnen.

    Besonders bemerkenswert finde ich deine Feststellung, dass der richtige Zeitpunkt, Beschlüsse über die weitere Vorgensweise zu fassen, im August / September sei. Der Abbruch der laufenden Saison müsse aber sofort beschlossen werden.

    Nach dem Motto: Vertraut mir, ich habe auch keine Ahnung.

    1. Wir sind doch einfach zu fremdbestimmt. Wenn mir einer heute sagt: Sonntag spielst du gegen Döhren 2 würde ich Sonntag spielen.
      Die entscheidenen Fragen sind aber:
      1. Wollen die anderen sieben und der Gegner auch? (Vielleicht)
      2. Ist der Spielort geöffnet? (Nein)
      3. Kommt die erste nach Kirchweyhe ohne von der Polizei festgenommen zu werden? (Nein)

      Insofern kannst du denken was du willst, die Entscheidungen werden nicht von den Schachoffiziellen alleine getroffen (und von uns sowieso nicht).

  4. Onlinespiele halte ich für eine gute Alternative. Nur gilt das auch unabhängig von Corona. Ich hab einfach keinen Bock mehr auf 5 Stunden Auto wegen Nordhorn. Im KLO bleibt mir das ja auch erspart.

    1. Die Meinung von Michael S. Langer ist nachvollziehbar. Er möchte keine vorschnellen Entscheidungen, weil im Moment nicht absehbar ist wann der Spielbetrieb wieder möglich ist.

      Du dagegen möchtest die Saison 2019/2020 sofort abbrechen. Damit triffst du einen Schnellschuß a la Kohlstedt. Nur dass ihr nicht dieselbe Entscheidung trefft.

      1. Stell dir vor, Torsten, du wärst ein passionierter Läufer und hattest die Absicht, am Sonntag einen Marathon zu laufen. Bei einem Unfall hast du dir gestern den Fuß gebrochen. Was machst du? Du sagst deine Teilnahme ab. Dein Arzt sagt dir, dass du deinen Fuß schonen musst und ihn in drei Monaten wieder belasten darfst. An einen Marathonlauf sei frühestens in 6 Monaten zu denken. Was machst du? Du sagst heute, dass du in 6 Monaten klüger bist und dann entscheiden wirst, wann und ob du überhaupt wieder einen Marathon laufen kannst. – Dieser fiktive Fall ist vergleichbar mit der aktuellen Corona-Krise. Es ist kein Schnellschuss, einen unumstößlichen Tatbestand anzuerkennen, aber es ist eine Dummheit zu behaupten, dass nach der Krise bzw. Verletzung alles so läuft wie zuvor.

  5. Ob du die alte Saison beendest oder eine neue beginnst ist eine Frage des Zeitpunktes:
    Im Oktober 2020 kann ich eine neue Saison beginnen.
    Im März 2021 kann ich die alte beenden.
    Im Oktober 2021 kann ich eine neue Saison beginnen. etc.

    Je nach dem Zeitpunkt des Restarts bieten sich also Beendigung der alten Saison oder Beginn einer neuen an. Entscheiden kann man das zu gegebener Zeit.

    Und ich bin grundsätzlich für beenden. Warum soll ich damit einverstanden sein, dass alles von mir erreichte (und damit auch der aktuelle Aufstiegsplatz) gestrichen werden?

    1. Was du persönlich erreicht hast, nimmt dir niemand. Welche Auswirkungen ein Shutdown für deine Mannschaft hat, steht jedoch in den Sternen. Stell dir vor, von den rund 90.000 Mitgliedern im Deutschen Schachbund bleiben nur 60.000 übrig. Dann werden alle Ligen neu gemischt. Womöglich geht es erst 2022 weiter. Wer weiß!? Grundsätzlich spricht nichts dagegen, den jeweiligen Tabellenführer einer Liga zum Meister zu küren, so hat es z.B. die Handball-Bundesliga gemacht, aber gerecht ist das auch nicht. Die Menschheit steht vor nie gekannten Herausforderungen. Das Ergebnis der Kreisliga Ost im Bezirk Hannover ist dabei so wichtig wie der sprichwörtliche Sack Reis in China.

  6. „1.9 Während der Online-Austragung sitzen die Spieler in einem Raum ihres Heimatortes. Anwesend ist jeweils ein Schiedsrichter, um E-Doping bzw. Cheating zu verhindern.“
    Könntest Du mir bitte auch sagen, für welche Ligen das gelten soll, bisher ist ja pro Spiel ein Schiedsrichter notwendig, jetzt bräuchte man ja zwei pro Spiel…
    1. Liga, 2. Liga, 3. Liga, 4. Liga, 5. Liga, 6. Liga, 7. Liga, 8. Liga und 9. Liga?
    Oder reicht es, wenn in den unteren Ligen der Mannschaftsführer sein Ehrenwort gibt,
    unser Verein macht es ehrlich, könnte man machen!!! 😉

    1. Mein Vorschlag ist eine Notlösung, damit der Spielbetrieb einigermaßen aufrechterhalten bleibt. In den höheren Klassen dürfte die Realisierung kein Problem sein. Dass die 9. Liga das Modell übernimmt, halte ich jedoch für unwahrscheinlich. Gleichwohl wäre auch das theoretisch möglich, denn wir haben in Deutschland rund 2.000 Schiedsrichter!

      Sollte sich im Herbst dieses Jahres diese Lösung ergeben, ist sowie davon auszugehen, dass sich die Mitgliederzahl im Deutschen Schachbund ausdünnt. Deshalb habe ich parallel dazu eine Strukturreform vorgeschlagen, die eine Neuordnung der Spielklassen zur Folge hat. Im Anschluss können wir dann gucken, welche Ligen sich aus den verbliebenen Mannschaften bilden lassen.

  7. Ich werde doch bis Oktober 21 irgendwie elf Saisonspiele hinbekommen und meinem Verein die Treue halten. Bin ich ein Fußballsöldner, der für zehn Euro mehr irgendwo hin wechselt?

    1. Dein Treuebekenntnis ehrt dich, lieber Jan, gleichwohl dürfen wir uns angesichts dieser Katastrophe dem Neuen nicht verschließen:

      „Diese Katastrophe ist das Ende der bisherigen Entwicklung und der Beginn von etwas Neuem. Sie ist disruptiv (zerstörerisch), sie beendet alles ohne Rücksicht auf Gesetze, Werte oder Wirtschaftsindikatoren.“

      Sagt Constantin Alexander, Experte für Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung, der in Hannover studiert hat.

      1. Ich weiß leider nicht, was du mir damit sagen willst. Ich werde nur irgendwann die letzten beiden Runden dieser Saison spielen. Und genau so werde ich irgendwann die neue Saison beginnen- auch wenn es dann die Spielzeit für 21/22 ist – notfalls auch in Hektik und mit Doppelrunde. Bis dahin stütze ich meinen Verein. Da braucht es keinen Abbruch, da braucht es jetzt keine Zerschlagung, da braucht es keine ergebnisoffene Diskussion, da braucht es nur etwas Geduld und Demut vor der Situation. Und dann passiert gar nichts mit dem allgemeinen Schach. Allein die 1. BL hat mit ihren bezahlten Spielern ein Problem – und das muss ich nicht lösen

      2. Ich wollte dir damit sagen, dass die Zukunft nicht davon abhängt, wie wir sie uns ausmalen, sondern wie sie sich aufgrund einer nie gekannten Zäsur entwickelt. Der Wissenschaftler Constantin Alexander bezeichnet die Corona-Pandemie als zerstörerisch. So weit würde ich nicht gehen. Aber zweifelsohne werden weltweit Existenzen zerstört, ein Heer von Arbeitslosen entsteht, Grenzen werden geschlossen, gigantische Staatsschulden aufgetürmt, womöglich drohen Hungersnöte und neue Flüchtlingsströme. Wenn wir Glück haben, wird das alles nicht so schlimm, aber folgenlos bleibt es keinesfalls. Auch nicht für uns Schachspieler.

        Du willst die Saison zu Ende spielen. Woher weißt du, dass deine Gegner dazu noch Lust haben? Vielleicht sind sie ausgesperrt, weil sie im Ausland leben, oder arbeitslos oder krank oder ängstlich oder einfach demotiviert sind. Wenn du dir die letzten Runden der letzten Spielzeiten anguckst, wirst du feststellen, dass diese durch das Freilassen vieler Bretter geprägt waren. In Niedersachsen vor allem in den Verbandsligen. Das heißt, bereits zu normalen Zeiten war das Desinteresse vieler Schachspieler gegen Ende der Saison hoch. Du kannst davon ausgehen, dass nach einer längeren Pause die restlichen Runden zur Farce werden, weil einige Mannschaften gar nicht oder nur als Rumpfmannschaften antreten. Daraus folgen hässliche Nebenerscheinungen, wie Schuldzuweisungen, Strafzahlungen usw.

        Das Problem mit den bezahlten Spielern beschränkt sich nicht nur auf die 1. Bundesliga. Guck dir mal die 2. Bundesliga an. In den vier Staffeln wimmelt es nur so von Großmeistern und sonstigen Titelträgern, die allesamt bezahlt werden und/oder aus dem Ausland kommen. Die Mannschaft des SV Glückauf Rüdersdorf (2. Bundesliga Nord) besteht ausschließlich aus Polen. Die dürfen bis auf Weiteres gar nicht ausreisen. Oder nimm den SK Kirchweyhe in der Oberliga Nord West. Die Mannschaft besteht aus lauter Profis, die aus Kroatien, Serbien und Bulgarien kommen. Was ist, wenn die nicht mehr antreten können oder wollen? Was ist, wenn ein Sponsor oder Mäzen pleite ist oder sein Interesse verloren hat?

        Ich bin nicht für eine Zerschlagung der derzeit vorhandenen Spielklassen (allerdings für längst überfällige Strukturreformen auf Funktionärsebene). Ich bin für ein Innehalten, bis wir schlauer sind. Dann sollten wir entscheiden, wann und wie es weitergeht, wobei die abgebrochene Saison Geschichte ist. Dazu gehören die beiden von Otto (alias Ortwin) gestellten Fragen: „Wer ist noch da? Wer hat noch Lust?“ Wir haben eine Änderung der Geschäftsgrundlage. Deshalb sollte jeder Verein, der eine Mannschaft gemeldet hat, gehört werden, bevor es weitergeht. Dein Idealismus nützt dir herzlich wenig, wenn du mangels Gegner nicht spielen kannst.

    2. Vielleicht ziehe ich aber um und will mich deshalb einem neuen Verein anschließen ?!

      Und habe nicht Lust z.B. 500 km (die es innerhalb Deutschlands ja durchaus mal sein können ..) für Mannschaftskämpfe meines alten Verins zurückzulegen.

      Diese 500 km sind ein Beispiel. Es könnten beispielsweise auch 800 oder 400 km sein, je nachdem wo es mich halt mal grade hinverschlägt ..

      1. Also Wandervogel, das ist doch nun ein Problem, dass immer auftreten kann (und der nächste Verein kann auch jetzt schon 100 Km entfernt sein).
        Und Gerhard für dich ist die Saison schon tot, sie war es schon mit dem letzten Spieltag. Auch alle Verbandsstrukturen sind für dich rott. Warum auch immer du das so siehst, ich habe eine andere Meinung und bevorzuge einen anderen Weg. Wir kommen da wohl nicht überein. Aber ich glaube, im Sommer 21 ist die weitere Entwicklung deutlich offensichtlich. Bis dahin klinke ich mich hier aus.
        Bis später.
        Jan

      2. Es ist schade, Jan, dass du nicht auf Argumente eingehst, sondern deine Vorurteile bedienst. Es geht nicht um meine Person. Es geht um die Zukunft des Deutschen Schachbunds während und nach der Corona-Krise. Die kannst du dir rosarot ausmalen, den Kopf in den Sand stecken und sagen: „Die da oben werden das schon richten.“ Oder du bringst dich ein und bist Teil eines demokratischen Prozesses.

        Dass es nicht gut um das DSB-Präsidium bestellt ist, zeigt z.B. ein aktueller Kommentar von Uwe Serreck (SF Barsinghausen) in den Perlen vom Bodensee. Und dass die Verbandsstrukturen aus Adenauers Zeiten stammen und sich seitdem kaum verändert haben, sollte jedem zu denken geben, der bereit ist, selbstständig zu denken. Wenn du meine Beiträge unvoreingenommen gelesen hättest, wäre dir aufgefallen, dass ich die Verbandsstrukturen keineswegs für tot bzw. rott erklärt habe. Im Gegenteil. Ich möchte sie reformieren. Da bin ich auf einer Linie mit unserem Präsidenten.

  8. Vorbild Schleswig-Holstein

    Mit 114 von 115 Stimmen haben die Präsidiumsmitglieder des SHFV für einen Abbruch des Amateur-Fußballs in Schleswig-Holstein plädiert. Die Schlagzeilen findet ihr auf NDR-Online:

    • Planungssicherheit statt Wunschdenken
    • Auf- und Abstiegsfrage noch ungeklärt
    • Positive Reaktionen in den sozialen Netzwerken

    Lieber Michael, nicht lang schnacken, Kopf in‘ Nacken…

  9. Lieber Gerhard,

    ich finde das aktuelle Vorgehen von Michael und des NSV richtig, erst einmal abzuwarten.
    Niemand hat momentan Zeitdruck ..

    1. Lieber Sven,
      worauf wollt ihr warten? Es ist ausgeschlossen, dass in den nächsten zwei Monaten wieder normale Mannschaftskämpfe stattfinden können. Danach ist ebenfalls ausgeschlossen, dass alle ursprünglich gemeldeten Mannschaften in der ursprünglich geplanten Aufstellung wieder antreten können und wollen. Das heißt, selbst wenn eine Wiederaufnahme der Saison möglich wäre, wäre dies erst recht eine Katastrophe. Ein Zerrbild wäre die Folge. Du kannst niemand zwingen anzutreten. Vor allem nicht unter dem von mir genannten Gesichtspunkt einer gestörten Geschäftsgrundlage. Wenn Geld im Spiel ist, kann das sogar zu Rechtsstreitigkeiten führen.

  10. Was ist dann deine Idee ?

    Die Saison einfrieren/annulieren und den erfolgreichen Mannschaften ihr bisher erreichtes nehmen ?
    Oder einfach die Stände nach 7 Runden nehmen. Beim Handball wurde ja auch Kiel zum Meister gekürt ..

    Irgendwann wird es weiter gehen und dann brauchst Du eben eine neue Ligeneinteilung ..

    1. Meine Idee habe ich in meinem 1. Kommentar unter Punkt 1.1. – 1.4 dargelegt. Abbrechen ist für mich alternativlos. Es wäre naiv anzunehmen, dass bei einer Wiederaufnahme der Saison – ob in 3, 6 oder 12 Monaten – alles so ist wie zuvor und alle Vereine und alle Spieler sozusagen „Gewehr bei Fuß stehen“. Abgesehen davon, dass es noch keine Hygienelösung für das analoge Schachspiel gibt, gibt es diverse Faktoren, die für den Spielbetrieb unerlässlich sind; z.B. die Frage, ob das ursprüngliche Spiellokal noch zur Verfügung steht.

      Angesichts der durch das Corona-Virus ausgelösten weltweiten Dramatik, ist das von dir als „Erreichtes“ bezeichnete derart unwichtig, dass es fast peinlich ist, überhaupt darüber zu reden. Dazu passt der Kommentar eines klugen Schachfreunds im Netz: „Am schlimmsten fand ich den Kommentar eines Schachfreunds, der wütend war, weil ihm der mögliche Aufstieg seiner 5. Mannschaft aus der x-ten Kreisklasse weggenommen wird.“

      Im Eishockey gibt es keinen Deutschen Meister, und der Holländische Fußballverband hat ebenfalls die Meisterschaft ohne Meisterehren abgebrochen. Es gibt wahrlich Schlimmeres im Leben. Ich bin gegen Meisterehren anhand der aktuellen Platzierungen in den einzelnen Klassen, weil auch die zu Ungerechtigkeiten führen; z.B. kann ein Tabellenführer die leichteren Gegner gehabt haben.

      Die neue Ligeneinteilung habe ich unter Punkt 1.6 beschrieben. Nach Corona werden wir gucken, wer noch da ist, und dann werden die Ligen neu bestückt. Stell dir vor, die ausländischen Profis können oder wollen nicht mehr spielen, dann schrumpfen die 1. Bundesliga, die vier 2. Bundesligen und die Oberligen auf einen Bruchteil zusammen. Dann muss so oder so von unten aufgefüllt werden, was dazu führen kann, dass der Schachfreund aus der 5. Mannschaft plötzlich zwei Klassen überspringt.

      1. Wie kommt Herr Otto eigentlich auf die Idee, dass ich wütend war? Zudem muss es nicht „wird“ sondern „würde“ heißen. Schließlich ist die Saison noch nicht ohne Meister abgebrochen. Nichts als Fake-News.

  11. Alles klar, wir werden ja sehen wie es weiter geht. MSL und seine „Kompagnons“ werden das Kind schon schaukeln..
    Ich bin da zumindest ganz zuversichtlich.

    Bevor es hier noch zu irgendwelchen Missverständnissen kommen sollte möchte ich hiermit nochmal deutlichst klar stellen dass es mir lediglich darum ging dass es halt irgendwie geklärt sein muss wie die Ligeneinteilung aussehen soll wenn es zum Zeitpunkt x (wann auch immer der sein mag ..) dann endlich mal wieder weiter gehen kann.

    Selbstverständlich sind/sollten zu Zeiten an denen täglich mehrere tausend Menschen an einer Pandemie sterben sportliche Erfolge hinten anstehen. Das sollte auch endlich die deutsche Fußballliga (auch kurz genannt DFL) einsehen ..

    Wie sagt man immer so schön .. : Es bleibt spannend ..

    1. Als Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Landesverbände im Landessportbund Niedersachsen (siehe Gruppenfoto) muss Michael selbstredend ein Ohr für alle dort vertretenden Sportarten haben. Gleichwohl hat Schach seine eigenen Gesetze. Dass der NSV als fortschrittlichster Verband im DSB das Kind schon schaukeln wird, steht für mich außer Frage. Dennoch kann ein Tritt in den Hintern nicht schaden.

      1. Michael S. Langner hält aber keine Schachfiguren, sondern Tennisball und Federball in seinen Händen. Er muss Doppelagent sein.

  12. Rumgeeiere

    Der letzte Satz in meinem letzten Kommentar war eine liebevolle Aufforderung an den NSV, das zu verhindern, was der Fußballtrainer der 96-Reserve gegenüber der Presse gesagt hat (siehe Überschrift). – Das beliebteste Sportgerät unseres NSV-Präsidenten wiegt übrigens 14 bis 15 Unzen. Damit ist kein Schachklotz gemeint.

    1. Hallo zusammen,

      es gibt im Schachsport kein einheitliches Meinungsbild. Die Zahl derer, die spielen wollen, ist zumindest gefühlt, genauso groß wie die derer, die auf keinen Fall spielen wollen.

      Von daher warten wir ab, wie sich der Sport in Niedersachsen verhält bzw. zu verhalten hat. Ich gehe im Moment davon aus, dass wir am 07. Mai, bzw. in der Zeit danach, mehr wissen als im Moment. Wir werden also noch ein wenig „eiern“.

      Dass wir im Gegensatz zu anderen Sportarten überhaupt andere vorstellbare Szenarien als einen Abbruch diskutieren können und müssen, liegt an der Zahl zwei. Es sind halt in den meisten Ligen nur 2 Spieltage, die zu bewältigen wären.

      Ich wünsche allen hier Gesundheit und alles Gute!

      Michael

      P.S. Was ist denn mein liebstes Sportgerät 😉

      1. Auf unseren Präsidenten ist Verlass. Michael lässt sein Schachvolk nicht im Unklaren, auch wenn nichts klar ist. Das ist aber nicht seine Schuld. Ich frage mich nur, welchen Realitätssinn diejenigen haben, die spielen wollen und wissen, dass es diejenigen gibt, die auf keinen Fall spielen wollen. Bleibt dann die Hälfte der Bretter unbesetzt?

        Die große Jobangst geht um. Wir stehen vor der größten Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland. 10 Millionen Deutsche befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Weltweit gehen schätzungsweise 300 Millionen Jobs verloren. Vorgestern ist ein Lindener Urgestein an Covid 19 gestorben: der Ruderer, Fahrlehrer und Lebenskünstler Edgar Heidorn. Und dann gibt es tatsächlich Schachfreunde, die sich gegen einen Abbruch dieser Saison stemmen, die nie und nimmer unter den ursprünglichen Vorzeichen beendet werden kann. Wie kann man sich angesichts dieser Tragödie bloß an Tabellenstände klammern, für die sich in der übernächsten Saison niemand mehr interessieren wird?

        Michaels liebstes Sportgerät besteht aus zwei Teilen: einem Ball, der allerdings nur 5 Unzen wiegt, und einem Schläger, der maximal 42 Zoll lang ist. Den Schiedsrichter nennt man Umpire. Den Rest müsst ihr selbst herausfinden.

  13. Ich möchte einen Satz von Jan in seinem Kommentar vom 25. April aufgreifen:

    Allein die 1. BL hat mit ihren bezahlten Spielern ein Problem – und das muss ich nicht lösen.

    Gibt es Probleme mit bezahlten Spielern nur in der 1. Bundesliga? Ich bin mal zwei Klassen tiefer gegangen. Wie ist das Verhältnis von Ausländern und damit potentiell bezahlten Spielern in den 10 Staffeln der Oberligen? Dazu zeige ich euch die derzeitigen Tabellenführer mit dem jeweiligen Anteil von Spielern mit deutscher Staatangehörigkeit an den ersten 8 Brettern:

    Oberliga Nord Nord
    SF Schwerin => 2 Deutsche

    Oberliga Nord West
    SK Kirchweyhe => 0 Deutsche

    Oberliga Nord Ost
    SF Berlin III => 7 Deutsche

    Oberliga NRW
    SG Bochum => 7 Deutsche

    Oberliga Ost A
    Nickelhütte Aue II => 5 Deutsche

    Oberliga Ost B
    Bad Emstal/Wolfshagen => 0 Deutsche

    Oberliga Süd-West
    SC Heimbach-Weis-Neuwied => 7 Deutsche

    Oberliga Baden
    SC Ötingheim => 0 Deutsche

    Oberliga Bayern
    SC Bavaria Regensburg 1881 = 3 Deutsche

    Oberliga Württemberg
    SC Weiler im Allgäu = 1 Deutscher

    Rechnet man alle 10 Tabellenführer zusammen, ergibt sich ein Verhältnis 48 : 32 zugunsten ausländischer Spieler. Nimmt man die eine Hälfte – also 5 Oberligisten – mit dem größten Ausländeranteil, ergibt sich das krasse Verhältnis von 37 : 3. Wohlgemerkt in der dritthöchsten Klasse eines vermeintlichen Amateursports. Dieses Verhältnis relativiert sich, je tiefer man in die Tabelle geht. Unterm Strich gibt es in den Oberligen jedoch nur wenige Mannschaften, die ohne ausländische Spieler auskommen. – Damit will ich diese keineswegs diskreditieren. Wenn ausländische Staatsbürger in den Vereinen willkommen sind und das Geld für deren Vergütung vorhanden ist, dürfen sie selbstverständlich spielen. Unter den Deutschen gibt es halt auch Profis, die sich nicht für lau ans Brett setzen.

    Wer immer eine Fortsetzung der abgebrochenen Saison präferiert, muss daran denken, dass die allermeisten dieser – vorsichtig ausgedrückt: Globetrotter – wieder reisen dürfen und wollen; und zwar übergreifend in allen Klassen des Deutschen Schachbunds. Es ist also nicht damit getan, die Lösung des Problems allein der 1. Bundesliga zu überlassen.

  14. Ein Blick in die 2. Bundesliga kann auch nicht schaden. Pickt man sich die Mannschaften mit dem größten Ausländeranteil heraus, ergibt sich, dass in den vier Ligen unter den ersten 8 Brettern lediglich ein Deutscher gemeldet wurde. Dadurch ergibt sich ein Verhältnis von 1 : 31.

    2. Bundesliga Nord
    SV Glückauf Rüdersdorf => 0 Deutsche
    Krass: an den ersten 14 Brettern sind ausschließlich Polen gemeldet. Ansonsten ist der Ausländeranteil in der 2. Bundesliga Nord am geringsten.

    2. Bundesliga West
    Zwei Vereine haben je einen Deutschen unter den Top 8 gemeldet:
    SC Remagen Sinzig => 1 Deutscher
    DJK Aachen => 1 Deutscher

    2. Bundesliga Ost
    In der 2. Bundesliga Ost gibt es zwei Vereine, die keinen Deutschen unter den Top 8 gemeldet haben:
    SV Deggendorf => 0 Deutsche
    Münchener Schachclub 1836 => 0 Deutsche

    2. Bundesliga Süd
    SC Emmendingen => 0 Deutsche

    Bitte nicht falsch verstehen! Es geht mir nicht um Deutschtümelei. Die ist mir völlig fremd. Es geht mir einerseits darum, auf Fehleinschätzungen hinzuweisen (siehe z.B. Jans Kommentar) und andererseits, aufzuzeigen, dass die Fortsetzung der Saison 2019/20 ohne Klärung der Reisefreiheit und Spielbereitschaft der ausländischen Profis keinen Sinn macht. Die Klärung ließe sich frühestens Ende Juni 2020 herbeiführen. Das heißt, auch die unteren Ligen könnten frühestens im Spätsommer 2020 weitermachen; vorausgesetzt die Rahmenbedingungen (z.B. Hygiene, Spiellokal) sind geklärt. Nebenbei sei angemerkt, dass in den unteren Ligen der Anteil der Risikogruppen besonders hoch ist und sich allüberall die Null-Bock-Haltung breitgemacht haben dürfte.

    Da lobe ich mir die Luxemburger. Die waren so weise, die Saison am 28. April abzubrechen. Guckt ihr auf den Kommentar von Karlheinz Eisenbeiser vom SC Buchen.

  15. Ich verstehe dein Szenario für Mannschaftskämpfe nicht:

    Zu 1.1 Die Saison 2019/20 wird mit sofortiger Wirkung in allen Spielkassen (Kreisklasse bis Bundesliga) beendet.:
    Warum ist es sinnvoll die aktuelle Saison jetzt voreilig zu beenden? Warum kann man die restlichen 2-3 Spiele nicht austragen, wenn Schach wieder erlaubt wird, z.B. evtl. im September/Oktober wie das im Fußball der NFV-Verbandsvorstand vorsah? (Ja, ich kenne die Umfrage, dass die Fußballvereine mehrheitlich für Abbruch votierten. Der Unterschied ist jedoch, dass beim Fußball viel mehr Spiele offen sind.) Es gibt Lockerungen zum Kontaktverbot und einzelne Großstädte sind vollkommen ohne Corona-Infektionen. Gemäß Kanzleramtschef Braun gelten die Abstandsregeln zurzeit nur bis zum 10. Mai. Mal sehen, wie lange sie verlängert werden.
    Ein Abbruch wird zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr vermeidbar sein. Aber einen sofortigen Abbruch als „weise“ zu definieren, ist mir zu voreilig. Genauso voreilig wie die Kohlstädt-Entscheidung zur 2. Bundesliga.

    Zu 1.2 Die jeweiligen Klassen gelten als unvollendet. Meistertitel werden nicht vergeben. Für den Auf- oder Abstieg hat die aktuelle Platzierung keine Auswirkung.
    Warum soll so verfahren werden? Warum soll man evtl. Mannschaften den Meistertitel nehmen, den sie bereits vorzeitig erspielt haben? Warum kann man keine Abschätzung der restlichen Ergebnisse finden? Mit Liga-Orakel, Abschätzung durch Experten, etc. gibt es verschiedenste Möglichkeiten, die zwar auch nicht vollkommene Gerechtigkeit erzeugen, jedoch besser als eine Annullierung sind. Auch für Auf- und Abstieg wird man Lösungen finden. Ggf. haben die Staffeln in der neuen Saison zwischen 8 und 12 Mannschaften. Alles machbar.

    Zu 1.3 Ein Vereinswechsel ist bis zum 31. August 2020 möglich. Die derzeit gültige Spielberechtigung bleibt so lange erhalten.:
    Warum der 31.08.? Warum nicht der 01.07. und Spiele der aktuellen Saison können mit der aktuellen Spielberechtigung beendet werden? Wenn nach hinten verschieben, warum dann nicht z.B. der 31.10.? Eine willkürliche Verschiebung eines Wechseltermins ohne Kenntnis eines Saisonbeginns ist sinnfrei.

    Zu 1.4 Der DSB entscheidet spätestens bis zum 31. August 2020, ob die Saison 2020/21 in der klassischen Form ausgetragen wird; d.h. sich zwei Schachspieler am Brett gegenübersitzen.:
    Der DSB wird etwas entscheiden, auf das nur wenige Schachspieler Einfluss haben. Transparenz war in der Vergangenheit meist nicht vorhanden.

    Zu 1.5 Für den Fall, dass die klassische Austragung möglich ist, haben die Vereine bis zum 30. September 2020 die Gelegenheit, ihre Mannschaften zu melden.
    Nehmen wir an, dass die klassische Austragung ab 01.01.2021 möglich wäre. Warum soll eine Mannschaftsmeldung dann am 30.09.2020 erfolgen? Man benötigt zuerst einen Termin zum Neustart und dann eine minimale Vorlaufzeit.

    Zu 1.6 Die einzelnen Ligen werden anhand der Meldungen, ehemaliger Platzierungen und Wünsche der Vereine neu bestückt. Es ist damit zu rechnen, dass sich das Spielerpotential bis dato erheblich verändert; weil sich z.B. Seniorenspieler und Halbprofis zurückziehen werden sowie Ausländer nicht mehr reisen können oder wollen.
    Es ist richtig, dass je länger ein Stillstand besteht, desto größer die Gefahr ist, dass Schachspieler die Vereine verlassen werden. Daher muss man sich überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, um unter Beachtung der Vorgaben wieder Schach spielen zu können. (Schach ähnlich dem Blindenschach, Schach im Freien in überdachten Hallen, …. Diese Alternativen sind mit Vor- und Nachteilen zu bewerten.

    Zu 1.7 Die Saison 2020/21 beginnt Ende Oktober 2020.:
    Wieder ein Termin ohne notwendige Bedingung.

    Zu 1.8 Für den Fall, dass die klassische Austragung nicht möglich ist, finden die Mannschaftskämpfe online statt. Dabei gilt die klassische Bedenkzeit (keine Blitzpartien).:
    Wenn das eine Alternative wäre, warum soll dann die aktuelle Saison nicht auf diese Weise beendet werden?

    Zu 1.9 Während der Online-Austragung sitzen die Spieler in einem Raum ihres Heimatortes. Anwesend ist jeweils ein Schiedsrichter, um E-Doping bzw. Cheating zu verhindern.:
    Setzt voraus, dass alle Spieler eine entsprechende technische Ausstattung haben. Hat man die Vereine befragt, ob diese Bedingung erfüllt ist?

    Zu 1.10 Die Saison 2020/21 endet im Mai 2021. Nach Lage der Dinge werden anschließend die Weichen für die Saison 2021/22 gestellt.:
    Könnte die Saison 2020/21 auch „gemischt“ gespielt werden, z.B. 2 Spieltage online, 7 Spieltage am Brett?

    Ich vertraue dem Vorstand des NSV und dem Spielausschuss Nds/Bremen, dass bis zum 18.05. viele Alternativen bewertet und Zeitpläne mit deren Prämissen erstellt werden.

    1. Lieber Hartwig,
      es freut mich, dass du dich ausführlich mit meinen Vorschlägen beschäftigt hast. Dafür waren sie auch gedacht.

      Zu 1.1 Warum ein sofortiger Abbruch – wobei es nicht auf einen Tag ankommt – weise ist, will ich dir mit einem Zitat aus der Fledermaus beantworten: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.“

      Zu 1.2 Richtig wichtig ist nur der Titel „Deutscher Mannschaftsmeister“. Da in der 1. Bundesliga noch zu viele Runden offen sind, und sich keine Mannschaft deutlich abgesetzt hat (wie z.B. der FC Liverpool in der Premier League), lässt sich kein fiktiver Meister ermitteln, wie es z.B. die Handballer gemacht haben. In den unteren Schachklassen sind Titel Schall und Rauch. – Du gehst davon aus, dass die Schachwelt nach Corona so aussieht wie vor Corona. Das ist ausgeschlossen. Insofern wird man sich über die Zusammensetzung der einzelnen Ligen sowieso neue Gedanken machen müssen.

      Zu 1.3 Die von mir vorgeschlagenen Termine müssen nicht das letzte Wort sein. Aber ohne Zeitvorgaben bleibst du planlos (alte Berufsweisheit meinerseits).

      Zu 1.4 Terminlich wie vor, was den DSB angeht, sind wir d’accord.

      Zu 1.5 Einen Monat Vorlaufzeit halte ich nicht für zu kurz. Vor dem Stichtag wird sich bereits abzeichnen, wie es weitergeht.

      Zu 1.6 Die Jungen spielen derzeit Online-Schach. Wenn das „Just for Fun“ geschieht, ist das gut. Die Senioren werden sehen, ob Schach unter erschwerten Bedingungen überhaupt noch Spaß macht. Wenn die zum großen Teil ausfallen, muss der DSB einen großen Aderlass verkraften. Ich wiederhole gerne dazu die genialen Fragen von Otto: „Wer ist noch da? Wer hat noch Lust?“ Die Fragen kann heute niemand beantworten.

      Zu 1.7 siehe 1.3

      Zu 1.8 Die Saison kannst du nicht in allen Klassen online beenden. Die meisten Senioren werden das nicht können oder nicht wollen. Und zwingen kannst du dazu sowieso niemand. Mein Vorschlag macht nur für die überregionalen Ligen Sinn und auch nur dann, wenn der Austragungsmodus von vornherein gilt.

      Zu 1.9 Das ist eine Notlösung meinerseits, von der ich auch nicht überzeugt bin. Natürlich müssten die Vereine vorher gefragt haben, ob sie dazu bereits sind. Ich hielte eine längere Abstinenz vom Turnierschach für besser. – Als ich noch aktiver Radsportler war, hätte ich mich bei der Wahl zwischen Schach und Radsport immer für mein Rennrad entschieden. Weg vom Schachbrett – raus in die Natur – ist für süchtige Schachspieler zumindest temporär eine empfehlenswerte Alternative.

      Zu 1.10 Eine gemischte Austragung kann ich mir nicht vorstellen. Das Cheating-Problem im Online-Schach ist ungelöst, wie die Disqualifikation zweier Schachspieler bei der DISAM zeigt. Deshalb ist Online-Schach für Meisterschaften untauglich.

      Ich vertraue vor allem Michael S. Langer.

  16. Heute veröffentlicht meine Tageszeitung (HAZ) einen (erwarteten) Artikel von Uwe Serreck (SF Barsinghausen). Uwe spart nicht mit Kritik gegenüber dem DSB-Präsidium, wenngleich ich seine Aussage nicht nachvollziehen kann, wonach der DSB „in den letzten Tagen viel des in den vergangenen Wochen aufgebauten positiven Images beschädigt“ habe. Positives Image!? Habe ich etwas verpasst?

    Auch kann ich die Aussage von Lukas Hoffmann (1. Vorsitzender HSK Lister Turm) nicht nachvollziehen. Ein Abbruch sei für seinen Verein die schlimmste aller Entscheidungen. Es geht bei dieser epochalen Entscheidung nicht um Einzelschicksale, sondern um eine ausgewogene Berücksichtigung der Interessen aller Vereine.

  17. Die zurückgenommene Entscheidung war die Entscheidung, die Saison bis 2021 zu verlängern. Diese Entscheidung findet Lukas am schlimmsten. Da hat er durchaus Recht. Man stelle sich vor, Sport wird ab September 2020 wieder erlaubt. Schach kann aber nicht gespielt werden, weil die Saison um ein ganzes Jahr verlängert wurde und die nächste Runde somit erst Mitte März 2021 stattfindet.

    Dabei könnte man bei einem Neustart im September noch die beiden fehlenden Runden spielen und im Oktober die nächste Saison beginnen. Ja, ich weiß: Der eine oder andere ist im September nicht mehr da wo er im März war. Das begründet aber keinen Schnellschuss wie den Abbruch der Saison oder die Verlängerung um ein ganzes Jahr. Entscheidend ist, wann es wieder los geht.

    Dazu kommt, dass die meisten Mannschaften des HSK dieses Jahr aufsteigen sollen. Wenn die Saison gleich um ein ganzes Jahr verlängert wird kann das natürlich nicht erreicht werden.

    1. Wir sind uns einig, dass Kohlstädts Alleingang ein Schuss in den Ofen war. Zu seiner Ankündigung, dass Oberligisten nicht aufsteigen können, wäre es deshalb nie gekommen. Bis auf Weiteres wird niemand wissen, was aus den Profiteams wird. Das gilt auch für den SK Kirchweyhe. Wenn sich einige Teams teilweise oder ganz zurückziehen, werden sowieso Plätze frei. Die 1. Mannschaft des HSK Lister Turm, die mit lauter einheimischen Jungspunden besetzt ist, ist dann der erste Kandidat für den Aufstieg. Aber wir müssen auch an die Abstiegsplätze denken. Wenn einige Mannschaften gar nicht oder nur mit einer Rumpftruppe antreten, hat das selbstverständlich einen Einfluss auf den Abstieg in den jeweiligen Klassen.

      Ein sofortiger Abbruch der Saison ist deshalb die gerechteste (!) Lösung. Härtefälle lassen sich später immer berücksichtigen. So spielen in den Oberligen Ost A und Ost B z.B. 12 statt sonst üblich 10 Mannschaften.

  18. Drei Landesverbände haben sich aus der Deckung gewagt:
    Württemberg
    Schleswig-Holstein
    Sachsen-Anhalt

    Mein Kommentar: Kopfschütteln. Alle warten ab. Schleswig-Holstein schmiedet bereits Pläne: „Unter der Voraussetzung, dass ein Spielbetrieb unter ggf. bestimmter Voraussetzungen wieder möglich ist, werden die achte und neunte Runde der Landes- und Verbandsligen im September 2020 ausgetragen.“

    Hallo!? Die Saison 2019/2020 endet am 30. Juni 2020. Die Verpflichtungen der Vereine enden an diesem Stichtag. Alles danach ist Kaffeesatzleserei. Wie lautet Niedersachsens Slogan? Na klar: Klar! Wir dürfen gespannt sein, ob die Mannen von Michael S. Langer klaren Kopf bewahren und sich nicht von Hirngespinsten leiten lassen.

    1. Zumindest für die drei genannten Verbände stimmt die Aussage „Die Saison 2019/2020 endet am 30. Juni 2020“ nicht:

      Württemberg §1 (8): „Das Spieljahr beginnt am 01.09. eines Jahres und endet am 31.08. des folgenden Jahres.“ (https://www.svw.info/images/stories/praesidium/ordnungen/WTO-200201.pdf)
      Sachsen-Anhalt D 2.1: „Das Spieljahr beginnt in der Regel am 1. September und endet am 31. August des darauf folgenden Jahres.“ (http://www.schach-sachsen-anhalt.de/verband/satzung-und-ordnungen/turnierordnung)
      Die TO des Schachverbandes Schleswig-Holstein (https://schachverband-sh.de/de/downloads/ordnungen) enthält gar keine entsprechende Festlegung, so dass wohl die Regelung aus A-2 der DSB-TO gelten dürfte: „Das Spieljahr beginnt am 1. Oktober und endet am 30. September des darauf folgenden Jahres.“ (https://www.schachbund.de/turnierordnung.html)

      1. In der Niedersächsischen Turnierordnung steht:

        A.3 Spieljahr(1) Das Spieljahr beginnt am 01. Juli eines Jahres und endet am 30. Juni des darauf folgenden Jahres.

        Über die Oberliga Nord hat das Auswirkungen auf alle Norddeutschen Landesverbände und letztlich auf den Bund, weil ein möglicher Aufstieg in die 2. Bundesliga verwehrt wäre. In den anderen Landesverbänden gibt es auch einen Haken, wie z.B. in Sachsen-Anhalt:

        4. Spielgenehmigungen werden nur zu den Stichtagen 1. Januar und 1. Juli innerhalb eines Jahres erteilt.

        Nun lassen sich solche Terminvorgaben durch die entsprechenden Gremien außer Kraft setzen, aber anfechtbar wäre das schon. Wobei die Formalien nebensächlich sind. Entscheidend ist, ob die Mannschaften unter neuen Bedingungen antreten wollen und werden. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass nie und nimmer alle Vereine, alle Mannschaften und alle Spieler und Spielerinnen mitmachen werden. Dann werden die letzten Runden zur Farce. Der Verein Lüneschach e.V. hat heute seine Auflösung bekanntgegeben. Es wird nicht der letzte Rückzug sein.

  19. Hallo Gerhard,
    mach bitte ein Foto von deinem Gesicht und stell es auf diese Webseite, wenn Niedersachsen beschließt die letzten zwei Runden nachzuholen.

  20. Wer hätte das gedacht!? Rugbyspieler sind schlauer als Schachspieler! Die Rugby-Bundesliga bricht die Saison 2019/20 mit sofortiger Wirkung ab. 89 Prozent der Vereine stimmten für den Abbruch. Und was macht die Schachbundesliga? Die will weitermachen und vertagt sich auf den 21. Juni 2020.

  21. Im Deutschen Schachbund ist die Demokratie ausgebrochen. Gesucht werden: Ideen für die Fortsetzung des Spielbetriebes.

    Klugerweise gibt es Plan D, denn die Vorschläge A-C sind untauglich. Sie implizieren, dass alle Mannschaften noch da sind, wenn es irgendwann wieder losgeht. Das ist ausgeschlossen. Aktuelles Beispiel aus dem Radsport: das polnische Profiteam CCC löst sich nach dieser Saison auf. Das ist erst der Anfang im Profisport. Mutmaßlich werden in Deutschland einige Fußballklubs folgen, andere Sportarten gucken auch in eine ungewisse Zukunft. Es ist ja nicht nur mit einer 2. Corona-Welle zu rechnen, sondern mit einer Pleitewelle, die sich langsam aufbaut. Euler Hermes, der weltgrößte Kreditversicherer, warnt vor einer gewaltigen Insolvenzwelle. Es wird in der zweiten Jahreshälfte zu Verwerfungen kommen, von denen auch der Schachsport nicht verschont bleibt. Wie sich 2/3 der deutschen Schachspieler verhalten werden, die zur Corona-Risikogruppe gehören, steht sowieso in den Sternen. Auch Schachfreunde, die heute bekunden, dass sie im Herbst wieder gern spielen möchten, werden sich das dreimal überlegen, wenn es soweit ist. – Deshalb ist Plan D bzw. mein Punkt 1 (siehe oben Shutdown mit Perspektive) der richtige.

  22. Wenn der Hinweis auf der NSV-Seite noch aktuell ist, wird sich Michael S. Langer morgen und am 18. Mai erneut mit seinen „Mannen“ beraten. Mittlerweile hat die Diskussion im Netz Fahrt aufgenommen. Es gibt überwiegend kluge Kommentare in den Perlen vom Bodensee, auf Schachfeld und auf der DSB-Seite (welch Wunder!). Niedersachsens Schachvereine scheint das Thema indes nicht sonderlich zu interessieren. Otto vom SV Hellern beklagt eine fehlende Debattenkultur. Offenbar sind wir die beiden einzigen Schachvereine in Niedersachsen, die öffentlich darüber debattieren, obwohl die ausstehenden Entscheidungen für alle existenziell sind.

    Meine Haltung habe ich ausführlich dargelegt. Eine Fortsetzung der Saison wäre verantwortungslos. Dazu ist ein Blick auf das Durchschnittsalter der niedersächsischen Schachligen hilfreich. Hinter dem Durchschnitt aller Mannschaften steht die Mannschaft mit dem höchsten Durchschnittsalter, wobei die Zahlen aus dem vergangenen Jahr stammen:

    Landesliga Nord = Ø 44 => Bremer SG = Ø 58
    Landesliga Süd = Ø 46 => SC BSC Gliesmarode = Ø 61
    Verbandsliga Nord = Ø 52 => SF Leherheide/SG Bremen 2 = Ø 60
    Verbandsliga West = Ø 46 => KS Emden = Ø 57
    Verbandsliga Ost = Ø 47 => SV Gifhorn = Ø 58
    Verbandsliga Süd = Ø 47 => HSK Lister Turm 3 = Ø 58

    „Risiko“ war eine Quizsendung um die Jahrtausendwende im ZDF. Davon gab es 800 Folgen. Eine einzige Folge am Schachbrett kann tödlich sein. Man stelle sich vor, ein pflichtbewusster Schachfreund sieht sich genötigt, für seine Mannschaft anzutreten, um die Saison zu vollenden, infiziert sich im Spiellokal, erkrankt und stirbt womöglich. Gleich mehrere Schachfunktionäre werden dann nicht mehr glücklich, angefangen beim Mannschaftsführer über den Vereinsvorsitzenden bis hin zum NSV-Präsidenten. – Anders sieht es aus, wenn eine neue Saison unter neuen Rahmenbedingungen gespielt wird. Dann entfällt der Druck, und jeder ist für die Risikoeinschätzung selbst verantwortlich.

    Übrigens haben gestern die Fußballvereine der Regionalliga Nord einstimmig beschlossen, die Saison abzubrechen. Es gibt keine Absteiger, und die Aufstiegsfrage wird vertagt. Das entspricht etwa meinem Modell.

    1. Ob ich mich ans Schachbrett setze muss ich selber entscheiden. Druck entsteht auch in der neuen Saison. Im Moment bin ich Mannschaftsführer. Deshalb werde ich auch in der nächsten Saison gefragt, ob ich spiele und ob ich Mannschaftsführer bleibe. Frage 1 bekommt jeder Schachspieler außer denen, die auch in der Vergangenheit in keiner Mannschaft gespielt haben. Frage 2 bleibt 7/8 der Schachspieler erspart.

      Infizieren kann sich jeder, der sich ans Schachspiel setzt, dass gilt auch für Freitagabende und bis es eine Impfung gibt.

      Der Druck entfällt damit auch in der nächsten Saison nicht. Man stelle sich vor in einer Familie erkrankt jemand schwer. Setzt sich jetzt der Bruder noch ans Schachbrett, weil er plötzlich merkt, wie gefährlich Kontakt zu Menschen ist?

      Oder jemand erkrankt 2021 beim Schachspielen. Ist Michael Langer jetzt glücklicher als wenn er 2020 erkrankt wäre? Wohl kaum.

      Der einzige Vorteil deiner Lösung ist, dass ab der nächsten Saison die Mannschaften automatisch neu zusammengestellt werden. Zu hause bleiben kann jeder aber ab sofort. Und die Fragen, ob jemand spielt, kommen sowieso. Die Gefahren beim Schachspielen auch.

      1. Es ist nicht der einzige Vorteil meiner Lösung, dass ab der nächsten Saison die Mannschaften neu zusammengestellt werden, aber es ist ein wichtiger. Natürlich kann jeder ab sofort zuhause bleiben. Das werden auch viele tun, wodurch eine Vollendung der Saison zur Farce wird. Denn wenn dein Gegner zuhause bleibt, sitzt du allein am Brett. Es wird aber auch die anderen geben, die sich verpflichtet fühlen und nicht „Nein“ sagen können. Die gilt es zu schützen. Schachfunktionäre haben eine Fürsorgepflicht!

  23. Ideenauswertung

    Welche Absicht der DSB mit seiner Umfrage bezweckt, wissen wir nicht. Positiv betrachtet ist das vorläufige Ergebnis ein nicht-repräsentatives Stimmungsbarometer. Kaum jemand hat sich eindeutig festgelegt und stattdessen die vorgeschlagenen Pläne mehr oder weniger modifiziert. Die Auswertung fällt deshalb nicht leicht. Nichtsdestotrotz habe ich mir anhand der Kommentare auf der DSB-Webseite (Stand 15. Mai 2020, 18:09 Uhr) einen Überblick verschafft. Es haben sich genau 50 Schachfreundinnen und Schachfreunde gemeldet, davon einige mehrmals. Einige haben auch mehrere Pläne vorgeschlagen, wodurch sich 55 Stimmen ergeben.

    • Für Plan A haben 12 Schachfreundinnen und Schachfreunde gestimmt. Das ist der einzige Plan, der nicht für einen Abbruch der Saison 2019/20 steht.
    • Für Plan B haben 8 Schachfreundinnen und Schachfreunde gestimmt. Der Plan beinhaltet den Abbruch, wobei der aktuelle Tabellenstand zählt.
    • Für Plan C haben 12 Schachfreundinnen und Schachfreunde gestimmt. Der Plan beinhaltet den Abbruch, wobei der aktuelle Tabellenstand nicht gewertet wird.
    • 23 Stimmen habe ich dem Plan D zugeordnet, der einen eigenen Vorschlag beinhalten soll. Da gehen die Meinungen auseinander. Einige sprechen sich für einen sofortigen Abbruch aus, andere für eine Fortsetzung im Internet und wieder andere für eine Fortsetzung unter anderen Bedingungen. Dementsprechend habe ich den Plan D anteilig den Plänen A-C zugeschlagen. Danach ergibt sich folgendes Bild:

    Plan A = 18 Stimmen für eine Fortsetzung der Saison
    Plan B = 16 Stimmen für Abbruch mit aktuellem Tabellenstand
    Plan C = 21 Stimmen für Abbruch ohne aktuellen Tabellenstand

    Die Verhältnisrechnung sagt: 2/3 plädieren für einen Abbruch der Saison 2019/20, 1/3 spricht sich für eine Fortsetzung der Saison aus. Selbst wenn man den Plan D nicht bewertet, ergibt sich etwa die gleiche Mehrheit für einen Abbruch.

    1. Wenn ich die bisherigen Antworten (derzeit 54) auswerte, komme ich zu anderen Folgerungen:
      6 Teilnehmer wollen warten bzw. sich derzeit nicht für eine Alternative entscheiden.
      24 Teilnehmer wollen die Saison fortsetzen (entweder ab Herbst 2020 oder als Saison 2019-21 im Frühjahr) Variante A
      24 Teilnehmer wollen einen sofortigen Abbruch der Saison (Variante B oder C)
      Ein Abbruch mit Wertung (B) liegt ganz knapp vor einer Annullierung (C); also auch hier keine eindeutige Tendenz.

      Für die Entscheider wird es bei diesem Meinungsbild sehr schwierig!

      Mit deiner Wunschalternative können sich derzeit nur ca. 20 % der Teilnehmer anfreunden.

      1. So weit liegen wir mit unserer Auswertung nicht auseinander. Einige Schachfreunde haben sich nicht eindeutig festgelegt und ihre Kommentare an Bedingungen geknüpft. Das gilt auch für dich. Du hast unter Vorbehalt für B oder C gestimmt. Damit sind wir fast einer Meinung. Mein Vorschlag ist, B und C zu verknüpfen; d.h. so flexibel wie möglich zu agieren. Die spannende Frage ist doch, welche Mannschaften nach dem Shutdown noch da sind. Wenn es in den Ligen Lücken gibt, müssen die von unten aufgefüllt werden. Dann steigen vielleicht vier statt zwei Mannschaften auf, und keine muss absteigen. Eine Fixierung auf B oder C würde nur dann Sinn machen, wenn der zu erwartende Aderlass nicht eintritt.

        Im Übrigen bin ich der Meinung, dass sich die Entscheider nicht an diesem Meinungsbild orientieren werden. Hinter den Kulissen rumort es. Ich befürchte, dass die Entscheidung mit Hinweis auf die 1. Bundesliga vertagt wird. Die will die abschließende Entscheidung in einer Videokonferenz am 21. Juni treffen. Auch danach werden wir nicht schlauer sein. Solange nicht klar ist, unter welchen Bedingungen Mannschaftskämpfe gespielt werden dürfen, ist alles Spekulation. Du kannst davon ausgehen, dass 90 % der Schachspieler nicht bereit sind, sich mit einer Maske ans Brett zu setzen.

        Wenn die Saison 2019/20 kurzerhand abgebrochen wird, sind wir mit einem Schlag alle Probleme los. Ansonsten schaffen wir Probleme, von denen die meisten Schachfunktionäre heute noch nichts ahnen.

      2. Update bei Auswertung von 82 Antworten.
        7 Teilnehmer wollen warten bzw. sich derzeit nicht für eine Alternative entscheiden.
        45 Teilnehmer wollen die Saison fortsetzen (entweder ab Herbst 2020 oder als Saison 2019-21 im Frühjahr) Variante A
        Es wollen daher 63,4 % keinen sofortigen Abbruch der Saison 2019/20.

        30 Teilnehmer (36,6 %) wollen einen sofortigen Abbruch der Saison (Variante B oder C)
        Ein Abbruch mit Wertung (B) (21,3 %) liegt derzeit vor einer Annullierung (C) (15,2 %).

        In Württemberg wurde vom Präsidium und Spielausschuss als Ziel definiert: „Die Saison soll sportlich beendet werden“.
        Dies ist interessant, weil sich dort in einer Umfrage mit 710 Teilnehmern 58,5 % für einen sofortigen Abbruch der Saison 2019/2020 entschieden haben.

        Es bleibt spannend!

  24. Was du anscheinend nicht einsiehst: Nach Abbruch der Saison ist die Pandemie noch nicht vorbei. Das heißt die Probleme kannst du auch in der nächsten Saison erneut bekommen. Z.B., wenn die Infektionszahlen wieder steigen und der Lockdown 2 kommt. Und dann: Saisonabbruch 2?

    1. Gerhard denkt mindestens zwei Züge im Voraus. Guckst du oben:

      1.4 Der DSB entscheidet spätestens bis zum 31. August 2020, ob die Saison 2020/21 in der klassischen Form ausgetragen wird; d.h. sich zwei Schachspieler am Brett gegenübersitzen.
      1.8 Für den Fall, dass die klassische Austragung nicht möglich ist, finden die Mannschaftskämpfe online statt. Dabei gilt die klassische Bedenkzeit (keine Blitzpartien).
      2.2 Falls die klassische Austragung in der Saison 2020/21 nicht möglich ist, treten die Mitglieder des DSB-Präsidiums und sämtlicher nachgeordneter Schachverbände binnen eines halben Jahres von ihren Ämtern zurück.
      2.3 Von externen Experten wird eine Strukturreform ausgearbeitet, die sich am modernen Management orientiert und die Folgen der Corona-Pandemie berücksichtigt.

      Wenn wir Schachspieler nicht in der Lage sind, die Corona-Krise als Chance zu nutzen, sind wir entweder stockkonservativ oder saublöd.

  25. Die Eierei geht weiter

    Am 30. April hat Michael geschrieben:
    Von daher warten wir ab, wie sich der Sport in Niedersachsen verhält bzw. zu verhalten hat. Ich gehe im Moment davon aus, dass wir am 07. Mai, bzw. in der Zeit danach, mehr wissen als im Moment. Wir werden also noch ein wenig „eiern“.

    Das Update von heute, 19. Mai 2020, entspricht meiner Erwartung. Die Beschlüsse, die sich in drei Konjunktivsätzen widerspiegeln, sind nichts wert. Der derzeitige Schwebezustand lässt sich schnellstmöglich aufheben, allein es fehlt der Mut.

  26. Nur eine kleine Anmerkung: Ich halte die „Entscheidung“ des NSV für richtig, über die Fortsetzung z. B. der Landesligen Nord und Süd erst zu entscheiden, wenn klar ist, wie es z. B. in den Oberligen weitergeht. Was hilft es, wenn jetzt ein Team der Landesliga Meister 2019/20 wird (nach Abbruch), die Oberliga aber eine Saison 2019/21 spielt!? Der „Meister“ würde dadurch „belohnt“, dass er ggf. als einziges Team von September 2020 bis Mai 2021 gar nicht spielen könnte, da sowohl die Oberliga als auch die Landesliga dann ggf. ohne ihn antreten würden!? Scheint mir „sehr gut durchdacht“ zu sein!!

  27. Lieber Jürgen,
    das Junktim in Sachen Oberliga sehe ich wie du, gleichwohl ist nicht einzusehen, dass daraus eine Hängepartie wird. In der Oberliga Nord West befinden sich ausschließlich Mannschaften, die dem Niedersächsischen Schachverband und dem Landesschachbund Bremen angehören. Die Vertreter dieser beiden Landesverbände haben sich abgestimmt.

    Dem Vernehmen nach hängt das zögerliche Verhalten u.a. mit der Sorge zusammen, dass Mannschaften, die sich benachteiligt fühlen, den Klageweg bestreiten könnten. Das ist nicht auszuschließen, aber umgekehrt wird ein Schuh draus. Nehmen wir z.B. den SK Kirchweyhe in der Oberliga Nord West. Das Team besteht bekanntlich aus Profis, die ausschließlich aus Südosteuropa kommen. Inwieweit die am Tag x verfügbar sein werden, kann heute niemand beantworten. Der Verein ist souveräner Tabellenführer und hat laut Liga-Orakel eine Aufstiegswahrscheinlichkeit von 98,5 %. Nichtsdestotrotz hängt alles vom Mannschaftskampf gegen den HSK Lister Turm ab, der ursprünglich am 29. März 2020 stattfinden sollte.

    Stell dir vor, dieser Mannschaftskampf wird auf den 4. Oktober 2020 verlegt und der Vorsitzende und Mäzen des SK Kirchweyhe, Peter Orantek, kann oder will nicht seine stärkste Mannschaft aufstellen. Dann hat er meines Erachtens gute Argumente, Regressansprüche zu stellen mit dem Hinweis darauf, dass er in dieser Saison bereits einen fünfstelligen Betrag vergeblich ausgegeben hat. Als Richter würde ich so urteilen: Die verantwortlichen Schachverbände haben die Pflicht – auch im Fall höherer Gewalt –, zeitnah die Rahmenbedingungen anzupassen. Die Erweiterung des Zeitfensters muss mit den Spielzeiten korrelieren, d.h. bis zum 30.06.2020. Dieser Termin steht sowohl in den Turnierordnungen des NSV, des LSB Bremen als auch in der Oberliga Nord. Eine Verschiebung über diesen Stichtag hinaus ist eine unbillige Härte. Eine Mannschaft auf unbestimmte Zeit vorzuhalten, ist für Schachvereine unzumutbar.

    Dieses Beispiel gilt meines Erachtens für sämtliche Vereine im Deutschen Schachbund, also auch für Vereine der 2. Bundesliga. Diesen juristischen Hintergrund hat auch Hartwig Hake in seinem Kommentar auf der DSB-Seite beleuchtet. Dass das Beispiel SK Kirchweyhe auch Auswirkungen für dich und deine Mannschaft haben kann, zeigt die 1,5 % Nichtaufstiegswahrscheinlichkeit, die dann der 2. Mannschaft des HSK Lister Turm in der Landesliga Süd ermöglichen würde, als klarer Tabellenführer aufzusteigen, was ihr ansonsten verwehrt wäre. Es ergibt sich jeweils ein Rattenschwanz. Angefangen bei der Bundesligamannschaft des SV Lingen, die sich mutmaßlich in Luft aufgelöst hat, bis hin zur Frage, wer tatsächlich in die 1. Bundesliga aufsteigen will. Die wurde auch ohne Corona oft erst im letzten Moment beantwortet.

    Der Abbruch der Saison ist daher alternativlos. Derart haben sich auch viele andere Schachfreunde im Netz ausgedrückt. Die Auf- und Abstiegsfragen können pragmatisch gelöst werden. Natürlich ist eine bundesweit einheitliche Regelung anzustreben, aber anscheinend sind derzeit alle Entscheidungsträger paralysiert. Den Mut, den ersten Schritt zu tun, vermisse ich allenthalben. Leider auch beim NSV.

  28. Hallo Gerhard,

    der Abbruch der Saison ist nicht für alle alternativlos. Schachdeutschland ist in der Beurteilung der Krise und den dazu ausgesprochenen Vorgaben wie eigentlich ganz Deutschland ein bunter Potpourri an Meinungen und Vorschlägen. Inwiefern die Forumsanträge auf http://www.schachbund.de repräsentativ sind, kann und möchte ich nicht beurteilen.

    In den letzten Wochen ist viel passiert und in den nächsten Wochen wird viel passieren. Die in den nächsten Tagen eintretenden Veränderungen von Rahmenbedingungen für den Sport müssen zur Erreichung adäquater Ergebnisse beobachtet und bewertet werden.

    Dieser Aspekt und eben auch der in vielerlei Hinsicht notwendige Anspruch, nicht eine Meinung für die alleinig Richtige zu halten, machen ein Abwarten (und fällt es noch so schwer) und vor allem Abgleichen auch über die Landesgrenzen hinaus notwendig.

    An einer Stelle Deines letzten Statements hast Du sachlich Unrecht. Es stimmt, dass nur Bremen und Niedersachsen die Oberliga Nordwest beschicken. Wie die Oberligen im Norden (also auch Nordnord und Nordost) sich in Gänze entscheiden, fällt in die Zuständigkeit aller norddeutschen Verbände. Und die müssen dann wieder die Entscheidung der 2. Bundesligen berücksichtigen. Ein Alleingang im Nordwesten ist somit keine Lösung.

    Du kannst Dich echt darauf verlassen! Wir arbeiten an vielen Schnittstellen an einer Lösung.

    Herzliche Grüße (an alle hier)!

    Michael

    1. Lieber Michael,
      „wer sich zuerst bewegt, hat verloren“, kennen wir vom Beamten-Mikado. Womöglich gilt das Motto auch für viele Schachfunktionäre. Wer dich kennt, weiß, dass du nicht dazugehörst. Gleichwohl bist du von den anderen abhängig. In diesem Zusammenhang möchte ich eine Anekdote aus meinem Berufsleben erzählen: Als Projektleiter zahlreicher Bauvorhaben war ich mit meiner Methode „Zuckerbrot und Baurecht“ bis auf wenige Ausnahmen erfolgreich. Das gelang mir in der Regel ganz unaufgeregt. Laut wurde ich selten. Vor zehn Jahren wurde ich am Telefon einmal richtig laut. Es ging um eine Baustelle in Wenningstedt/Sylt. Ich saß in unserem Büro in Kampen, der Unternehmer befand sich in Hamburg. Der Unternehmer wollte einen wichtigen, fest zugesagten Termin platzen lassen. Ich habe ihn am Telefon so laut angeschrien, dass man mich auf dem Festland hören konnte. Am nächsten Tag waren seine Männer auf der Baustelle. Am Ende waren der Bauherr (einer der reichsten Männer Deutschlands) und der Unternehmer glücklich. – Acht Jahre später ist das Haus abgebrannt.

      Und die Moral von der Geschicht‘: Wer zaudert, verpasst das Momentum. An die Vergänglichkeit denken wir morgen.

      Vielen Dank für deinen Kommentar und herzliche Grüße an alle
      Gerhard

    1. Ne, die DWZ als solches gefällt nicht ;-).
      Apropos Auswertung. Die soll für abgebrochene Turniere gemacht werden, nicht für unterbrochene…
      Hab ich da was verpasst?!

  29. Hallo Thomas,

    ich vermute da haben sie sich beim DSB einfach im Begriff vertan.
    In einem Nachsatz steht doch auch sollten Runden (doch) noch nachgeholt werden so würden diese dann separat ausgewertet werden .. insofern eigentlich doch eigentlich alle Unklarheiten beseitigt :).

    Zumindest mir ist auch noch kein Abbruch bekannt ;).

    Viele liebe Grüße und ich hoffe es geht Euch allen gut !

    Sven

    1. Hallo Sven,
      ja, ich denke auch, dass der Begriff falsch gewählt wurde. Allerdings gibt es ja eigentlich nicht viel, worauf man bei der Meldung hätte achten müssen…
      Soweit ich weiß, sind alle SFHler gesund und munter. Die schachlichen Aktivitäten laufen online auf Lichess mit unseren Freunden aus Ricklingen. Morgen ist wieder mal ein Blitzturnier, Gäste herzlich willkommen.
      Sonnige Grüße zurück!
      Thomas

  30. Der liebe Sven möchte von mir noch einmal hören bzw. lesen, warum ich die DWZ für überflüssig und schädlich halte. Für überflüssig halte ich sie, weil es Elo-Zahlen gibt, die international gelten und die gleiche Aussagekraft haben, nur halt in einer anderen Währung. Parallele Wertungen von Turnieren in DWZ und Elo sind für mich deshalb nichts anderes als eine Beschäftigungstherapie für Zahlenfreaks. Der einzige Grund, der für die DWZ spricht, ist der, dass DWZ-Auswerter ehrenamtlich tätig sind, und für die Elo-Auswertung Gebühren anfallen. Und dieser Grund ist einfach lächerlich angesichts der niedrigen Kosten, die der Schachsport ansonsten verursacht.

    Für schädlich halte ich die DWZ, weil sie zur Droge geworden ist. Bereits Kinder werden damit süchtig gemacht, wodurch der künstlerische Anspruch des Schachspiels nebensächlich wird. Darüber hinaus ist die soziologische Wirkung fatal. Zeige mir deine DWZ, und ich sage dir wer du bist. Der Mensch als Mensch tritt in den Hintergrund. Guckt euch diese Tabelle an, die ich vor ein paar Tagen anlässlich des Todes von Erhard Hentzschel veröffentlicht habe. Fehlt da nicht etwas? Ja, die Ingo-Zahlen, die es damals gab. Stellt euch vor, da stünden Wertungszahlen neben den Namen. Ihr würdet das Ergebnis mit anderen Augen sehen.

    Nun habe ich nichts gegen Drogen, wenn sie verantwortungsvoll verabreicht bzw. genossen werden. Wertungszahlen sind unter Leistungssportlern unerlässlich. Die bestehenden Elo-Zahlen sind dafür ein hervorragender Maßstab. Aber es müssen nicht Bambini- und Dorfturniere erfasst werden.

    Da ich offenbar der einsame Rufer in der DWZ-Wüste bin, wird die DWZ noch länger Bestand haben. Unter dem Gesichtspunkt ist es richtig, dass die ab- und/oder unterbrochenen Turniere jetzt ausgewertet werden. Die Süchtigen verlangen danach.

  31. Die Württemberger Schachfreunde haben eine erstaunlich professionelle Umfrage zur Zukunft des Liga-Betriebs durchgeführt. 710 Personen haben abgestimmt. Das Ergebnis ist aussagekräftig und deckt sich im Verhältnis etwa mit der Umfrage des DSB-Präsidiums: 58,5 % (415 Stimmen) sind für einen Abbruch zum jetzigen Zeitpunkt, 41,5 % (295 Stimmen) sind für den Versuch, die Saison schrittweise zu verlängern.

    Wie reagiert das Präsidium? Es beschließt nach einer Videokonferenz:
    1. Das Ziel bleibt: Die Saison soll sportlich beendet werden.

    Bingo! Unter den vielen Kommentaren befindet sich der eines Mannschaftsführers, der weiß, wovon er redet:

    Da ich als Mannschaftsführer schon in der regulären Spielzeit Probleme habe, bei den Spielen alle Bretter zu besetzen, kann ich mir nicht vorstellen, in der Zeit, wo noch zusätzlicher Termindruck auf den Spielern lastet, immer alle Bretter zu besetzen.

  32. Mecklenburg-Vorpommern hat nachgezogen. Der Landespielleiter Guido Springer hat das Ergebnis seiner Umfrage veröffentlicht. Die Auswertung ist ziemlich textlastig und deshalb nicht einfach zu interpretieren. Die Kernaussage lautet:

    Eine große Mehrheit der Vereine meint, dass die Saison 2019/20 besser abgebrochen werden sollte.

    Die große Mehrheit drückt sich wie folgt aus:
    • ca. 10 % sind für das Nachholen der ausgefallenen Spieltage
    • ca. 80 % sind für den Abbruch ohne Nachholen
    • ca. 10 % ist das egal

    Und dann schreibt Guido Springer noch, dass die Ergebnisse in die zu treffenden Entscheidungen einfließen werden. Wir dürfen gespannt sein. Immerhin geht es auch um die Oberligen.

    1. Ganz ausgeschlossen hat MVP eine Saisonverlängerung dann doch nicht, wie man unter https://lsvmv.de/news.php#5823 nachlesen kann: „Der Spielausschuss legte sich auch auf ein Verfahren fest, falls im Jahr 2020 der wiederaufgenommene Spielbetrieb doch wieder für längere Zeit unterbrochen werden müsste. Im allersschlimmsten Fall (beispielsweise Unterbrechung ab Ende Oktober für mindestens 2 Monate mit mindestens 3 betroffenen Runden LMM) und wenn es dann gar keine Aussicht auf vollständige Durchführung der LMM 2020/21 mehr gibt, würde die LMM 2020/21 (außer DWZ-Auswertung der gespielten Runden) annulliert und zur abgebrochenen Saison 2019/20 mit Verlängerung auf 2021 zurückgekehrt.“

  33. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil heute auf einer Pressekonferenz:

    Die Bevölkerung muss sich darauf einstellen, noch ein Jahr lang Rücksicht zu nehmen und an Abstandsregeln und einer Maskenpflicht festzuhalten, um andere zu schützen.

    Wie kann der NSV angesichts dieser Prognose davon ausgehen, dass die unterbrochene Saison demnächst zu Ende gespielt wird?

  34. In Deutschland gibt es zur Zeit noch 8.000 Corona Kranke lt. aktueller Statistik des RKI: 179.364 erkrankte insgesamt – 162.800 Genesene – 8.349 Tote = 8.215 aktuell Kranke.
    Fraglich ist natürlich die Dunkelziffer. Aber für Misanthropen wie mich gibt es gute Chancen Kranken nicht zu begegnen und wenn doch, diesen nicht zu Nahe zu kommen.
    Eine Heilung gibt es nicht, aber auch wenig Kranke. Insofern könnte man auch Schach spielen (in großen Räumen und wer will mit Maske), wenn dabei nicht gesungen wird und auf Umarmungen nach gewonnener Partie verzichtet wird (also eigentlich alles wie bisher).
    Bei mir auf der Arbeit wird morgen entschieden, ob die Corona-Maßnahmen auch im Juni fortgeführt werden. Damit ist eigentlich zu rechnen. Aber ab Juli muss ich wieder die vollständige Rückkehr an den Arbeitspletz fürchten (im Moment arbeite ich ca. 80 % von zu Hause).

    1. Stell dir vor, Torsten, deinem Gegner rutscht während der Partie die Maske aus dem Gesicht. Was passiert dann? Sag es lieber nicht. Wer dich kennt, kann sich die Folgen ausmalen. Folglich funktioniert das Maskentragen bei Mannschaftskämpfen nicht, weder für dich noch für andere.

  35. Anscheinend kennst du mich nicht. Er müsste mich schon mindestens ohne Maske feucht ansprechen damit ich so reagiere wie du es erwartest.

  36. Nette Spielatmosphäre!

    Ob das Schnellturnier in Hademarschen tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten. Meines Erachtens wäre die Austragung nicht nur fahrlässig, sondern illegal. Der Veranstalter ginge ein hohes Risiko ein. Einwilligungserklärungen der Teilnehmer schützen den Veranstalter nicht vor schwerwiegenden Folgen. Der Landessportverband Schleswig-Holstein warnt davor, dass der Vorstand eines Sportvereins haftbar gemacht werden kann, wenn u.a. folgende Auflagen nicht eingehalten werden:

    „Der Vorstand hat alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich und geeignet sind, eine Virusverbreitung und eine Infektion der Sporttreibenden zu verhindern. Das sind Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und der Bewegung auf Verkehrswegen der Sportanlage, Gewährleistung eines Mindestabstands – auch in Wartebereichen -, entsprechende Unterweisung von Beschäftigten, usw.“

    Der Fall „Alte Scheune“ im Landkreis Leer zeigt uns, wie Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Der Schachverband Schleswig-Holstein wäre gut beraten, Aktivitäten dieser Art bis auf Weiteres zu untersagen.

  37. Das das Auflagen sind stellst du hier einfach in den Raum. Der lsv-sh nennt es Hinweise, was der Wahrheit wohl näher kommt. Man könnte es auch als Meinung bezeichnen. Zudem geht der Hinweis noch etwas weiter:

    „Es ist generell nicht ausgeschlossen, dass sich ein Sporttreibender bei Ausübung des Sports mit dem COVID-19 anstecken kann. Ob hierfür ein Verein haftbar gemacht werden kann, ist nicht umfassend für jeden einzelnen möglichen Sachverhalt zu beantworten. Hier einige grundsätzliche Hinweise. Die Haftung gegenüber eines Sporttreibenden wegen einer Infektion mit COVID-19 setzt eine Sorgfaltspflichtverletzung auf Seiten des Vereins voraus. Der Vorstand hat alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich und geeignet sind, eine Virusverbreitung und eine Infektion der Sporttreibenden zu verhindern. Das sind Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und der Bewegung auf Verkehrswegen der Sportanlage, Gewährleistung eines Mindestabstands – auch in Wartebereichen -, entsprechende Unterweisung von Beschäftigten, usw. Diese Maßnahmen sind abhängig von der Sportart, der örtlichen Begebenheit und den Umständen des Einzelfalles. Standardmaßnahmen sind z.B. Hinweise auf Husten- und Niesetikette sowie kontaktfreie Begrüßung, Umsetzung eines Reinigungs- und Desinfektionsplans, Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern, markierte Wegführungen, Vorhalten von Seife, Papierhandtüchern, Desinfektionsmittel, usw. Der DOSB und viele Spitzenverbände haben allgemeine sowie sportartspezifische Vorgaben gemacht. Aber ein absoluter Schutz der Sporttreibenden wird für den Verein trotz aller erforderlichen und geeigneten Maßnahmen nicht herstellbar sein.

    Eine infizierte Person müsste zudem nachweisen, dass die Infektion durch die Teilnahme am Sportbetrieb im Verein verursacht und durch das Verhalten des Vorstands oder anderer Verantwortlichen des Vereins verschuldet wurde. Die Haftung des Vorstands ist nach § 31 a Absatz 1 BGB sofern er unentgeltlich tätig ist bzw. keine den Ehrenamtsfreibetrag überschreitende Vergütung erhält, im Verhältnis zum Verein und zu den Mitgliedern auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt.“

  38. Was derzeit in Schleswig-Holstein erlaubt und verboten ist, findest du auf NDR-Online. Die Seite wurde gestern aktualisiert.

    Für Sport gilt:
    Das Abstandsgebot ist einzuhalten. Bei Sport in geschlossenen Räumen muss der Betreiber oder Veranstalter ein Hygienekonzept erstellen, das auch das besondere Infektionsrisiko der ausgeübten Sportart berücksichtigt. Kontaktfreie Indoor-Aktivitäten werden mit Einschränkungen erlaubt. Konkret: Handballer dürfen Würfe üben, aber keine Zweikämpfe. Im Tischtennis gehen Einzel, aber keine Doppel. Darüber hinaus müssen die Sportler ihre Kontakte für sechs Wochen speichern lassen, um eventuelle Infektionsketten nachvollziehen zu können.

    In Fall des Schnellturniers in Hademarschen können 30 fremde Personen interaktiv werden. Allein der Umstand, dass der Veranstalter den Mund- und Nasenschutz nur optional für erforderlich hält, zeigt, dass das Hygienekonzept unvollständig ist. Der Schachbund Nordrhein-Westfalen hat am 16. Mai entsprechende Vorschläge für das Training veröffentlicht. Danach sollen nur kleine Gruppen von 4-6 Spielern gebildet werden. Ich wüsste nicht, dass Schachveranstaltungen, die über ein Vereinstraining hinausgehen, derzeit überhaupt erlaubt sind!

    Für den sechswöchigen Nachweis der Infektionsketten ist der Veranstalter verantwortlich. Wenn also zwei Personen innerhalb dieser Frist Symptome zeigen, ist der Ursprung ziemlich eindeutig. Und dann geht es um ein mögliches Fehlverhalten. Der Wirt der „Alten Scheune“ behauptet, er hätte alles richtig gemacht, mehrere Gäste haben indes das Gegenteil ausgesagt. Im Zweifel hat der Veranstalter die Arschkarte.

  39. Die Sachsen als Vorreiter

    Liebe Schachfreunde, der Vorstand hat auf seiner Sitzung am Montag entschieden, dass der Spielbetrieb bis 31. August nicht wieder aufgenommen werden wird.

    Hört, hört! Die Sachsen machen Nägel mit Köpfen. Damit entsprechen sie meinem oben genannten Fahrplan (1.1/1.4). Für Dickschädel gibt es noch diese Beruhigungspille:

    Der Landesspielausschuss strebt auch weiterhin eine Fortführung der unterbrochenen Meisterschaften an und hofft, dass dies noch im Herbst möglich ist.

    Frage an Radio Eriwan: „Ist das realistisch?“ Antwort: „Im Prinzip ja, aber nur, wenn noch alle da sind.“

    1. Vielleicht ist jedoch Sachsen-Anhalt der Vorreiter. Dort hat am 19.05. der erweiterte Spielausschuss einstimmig die Fortsetzung des Spielbetriebs der Saison 2019/2020 beschlossen.

  40. Theoretisch sind Schachvereinsabende wieder möglich, z.B. im Lister Turm: Lister Turm Corona-Regeln

    Allerdings mit erheblichen Einschränkungen:
    Nur für Vereinmitglieder
    Die maximale Teilnehmerzahl ist so gering, dass nach meinem Ermessen nur eine einzelne Partie in einem Raum möglich ist, wobei die beiden Spieler ja noch 1,50 m Abstand zueinander haben müssen.

    Die Möglichkeit zum Vereinsschach bleibt damit bei der Theorie. Wie groß ein Raum für einen Mannschaftskampf sein muss, müsste noch berechnet werden.

    Zudem bleibt die Frage, wie sich die beiden Spieler postieren müssen.

    Das Aufbauen und Abbauen der Bretter bedarf einer genauen Planung damit die Spieler sich nicht zu nahe kommen. Gehwege müssen abgesteckt und aufeinander abgestimmt werden (Wenn z.B. einer zur Tür geht ist dieser Weg für alle anderen gesperrt). Sicherlich gibts auch eine Maskenpflicht.

    Draußen spielen wäre auch möglich und sicherer aber auch dann muss auf- und abgebaut werden und das Schachmaterial nach draussen getragen werden.

    Das waren jetzt Betrachtungen aufgrund der Regelungen der Stadt Hannover für die Freizeitheime und zentren. Andere Vermieter von Räumen haben möglicherweise abweichende Regelungen.

    1. Praktisch sind Schachvereinsabende derzeit der Horror. Das kann von Verein zu Verein, von Spiellokal zu Spiellokal, von Ort zu Ort, von Bundesland zu Bundesland anders aussehen und sich anders entwickeln. Deshalb ist es richtig, dass sich jeder Verein individuell den neuen Rahmenbedingungen anpasst. Das wird für alle Schachvereine eine Durststrecke, wobei nicht abzusehen ist, wie viele Schachvereine, Schachfreunde und Schachfreundinnen auf diesem Weg – bildlich gesprochen – verdursten. Umso wichtiger ist es, diesen Prozess abzuwarten und am Tag x zu entscheiden, mit welchen Leuten ein geregelter Spielbetrieb wieder möglich ist. Die alten Schachligen sind dann womöglich Makulatur.

  41. Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

    das Freizeitheim Lister Turm darf noch bis mindestens 31.8.2020 keine
    Sportveranstaltungen durchführen. Daher nutzt die Gelegenheit, mit Euren
    Vereinskameraden online auf Lichess zu spielen.

    sagt mein Ausbildungsreferent vom HSK Lister Turm.

    1. Es hat sich etwas getan:

      Die Mannschaftsmeisterschaft 2019/20 wird abgebrochen. Die für den 15. März, 19. April und 3. Mai vorgesehen(en) Punktspiele werden nicht mehr ausgetragen.

      Ausgerechnet der Schachbezirk 3. Chapeau!

    1. Aber man hat zumindest eine Vorstellung, was der Landesverband gern möchte. Zusätzlich hat man mit den Vereinen gesprochen.
      Vom NSV weiß ich überhaupt nicht, was er möchte.

      1. Der NSV hat sich insofern geäußert, dass der Spielausschuss am 29.06. wieder online tagt. Danach sollen – wenn möglich – Entscheidungen getroffen werden. Das „wenn möglich“ hängt von den Bundesligen ab. Es kann also wieder eine Hängepartie werden. Das Problem ist, dass es im Spielausschuss keine einheitliche Meinung gibt. Ob die Vernunft siegt, ist derzeit fraglich. Dass sich der Landesschachbund Bremen nun geäußert hat, ist einerseits anerkennenswert, andererseits nichtssagend. In der Überschrift heißt es: Mitgliederversammlung regelt Mannschaftsspielbetrieb. In Wirklichkeit ist nichts geregelt, sondern nur der Wunsch geäußert worden, die noch offenen Spiele bis zum 30.09.2020 auszutragen. Dieses Wunschdenken impliziert den Status vor dem Abbruch. Da es unwahrscheinlich ist, dass alle Mannschaften und alle Spieler wieder antreten werden, handelt es sich um eine Luftnummer. Ein Neustart ist alternativlos. Der Schachbezirk 3 hat das erkannt.

  42. Unter https://de.chessbase.com/post/zweimal-abbruch-einmal-protest findet man einen neuen Beitrag zum Thema „Saisonabbruch“ – man beachte insbesondere die unterschiedliche Ausgangsposition in Luxemburg (bei der dank des Wettbewerbsmodus trotz Saisonabbruch ein aussagekräftiger Tabellenstand erreicht wurde) und in Belgien (wo dies nicht der Fall ist) mit den entsprechenden Reaktionen der Vereinen. In den deutschen Ligen entspricht die Ausgangsposition eben nicht der in Luxemburg, wo ein Saisonabbruch ohne wesentliche Wettbewerbsverzerrung möglich war, sondern der in Belgien, wo ein Saisonabbruch mit erheblicher Wettbewerbsverzerrung verbunden ist!

    1. Wir wissen nicht, wie der Abbruch in Belgien zustande gekommen ist. Wenn es eine einsame Entscheidung à la Kohlstädt war, ist der Widerstand verständlich. Unabhängig davon ist dieser Satz in dem ChessBase-Artikel von Bedeutung:

      „Anders als in Luxemburg spielen in Belgien sehr sehr viele Profis und starke GM in der höchsten Spielklasse mit.“

      Dass die Profis ein Interesse haben, wieder Geld zu verdienen, ist verständlich. Deren Anliegen kann und darf aber nicht als Grundlage für Entscheidungen dienen, die sich auf den gesamten Schachsport eines Landes niederschlagen. Die Verantwortlichen müssen einen gemeinsamen Nenner finden, der die Amateure vorrangig einschließt.

      Den Profis geht es nicht um Wettbewerbsverzerrungen, sondern darum, dass sie für ihren Einsatz am Brett bezahlt werden, unabhängig davon ob sie in Belgien, Frankreich, Deutschland oder sonst wo antreten. Der Verein ist denen – mit Verlaub – scheißegal. Das nehme ich ihnen nicht übel, denn sie müssen sehen, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes über die Runden kommen.

  43. Die Belgische Liga, das unbekannte Wesen

    „Wer sind die sehr, sehr vielen Profis und starken GM in der höchsten belgischen Spielklasse?“, habe ich mich gefragt. Transparent geht es dort nicht zu, jedenfalls musste ich aufwendig recherchieren, um die Frage zu beantworten. Außer den Belgiern selbst, gibt es zwei größere Gruppen ausländischer Staatsbürger: Deutsche und Niederländer. Bei den niederländischen Titelträgern fällt auf, dass die allesamt parallel an den Niederländischen Mannschaftsmeisterschaften teilnehmen; einige darüber hinaus in Deutschland. Umgekehrt gilt das auch für die deutschen Titelträger.

    Die Bezeichnung „starker“ Großmeister ist natürlich fragwürdig. Aus Deutschland gilt dieses Attribut zweifellos für GM Daniel Fridman. Ansonsten handelt es sich eher um die zweite Garde. Es ist davon auszugehen, dass sowohl von den Deutschen als auch von den Niederländern – wenn überhaupt – die wenigsten in Belgien beheimatet sind; d.h. sie pendeln hin und her. Bei der Gruppe der sonstigen Staatsbürger verhält es sich vermutlich anders. Deren Wahlheimat dürfte Belgien sein.

    Was davon zu halten ist, wenn Schachprofis in zwei, drei oder mehr Ländern parallel an Mannschaftskämpfen teilnehmen, mag jeder für sich bewerten. Das gilt auch für deren Ansprüche an die jeweilige Schachföderation. Meine folgende Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Hinter den Gleichheitszeichen befinden sich Hinweise zu Einsätzen außerhalb Belgiens.

    Deutsche Staatsbürger
    GM Daniel Fridman 2615 = GER 1. Bundesliga
    GM Ilja Zaragatski 2517 = NED / GER 1. Bundesliga
    GM Alexander Berelowitsch 2516
    GM Daniel Hausrath 2480 = NED / GER 1. Bundesliga
    GM Felix Levin 2479 = GER 1. Bundesliga (SV Lingen)
    GM Michael Feygin 2459 = NED
    IM Patrick Zelbel 2448
    GM Michael Hoffmann 2439 = NRW
    IM Christian Braun 2409 = NED / GER 2. Bundesliga West
    IM Matthias Röder 2367
    IM Marcel Becker 2363 = NRW
    IM Dirk Schuh 2349
    IM Hans-Hubert Sonntag 2330
    IM Yuri Boidman 2328 = Oberliga Südwest
    FM Felix Klein 2307
    IM Norbert Coenen 2289

    Niederländische Staatsbürger
    GM Roeland Pruijessers 2561 = NED
    GM Twan Burg 2514 = NED
    IM Liam Vrolijk 2502 (Jahrgang 2002) = NED / GER 1. Bundesliga
    IM Thomas Beerdsen 2479 NED / GER 1. Bundesliga
    IM Miguoel Admiraal 2475 = NED
    IM Nico Zwirs 2453 = NED
    IM Hing Ting Lai 2448 = NED / Oberliga Baden
    IM Koen Leenhouts 2414 = NED
    IM Pieter Hopman 2365 = NED / Oberliga Baden
    FM Joey Grochal 2335 = NED
    FM Tobias Kabos 2329 = NED
    FM Vincent Blom 2299 = NED
    FM Esper van Baar 2223 = NED

    Sonstige Staatsbürger
    GM Sebastian Feller 2568 Frankreich = 2. Bundesliga West
    IM/WGM Ana Matnadze 2421 Spanien
    IM Fernando Braga 2404 Italien
    WGM Keti Tsatsalashvili 2363 Georgien
    IM Demre Kerigan 2363 Türkei = NED
    FM Georgi Tomov 2343 Bulgarien
    WGM Nargiz Umudova 2281 Aserbaidschan
    FM Tom E Wiley 2150 England
    WFM Paula-Alexandra Gitu 2113 Moldawien

  44. …und wenn man nicht mehr weiter weiß, bildet man einen Arbeitskreis.
    Bei allem hin und her sagt niemand , wie eigentlich Spielen face-to-face nun funktionieren soll – es geht nämlich nicht unter Corona-Bedingungen.

  45. Seit heute gilt in Niedersachsen die Regel, dass sich wieder 10 Leute „in der Öffentlichkeit“ treffen dürfen. Also könnte man die Begegnungen (oder auch die Spieltage) teilen. Die Bretter 1 bis 4 spielen in einem Raum, die Bretter 5 bis 8 in dem anderen. So sind immer nur 8 Leute beisammen, und es wäre sogar noch Platz für einen Schiedsrichter. Warum soll das nicht gehen? Oder habe ich etwas verpasst?

    1. Ohoh, zwei Räume, ein Schiedsrichter. Ich glaube, Du hast bei den Artikeln der jüngeren Vergangenheit nicht aufgepasst 😉
      Ich persönlich hätte momentan zumindest auch gar keine Lust, 5 Stunden in einem geschlossenen Raum mit 7 anderen Personen zu verbringen.
      Aber da gibt’s bestimmt auch andere Meinungen.

      1. Sportveranstaltungen sind nur teilweise erlaubt:
        Niedersachsen (https://www.niedersachsen.de/Coronavirus/antworten_auf_haufig_gestellte_fragen_faq/antworten-auf-haufig-gestellte-fragen-rund-ums-sporttreiben-188025.html):

        Welche Sportarten sind erlaubt?

        Im Grundsatz ist die Ausübung von kontaktlosem Sport unter Einhaltung des Abstandes von mindestens zwei Metern in jeder Sportart erlaubt. Allerdings gibt es Sportarten, bei denen das Abstandwahren einfacher ist als bei anderen. Unkompliziert umsetzbar sind die Hygiene- und Abstandregeln bei der Ausübung von Individualsportarten, also beispielsweise beim Laufen, Walken, bei der Leichtathletik, beim Radsport, beim Klettern, Rudern, Tennis, beim Parcours, Segeln, Golf, Bogenschießen, Reiten, Inlineskaten oder bei allen anderen Sportarten bei denen eine Vorwärtsbewegung oder die Vor-Ort-Ausübung einzeln erfolgt. In Sporthallen können sicherlich gut Sport- und Gymnastikkurse stattfinden, wenn die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden und für eine ausreichende Belüftung gesorgt sind.

        Bei Gruppen- oder Mannschaftssportarten ist ein kontaktloses Training möglich. Die Rechtsverordnung verbietet auch Trainingsspiele nicht ausdrücklich, aber der zwingend zu jeder Zeit einzuhaltende Mindestabstand von zwei Metern macht es so gut wie unmöglich, beispielsweise eine Spielsimulation im Fußball- oder Handball „6 gegen 6“ oder „11 gegen 11“ durchzuführen.

        Jetzt musst du nur noch einen Vermieter finden, der bereit ist dir einen Raum für deinen Sport zu vermieten. Die FZH gehören nicht dazu (siehe oben). Dort ist bis 31.8. kein Sport erlaubt. Wer mutig ist kann nachfragen, ob Schach auch dazugehört.

  46. Zeitüberschreitung

    Aus Mecklenburg-Vorpommern erfahren wir, wie es weiter – pardon – nicht weitergeht. „Genaueres wissen wir nach Mitte Juli.“ Welches Jahr hat Guido Springer nicht verraten. Die 2. Bundesliga richtet sich nach der 1. Bundesliga. Der Witz ist: „Die Oberliga Nord folgt der 2. Bundesliga, auch hier werden zunächst die Vereine mit Terminvorschlägen angeschrieben.“ Das heißt, die Oberligavereine werden gar nicht gefragt, ob sie überhaupt spielen wollen und können. Und das heißt wiederum, dass die Umfrage des DSB-Präsidiums lediglich eine Alibifunktion hatte.

    1. Es wird ja auch kein Verein wissen, ob er im Herbst spielen kann, also warum sollte man fragen. Wie Torsten schon schrieb, momentan geht das in Niedersachsen nicht.
      D.h. wenn man mich doch fragt, ob wir im Herbst Oberliga spielen können, kann ich momentan guten Gewissens nur „Nein“ antworten.
      Dazu kommt ja noch diese Turnierordnung mit Androhung von 1000€ Strafe…

      1. So isses, Thomas, das predige ich bereits seit einem Vierteljahr. Bis Ende Oktober 2020 wird es in Deutschland unmöglich sein, Turnierschach ohne die Einhaltung bestimmter Hygienevorschriften zu spielen. Diese Vorschriften einer Mannschaft und deren Spielern aufzuzwingen, ist unverantwortlich und damit rechtlich nicht bindend. Das haben einige Schachfunktionäre offenbar noch nicht begriffen. Die Androhung aus der Turnierordnung würde ich indes gelassen sehen. Die TO ist längst außer Kraft. Alles, was jetzt folgt, beruht auf gegenseitigem Einvernehmen.

      2. Ich kann nicht erkennen, dass die TO der Oberliga Nord außer Kraft ist. Die gilt seit April 2017 und der einzige Stichtag, der genannt wird, ist der 1.8. für die Mannschaftsmeldung.
        Da steht übrigens auch drin, dass auf dem Partieformular für das Eintragen der Züge ein Raum von 14 x 13 cm zur Verfügung stehen muss. Hat das mal jemand nachgemessen?

      3. Dass die Turnierordnung der Oberliga Nord außer Kraft ist, wird von offizieller Seite niemand bestätigen. Das heißt aber nicht, dass sie – wenn es hart auf hart käme – noch Bestand hat. In diesem Zusammenhang ist eine Liste interessant, die aus dem Bundesgesetzblatt stammt. Darin sind Bundesgesetze aufgeführt, die vom Bundesverfassungsgericht seit 1990 für nichtig oder verfassungswidrig erklärt wurden. Diese Liste umfasst 28 Seiten!

        Die rechtliche Bewertung ist dem Schachfreund Daniel Müller gut gelungen. Im letzten Kommentar vom 1. Juni 2020 zur DSB-Umfrage hat er einleitend folgendes geschrieben:

        Pacta sunt servanda gilt auch im Vereinsrecht – Wettkampfregeln und sonstige Bestimmungen können während eines laufenden Wettbewerbs nur mit Zustimmung aller Beteiligten geändert werden. Eine Fortsetzung der Saison 2019/20 mit Auflagen zum Tragen von Masken, Spiel an zwei Brettern und mit Blindenschachuhr, unter freiem Himmel, online mit Schiedsrichter an jedem Spielort (wer soll das bezahlen?) oder Ähnlichem kommt daher schon aus Rechtsgründen nicht in Betracht. Das Spieljahr 2019/20 endet – je nach einschlägiger Turnierordnung – am 30.06. bzw. wenige Monate später. Jeder Verein, der 2019 eine Mannschaft zum Spielbetrieb gemeldet hat, hat eine solche für eine Saison 2019/20 und nicht für eine Saison 2019/21 gemeldet. Kein Verein kann nachträglich zu einer Teilnahme an einer bis ins Jahr 2021 ausgeweiteten „Spielzeit 2019/21“ verpflichtet werden.

        Der von dir, Thomas, genannte Stichtag 01.08. gilt für die Rangliste einer Mannschaft (TO 2.5). Für die Meldung der Mannschaft ist der 1. Juli (TO 2.1.2.4) eines Jahres der Stichtag. Also in 5 Tagen!

  47. Seh ich auch so. Der DSB würde eine Strafe von 1000 € bei Nichtantritt erheben und müsste diese Strafe dann ggf. vor ordentlichen Gerichten einklagen. Erfolg dürfte er damit wohl nicht haben.

  48. Mittlerweile gibt es drei Aussagen zur Konferenz der Bundesspielkommission am 23. Juni 2020; und zwar aus:

    1. Mecklenburg-Vorpommern
    2. Niedersachsen
    3. Baden

    Die Zusammenfassung aus Baden ist anscheinend die genaueste. Da ist von Plan A und B die Rede. Erstaunlicherweise spielt der Abbruch der Saison 2019/2020 keine Rolle, obwohl dafür eine Mehrheit in der DSB-Umfrage plädiert hatte. Das zeigt, dass sich die Mehrheit unter den Mitgliedern der Bundesspielkommission gar nicht um die Meinung der Basis kümmert. Die Umfrage war demnach Augenwischerei. Wenn ich das richtig sehe, spielt auch die Meinung der Zweitligavereine keine Rolle, denn die sind in der Bundesspielkommission nicht vertreten. Vom Schachfreund Daniel Müller wissen wir indes, dass eine Fortsetzung der Saison über den 30.06.2020 hinaus der Zustimmung aller Beteiligten bedarf. Darüber erfahren wir kein Wort.

    1. Von Fußballern lernen, heißt …!? Der NFV hat sich mit dem Rest der Saison auch schwergetan. Heute Vormittag fiel die Entscheidung. Von 292 Delegierten stimmten 91,1 % für ein Abbruch-Szenario ohne Absteiger.

      Und für die Bundespielkommission der Denksportler ist ein Abbruch nicht einmal eine Option. Unglaublich!

  49. Mal eine ganz andere Frage, die mich und vermutlich auch andere viel mehr interessiert:

    Unter welchen Umständen würde sich Gerd Streich denn überhaupt wieder selbst(!) in einen Schachverein oder an ein Mannschaftsbrett setzen?

    Eigene Schlussstriche hattest Du bereits ohne Corona-Einflüsse gezogen. Corona&Co kann jetzt nicht für eine Antwort herhalten 😉

    1. Schön, dass du dich mal wieder meldest, Uwe. Mein Einzelschicksal ist jedoch weniger interessant als die Frage nach der Zukunft des Deutschen Schachbunds. Deshalb plädiere ich an dieser Stelle von Beginn an für einen Abbruch der Saison. Die Gründe habe ich ausführlich dargelegt.

      Ich habe keine Entzugserscheinungen bezüglich eines Mannschaftsbretts. Nichtsdestotrotz würde ich eine Rückkehr nicht völlig ausschließen, vorausgesetzt:

      1. Die Schachfreunde Hannover bleiben ein selbstständiger Verein.
      2. Es gibt eine komplette Mannschaft mit netten, motivierten Schachfreunden.
      3. Diese Mannschaft benötigt in Ausnahmefällen einen Ersatzspieler.
      4. Es kann ohne Schutzmaßnahmen (Corona) gespielt werden.
      5. DSB-Präsident Ullrich Krause tritt zurück und macht den Weg für Reformen frei.

      1. Viele Einzelschicksale ergeben das große Ganze 🙂

        1. Wurde am letzten Mittwoch geklärt
        2. Kein Problem, die kennst Du doch noch alle, aber Du wirst Dich nach dem „v. 1919“ wohl an einen weiteren neuen Namenszusatz gewöhnen müssen
        3. Keine Hürde, 9 Ausnahmefälle pro Saison sind garantiert 😀
        4. GLASKUGEL…
        5. Du hast auch unter den FIDE-Präsidenten Campomanes und Iljumschinow gespielt, so pingelig müsstest Du jetzt nicht sein 😉

  50. Und damit ist die Saison 2019/2020 Geschichte. Endlich.

    Mit diesen Worten endet die Erläuterung meiner Tageszeitung zum Abbruch der Saison im Niedersächsischen Fußballverband. Niedersachsens Schachspieler müssen sich indes auf ein Präfix einstellen: unendlich. Es sei denn, sie sind im Schachbezirk 3 beheimatet. Im Schachbezirk 2 macht man sich derweil auch eigene Gedanken. Es gibt bei der SVg. Salzgitter eine Minidiskussion zu dem Thema zwischen Jürgen Hesse und Sven Joachim:

    Jürgen Hesse am 26. Juni 2020: „Könnten wir im September/Oktober 2020 bei uns überhaupt ein Heimspiel durchführen – Hygienekonzept? Gibt es dafür bereits Überlegungen/Planungen? Wollen wir so überhaupt spielen? Mich würde dafür zumindest “das Konzept” interessieren.“
    Sven Joachim am 27. Juni 2020: „Jemand, der zu diesen Bedingungen gerne spielen will? Ich eher nicht…“

    1. Ich eher auch nicht…
      Vor allem, wenn man dann als Mannschaftsführer womöglich noch für die Organisation und Durchsetzung der Hygieneregeln verantwortlich ist.
      Ich erwarte mit Spannung das angekündigte Schreiben zur Fortsetzung der Oberliga. Da wird sicher alles notwendige drin stehen (Na gut, ich erwarte eigentlich nur genau 2 Termine und dass die Vereine für die Durchführung verantwortlich sind)

      1. # Uwe
        zu 1. Von einer Klärung weiß ich nichts.
        # Thomas
        Morgen konferiert der NSV mit dem Landesschachbund Bremen über die Landes- und Verbandsligen. Über die erzielten Ergebnisse soll unmittelbar im Anschluss berichtet werden. Also noch morgen. Je nachdem lassen sich daraus Schlüsse für die Oberliga ziehen.

  51. Was für ein unfassbares Chaos! (nein, ich meine nicht den HSV)
    Am 23.6. wird von der Bundesspielkommission (soweit ich weiß, gehören da auch Niedersachsen zu) beschlossen die Wechselfrist zu kippen und keiner erfährt es.
    Am 26.6.veröffentlicht der NSV die Nachricht, dass die Wechselfrist (30.6.) bestehen bleibt.
    Heute (28.6.) veröffentlicht der DSB, dass die Wechselfrist bereits am 23.6. gekippt wurde.
    Schlimmer geht nimmer…

    1. Hallo zusammen,

      der DSB, bzw. der für den Spielbetrieb Verantwortliche, Gregor Johann, bezieht seine Aussage im verlinkten Text ausschließlich auf die 2. Bundesliga. Das geht aus der Schlagzeile auf der Startseite leider nicht hervor.
      Anmerkung: Niedersachsen und Bremen halten den Wortlaut selbst der Erklärung von Gregor Johann für nicht zutreffend.
      Der für die zum Wechselzeitpunkt notwendigen Tätigkeiten zuständige Referent des DSB, Rainer Blanquett (die Wechselfrist ist keine ausschließliche Frage des Spielbetriebs) ist in die Formulierung der Mitteilung des DSB auf http://www.schachbund.de nicht eingebunden.
      Nicht nur deshalb bleiben der Termin und damit die ordnungsmäßig verankerte Möglichkeit, den Verein zu wechseln, bestehen.
      Es wurde mittlerweile bundesweit eine Vielzahl von Wechseln vollzogen!
      Die Hoheit, den Zeitpunkt eines Wechsels als für die nächste Spielzeit ausreichend zu definieren, liegt laut Gregor Johann und auch unserem Verständnis nach beim Ausschreibenden.

      Deiner Aussage, dass das alles hier chaotisch wirkt, kann ich nur zustimmen…..

      Am Dienstag liest Du dann mehr auf http://www.nsv-online.de

      1. Schwupps, ist der Artikel wieder weg von der Seite des Deutschen Schachbundes. Ohne Worte…
        Worte wechselte ich mit Michael Langer. Ich bin gespannt auf die Mitteilung am kommenden Dienstag.
        Eines weiß ich aber schon jetzt. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des DSB ist wirklich nicht leicht.

  52. Einschränkungen bis 2021

    Bereits Mitte Juni hatte der Krisenstab des Landes Niedersachsen angekündigt, dass es eine Rückkehr zum Alltagsleben ohne Corona-Einschränkungen wohl erst im Sommer 2021 geben werde. Selbst wenn es Ende 2020 oder Anfang 2021 einen Impfstoff gebe, benötigten die Produktion und die Impfung größerer Teile der Bevölkerung noch entsprechend Zeit, hieß es. (HAZ vom 29.06.2020)

    Der NSV und der Schachbund Bremen gehen indes davon aus, dass die Einschränkungen demnächst aufgehoben und die ausgefallenen Wettkämpfe bis September/Oktober nachgeholt werden. Der folgende Vorbehalt in der aktuellen Verlautbarung des NSV ist zwar gut und richtig, geht aber an der Realität vorbei (siehe oben):

    Aus unserer Sicht können die Wettkämpfe nur stattfinden, wenn die derzeit geltenden rechtsverbindlichen auf Hygienekonzepten fußenden Einschränkungen, insbesondere die Abstandsregeln und die Maskenpflicht, aufgehoben und durch den sportlichen Wettkampf nicht einschränkende Empfehlungen (regelmäßiges Hände waschen, kein Shake-Hands, regelmäßige Lüftung der Räume, freiwilliges Tragen von Masken….) ersetzt sind. (NSV vom 29.06.2020)

    Darüber hinaus fällt auf, dass die Meinung der Schachvereine und Schachspieler offenbar keine Rolle spielt. Weder ein Verein noch ein gemeldeter Schachspieler ist verpflichtet, dieser Vereinbarung – wenn sie denn Realität wird – zu folgen. Rein rechtlich endet heute die Saison 2019/2020. Und niemand darf dazu genötigt werden, sich einem Risiko auszusetzen, das möglicherweise geringer wird, aber keineswegs innerhalb der nächsten 12 Monate ganz verschwindet.

    Apropos Schwupps. Der Rechenschaftsbericht von Bundesturnierdirektor Gregor Johann ist nur von der Startseite des DSB verschwunden. Unter Spielbetrieb ist er nach wie vor aufrufbar. Das Chaos geht weiter…

  53. Laut https://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Corona-Verordnung-in-Niedersachsen-Mannschaftssport-soll-moeglich-werden (Achtung: Paywall) soll eine neue Corona-Verordnung Mannschaftssport erlauben. Die Verordnung wurde zwar inzwischen auf den 13. Juli verschoben, aber schauen wir mal.

    Damit wäre auch Schach vielleicht wieder möglich (obwohl Schach drinnen gespielt wird, aber es gibt weniger Körperkontakt als im Fussball). Blieben aber immer noch die Probleme, dass Sport in den Freizeitheimen und zentren Hannovers noch verboten ist (falls Schach analog zu § 52 Abgabenordnung als Sport gilt) und dass der NSV da noch ein Wörtchen mitzureden hat (zumindest für die Mannschaftskämpfe).

    Es bleibt spannend! Freitag abend ist Klubabend beim Lister Turm — auf Lichess und nur für Mitglieder.

  54. Nicht nur der SV Lingen hat einen Aderlass zu verzeichnen, sondern z.B. auch der MTV Tostedt in der Oberliga Nord West. Diese drei Spieler gehören seit gestern nicht mehr dem Verein an:

    Brett 2 Varga, Zoltan, HUN 2422 GM
    Brett 3 Iszak, Gyula, HUN 2411 IM
    Brett 5 Nedic, Dusan, HUN 2302

    In der vorletzten Runde müssen die Tostedter beim HSK Lister Turm antreten und in der letzten Runde gegen die Schachfreunde Hannover. Gegen den HSK sind sie mit der Rumpfmannschaft chancenlos. Inwieweit sie dann noch für das Heimspiel gegen die SF Hannover motiviert sind, ist die Frage. So oder so kann das zum Nachteil des SK Delmenhorst gereichen, der noch zwei starke Gegner hat. Die Delmenhorster haben wiederum IM Ewgeni Gisbrecht reaktiviert, der meines Erachtens spielberechtigt wäre, weil er seit der Saison 2012/13 inaktiv war. Ob er nachgemeldet wird, entzieht sich meiner Kenntnis. – Ohne den Saisonabbruch hätten wir vor den beiden letzten Runden eine andere Ausgangslage.

    Dieses kleine Beispiel zeigt, dass die Vollendung der Saison 2019/20 keineswegs für mehr Gerechtigkeit sorgt. Im Gegenteil, ich rechne mit ganz anderen Verwerfungen.

    1. Oberliga – Nachmeldungen gibt’s nicht.
      Die drei Ungarn sind aber wohl für die letzten beiden Runden noch spielberechtigt. Also vielleicht, also eigentlich weiß man es nicht genau, also was weiß ich 🙁

      1. Du hast recht, es darf nicht nachgemeldet werden:

        TO 2.5.2 Eine Rangliste umfasst acht Stammspieler und bis zu acht Ersatzspieler in festgelegter Rangfolge. Nach diesem Termin kann eine Mannschaftsmeldung nicht geändert oder ergänzt werden.

        Die Sinnfrage stelle ich lieber nicht, aber ein Blick auf die Turnierordnung von Niedersachsen/Bremen zeigt, dass es auch anders geht:

        TO (2) Eine Rangliste umfasst 8 Stamm- und bis zu 12 Ersatzspieler. Nachmeldungen von Ersatzspielern sind während der gesamten Spielperiode bis zur Höchstzahl von 20 Spielern möglich.

        Die drei Ungarn stehen nicht mehr auf der DSB-Vereinsliste, folglich haben sie den Verein verlassen und sind daher nicht mehr spielberechtigt. Anders sieht es z.B. bei Jan Pubantz aus, der offenbar in der nächsten Saison für den HSK spielen möchte, jedoch bei den SF Hannover und dem SK Ricklingen gemeldet bleibt und dort mit einem P versehen ist.

  55. Auch wenn ich den Unmut meines geschätzten NSV-Präsidenten hervorrufe, erlaube ich mir eine kritische Bewertung der Tagung des DSB-Bundesspielkommission am 23.06.2020. Da nun das Protokoll veröffentlicht wurde, lässt sich die Videokonferenz einigermaßen nachvollziehen. Interessant ist die Stimmabgabe. Es gab nur eine Nein-Stimme aus Württemberg, vier Enthaltungen, zwei Ja-Stimmen mit Vorbehalten und 16 Ja-Stimmen ohne Vorbehalte.

    „Ja“ heißt, die abgebrochene Saison in der 2. Bundesliga soll vollendet werden. „Dabei müssten aber selbstverständlich die vorgeschriebenen Hygienebedingungen eingehalten werden“, ist die Bedingung. Werden die Zweitligaspieler zwangsverpflichtet, sich eine Maske aufzusetzen, wenn diese vorgeschrieben wird? Das steht in dem Protokoll nicht, ist aber die logische Konsequenz.

    Bekanntlich wurden vom DSB und einigen Landesverbänden vorher Umfragen an der Basis durchgeführt. Der Tenor dieser Umfragen spiegelt sich in keiner Weise im Abstimmungsverhalten der Bundesspielkommission wider. Die Mehrheit der Basis war für einen Abbruch, nur einer der Mitglieder hatte den Mut oder den Durchblick diesem Meinungsbild der Basis Ausdruck zu verleihen: Armin Winkler, Präsident vom Schachverband Württemberg. Die Basis in Württemberg hatte wie folgt abgestimmt:

    Die Saison 2019/2020 versuchen sportlich beenden und die Aussetzungen der Saison 2019/2020 schrittweise verlängern. 295 Stimmen = 41,55 %
    Die Saison 2019/2020 zum jetzigen Zeitpunkt abbrechen. 415 Stimmen = 58,45 %

    Bundesturnierdirektor Gregor Johann stimmte auch mit Ja, womit er seine eigene Umfrage ad absurdum geführt hat. Er hätte sich zumindest enthalten müssen, weil die Mehrheit in der Umfrage für einen Abbruch war.

    Für Niedersachsen hat Jan Salzmann mit Ja gestimmt. Jan ist Sportdirektor des NSV und 1. Vorsitzender des SK Lehrte. Übrigens hat Niedersachsen derzeit keinen einzigen Zweitligaverein.

  56. Beim Analysieren des Abstimmungsergebnisses musste ich an ein Buch von Rolf Dobelli (Schweizer Schriftsteller und Philosoph) denken. Es heißt: Die Kunst des klaren Denkens. Das Kapitel Groupthink – Warum Konsens gefährlich sein kann“ behandelt den Denkfehler, der sich im Abstimmungsverhalten der Bundesspielkommission widerspiegelt. In Meetings wird die Meinung dominanter Personen als richtig empfunden, die anderen halten sich zurück, weil sie sich nicht unbeliebt machen und Teil der Gruppe bleiben wollen. Soziologen sprechen von einer Illusion der Unverletzlichkeit.

    Nachdem Jürgen Kohlstädt vorgeprescht war, hat sich Bundesturnierdirektor Gregor Johann auf demokratische Grundsätze besonnen und online Ideen gesammelt, wie verfahren werden könnte, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Vier Varianten wurden vorgeschlagen. Die Ideen sprudelten reichlich. Es gab vom 12. Mai bis 1. Juni 116 Kommentare bestehend aus rund 22.000 Wörtern verteilt auf 48 DIN-A4-Seiten (Arial 11). Einen kleinen Ausschnitt habe ich mir herausgepickt:

    Jürgen Happel am 23. Mai 2020, 14:03 Uhr
    Die bisherigen Beiträge zeigen dies ja auch überdeutlich auf:
    So lange es keine Medikamente und keinen Impfstoff gibt, ist aus meiner Sicht ein „regulärer Schachbetrieb“ nicht zu verantworten. Und auch für den Herbst zeichnet sich hier keine Änderung ab, ganz im Gegenteil könnte es eine neue Ansteckungswelle geben, die erneut auch wieder zu weiteren Einschränkungen führen könnte.

    Zweifelsohne gab es auch Stimmen, die sich mit dem Abstimmungsergebnis der Bundesspielkommission decken, aber die waren in der Minderheit. Eine einzige Stimme, und zwar die aus Württemberg, ist gleichzusetzen mit dem Ergebnis der Online-Umfrage. Wohin führt das? In der Politik zu Parteienverdrossenheit, im Schachleben zu Apathie.

  57. Eine vorbildliche Analyse der Corona-Debatte findet von Beginn des Lockdowns an auf der Webseite des SV Hellern statt. Eine Zwischenbilanz haben nun Dr. Ortwin Thal alias Otto und FA Stefan Ewert gezogen. Pro-und-Kontra-Spielbetrieb haben sie ihre Beiträge überschrieben. Ottos Kontra-Position deckt sich mit meiner, Stefans Pro-Position ist in Wirklichkeit eine Sowohl-als-auch-Haltung. Das macht ihn sympathisch, zeigt aber zugleich das Dilemma. Alle wollen das Gleiche, nämlich die Wiederaufnahme des Spielbetriebs, aber auf unterschiedlichen Wegen. Ich möchte das mit dem Verhalten nach einer schweren Operation vergleichen. Ist es ratsam, sich möglichst schnell wieder in den Alltag zu stürzen, oder sollte man seinem Körper und seiner Seele Ruhe gönnen und abwarten, bis beide vollständig geheilt sind?

    Die Gefahr, dass die Ansetzung der offenen Runden in ein Chaos führt, ist groß. Das kann zur Folge haben, dass die neue Saison 2020/2021, die unmittelbar im Anschluss beginnen soll, von vielen Schachfreunden gemieden wird. Damit wäre niemand gedient. Diejenigen, die jetzt aufs Gaspedal treten, unterliegen dem Trugschluss, dass sie die Zeit des Stillstands wesentlich verkürzen. So oder so erleben wir eine Pause von mindestens einem halben Jahr. Werden die ausstehenden Runden noch gespielt, gewinnen wir maximal 4 bis 6 Wochen bis zum Neustart. Die machen den Kohl(dampf) auch nicht fett.

    Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass bei einer vorzeitigen Aufnahme des Spielbetriebs etwa die Hälfte der Schachspieler genötigt wird, sich unter geänderten Rahmenbedingungen ans Brett zu setzen. Wird die nächste Saison – ob im Herbst 2020 oder Herbst 2021 – gestartet, kann jeder Schachfreund für sich selbst entscheiden, ob er die damit verbundenen Risiken eingehen will und noch Spaß am Schachspiel hat. Das hat etwas mit dem freien Willen zu tun.

    1. Junge, junge. Gerd gib’s zu, darauf wärst Du auch nicht gekommen.
      Die Schachbundesliga wird einen Meister 2020 ermitteln, mit allen Mannschaften, die im September spielen wollen (ähnlich wie beim Basketball). So weit, so gut und nachvollziehbar.
      Danach soll aber mit den bereits ermittelten Ergebnissen von 2019 bis 2021 weitergespielt werden?!
      Sollte es eine Erklärung dafür geben, ich bin darauf gespannt.
      https://www.sueddeutsche.de/sport/schach-berlin-saison-der-schach-bundesliga-wird-bis-2021-verlaengert-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200712-99-764370

      1. Ich verstehe nur Bahnhof:

        „Die Vereine, die die Saison gern schon im September beendet hätten, werden stattdessen einen deutschen Mannschaftsmeister 2020 ermitteln. Die OSG Baden-Baden soll das Ersatzturnier in der zweiten Septemberhälfte ausrichten. Außer dem Gastgeber beteiligen sich mit der SG Solingen, dem SC Viernheim, den SF Deizisau, Werder Bremen und möglicherweise dem SV Hockenheim alle, die bei regulärer Fortsetzung der laufenden Saison noch Meister werden konnten.“

        Und was machen die anderen Mannschaften? Und was wird aus der Saison 2020/2021? Fällt die aus?

  58. Ist doch ganz einfach:
    Es gibt einen Deutschen Meister 2020. Zentral ausgespielt von den Vereinen, die daran teilnehmen wollen.
    Und es gibt einen Deutschen Meister 2021. Das ist die verlängerte Saison 2019-2021.

    1. Wenn es einen Deutschen Meister 2020 gibt, muss es auch Absteiger 2020 geben. Aber die Mannschaften aus dem Tabellenkeller spielen erst wieder im Mai 2021. Und was machen die Aufsteiger aus der 2. Bundesliga? Müssen die sich ein Jahr gedulden? Ich begreife die Vereinbarung nicht.

  59. Offiziell gibt es noch keine Verlautbarung. Vom Solinger Tageblatt erfahren wir etwas mehr:

    Sechs bis acht Mannschaften treffen sich in der zweiten September-Hälfte in Karlsruhe, um den Meister auszuspielen. „Jeder trifft auf jeden. Bei dem Turnier geht es von null los“, erläutert Kniest. Die Solinger werden neben Baden Baden, Deizisau, Bremen, Viernheim und Bayern München definitiv dabei sein. „Das sind die Topteams der Bundesliga – ohne Hockenheim“, weiß der SG-Vorsitzende. Ob der Tabellenzweite der ruhenden Liga startet, ist noch nicht sicher. „Die Hockenheimer wären aktuell stark von Reisebeschränkungen betroffen.“

    Wieso ist sind die Solinger definitiv dabei und nicht der Hamburger SK, der in der Tabelle vor Solingen liegt? Die Hockenheimer sind derzeit punktgleich mit der OSG Baden-Baden. Wenn man sich die Mannschaft der Hockenheimer anschaut, ist kaum zu erwarten, dass die mit einer schlagkräftigen Besetzung antreten kann. Ohne die Hockenheimer wird die Saison ad absurdum geführt. Wobei man das wohl auf die komplette Bundesliga beziehen kann. Chancengleichheit sieht anders aus. Es wäre besser gewesen, alles auf Null zu setzen.

  60. Man möchte wohl unbedingt um jeden Preis einen Meister 2020 küren um dann trotzdem die Saison bis 2021 zu verlängern und bis dahin dann ordnungsgemäß zu beenden.
    Was ein Schwachsinn.

  61. Spannend auch die Frage, was mit den Aufsteigern aus der 2.Liga passiert, denn die will ja im Herbst die Saison 19/20 zu Ende spielen.
    Naja, die warten sicherlich gern ein Jährchen ab um dann einen Stichkampf mit den „Aufsteigern“ der Saison 20/21 zu spielen.

    1. … und was ist mit den Aufsteigern aus den Oberligen? Und – warum zum Teufel – sollen die Landes- und Verbandsligen zu Ende gespielt werden?

      1. Vielleicht passt der NSV seine Entscheidung nach der Entscheidung des DSB ja jetzt auch wieder an, wer weiß das schon ..
        Manchmal können andere Sportarten durchaus ein Vorbild sein.
        Fast nirgendwo gibt es so ein heilloses Durcheinander wie im deutschen Schach(Mannschaftskampf)spielbetrieb ..
        Gute Nacht deutsche Bürokratie ..

      2. Ja Sven, vielleicht versteht jetzt der eine oder andere, warum ich seit jeher meine Stimme gegen diese Bürokratie erhebe. Die meisten Schachfunktionäre sind zwar fleißig, aber die wenigsten sind innovativ und kreativ.

        Nun gibt es auch eine offizielle Meldung auf der Webseite der Bundesliga. Ein Detail zeigt, dass die im September vorgesehene Deutsche Mannschaftsmeisterschaft nichts mit der ursprünglichen Bundesligasaison zu tun hat:

        „Wegen weiterhin bestehender internationaler Reisebeschränkungen wird den Vereinen die Nachmeldung von Spielern ermöglicht.“

        Arbeitslose Schachprofis gibt es derzeit genug. Die Bewerbungen gehen in Kürze raus. Die Vereinszugehörigkeit ist schnuppe.

      3. Dein Beharren auf Auf- und Abstieg ist total veraltet.

        Wenn man sich mal den amerikanischen Sport ansieht ist vor allem wichtig:
        – Professionelle, finanziell gut aufgestellte Vereine
        – mit einer großen Anzahl von Fans
        – die in Metropolen spielen.

        Die Spieler werden einfach eingekauft. Ein Auf- und Abstieg von Vereinen ist eigentlich nicht erforderlich stattdessen steigen die Spieler in andere Vereine auf- und ab. Ab und zu muss auch ein Verein ausgetauscht werden, wenn z.B. die finanziellen Möglichkeiten wegfallen.
        Auf- und Abstieg ist dagegen was für Amateure (also ab der 2. Liga).

  62. Ihr werdet sicher mitbekommen haben, dass sich unser NSV-Präsident in den Perlen vom Bodensee zu der am 12. Juli getroffenen Vereinbarung der Schachbundesliga geäußert hat. Seine Kritik ist eindeutig:

    „Mit der gestern getroffenen Entscheidung, die von der Annahme, allein auf der Welt zu sein, geprägt scheint, schießt sich die Bundesliga m.E. weit ins Abseits. Sie isoliert sich in einer Art und Weise, die für alle anderen Vereine nicht erklärbar ist.“

    In die Diskussion habe ich mich eingemischt. Erfreulich ist, dass sich auch GM Rainer Polzin gemeldet hat. Rainer Polzin war an der Vereinbarung beteiligt und rechtfertigt diese. Er hat sozusagen eine Multifunktion:

    1. Er gehört zum vertretungsberechtigten Vorstand der Schachfreunde Berlin. Die 1. Mannschaft spielt in der 1. Bundesliga.
    2. Er selbst spielt in der 2. Mannschaft, die in der 2. Bundesliga Nord spielt.
    3. Er gehört der Schachbundesliga e.V. an, in welcher Funktion weiß ich nicht, da er im Impressum nicht genannt ist. Gleichwohl ist die Postanschrift der Schachbundesliga e.V. mit der der Schachfreunde Berlin 1903 e.V. identisch, nämlich c/o Rainer Polzin, Blücherplatz 2, 10961 Berlin.
    4. Beruflich ist Rainer Polzin Fachanwalt für Arbeitsrecht.

    Meines Erachtens sind die Argumente, die Rainer Polzin in Michaels Logbuch vorgetragen hat, nicht überzeugend. Meinen Einwand hat er fett herausgestellt:

    „Dadurch wird das Schachleben in den darunterliegenden Klassen lahmgelegt.“
    … und darauf geantwortet: „Das ist schlicht falsch.“
    Darauf entgegne ich an dieser Stelle: „Das ist schlicht weltfremd.“

    In Michaels Logbuch habe ich seine Sichtweise als „ziemlich arrogant“ bezeichnet. Dazu stehe ich, und dazu passt Michaels Kritik, die ich oben auszugsweise genannt habe. D.h. die Bundesliga hat eine Entscheidung getroffen, die Auswirkungen auf den gesamten Spielbetrieb im DSB hat, und von oben herab heißt es dann: „Wo ist das Problem? Ihr dürft doch spielen!“ Dass eine Saison ohne Auf- und Abstiegsregelung allenfalls den Wert einer Beschäftigungstherapie hat, dürfte allen, die nicht weltfremd sind, klar sein.

    Im Leitbild der Schachbundesliga steht u.a.:
    „Ziel ist weiterhin die Förderung eines positiven und ausstrahlungskräftigen Images des Schachsports im Allgemeinen und des Spitzenschachs in der 1. Schachbundesliga im Besonderen.“

    Mit der am Sonntag getroffenen Vereinbarung bewirkt die Schachbundesliga das Gegenteil. Ich hoffe, dass es für ein Umdenken noch nicht zu spät ist. Immerhin hat Rainer Polzin signalisiert, dass er offen für neue Ideen ist.

  63. ich zitiere mal deinen Kommentar vom 28.4.2020 in dem du einen gewissen Otto aus Hellern zitierst:
    „Angesichts der durch das Corona-Virus ausgelösten weltweiten Dramatik, ist das von dir als „Erreichtes“ bezeichnete derart unwichtig, dass es fast peinlich ist, überhaupt darüber zu reden. Dazu passt der Kommentar eines klugen Schachfreunds im Netz: „Am schlimmsten fand ich den Kommentar eines Schachfreunds, der wütend war, weil ihm der mögliche Aufstieg seiner 5. Mannschaft aus der x-ten Kreisklasse weggenommen wird.““

    Hier wirkst du wie jemand dem der Aufstieg nicht so wichtig ist, weil du Otto lobst der mich kritisiert, wenn ich es bedaure, möglicherweise nicht aufzusteigen.

    Jetzt schreibst du dagegen: „Dass eine Saison ohne Auf- und Abstiegsregelung allenfalls den Wert einer Beschäftigungstherapie hat, dürfte allen, die nicht weltfremd sind, klar sein.“

    Ich sehe hier einen Widerspruch.

    1. Grundsätzlich ist der Auf- und Abstieg ein unverzichtbarer Bestandteil im Mannschaftssport. Sonst hätte es z.B. nicht die Dramatik in den Relegationsspielen zwischen Werder Bremen und Heidenheim sowie Nürnberg und Ingolstadt gegeben. Die Corona-Pandemie hat uns jedoch in eine Ausnahmesituation versetzt. Da zählen vorübergehend andere Werte. Ende April dieses Jahres war Demut wichtiger als der Ausgang der x-ten Kreisklasse einer Schachliga. Gleichwohl hielt und halte ich es für zweckmäßig, dass die erzielten Ergebnisse nach einem gewissen zeitlichen Abstand berücksichtigt werden. Deshalb habe ich von vornherein eine pragmatische Auf- und Abstiegsregel auf Grundlage des Liga-Orakels vorgeschlagen.

      Durch die am Sonntag getroffene Vereinbarung der Schachbundesliga werden die vier Ligen der 2. Bundesliga unmittelbar beeinflusst. Die wollen bzw. sollen die Saison 2019/2020 bis Ende Oktober 2020 vollenden. Es kann aber kein Verein aufsteigen, weil die 1. Bundesliga pausiert und erst im Mai 2021 die Saison beendet. Für die Zweitligavereine, die nicht mehr absteigen können, ist der Rest der Saison die von mir als solche bezeichnete Beschäftigungstherapie, wenn sie überhaupt gewillt sind anzutreten. Krass ist z.B. die Situation in der 2. Bundesliga Süd. Der SC Heusenstamm hatte sich die Neuansetzung des Mannschaftskampfes gegen den TSV Schönaich erstritten, die unterdessen wertlos geworden ist. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass die Ligen beim Neustart in die Saison 2020/21 nicht mehr so bestückt sind wie zum Ende der Saison 2019/20. Dann werden die Karten sowieso neu gemischt.

  64. Wie fragwürdig die Vereinbarung der Schachbundesliga ist, zeigt die Reaktion des SV Hockenheim. Die Hockenheimer belegen derzeit punktgleich mit der OSG Baden-Baden den zweiten Platz in der Tabelle:

    Unser Rennstadtteam ist mehr von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen als andere Teams. Dies erschließt sich aus dem Umstand, dass zurzeit die stärksten Kaderspieler aus den Staaten China, Indien, Russland und Ukraine nicht zur Verfügung stehen. Diese Situation wird sich auch im September 2020 wohl kaum verändern, so dass […] Es deutet sich also eine Tendenz an, nach der Hockenheim im Herbst nicht antreten sollte.

    Die Hockenheimer haben das ausgesprochen, was für viele Schachvereine der 1. Bundesliga, der 2. Bundesliga und der Oberligen gilt. Dazu muss man wissen, dass der Inländeranteil der eingesetzten Spieler in der 1. Bundesliga lediglich bei ca. 43 % liegt. Von den Inländern, die aufgrund der Hygienemaßnahmen nicht antreten werden, ganz zu schweigen. Deshalb sind alle Bestrebungen, die Saison 2019/20 noch im Herbst 2020 zu vollenden, realitätsfremd.

    1. Es geht nicht um Mitleid, sondern um eine ganzheitliche Betrachtung des Schachsports in Deutschland. Die Vereinbarung der Schachbundesliga ist nichts anderes als Klientelpolitik, die – wie das Beispiel Hockenheim zeigt – noch nicht einmal funktioniert. Deutschlands Schachfunktionäre haben seit rund 4 Monaten wie das Kaninchen auf die Schlange (1. Bundesliga) gestarrt. Die macht nun ihr eigenes Ding und erklärt kurzerhand, dass der Aufstieg in die 1. Liga für eine Saison ausgesetzt wird. Ernüchterung macht sich breit (siehe Langers Logbuch). Die Mehrheit der Amateure in Deutschland ist für einen Abbruch der Saison 2019/20, die Mehrheit der Funktionäre ist dagegen: Realitätssinn versus Wunschdenken. Das Kaninchen bleibt gelähmt.

      P.S. Ich habe nichts gegen Profiteams, allerdings habe ich etwas gegen die derzeitigen Strukturen. Die sind in der 1. und 2. Bundesliga dringend reformbedürftig – wie der gesamte Deutsche Schachbund.

  65. Ich finde es etwas ungewöhnlich, dass der Spielbetrieb in den Ligen nicht fortgesetzt wird/werden kann, aber in Magdeburg bereits im August 2020 die Deutschen Seniorenmeisterschaften 50+ und 65+ mit über 200 Teilnehmern ohne Maskenpflicht und ohne Mindestabstand stattfinden können!! Wie wird dies auf dieser Seite so gesehen!? Mit Thomas Spieß will anscheinend auch zumindest ein Spieler der Spielgemeinschaft SF Hannover/SK Ricklingen teilnehmen. Ich selbst überlege noch, bin aber doch recht skeptisch.

    1. Das Hygienekonzept des LSV Sachsen-Anhalt ist eine flexible Angelegenheit. Am Ende heißt es:

      „Es gilt bis zum Ablauf der Corona bedingten Verordnungen des Landes Sachsen-Anhalt und wird laufend entsprechend der jeweils gültigen Verordnungen aktualisiert.“

      Es kann sich also bis zum Start der Deutschen Seniorenmeisterschaften einiges ändern. Derzeit steigen bundesweit die Infektionszahlen aufgrund des Reiseverkehrs. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Vorschriften verschärft werden, oder das Turnier komplett abgesagt wird. Die damit verbundenen Risiken muss jeder Senior selbst einschätzen. Ich würde sie nicht eingehen.

    2. Hallo Jürgen,
      grundsätzlich kann ich mir die Teilnahme an einem Open eher vorstellen, als einen Wettkampf in einer Liga als Mannschaftsführer „auszurichten“.
      Solange sich Spieler (in einem Open) völlig freiwillig dem Risiko aussetzen möchten, dann sollen sie das tun.
      Als Mannschaftsführer befürchte ich aber, Spieler überzeugen zu müssen, doch bitte am kommenden Sonntag zu spielen, damit die Mannschaft komplett ist (oder wenigstens spielberechtigt).
      Da ich selber momentan aber nicht spielen würde, hätte ich weder gute Argumente noch ein gutes Gewissen dabei.

  66. Magdeburger Pflegeheim unter Quarantäne

    Eine 85-jährige Bewohnerin eines Pflegeheims in Magdeburg hat sich mit Corona infiziert. Die Behörden haben daraufhin das ganze Heim unter Quarantäne gestellt. Man stelle sich vor, während des Schachgipfels, bei dem mehrere hundert Teilnehmer erwartet werden, wird ein einziger positiv getestet. Das Maritim-Hotel wird dann zu einer Falle, aus der es für mindestens zehn Tage kein Entrinnen gibt. Von den eventuellen gesundheitlichen Folgen ganz zu schweigen.

    Ich halte es für unverantwortlich, dass der DSB an dieser Veranstaltung festhält.

    Guckt ihr: Volksstimme.

  67. Das Virus wird, trotz Lockerungen, nicht weniger infektiös!

    Diese Worte stammen vom Schacharzt Dr. Werner Freier. Er ist Vorsitzender des Hildesheimer SV. Auf dessen Webseite gibt es eine anschauliche Risikodarstellung des Superspreading. Werner Freier möchte gern wieder Turnierschach spielen. Aber bitte mit FFP-2-Maske! Einfache Masken seien unzureichend. Und in Magdeburg sollen die Senioren ohne Maske spielen. Prävention sieht anders aus.

    Vielleicht vertrauen die Veranstalter dem Herausgeber der ROCHADE, Lothar Hirneise. Der weiß, wo der Hammer hängt:

    „Selbst CDU / CSU Wähler verstehen im Juli 2020, dass das Virus nicht annähernd so gefährlich ist, wie uns verschiedene Kanzlerkandidaten bis heute erzählen. Und selbst die größten Leugner wissenschaftlicher Fakten hinterfragen inzwischen z.B. diese unsinnige Maskenpflicht, …“

    Ich bin anderer Meinung (IBAM) heißt der Verein, für den er sich engagiert, damit sich andere seiner kruden Meinung anschließen. – Meine Tageszeitung veranstaltet derzeit eine Online-Umfrage: „In knapp 100 Tagen wählen die USA ihren Präsidenten. Wen wünschen Sie sich im Weißen Haus?“ Drei Antworten stehen zur Wahl. Die erste: „Donald Trump soll weitermachen- er packt an und räumt auf.“ Rund 10 % der abgegebenen Stimmen fallen auf diese Antwort. Womöglich sind das lauter AfD-Wähler. Die will Lothar Hirneise gar nicht bekehren. Warum wohl?

  68. Danke für die Hinweise/Informationen. Ich werde zu dem Turnier nicht antreten. Mich erstaunt besonders die sehr hohe Teilnehmerzahl im Turnier 65+ (160 TN). Ich dachte mal, dieser Personenkreis sei „besonders schutzbedürftig“. Dies sehen die TN anscheinend anders. (Bei 50+ sind bisher 65 TN gemeldet).

  69. Für die sehr hohe Teilnehmerzahl gibt es zwei Gründe:

    1. Die Senioren haben alle die „Rochade Europa“ abonniert.
    2. Die Erinnerung an den Film mit Ursula Andress aus dem Jahr 1966: „Einmal noch – bevor ich sterbe“

    Scherz beiseite. Sollte es bei den laschen Hygienevorschriften bleiben, halte ich die Ausrichtung des Schachgipfels in Magdeburg für fahrlässig. Sogar die Saudis sind klüger! Kein Hadsch für 65+ Pilger in diesem Jahr. Und die Nordfriesen! Wer in den Fußgängerzonen von Dithmarschen flaniert, muss ab sofort einen Schnutenpulli tragen.

    In Magdeburg dürfen sich die Vertreter einer doppelten Risikogruppe (Mann/alt) indessen stundenlang die Aerosole austauschen:

    „Wie auch bei den anderen Meisterschaften und dem German Masters, wird am Brett keine Pflicht bestehen, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Der Mindestabstand von 1,50 m, der sonst zwischen Menschen gilt, muß am Brett zwischen den Spielpartnern nicht eingehalten werden.“

    Dabei muss ich unwillkürlich an einen Film mit James Dean aus dem Jahr 1955 denken: „… denn sie wissen nicht, was sie tun“

  70. Heute soll also entschieden werden, wie es mit der Oberliga weitergeht.
    Naiv wie ich bin, hatte ich eigentlich erwartet, dass die Vereine vorab von der Spielleitung der Oberliga gefragt werden, wie diese sich eine (Nicht-) Fortsetzung der Saison vorstellen.
    Unter Umständen könnte es ja interessant sein, ob es überhaupt geeignete Spiellokale gibt. Eventuell könnte es sogar interessant sein, ob noch Spieler vorhanden sind.
    Aber nun gut, die Herren werden sicherlich weise entscheiden…

    1. Nun soll die 2. Bundesliga die Saison 2019/20 analog der 1. Bundesliga bis Frühjahr 2021 verlängern, meldet Bundesturnierdirektor Gregor Johann auf der DSB-Webseite. Details sind noch nicht bekannt, aber es sieht so aus, dass damit der ursprüngliche Alleingang von Jürgen Kohlstädt reaktiviert wird. Was machen derweil die unteren Ligen?

  71. Der NSV hat nun auch reagiert. Da die Oberliga Nord dem Beispiel der 2. Bundesliga folgen soll, herrscht offenbar Ratlosigkeit bzw. Verzweiflung im Norden. Eine Verschiebung der Mannschaftskämpfe halte ich für richtig, aber bitte unter neuen Vorzeichen. Es ist naiv anzunehmen, dass die Mannschaften aller Ligen im Frühjahr 2021 in der ursprünglichen Besetzung noch bestehen. Deshalb appelliere ich an die Vernunft der Funktionäre: Brecht die alte Saison endlich ab! Die Vereine müssen sich zunächst schütteln, sammeln und im Frühjahr 2021 diejenigen melden, die noch spielen wollen und können.

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