Ganz dünnes Eis

Michael S. Langer hat recht behalten. Nach einem Anlauf von dreieinhalb Jahren gab es heute beim NSV-Kongress kein Reförmchen. Es gab auch keine Reform. Es bleibt alles beim Alten. „Verkrustete Strukturen, enorme Beharrungskräfte, keine Sponsorenakquise in großem Maßstab und Schach-Macher mit Scheuklappen, die auf ihren Inseln isoliert vor sich hinwurschteln, lassen Dynamik erst gar nicht entstehen.“ Dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von Conrad Schormann in den Perlen vom Bodensee. Meine Erwartungshaltung ist bekannt. Insofern ist dieser Ausgang für mich keine Überraschung.

Das Alte war allerdings perfekt inszeniert. Das ist ein Kompliment an alle, die sich für Ämter zur Verfügung gestellt haben. Die meisten Funktionäre machen weiter, die freien Plätze wurden ohne Gegenstimmen neu besetzt. Zwei davon werden von Lukas Hoffmann und Max Wall (beide HSK Lister Turm) wahrgenommen. Von beiden ist frischer Wind zu erwarten. Ich traue ihnen das zu und wünsche ihnen viel Erfolg. Nennenswerte Diskussionen gab es nicht. Michael S. Langer war als Chef im Ring souverän. Niedersachsens Schachspielerinnen und Schachspieler haben ihm viel zu verdanken. Trotz ausbleibender Reformen. Dass die ausbleiben, liegt nicht an ihm. Wir müssen nur auf unsere Bundesregierung gucken. Die Welt steht am Abgrund, und unsere Entscheidungsträger beschließen lächerliche Maßnahmen.

Ganz dünnes Eis / Fridays-for-Future-Demo am 20.09.2019 in Hannover

Meine Teilnahme als Gast beim NSV-Kongress habe ich nicht bereut. Am Rande konnte ich mit mehreren Schachfreunden inhaltsreiche Gespräche führen. Zum Glück hängt die Zukunft der Menschheit nicht vom Schachspielen ab.

GRANDPA FOR FUTURE / Fridays-for-Future-Demo am 20.09.2019 in Hannover
Fridays-for-Future-Demo am 20.09.2019 in Hannover
27.09.2019 Drachenfest am Kronsberg

9 Gedanken zu „Ganz dünnes Eis“

  1. Osterkongress im Gildehaus zu Lüchow 1964

    Schachfreund Peter A. aus T. hat mich gestern gefragt, ob ich das Ergebnis vom Osterkongress 1964 in Lüchow hätte. Habe ich tatsächlich! Etwas vergilbt, aber komplett. Die 1. Seite habe ich eingescannt (siehe oben). Insgesamt besteht das Rundschreiben aus 9 Seiten und dem Anhang, den ich bereits 2013 an dieser Stelle veröffentlicht hatte.

  2. Kampflose Schachpartien

    Am Sonntag fand die 1. Runde der Mannschaftskämpfe auf den Landes- und Bezirksebenen statt. Bei Betrachtung der Ergebnisse ist mir aufgefallen, dass relativ viele Bretter freigeblieben sind. Für den Start einer Saison ist das erstaunlich, denn normalerweise sollten alle Teams nach einer langen Sommerpause motiviert sein. Urlaub oder Ferien haben die meisten hinter oder vor sich. Deshalb habe ich mir die Sache genauer angesehen. In den Landes- und Verbandsklassen (ohne Oberliga) hätten theoretisch insgesamt 480 Schachspielerinnen und Schachspieler antreten sollen. Das wären 240 Schachpartien gewesen (ohne Berücksichtigung einer Spielverlegung in der Landesliga Süd). 12 gemeldete Schachspieler sind nicht angetreten. Das entspricht einer Ausfallquote von 2,5 %.

    In den Bezirken war die Ausfallquote deutlich höher, obwohl die Wege zum Schachlokal in der Regel kürzer sind. In allen Klassen der Bezirke 1-6 hätten theoretisch insgesamt 1.902 Schachspielerinnen und Schachspieler antreten sollen. Davon sind jedoch 86 zuhause geblieben, was einer Ausfallquote von 4,5 % entspricht. In den Bezirken sieht das im Einzelnen wie folgt aus:

    Bezirk 1 Hannover 464 Spieler = 232 Schachpartien
    28 Spieler nicht angetreten (davon 8x Hämelerwald) = 6,0 % Ausfallquote
    Bezirk 2 Braunschweig 200 Spieler = 100 Schachpartien
    7 Spieler nicht angetreten = 3,5 % Ausfallquote
    Bezirk 3 Süd 240 Spieler = 120 Schachpartien
    13 Spieler nicht angetreten = 5,4 % Ausfallquote
    Bezirk 4 Lüneburg 400 Spieler = 200 Schachpartien
    16 Spieler nicht angetreten = 4,0 % Ausfallquote
    Bezirk 5 Oldenburg 220 Spieler = 110 Schachpartien
    8 Spieler nicht angetreten = 3,6 % Ausfallquote
    Bezirk 6 Osnabrück-Emsland 378 Spieler = 189 Schachpartien
    14 Spieler nicht angetreten = 3,7 % Ausfallquote

    Mit den Landesklassen zusammen sind an diesem Sonntag 98 gemeldete Schachspieler nicht angetreten. Es kann immer etwas dazwischenkommen, insofern wird eine Ausfallquote von 0 % über alle Ligen gesehen ein Wunschtraum bleiben. Gleichwohl müssen wir an die 98 Schachfreunde denken, die sich vergeblich auf den Saisonstart vorbereitet hatten. Ein kampfloser Punkt tröstet nur selten über den verkorksten Tag hinweg. Darüber hinaus ergeben sich manchmal wettbewerbsverzerrende Ergebnisse, die dergestalt sind, dass Mannschaftskämpfe gewonnen werden, obwohl die tatsächlich gespielten Partien das Gegenteil aussagen.

    Das Thema kampflose Partien haben wir bereits unter Aufrückzwang erörtert. Meines Erachtens gibt es mehrere Stellschrauben, um die verbreitete Unlust unter den vermeintlichen Schwänzern abzumildern. Allein der Blick auf die Quantität der einzelnen Bezirke sollte zu denken geben. In den Bezirken 2, 3 und 5 sind nur jeweils halb so viele Schachspieler in den Mannschaftskämpfen aktiv wie in den anderen drei Bezirken.

    Leider ist Abhilfe nicht in Sicht. Michael S. Langer hat resigniert. Die von ihm ursprünglich geplanten Anträge hinsichtlich der notwendigen Strukturänderungen hat er mangels Aussicht auf Erfolg erst gar nicht gestellt. Michael hat seine Kehrtwende auf dem NSV-Kongress damit begründet, dass sich die Lage bei der Besetzung von Ehrenämtern gebessert hätte. Aber in 10 bis 20 Jahren, wenn sich durch den demographischen Wandel die Reihen weiter gelichtet haben, wird gehandelt! Ganz dünnes Eis. – Vorher wird uns der Klimawandel den Mittelfinger zeigen.

    1. Niedersachsens alter und neuer Schachpräsident hat sich gerade telefonisch bei mir gemeldet. Michael legt Wert auf die Feststellung, dass er nicht resigniert hätte. Okay. Das von mir gewählte Verb war eine subjektive Momentaufnahme meinerseits. Michaels Optimismus hat einen langen Atem. Michael hat deshalb den Vorschlag gemacht, dass ich das Wort resigniert mit fröhlichen Smileys einrahmen möge. Damit bin ich einverstanden. Die Wahl geeigneter Smileys überlasse ich euch.

      1. Hallo zusammen,

        mir war und ist es nicht wichtig, dass der Kommentar von Gerhard geändert wird. Mir war wichtig, ihm mitzuteilen, dass ich nicht resigniert habe….

        Herzliche Grüße!

        Michael

  3. Schachscham

    Mal ehrlich, habt ihr manchmal ein schlechtes Gewissen? Während wir nutzlos am Schachbrett herumsitzen, verschlechtern sich weltweit die Rahmenbedingungen. Der Klimawandel ähnelt einer Schachpartie. Wir sind selbst für die Züge verantwortlich und können sie nicht zurücknehmen. Je mehr Fehler wir machen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir unumkehrbar auf Verlust stehen.

    Aus Fehlern lernen ist das Credo eines jeden Schachtrainers. Dazu bedarf es der Einsicht. Alexander Koblenz, der Trainer von Ex-Weltmeister Michail Tal, kam jedoch zu der Erkenntnis, dass die meisten Schachspieler ab einem gewissen Alter nicht mehr bereit sind, die Lehren aus ihren Fehlern zu ziehen. Sie machen lieber ihr Leben lang so weiter.

    Wie gut, dass es die Jugend gibt. Die hat das Leben noch vor sich. Während alte Männer mehr und mehr ihrem Starrsinn frönen und diesen anderen als Alternative aufzwingen wollen, haben junge Menschen den Weckruf wahrgenommen (guckt ihr oben). Dank Greta Thunberg. Für den Friedensnobelpreis 2019 ist die Zeit noch nicht reif. Das senkt den Blutdruck der alten Männer und erspart der Welt unzählige Hasskommentare. Gleichwohl hat Greta auf unglaubliche Weise eine Bewegung in Gang gesetzt, die wir aus der Chaosforschung kennen: Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann das Wetter beeinflussen. Vielleicht ist Greta dieser Schmetterling, der zu einem Umschwung führt. Allen Leugnern zum Trotz.

    1. Frieden im Land

      So ehrlich ist dann doch niemand. Zumindest nicht öffentlich. Denker lassen lieber Drachen steigen (guckt ihr oben). Was macht derweil Utopia?

      Heute findet die Nachholbegegnung in der Oberliga zwischen dem SK Kirchweyhe und dem SK Union Oldenburg statt. Auf das Ergebnis dürfen wir gespannt sein. Eine Niederlage <1:7 darf für die Oldenburger als Erfolg gewertet werden. Die Mannschaftsaufstellung des SK Kirchweyhe ist ein Beleg dafür, wie friedlich Serben, Kroaten, Bulgaren, Mongolen und ein Deutscher vereint sein können. Schach ist doch nicht nutzlos.

      1. Klar funktioniert das. Solange wie das Geld in Strömen fließt. Danach verlieren sie sich wieder in alle Himmelsrichtungen.

      2. Für die einen ist es ein Strom, für die anderen ein Rinnsal. Wenn Geld für friedliche Zwecke ausgegeben wird, hat es seinen Zweck erfüllt. Chancengleichheit sieht jedoch anders aus. Das von mir erwartete Ergebnis von 1:7 spricht eine deutliche Sprache. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, wenn Schachspieler für ihren Einsatz entlohnt werden. Entscheidend sind die Beweggründe des Vereins.

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