Spielmaterial

Mit den Worten, es sei besser, im Blog als per Email über das Thema „Spielmaterial“ zu diskutieren, endet eine Rundmail unseres externen Spielleiters vom 20. Oktober. Ich mache hiermit den Versuch, eine Diskussion anzuregen, sofern es überhaupt einer Diskussion bedarf. Für mich steht es nämlich außer Frage, dass wir dringend neues Spielmaterial benötigen, denn das, was wir haben, stammt noch aus den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrtausends und ist mittlerweile so unansehnlich, dass es schnellstmöglich auf den Müll gehört.

Unsere Kassenlage ist mir nicht bekannt, gleichwohl reden wir im Vergleich zu anderen Sportarten von geringen Kosten. Turniergeeignete Schachbretter und Schachfiguren sind zusammen für unter 80 € erhältlich. Für eine Mannschaft sind das 640,00 €. Bei einer Lebensdauer von 30 Jahren sind das pro Jahr und Spieler rund 2,60 €. Das entspricht dem Wert eines Power-Gels, das ich mir während einer Trainingsfahrt mit meinem Rennrad gönne. Ich weiß, solche Vergleiche hinken, denn Geld, das nicht vorhanden ist, kann man nicht ausgeben.

Folglich müssen wir Wege finden. Spenden sind einer, Einsparungen andere. Beitragserhöhungen halte ich für kontraproduktiv. Zu den Einsparungen zählen für mich auch frustrierende Spielabende, zu denen kein Schwein kommt, aber jeweils Miete kosten. Die könnten meines Erachtens ausgedünnt werden mit dem Effekt, dass die verbleibenden an Attraktivität gewinnen.

Auch wenn wir stolz darauf sind, ein „etwas anderer Schachverein“ zu sein, so darf es nicht dazu führen, dass wir uns schämen müssen, wenn wir Gäste haben. Ordentliches Spielmaterial ist ein Muss. Insofern gibt es dringend Handlungsbedarf.

8 Gedanken zu „Spielmaterial“

  1. Mein Gelübde

    Am vergangenen Montag war ich mittendrin. Just als Orkan „Christian“ auf die Nordfriesische Küste traf, kam ich auf Sylt an. Zwei Dickköpfe prallten aufeinander. Christian fauchte und zischte und wummerte und blies und zertrümmerte alles, was ihm in die Quere kam. Mir flogen reihenweise Dachziegel um die Ohren. In meiner Not kam mir eine Idee. Ein Gelübde sollte mich retten. Und so sprach ich zu Christian: „Lieber Christian, wenn du mich verschonst, verspreche ich, meinem Schachklub einen Betrag zu spenden, mit dem unser 1. Brett mit neuem Spielmaterial ausgestattet werden kann. Dort sitzt nämlich unser Horst-Peter, und der hat am nächsten Sonntag Geburtstag. Ein neues Brett und neue Figuren würden ihn unendlich beglücken und zugleich denen Hoffnung signalisieren, die als Underdogs mit Material von der Resterampe vorlieb nehmen müssen.“ Christian war beeindruckt. Wie auf Knopfdruck drosselte er seine schnaubenden Sturmböen und zog von dannen.

    Diese Geschichte ist nicht gelogen, so wahr mir Christian helfe. Die Spende habe ich überwiesen. Auf Horst-Peters strahlende Augen bin ich gespannt.

    Wer mehr über meine Erlebnisse im Auge des Orkans erfahren möchte, sollte einen Blick ins Forum meines Radsportvereins werfen:
    http://www.rcgehrden.de/forum/viewtopic.php?f=7&t=148&p=4987#p4987

  2. Noch ein Gelübde

    Als ich gestern mit dem Fahrrad, allerdings ohne Power-Gel, am Mittellandkanal entlang fuhr, winkte mir von einem Frachtschiff der Klabautermann zu. Er rief: „Wenn deinem Schachverein jemals ein neues Brett mit Figuren gespendet werden sollte, dann ist nur einer würdig, damit zu spielen, und das ist Gerhard Streich. Denn er ist genauso alt, wie das Schachbrett Felder hat. Gelobe, dass nur er an dem neuen Brett spielt; denn sonst wird kein Wasser mehr im Mittellandkanal sein.“ Das musste ich natürlich versprechen, um Schaden für die Binnenschifffahrt zu verhindern. Und so ist es unabdingbar, dass nur Gerhard an dem neuen Brett und mit den neuen Figuren spielen darf.

  3. Doch der Klabautermann hatte die Rechnung ohne eine Fee gemacht, die als blinde Passagierin an Bord war. Die krabbelte um Mitternacht aus der Kajüte und rief lauthals:

    „Herzlichen Glückwunsch, Horst-Peter! In drei Jahren kannst du auch jedes deiner Lebensjahre einem Feld auf dem Schachbrett widmen.“

    Darob war der Klabautermann den Tränen nahe. Wasser hin oder her. Der Mittellandkanal wird zubetoniert. Das neue Brett inklusive Figuren geht an das Geburtstagskind! Für Gerhard und all die anderen finden wir eine Lösung. – Und wenn er nicht gestorben ist, dann bestellt er flugs so viel Material, dass sich unser Spielleiter im siebten Schachhimmel dünkt.

  4. Der Klabautermann war den Tränen nahe, weil er erkannte, dass er übel getäuscht worden war.
    Die Fee war nämlich gar keine Fee, sondern hieß in Wirklichkeit Lilifee. Und sie war auch keine blinde Passagierin, sondern eine blonde Passagierin; sie redete viel, wenn der Tag lang war, und noch mehr, wenn es Mitternacht wurde.
    Und so bekräftigte der Klabautermann noch einmal sein Gebot: „Mit dem neuen Schachbrett und mit den neuen Figuren darf nur jemand spielen, der meinen Vornamen trägt oder der meinen Vornamen in seinem Vornamen trägt.“
    Und der Vorname des Klabautermanns war – so wahr mein Doppelvorname Horst-Peter ist – nämlich Erhard, und so war es erneut unausweichlich, dass nur Gerhard mit dem neuen Brett und den neuen Figuren spielen darf. Und alle anderen müssen sich jetzt überlegen, ob sie ihre Vornamen ändern wollen.

  5. Brett-Maut

    Stichwort: Horst. Das brachte mich auf die Idee, den einzigen, lebenden Sonnenkönig um Rat zu fragen. Es handelt sich um den „Kini von Ingolstadt“. Sein bürgerlicher Name lautet Horst Seehofer. Horst hatte sofort eine Idee: „Eure Geldsorgen löst ihr am besten durch eine Brett-Maut. Bei Mannschaftskämpfen besteht die Hälfte der Schachspieler aus Gästen. Was machen die Gäste? Sie versiffen mit ihren angstverschwitzten Fingern die Schachfiguren und verschütten ihre klebrigen Süßgetränke auf dem Schachbrett, wenn sie in Zeitnot geraten. Es ist also euer gutes Recht, die Gäste an den Folgekosten zu beteiligen.“ „Alle Achtung, Horst“, lobte ich ihn, „für einen König hast du eine beachtliche Bauernschläue.“ „Das liegt an den drei Damen, die mir stets helfen. Ihr armseligen Schachspieler habt ja nur eine, ich habe Beate, Christine und Ilse (Anmerkung der Redaktion: Merk, Harderthauer und Aigner). Das sind gestandene Weibsbilder.“ Horst setzte zu einer seiner gefürchteten Lachsalven an, die ihm bislang immer im Hals steckengeblieben sind. „Wie sollen wir die Brett-Maut durchsetzen?“, unterbrach ich sein Wiehern. „Ihr stellt beim Niedersächsischen Schachverband einen entsprechenden Antrag, und zwar zur Jahreshauptversammlung 2020“, gab sich Horst ganz staatsmännisch. „Warum erst 2020?“ „Weil dann die CDU die Absicht hat, eine Frauenquote ins Wahlprogramm aufzunehmen!“ Horst konnte sich nicht mehr halten. Er drohte, an seinem eigenen Lachen zu ersticken. Vorsichtshalber legte ich schnell den Hörer auf. – Zunächst war ich etwas verwirrt. Dann kam mir die Einsicht, dass 2020 weder der eine noch der andere Antrag Erfolgsaussichten hat. Deshalb sollten wir hier und heute handeln.

  6. Ich kenne die Kassenlage auch nicht – vermute aber, dass sie wie immer schlecht ist. 😉
    Trotzdem hat Gerhard natürlich recht: Mindestens in den oberen Ligen muss gutes Schachmaterial eingesetzt werden, was dort Holz heißt. In der besten aller Welten gäbe es für jede Mannschaft schöne Sets, nötig ist das aber nicht, finde ich. In Isernhagen hat der Gegner am Sonntag auch nur die üblichen Klappbretter mit Kunststofffiguren aufgebaut – die kosten zusammen nur 20 Euro und sind vollkommen okay, finde ich (ich brauche keine Bleifüße, um mich stilvoll mattsetzen zu lassen). Wichtig ist dabei nur, dass die Figurensätze nicht nur vollständig, sondern auch einheitlich sind. Da beim Blitzen immer alles vermischt wird, haben wir früher gelegentlich (selten…) Aufräum- und Sortieraktionen gestartet, das half ein wenig, war aber auch ernüchternd.

  7. Gestern bin ich auf Rachel Salamander aufmerksam geworden. Sie ist mein Jahrgang. Am Sonntag wurde sie mit dem Marbacher Schillerpreis ausgezeichnet. In seiner Laudatio nannte sie der Mitherausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, eine „Physikerin der literarischen Kraft“. Sie verstehe sich auf die hohe Kunst, Geist in Tat zu verwandeln. Das hat mir imponiert. Für uns heißt das, neue Figuren und Bretter braucht der Verein! Selbst wenn die Kasse leer sein sollte, wird es einen Weg geben. Physiker ans Werk!

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