Zuversicht 2.0

Wer hätte das gedacht? An Silvester 2019 war Zuversicht für das kommende Jahrzehnt in aller Munde. Auch in meinem. Und nun das. Das Coronavirus hat der Menschheit einen Strich durch die Rechnung gemacht und für gigantische Rettungspakete gesorgt: 2 Billionen Dollar in den USA, 750 Milliarden Euro in Deutschland, 4,4 Milliarden Euro in Niedersachsen, 10 Millionen Euro in Hannover. Die schwarze Null ist implodiert. Plötzlich geht alles; inkl. Verbote. – Zuversicht ist jetzt wichtiger denn je. Und deshalb möchte mit diesem Update 2.0 keine großen Worte machen, sondern auf das verweisen, was für uns alle am wichtigsten ist:

9 Gedanken zu „Zuversicht 2.0“

  1. Schloss Bellevue

    Die Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 26. März zur Corona-Krise habe ich sinnbildlich mit meiner Kamera festgehalten. Guckt ihr oben. „Physisch abstandhalten – und einander doch näher sein als je zuvor“, lautet sein Appell. Den Worten schließe ich mich vorbehaltlos an.

  2. Kontaktsperre

    Heute Abend zeigt die ARD eine Sondersendung des RBB. Thema: Hauptstadt im Krisenmodus – Leben im Zeichen von Corona. Was derzeit in Berlin nicht erlaubt ist, seht ihr oben. – Welchen Kummer „Liebe auf Distanz“ bereitet, besingen Revolverheld & Antje Schomaker auf eindrucksvolle Weise.

  3. Kein Sport

    Der Spruch: „No Sports“, geht bekanntlich auf Winston Churchill zurück. Belegt ist das nicht, gleichwohl werden die zwei Worte gern von Leuten zitiert, die ihren Hintern nicht hochbekommen. Die anderen scharren derweil mit den Hufen. Nicht einmal die mit bestem Sitzfleisch ausgestatteten Schachspieler dürfen sich zwecks Ausübung ihrer Sportart auf dasselbe setzen. „Raum ist in der kleinsten Hütte“ gilt laut Friedrich Schiller zwar für glücklich liebende Paare, aber vorübergehend nicht für Bewegungs-Junkies, die den echten Körperkontakt suchen. Als ich jung war, konnten Dribbelkünstler ihre Gegner in einer Telefonzelle schwindelig spielen. Derzeit ist das nicht einmal im Berliner Olympiastadion möglich. Guckt ihr oben.

  4. Auferstanden aus Ruinen

    Vor 40 Jahren ist das Gebäude eingestürzt, das ihr oben im aktuellen Zustand seht: die ehemalige Kongresshalle in Berlin. Im Volksmund wurde sie „schwangere Auster“ genannt. Das im Jahr 1957 errichtete Gebäude war ein Geschenk der Amerikaner. Die kühne Dachkonstruktion war jahrzehntelang eine Sehenswürdigkeit in Berlin. Statikfehler, Baupfusch und Materialermüdung führten zum folgenschweren Einsturz des Daches. Ein Mann starb, vier Männer wurden verletzt.

    Aus den Ruinen entstand – mit neuem Dach – das Haus der Kulturen der Welt (HKW). Die Kulturen der Welt befinden sich derzeit in Schockstarre. Die Geschichte der Kongresshalle zeigt uns, dass es ein Leben danach gibt. Mögen die Kulturen nach der Coronakrise stärker denn je sein. Und zwar weltweit.

  5. Philharmonie

    Handgemachte Musik ist wie Schach ohne Computer: authentisch. Für DWZ-Junkies ist diese Corona-Krise brutal. Ihr Rechner lässt sich nicht melken. Stellt euch vor, ihr spielt gegen einen echten Menschen eine Partie Schach, ohne daran zu denken, welche Auswirkungen das Ergebnis auf euren DWZ-Kontostand hat. Derzeit undenkbar. Von Stefan Zweig stammt das Zitat: „Auch die Pause gehört zur Musik.“ Vielleicht tut diese Pause gut. Wer sie nutzt, wird das Schachspiel neu entdecken: als Kunst. „Die Kunst des Schachspiels“ heißt ein Buch von Ernst Strouhal. Es wiegt 2,6 kg. Vor 20 Jahren habe ich das bahnbrechende Schachgeschichtswerk (O-Ton: Die Zeit) von Schachfreunden geschenkt bekommen. – Eine Pause kann also durchaus hilfreich sein. Das wissen auch Musiker. Das gemeinsame Pausieren aller Stimmen nennen sie Generalpause. Sinnbildlich zeige ich euch oben die Elbphilharmonie.

  6. Reden wir über Geld

    Von Luft und Liebe können Schachspieler nicht leben. Deshalb ist derzeit ein Blick aufs Bankkonto – sofern vorhanden – wichtiger denn je. Wer nicht in der Lage ist, seine eigenen Aktien trickreich zurückzukaufen, muss sehen, dass die Einnahmen nicht versiegen. Wie viele Menschen leben in Deutschland vom Schachspiel? Ich tippe auf eine dreistellige Zahl. Darüber hinaus dürfte die Zahl derer, die sich ein Zubrot verdienen, vierstellig sein. Alle nicht systemrelevant! Nichtsdestotrotz handelt es sich um Einzelschicksale, die uns dann berühren, wenn wir davon Kenntnis haben.

    Heute ist Freitag. Eigentlich ist das der schönste Arbeitstag in der Woche. Die Vorfreude auf das freie Wochenende – womöglich mit einem Schachturnier verknüpft -, lässt die Glückshormone warmlaufen. Ob wir wollen oder nicht denken wir in Krisenzeiten an den Schwarzen Freitag. „Hustet die Wallstreet, bekommt der DAX eine Grippe“, lautet eine Weisheit unter Börsianern. Und was wird aus dem DAX, wenn die Wallstreet Corona hat? Die nächsten Wochen werden es zeigen. Wie schön die Fassade der Frankfurter Börse glänzt, seht ihr oben.

  7. Zack, bum, weg – bonjour…

    Aale-Dieter muss pausieren. Womöglich das ganze Jahr. Der Hamburger Fischmarkt ist verwaist. Normalerweise wäre dort morgenfrüh der Bär los. Für heranwachsende Schachspieler ist ein Besuch auf dem Hamburger Fischmarkt ein Must go mit folgendem Vorprogramm: Blitzturnier von 19:00 bis 24:00 Uhr mit Kontra und Re, 24:00 bis 4:30 Uhr Doppelkopfrunde mit Pflichtsoli und 4:30 bis 5:00 Uhr Fußmarsch zum Fischmarkt. – Das unterscheidet das wahre Leben vom virtuellen. Ein bisschen Wehmut darf sein. Dabei hilft ein Blick nach oben auf die wunderschöne Fischauktionshalle.

  8. Soleil für Stubenhocker

    Heute Abend zeige ich euch exklusiv einen Vorgang, der derzeit fast allen Deutschen verwehrt ist: einen Sonnenuntergang am Meeresstrand zu beobachten. Nachdem ich das Foto (siehe oben) im März 2014 am Roten Kliff in Kampen/Sylt aufgenommen hatte, hat die Sonne das Schauspiel 2.206 Mal wiederholt. Auf die Sonne ist halt Verlass! Sie kehrt am nächsten Morgen anstandslos zurück. Morgen wird sie das wieder tun und übermorgen usw. Bevor ich zu pathetisch werde, beschränke ich mich auf ein Wort: Danke! – Macht es euch zuhause gemütlich. In die richtige Stimmung bringt euch nicht nur dieses Foto, sondern auch das Chanson „Soleil, soleil“ von der französischen Sängerin namens Pomme (Jahrgang 1996). Sie sei ein „Elfe mit ausgereifter Persönlichkeit“, sagen Frankreichs Musikkritiker. Das gefällt mir. Einen Troll hätte ich nicht verlinkt.

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