70 Jahre feiste Fehler

Nein, das ist kein neues Buch von Robert Hübner, das soll ein kleiner Rückblick sein. Unser  Jubilär Gerhard feierte am gestrigen Sonntag seinen 70. Geburtstag!

Da Gerhard selbst immer für eine Spitze gut ist, habe ich diese Überschrift für einen Rückblick auf die letzten 6 Jahre hier im Blog gewählt. Was bietet sich an, aus den bisher 196 veröffentlichen Artikeln ein kleines Best Of zusammen zu stellen? Die frühen Jahre seines Schaffens sind in Olafs Beitrag nachzulesen.

Platz 1

Für mich ist der klare Platz 1 die Untersuchung und Prämierung der besten Webseiten der niedersächsischen Schachvereine.

https://www.schachfreunde-hannover.de/die-besten-webseiten-niedersaechsischer-schachklubs/

Platz 2

Der Artikel über Helmut Reefschläger findet nach seinem Tod auch überregional Aufmerksamkeit.

https://www.schachfreunde-hannover.de/helmut-reefschlaeger/

Platz 3

Die verkrusteten Strukturen im Schach und die nötigen Veränderungen sind öfter Thema bei Gerhard.

https://www.schachfreunde-hannover.de/ist-das-schach-oder-kann-das-weg/

Platz 4

Der Blick in seinen „Kiez“, tief verwurzelt in Linden, der Blick auf ein Straßenfest inclusive OB.

https://www.schachfreunde-hannover.de/die-strasse-lebt/

Platz 5

Auch an Satzungen und Turnierordnungen hat er seine Freude, der Artikel zum 01. April wurde vielleicht sogar manchenortens ernst genommen!

https://www.schachfreunde-hannover.de/die-spielberechtigung-wird-vereinfacht/

Das waren für mich die Höhenpunkte aus den vergangenen Jahren, der Artikel mit den meisten Kommentaren findet Ihr nochmal hier am Ende.

https://www.schachfreunde-hannover.de/dann-geht-doch-zur-wahl/

More to come?

Yes! Look at this (Ergänzung von Gerhard):

Ohne Worte
Finale des Radklassikers Eschborn-Frankfurt am 1. Mai 2019

 

 

Die Zeit verstreicht – Update 2019

70 Jahre alt ist Gerhard Streich an diesem Sonntag geworden – 55 (fünfundfünfzig!!) davon hat er maßgeblich für unseren Verein gewirkt, als einer ihrer stärksten Spieler wie auch in Vorstandsämtern. Er hat einige Jahre die Schachkolumne in der HAZ verfasst und natürlich ungezählte Beiträge in diesem Blog.

Als ich 1987 den Schachfreunden Hannover beitrat, war Gerd ein paar Monate zuvor gerade zum 1. Vorsitzenden gewählt worden. Ich leistete in dem Jahr meinen Wehrdienst ab und nutzte den Freitagabend wohl vor allem, um bei den wilden Blitzpartien zwischen Horst-Peter Anhalt und Arthur Kölle mein Vokabular an Beleidigungen zu erweitern. Jedenfalls bekam ich zunächst kaum mit, wie turbulent es hinter den Kulissen zuging: 1986 war die Fusion mit dem SK Anderten geplatzt, und im Haus der Jugend in der Maschstraße galt es, wieder einen eigenen Spielbetrieb mit Monatsblitz, Vereinsmeisterschaft etc. auf die Beine zu stellen. Gerd bemühte sich als Vorsitzender erfolgreich um den Neustart des Vereins, eine Aufbruchstimmung habe es damals gegeben, berichtete er später rückblickend. Doch natürlich gab es auch Probleme, die es irgendwie offenbar schon immer gegeben hat – und vermutlich immer geben wird: Obwohl Michael Geveke und Gerd sich damals um die Jugendarbeit kümmerten, machte die Jugend um die Schachbretter in dem ihr gewidmeten Haus bald wieder einen Bogen, allen Anstrengungen zum Trotz.

In dieser Zeit begann auch Gerds Kampf gegen den Starrsinn von Schachfunktionären und die Bürokratie im Allgemeinen: Es ging 1988 um den hürdenreichen formalen Weg zum eingetragenen Verein. Und die Frage, ob in höheren Ligen wirklich viel Geld für Schiedsrichter bezahlt werden muss. Gerds Schachfreunde weigerten sich, verloren zur Strafe die Spielberechtigung der ersten Mannschaft in der Regionalliga 87/88 – und erkämpften sie sich zurück mit der Drohung, vor das Amtsgericht zu ziehen…

Gerd hat – auch nach seiner Zeit als Vorsitzender – den Kampf gegen Widersinn und bürokratischen Unsinn nie ganz aufgegeben. Jedenfalls tauchte das Thema in einigen seiner Blogbeiträge auf dieser Seite noch in jüngster Zeit immer mal wieder auf – weil sich seither wenig bis gar nichts zum Besseren verändert hat. „Die Menschheit kennt viele Geißeln. Die Bürokratie ist eine der schlimmsten“, schrieb er Ende 1988 in einem Rundbrief und würde es 2019 wohl nicht anders formulieren. Weiter unten heißt es: „Die Vereins-Blitzmeisterschaft (…) war eine Riesenenttäuschung. Lediglich 5 Mitspieler waren am Start.“ Unter dem Eindruck solcher Erlebnisse trat er 1989 vom Amt des 1. Vorsitzenden zurück. Doch Gerd hat in diesen Jahren einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass die Schachfreunde die schwierige Phase gemeistert haben.

Gerds 55 Jahren SFH kann man nicht in wenigen Absätzen gerecht werden. Einen etwas ausführlicheren Einblick gewährte er Udo und mir zu seinem 50. Geburtstag in einem Interview für den Sonnenkönig – modernste Technologien ermöglichten es, die inzwischen etwas verblichenen Seiten zu digitalisieren. Siehe Bilder im Anhang!

Unser damaliges Edelmagazin in Hochglanzoptik nimmt sich bescheiden aus gegenüber all den Beiträgen, mit denen Gerd über die Jahre diesen Blog gefüllt hat. Neben vielen aktuellen Betrachtungen befasste er sich gern mit spannenden Rückblicken in die Geschichte des Schachs in Hannover und Niedersachsen. Manchmal eckte er dabei auch an, polarisierte und löste Proteste aus – letztlich mit der Konsequenz, dass er sich Anfang des Jahres leider hier zurückgezogen hat. Schlimmer noch: Anfang April erklärte er seinen Rücktritt vom aktiven Schach – die Turnierpartie im Mannschaftskampf der Zweiten gegen Barsinghausen soll die letzte seines Lebens gewesen sein.

Sehr, sehr schade – für mich war Gerd zwar schon 1987 ein „alter Mann“ bei den Schachfreunden, aber weder mit 50 noch mit 70 wirkte jemand vitaler auf mich als er. Der „alte“ Mann feierte schließlich nicht nur am Schachbrett, sondern auch als Radrennfahrer seine Erfolge und ist beruflich noch immer als Berater für ein Architektenbüro tätig. Vielleicht möchte er sich auch einfach noch stärker für die Initiative Jamiel Kiez engagieren? Bei dem Ziel, die Straßen rund um seine Wohnung in eine „Anwohnerzone“ zu verwandeln, müssen er und seine Mitstreiter allerdings gegen den deutschen Autowahn ankämpfen – das wäre mein persönlicher Favorit auf den Spitzenplatz unter den Geißeln.

Respekt und alles Gute, Gerd! Die Hoffnung auf ein Comeback hier und am Schachbrett bleibt.

 

 

 

Die letzte Partie

…der gesamten Oberliga-Saison wurde gestern durch Schachfreund Martin Ploog gewonnen. Als die Ergebnisse aller anderen Oberligaspiele längst komplett im Internet verfügbar waren, die gleißende Sonne über der Bremer Straße in Delmenhorst langsam an Kraft verlor und die Lungen der Mannschaftskollegen durch das Warten an eben jener Straße feinstaubbelastet bereits arg in Mitleidenschaft gezogen waren, da setzte Martin den erfolgreichen Schlusspunkt unter eine sehr durchwachsene Saison der Schachfreunde.

Schnell stand es 0,5–2,5 aus Sicht der Schachfreunde. Andreas  und ich verloren, während Jörg ein sicheres Remis beisteuerte. Auch Bernd konnte sicher in den Remishafen steuern. Zum zweiten Mal in dieser Saison benötigten wir Verstärkung aus der Zweiten, Olaf gewann souverän mit seinem immer gefährlichen Philidoraufbau. Große Hoffnung auf einen Mannschaftserfolg kam allerdings nicht auf, wenig später mussten Malte und Dennie die Waffen strecken. Spielstand somit 2-5.

Dann spielte nur noch Martin ein ebenso schwieriges wie seltenes Endspiel mit allen 8 Leichtfiguren und einigen Bauern. Nachdem er den Trumpf seines Gegners, einen weit vorgerückten Freibauern, sicher gestoppt hatte und auf der anderen Brettseite seine Bauernmehrheit erfolgreich in Bewegung gesetzt hatte, blieb seinem Gegner nur die Gratulation übrig.

Das Ende naht…

Was bleibt von der Saison? Das gesteckte Ziel, Klassenerhalt, wurde letztlich recht sicher erreicht. Dieses  lag  allerdings nicht an unserer Stärke, sondern daran, dass es nur einen Absteiger gab und zusätzlich eine Mannschaft, die noch weniger punktete als wir. Positiv war ganz sicher, dass die Zweite nur zweimal Ersatz stellen musste, das ist eine für die Schachfreunde außergewöhnliche Konstanz.

Am 29. September geht es in der Oberliga weiter, es bleiben 5,5 Monate zum Trainieren oder sich ein neues Schachbuch zu kaufen ;-).