Schön, schöner, Frauenschach

Heute geht es in der Frauenbundesliga um die Wurst. Die Wurst ist bekanntlich weiblich, wodurch ich mir gendergerechte Verrenkungen sparen kann. Verrenkt hat sich auch nicht Walter Siemon von der OSG Baden-Baden in seinem Pressebericht: http://www.zugzwang.de/?p=12410#more-12410

Wobei ich mich schon frage, ob so viel Schönheit zur Sprache gekommen wäre, wenn es um schnödes Männerschach gegangen wäre. Kein Wort darüber, dass im malerischen Schwäbisch Hall dermaßen „dicke Luft herrscht(e)“ (O-Ton Schachticker), dass Spielverbote erwogen worden waren. Anscheinend ist die Luft jetzt rein. In der letzten Runde der Frauenbundesliga kommt es zum entscheidenden Kampf um die deutsche Meisterschaft zwischen dem SK Schwäbisch Hall und der OSG Baden-Baden. Wir dürfen gespannt sein. Zugleich wünschen wir unseren Nachbarinnen aus Lehrte in ihrer letzten Begegnung dieser Saison gegen die Rodewischer Schachmiezen viel Erfolg. Den Klassenerhalt haben sich die Damen vom SK Lehrte vorzeitig gesichert.

Reformstau in der Oberliga

Sind wir wirklich vor dem Abstieg aus der Oberliga gerettet? Nein! Was ist, wenn Punkt 2.10.2 der Turnierordnung zum Tragen kommt? Dann werden uns nämlich zwei redlich verdiente Mannschaftspunkte abgezogen. Den letzten Mannschaftskampf bestreiten wir in Lingen. Lingen liegt bekanntlich an der holländischen Grenze. Auf der Anfahrt dorthin kann viel passieren. Kommen wir eine halbe Stunde zu spät an, gehen nicht nur dieser Mannschaftskampf mit 0:8 verloren – wogegen nichts einzuwenden ist –, sondern zwei weitere Punkte. Wir hätten dann in der Endsumme nicht 7:11 Punkte, sondern 5:13 Punkte. Ob das reicht?

Das Szenario gilt für alle Mannschaften, die vom Abstieg bedroht waren oder sind. Was ist zum Beispiel, wenn die Hamelner nicht rechtzeitig im Bremer Weserstadion ankommen? Wobei auch der Aufstieg betroffen sein kann. Ist z.B. das Spiellokal der Lingener nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt verfügbar, was uns in einem vergleichbaren Fall schon passiert ist (der Hausmeister hatte verpennt), verlieren die Lingener mit 0:8 Punkten und zwei zuvor erworbene Mannschaftspunkte. Die Konsequenz: Der HSK Lister Turm belegt den ersten Platz in der Tabelle und steigt in die 2. Bundesliga auf.

Diese Fälle sind zwar rein theoretisch, aber auszuschließen sind sie nicht. Der sportliche Wert einer ganzen Saison wäre damit auf den Kopf gestellt. Ob „Höhere Gewalt“ davor schützt, die allein im Ermessen des Turnierleiters liegt, darf bezweifelt werden.

Eine weitere Regel in der Turnierordnung halte ich aus sportlichen Gesichtspunkten für unangebracht:

2.1.3 Es kann nur jeweils eine Mannschaft eines Vereines in der Oberliga Nord spielen.

Diese Regel führt nun dazu, dass die 3. Mannschaft des SV Werder Bremen absteigen muss. Nicht, weil sie den Klassenerhalt nicht aus eigener Kraft schaffen könnte, sondern weil die 2. Mannschaft aus der 2. Bundesliga absteigt. Das heißt, die ganze Saison der 3. Mannschaft ist für die Katz‘. Sie hätte auch den zweiten Platz in der Endabrechnung belegen können; es hätte sie nicht vor dem Abstieg bewahrt. Dieses Damoklesschwert betrifft weitere Mannschaften im Norden: Hamburger SK, SF Berlin und SK König Tegel.

Dass zwei Mannschaften eines Vereins problemlos in einer Liga spielen können, zeigt aktuell die Verbandsliga Süd. Dort spielen die zweite und dritte Mannschaft des HSK Lister Turm. Deshalb erschließt sich mir nicht der Sinn der Ausschlussregel, die es leider auch auf Bundesebene in der 2. Bundesliga gibt (womöglich liegt es am selben Vater). Aus meiner Sicht darf diese Regel nur für die 1. Bundesliga gelten. Dort ist es in der Tat angebracht, dass Schachvereine nur mit einer Mannschaft spielberechtigt sind. Darunter sollten nur sportliche Aspekte ausschlaggebend sein. Warum sollte es einem Verein nicht erlaubt sein, z.B. mit drei Mannschaften in der Oberliga zu spielen? Auf diese Weise müsste nicht eine einzige Mannschaft in Deutschland zwangsabsteigen.

Darüber hinaus ist die Spielberechtigung reformbedürftig. Der aktuelle Fall im Mannschaftskampf zwischen dem Hamelner SV und dem SC Tempo Göttingen zeigt, wie fragwürdig und verklausuliert diese Regel auch auf Landesverbandsebene ist. Dort ging es um den Einsatz des Spielers Benjamin Lönhardt am 8. Brett der Göttinger. Er hatte am 11. März in der 8. Runde am 1. Brett der 2. Mannschaft in der Verbandsliga Ost gespielt. Durfte er eine Woche später in der 8. Runde der Oberliga eingesetzt werden? Um solche Diskussionen zu vermeiden, plädiere ich dafür: „Lasst die Leute spielen, wenn sie Zeit und Lust haben! Einzige Ausnahme: nicht simultan!“

Nicht alles, was in der Turnierordnung steht, ist schlecht. Gleichwohl gibt es an einigen Stellen Reformbedarf. Dass sich etwas ändert, ist indes unwahrscheinlicher als der Klassenerhalt des Hamburger SV in der Fußballbundesliga. Der Grund: niemand traut sich, die Turnierordnung anzutasten, die uns zu jeder Saison per „copy and paste“ aufs Neue präsentiert wird.

Mehr zu diesem Thema könnt ihr hier lesen: http://www.schachfreunde-hannover.de/dreierlei-mass/

Gerettet!

Drei Niederlagen am Stück, da kann man schon mal zweifeln. Während die Fußballer von 96 gestern die vierte Niederlage hintereinander einstecken mussten, konnte die Erste der Schachfreunde zeitgleich das Ruder herumreißen und die letzten Punkte zum Klassenerhalt einfahren. Bis dahin war es aber ein hartes Stück Arbeit gegen die 3.Mannschaft von Werder Bremen.

In meiner Partie stand ich nach wenigen Zügen bereits sehr schlecht. Ich vermutete eine Eröffnungsfalle, aber es war einfach nur ein schlechter Zug von mir. Mein Gegner ließ zum Glück die vom Rechner favorisierte Fortsetzung aus, sodass ich wieder ins Spiel fand und plötzlich sogar die Chance hatte in Vorteil zu kommen. Nicht gesehen – und bevor weiter gepatzt wurde, einfach mal Remis gemacht.

Stand 0,5 : 0,5

Dennie stand gefühlt immer einen Hauch besser. Im Mittelspiel wurde in unklarer Stellung Remis vereinbart.

Stand 1 : 1

Dann war Arthur fertig, der neben seinem jungen Gegenüber noch den Jetlag und gefühlt 40 Grad Temperaturunterschied zu Südaustralien als Gegner hatte. Alle zusammen landeten in einem komplett ausgeglichenen Turmendspiel.

Stand 1,5 : 1,5

Jürgen brachte uns in Führung. Gegen die bekannt experimentierfreudige Eröffnungswahl seines Gegners fand er ein gutes Rezept und erreichte eine angenehme Position. Im Mittelspiel wollte der Bremer etwas zu viel und wurde von Jürgen ausgekontert.

Stand 2,5 : 1,5

Bernds Partie habe ich schon beim Zuschauen nicht verstanden. Nach meinem Empfinden sah die Stellung extrem vielversrechend aus. Am Ende war aber plötzlich eine von Bernds Figuren weg, doch ein starker Freibauer sicherte das Remis. Ob das der Rechner auch so sieht?

Stand 3 : 2

Zu diesem Zeitpunkt deutete manches auf ein 4-4 Endergebnis hin. Andreas H. stand deutlich schlechter, Andreas L. hatte einen Bauern mehr in einem schwierigen Endspiel und Friedmar stand wohl auch eher schlechter.

Der Knackpunkt des Mannschaftskampfes war die Partie von Andreas H. Gewohnt schnell brachte Andreas seine Züge aufs Brett, so dass sein erfahrener Gegner bereits zur ersten Zeitkontrolle in Zeitnot kam. Danach konnte der Werderaner allerdings seine Stellung kontinuierlich verbessern und so um Zug 60 war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, wann Andreas aufgeben muss. Aber eben diese Zeit wurde jetzt zum entscheidenden Faktor. Erst entstand ein ausgeglichenes Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern und kurz danach schlug die letzte Falle zu.

Stand 4 : 2

Friedmar konnte letztendlich in ein remisiges Springerendspiel überleiten und sorgte somit bereits für den Mannschaftssieg

Stand 4,5 : 2,5

Andreas L. knetete noch eine Weile mit Dame und Springer gegen Dame und Läufer, allerdings verteidigte sich sein Gegner umsichtig und erreichte den Remishafen (was ist eigentlich ein Remishafen?).

Endstand 5 : 3

Ein durchaus etwas glücklicher Sieg, aber egal. Mit 7 – 9 Punkten sind wir jetzt bis auf den 5. Tabellenrang vorgerückt und können das letzte Spiel gegen den bereits feststehenden Oberliga-Meister aus Lingen genießen (naja, wenn man etwas masochistisch veranlagt ist).

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Das Drama am 7. Brett (siehe meinen Kommentar):

Franke, Prof. Dr. Reiner (Werder III) – Herrmann, Andreas (SFH)
Oberliga Nord West (8) Brett 7
18.03.2018
Weiß nach 65… b4 am Zug

66. Kf5?? (Naheliegend, aber eine Katastrophe. Sofort 66. Lc1 war vonnöten) 66… b3 67. Lc1 (zu spät) 67… e4!! 68. d7 Ke7

0-1 (Schach kann grausam sein)

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Die beiden kritischen Partien am 4. und 6. Brett (siehe meinen neuesten Kommentar):

Fritze, Bernd (SFH) – Elmali, Timur (Werder Bremen III)
Oberliga Nord West (8) Brett 4
18.03.2018
Weiß am Zug

38. Sb3? (38. Sf1! und Weiß gewinnt; siehe Variante im Anschluss)
Remis im 45. Zug

 

Liebau, Andreas (SFH) – Pollmann, Sascha (Werder Bremen III)
Oberliga Nord West (8) Brett 6
18.03.2018
Weiß am Zug

61. exd5? (61. cxd5! und Weiß gewinnt; siehe Variante im Anschluss)
Remis im 68. Zug

Schach ist, wenn…

…nach sechseinhalb arbeitsreichen Stunden und Remisschluss beide Protagonisten der Meinung sind, sie hätten die Partie verloren. Deprimierend gewissermaßen und zu Recht übrigens, aber dazu später.

Unser Team II hatte gestern in der vorletzten Runde der Verbandsliga gegen die Schachtiger zu spielen, eine Mannschaft aus dem vorderen Tabellendrittel. Beide Mannschaften mussten fernreisebedingt auf ihre nominellen ersten Bretter verzichten. Ein munteres Spiel begann.

Marc übersah leider, dass er seinem Läufer alle Felder verstellt hatte und verlor diesen prompt. Technisch hochwertig folgte die Verwertung durch den Langenhagener Gegner.
0-1

Wer 1-0 führt, der stets verliert. Willi spielte eine offene Partie und hatte einen schönen Zwischenzug, der die gegnerische Stellung pulverisierte.
1-0 Ausgleich

Die übrigen Partien entwickelten sich auf Augenhöhe und zäh. Kleine Vorteile, mal hier ein wenig Raum, mal da ein besser entwickelter Klotz, aber alles (noch) nicht gefährlich.

Gerd wollte gegnerisches Gegenspiel verhindern und bog in eine Zugwiederholung ein.
1,5:1,5

Schlag auf Schlag remisierten Jörg und Martin vor der Zeitnotphase ihre Schwarzpartien.
2,5:2,5

Die letzten drei Partien hatten es auch nach vier Stunden noch in sich:
Günter hatte seinen Läufer auf g6 einsperren lassen. Die Zeit, die dessen Befreiung dauerte, nutzte der Langenhagener Spieler zu Druckaufbau gegen den unterentwickelten Damenflügel. Irgendwann stand ein weißer Bauer auf der siebten Reihe, später ein zweiter – Aufgabe.
2,5:3,5

Jürgen hatte (diesmal gambitfrei) eine dynamische Stellung aufgebaut. Im späten Endspiel konnte er sich einen entfernten Freibauern bilden bei gleichzeitigen Chancen gegen den offenen König. Sahe gut aus. Dann Abtausch ins Turmendspiel – sah auch gut aus. Dann Verlust des eigenen Freibauerns. Ab hier wurde es komisch. Rund 15 Züge später wurde es dann remis. Eine erste Achterbahn der Gefühle.
3,0:4,0

Dies galt auch für die Partie an Brett zwei. Ich (Uwe) hatte zum ersten Mal in dieser Saison die weißen Steine. Es ging gegen Bernd Grohmann, eine gut bekannte Paarung. Bernd ist ein netter Zeitgenosse, möchte stets gern gewinnen und kennt seine sehr solide-gefährlichen Eröffnungen wie seine Westentasche. In den ersten 20 Zügen gab es also nichts für mich zu holen. Ich agierte in komplexer Stellung zunächst sehr umsichtig, gestattete ihm dann aber doch Initiative, zu der Bernd sich nicht 2x bitten lässt.

Bei Zug 30 dann mein Fehlzug – der Springer zieht aufs falsche Feld und wird vom Turm geschlagen. Übersehen – mir rutscht das Herz in die Knie. Der folgende Generalabtausch lässt Dame Turm gegen Dame Turm entstehen, Minusbauer und offene Königsstellung inklusive. Eigentlich (m)ein Todesurteil, aber bei knapper Zeit findet Bernd die Verwertung nicht. Ich kann glücklich in ein Turmendspiel übergehen und bekomme mit dem geschaffenen Freibauern und Druck gegen die siebte Reihe Kompensation für den Minusbauern (oder sogar schon mehr?!).

Um Zug 50 dann das Remisgebot von Bernd, das ich aber nur für ein 4:4 annehmen darf. Doch die Tiger wollen gewinnen – und so muss ich weiterspielen – Ausgleich bei den Bauern. Ich finde ein paar tolle Züge, die dem Rechner nur ein Gähnen entlocken (allesamt locker Remis!), aber wir spielen ja eine praktische Partie, in der auch Bernd trickreich agiert. Und so wogt dieses Endspiel mehrfach zwischen Remis und Gewinn für mich. Das Ergebnis steht nach knapp 90 Zügen und ziemlicher Ermattung beider Spieler fest – und macht sie gewissermaßen beide unglücklich (siehe Einleitung). Ein Drama also!
3,5:4,5 vorbei und verloren

Ich freue mich dennoch schon auf nächste Partie mit Bernd. Es macht einfach Spaß, wenn beide auf Augenhöhe den ganzen Punkt suchen und gut was los ist auf dem Brett.

Gratulation an die Tiger, die im nächsten Jahr mal realistisch in Richtung Landesligaaufstieg gucken dürften. Wir selbst haben die Abstiegschancen von 5% auf 2% gedrückt. Das Ligaorakel wird schon am nächsten Sonntag neu kalkulieren.

Noch ein Glückwunsch geht an den Lister Turm, dessen zweite Vertretung den Aufstieg in die Landesliga schon jetzt perfekt gemacht hat und auch dort kein Kanonenfutter sein wird.

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Streich, Gerhard (SFH II) – Backhaus, Manfred (ST Langenhagen)
Verbandsliga Süd (8) Brett 4
11.03.2018
Weiß nach 22… Dg5-h6 am Zug

Remis! Warum? Siehe Kommentar!

Mögliche Varianten guckt ihr hier: