Was darf Blog?

Aus gegebenem Anlass möchte ich diese Frage zur Diskussion stellen. Wir leben in einer Zeit der Social Media. Jeder kann zu allem seinen Senf abgeben. Vieles ist trivial; vieles ist verletzend. Deshalb halte ich nichts von Facebook, Twitter und dergleichen. Das Internet ist indes eine Chance, sich über Dies und Das nachhaltig Gedanken zu machen. Die meisten Schachvereine haben das erkannt und präsentieren sich entsprechend ihren Möglichkeiten. Die Schachfreunde Hannover haben einen speziellen Weg gewählt. Der beruht zum einen auf unseren Webmaster, der Beiträge und Kommentare zusammengelegt hat und andererseits auf meiner Person. Ich versuche, unsere Webseite so gut es geht mit Leben zu füllen, wohlwissend, dass ich damit nicht jeden Geschmack treffe.

Der Erfolg gibt es uns recht. In 5 Jahren wurden an dieser Stelle von mehreren Mitgliedern 410 Beiträge geschrieben, die über 2.200 Mal kommentiert wurden, und zwar von Schachfreunden, die in allen Ecken Deutschlands beheimatet sind. Täglich werden wir von mehr als 2.000 Schachfreunden angeklickt. Es gehört zu meiner Philosophie, möglichst offen über alles zu sprechen, was uns Schachspieler bewegt. Dabei würze ich meine Beiträge und Kommentare gern mit Satire. Die meisten verstehen und mögen meinen Stil, andere nicht. Die Alternative sind leere Seiten oder Langeweile.

Wer sich in unserer Medienlandschaft umsieht, wird feststellen, dass die Kommentare häufig unter die Gürtellinie gehen. Der damit verbundene Hass ist erschreckend. Gleichwohl benötigen wir in bestimmten Situationen ein Ventil. Das hat auch Herbert Bastian benötigt, kurz nachdem er als DSB-Präsident abgewählt worden war. Ich zitiere aus seinem Kommentar vom 29.05.2017 auf ChessBase:

Der neue Präsident ist ein idealer Repräsentant der inhaltlichen Ideenlosigkeit. Bösartige persönliche Angriffe gegen meine Person, die Idee des Schulschachs von der bisher eifersüchtig über ihre alleinige Zuständigkeit wachenden DSJ übernommen […] Eine Ehrung meiner Tätigkeit fand nicht statt, und warme Worte am Grab des soeben ermordeten sind Heuchelei.

Aus meiner Sicht ist sein Kommentar grenzwertig. Ich halte nichts von herabwürdigen Worten, was aber nicht dazu führt, dass ich mich jeglicher Kritik enthalte. Im Gegenteil, ohne den Austausch unterschiedlicher Standpunkte funktioniert unser Gemeinwesen nicht. Probleme werden nicht durch Schweigen behoben. Und deshalb verstehe ich nicht, warum über ein Thema, das uns alle berührt, – nämlich das Verhalten am Schachbrett – unter Freunden nicht anhand eines aktuellen Falles diskutiert werden darf.

Igor Belov (Hamelner SV) wollte und wollte seine Partie gegen Jörg Witthaus (SF Hannover) nicht aufgeben. Da ich die Szenerie beobachtet habe und diese bemerkenswert fand, habe ich darüber geschrieben und damit für manche (z.B. unseren Mannschaftsführer) ein Tabu gebrochen. In der Oberliga-Saison 2013/14 habe ich gegen Yannick Koch gespielt, als wir gegen Hameln antreten mussten. Im Mittelspiel geriet Yannick in eine Verluststellung. Er gab die Partie auf, obwohl noch viel passieren konnte. Diese Partieaufgabe habe ich damals wie heute als Charakterstärke von Yannick angesehen. Ist die positive Darstellung seines Verhaltens auch ein Tabubruch?

Wer sich nur für die nackten Ergebnisse interessiert, kann diese auf den Webseiten der Verbände nachlesen und ggfs. die Partien nachspielen. Wer mehr über das Zustandekommen wissen möchte, guckt auf die Webseiten der beteiligten Vereine. Je authentischer deren Berichte sind, desto besser.

Zum Abschluss möchte ich euch einen Kommentar vom 23. Oktober aus dem Hamelner Blog zeigen. Ist der erlaubt oder diskriminierend?

Tostedt? Alles gekaufte Söldner, die gegen Hannover verloren haben. Und vorn haben die Söldner nix Zählbares bewirkt – und hinten? Spielt da der Sponsor? Oder sind das normale Elo-Leichen? Ach, das packt ihr. MfG, Lothar

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Ergänzung am 1. November 2018 (siehe Kommentar):

Stadtsportbund Hannover

Es gibt Menschen, die haben ein Faible für Versammlungen. Ich gehöre nicht dazu, wenngleich ich zwischen zweckdienlichen Versammlungen und denen unterscheide, die vertane Lebenszeit generieren. Am Montag habe ich als Delegierter unseres Schachvereins eine Versammlung besucht, die sich als sinnvoll herausstellte. Es handelte sich um den 43. Ordentlichen Stadtsporttag Hannovers. SSB heißt der ausrichtende Verein, den ich bislang nicht richtig auf dem Schirm hatte. 373 hannoversche Sportvereine sind mit rund 114.000 Mitgliedern darin organisiert. Darunter sind 10 Schachvereine, womit deutlich wird, dass nicht jeder Schachverein automatisch dem SSB angehört.

An der Versammlung haben Delegierte aus 53 Vereinen und einigen Fachverbänden sowie geladene Gäste aus der Politik teilgenommen. Ob die Quote gut oder schlecht ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Unterm Strich waren es rund 120 Personen, die der perfekt organisierten Versammlung beiwohnten. 267 Stimmen, die von einer eigens gewählten „Mandatsprüfungskommission“ (Deutsche Gründlichkeit!) verifiziert wurden, galt es, zum Wohle der Allgemeinheit einzubringen. Die Zahl der Stimmen orientierte sich an der Vereinsgröße. Ich hatte eine Stimme. Die habe ich staatstragend eingesetzt.

Der Vorstand ist etwas in die Jahre gekommen, was dessen Engagement keinen Abbruch tut. Rita Girschikofsky heißt die resolute Präsidentin, die sich für zwei weitere Jahre wählen ließ. Dann geht sie in den Ruhestand, wie es der sympathische Vizepräsident namens Kohlstedt (mit e statt ä!) diesmal tat. Bei seiner Verabschiedung wurde er lyrisch, indem er Hermann Hesse zitierte: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Die Neubesetzung von Wolf Dietmars Posten sorgte für den einzigen Stress am Abend, weil sich zwei Kandidaten darum bewarben. Ansonsten wurde nahezu alles einstimmig verabschiedet. Diskussionen über Inhalte gab es nicht. Nach drei Stunden war die Veranstaltung gelaufen. 50 Minuten gingen allein für die Grußworte drauf. Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok machte den Anfang. Dass er mich zuvor erkannt und gegrüßt hatte (siehe Jamiel-Kiez), hat mich gefreut.

Mein Fazit lautet: Die wichtige Arbeit des SSB wird an anderer Stelle gemacht (Sportstättenbau und –Unterhaltung, Betreuung von Ganztagsschulen und Geflüchteten usw.). Wir Schachvereine sind dabei ein Mosaikstein. Auch wenn der Eigennutz nicht ersichtlich ist, sollten wir Schachspieler mit unserer Präsenz einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben leisten.

Übrigens gab es unter den Delegierten am Ende Unmut über die Nichtanwesenheit der Hannoverschen Presse. Ihr wisst schon warum. Über den Profifußball (explizit Hannover 96) werde in den Tageszeitungen bis zum Erbrechen schwadroniert, aber der Breitensport komme in der Berichterstattung zu kurz. Immerhin gab es heute in der HAZ einen kleinen Artikel über die Versammlung. Hoffentlich haben die 114.000 hannoverschen Mitglieder im SSB diesen wahrgenommen.

Kein Heimvorteil

Man soll ja schlechte Nachrichten immer mit etwas positivem beginnen: Wir hatten mit unserer Oberliga-Mannschaft im Kargah sehr gute Bedingungen. Absolute Ruhe, Platz und Verpflegung, was will man mehr. Und auch unser Neuzugang Malte war dabei, an dieser Stelle noch einmal: Herzlich Willkommen!

Dementsprechend motiviert gingen wir zur Sache, Ziel war sicherlich den Auftakt vom vergangenen Jahr zu wiederholen und einen Punkt in Linden zu behalten. Bernd und Tom gingen forsch zur Sache, Dennie stand sicher, in den anderen Schwarzpartien standen wir passiv. Bei Martin und mir war alles noch recht ausgeglichen.

Doch mit zunehmenden Spielverlauf wurde das Bild immer dunkler: Bernd’s Angriff wurde abgeblockt und durch ein Versehen stand er schnell auf Verlust. Auch Thomas stand ziemlich hoffnungslos hinten drin. In dieser Phase konnte dann Wilfried gegen Dennie remis machen, die Stellung war auch völlig ausgeglichen.

Tom hatte einen Springer ins Geschäft gesteckt und heftigen Angriff generiert, Martin kassierte einen falschen Bauern ein, seine Dame wurde überlastet und ein Springer ging verloren. Mein Gegner wich einer Zugwiederholung aus, sah allerdings den Schlüsselzug nicht, und so konnte ich das Heft in die Hand nehmen. Nach zwei weiteren Ungenauigkeiten konnte ich in ein gewonnenes Endspiel abwickeln. Bernd und Thomas hatten dann genug gesehen, somit der Zwischenstand:

0,5 – 2,5

Etwas Hoffnung keimte auf, als Andreas in gegnerischer Zeitnot noch gewinnen konnte:

Ich fuhr mein Endspiel nach Hause, und Martin rettete sich ins Dauerschach.

3,0 – 3,0

Doch die letzten beiden Partien boten wenig Hoffnung, Malte kämpfte mit zwei Bauern weniger ebenso ums Dauerschach wie Tom, er mit einem Springer weniger. Am Ende setzte sich das Mehrmaterial dann durch. Glückwunsch nach Hameln zu einer überzeugenden Mannschaftsleistung.

3,0 – 5,0

Die weiteren Partien findet ihr sicherlich bald auf der Oberligaseite des Schachbunds.

1:7 zum Auftakt in der Verbandsliga

Unsere Hoffnungen, die 1. Runde in der Verbandsliga Süd gegen den SV Laatzen unbeschadet zu überstehen, waren von vornherein gering. Unser komplettes Mittelfeld (Bretter 3 bis 6) war verhindert. So mussten die hinteren Bretter aufrücken, was dem Kräfteverhältnis nicht gut tat. Die routinierten Laatzener gewannen alle Partien vom 3. bis zum 8. Brett. An zwei Brettern war womöglich ein Remis drin. Aber es sollte nicht sein. Jürgen Reschke gegen Abdullah Celik (4) und Ulrich Wolf gegen Horst Ehlert (6) kämpften bravourös, mussten sich aber nach rund 6 Stunden geschlagen geben.

Anders sah es an den beiden ersten Brettern aus. Arthur Kölle erreichte gegen Patrick Lick mit Schwarz eine ausgeglichene Stellung, die einen Friedensschluss nahelegte. Ein bisschen mehr versprach meine Stellung, aber als mir mein Gegner, Harald Kiesel, das Remis anbot, nahm ich das nach kurzem Zögern an. Ein hoher Verlust unserer Mannschaft zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt bereits ab. Wie gewohnt zeige ich meine Partie im Anschluss. Die Eröffnung ist etwas für Liebhaber seltener Abspiele.

Streich, Gerhard (SFH II) – Kiesel, Harald (SV Laatzen)
Verbandsliga Süd (1) Brett 2
21.10.2018
Stellung nach dem 21. Zug von Schwarz

Remis

Mein Rechner attestiert mir an dieser Stelle einen Vorteil von ca. +1,00. Diesen in einen Sieg umzumünzen, hätte ich unter anderen Umständen gern probiert. Ein positioneller Vorteil bei ausgeglichenem Material ist jedoch kein Garant für einen Sieg. Schließlich hatte ich es mit einem starken Gegner zu tun. Den Verlauf der Partie könnt ihr euch hier angucken:

Mein Unterpfand zur Einheitsfeier

Kabarettisten werden häufig gefragt, ob sie glauben, mit ihrem Programm die Welt zu verändern. Die Antwort ist einhellig: „Nein, aber sie lässt sich so besser ertragen.“ So ähnlich geht es mir. Warum tue ich mir das an?

Weil ich etwas verändern will, sich etwas tun muss. An der Basis herrscht eine große Unzufriedenheit. Die Landesverbände wurden die vergangenen Jahre nicht mehr mitgenommen. Da kochte jeder sein eigenes Süppchen.

Ihr habt es sofort gemerkt. Das sind nicht meine Worte, sondern die unseres neuen DSB-Präsidenten Ullrich Krause (Quelle: Lübecker Nachrichten vom 15.06.2017). Seitdem sind rund 500 Tage vergangen. Wie schmeckt die Suppe heute?

Die Webseite der Norddeutschen Landesverbände wurde abgeschaltet, einer ehemaligen Lichtgestalt wird kriminelle Energie unterstellt, der 1. Vorsitzende eines Landesverbandes wird von einem Vorstandskollegen öffentlich als schlechtester Präsident aller Zeiten bezeichnet, in Sachsen-Anhalt treten lediglich drei Mannschaften zur Landesblitzmeisterschaft an, die Seniorenmannschafts-meisterschaften der Landesverbände verzeichnen eine Minusbeteiligung usw.

Ungenießbar!? Nein. Wir Schachspieler sind Kummer gewohnt. Jede Niederlage ist ein Schlag in die Magengrube. Gelassenheit statt Wutbürgertum ist das Rezept. Auf diese Weise wird aus einem Kampfhund ein Schoßhündchen:

Heute ist Mittwoch. Deshalb verzichte ich auf eine Sonntagsrede. Rückblickend betrachtet strahlt die Sonne von ganz allein:

2014 Einheitsfeier in Hannover vorher
2014 Einheitsfeier in Hannover nachher
2016 Einheitsfeier in Dresden

Wir haben die vergangenen vier Jahre überlebt. Und wir werden die nächsten Jahre überleben. Mein Unterpfand ist die Fantasie. Donald Trump hat sich in Kim Jong Un verliebt. Wer hätte das vor einem Jahr für möglich gehalten? – Die Einheitsfeier findet heuer in Berlin statt. Vergesst vorübergehend den grauen Alltag. Dieses Kinderkarussell auf dem Alexanderplatz möge eure Fantasie anregen: